Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 11 (1.6.1882)
- Date
- 1882-06-01
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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126 DAS JUDISCHE CENTRALBLATT. Im Jahre 1814 schrieb ich in meinen Memoiren einen lächerlichen Plan über Arbeiten der biblischen Literatur, im Laufe von 26 Jahren zu vollenden. Es handelte sich darum eine vollständige Concordanz über Hauptwörter, Zeitwörter, Partikeln, Servil-buchstaben und Eigennamen zusammenzustellen, eine Arbeit für 6 Jahre; eine Uebersetzung 3 Jahre, ein grammatischer Commentar zur Bibel 3 Jahre: ein hebräisch-ital. und ital. hebr. Wb. 2 Jahre; ein biblischer Commentar, dem Talmud entlehnt, 2 Jahre, ein wissenschaftlicher Commentar der Bibel, mit einem Verzeichniss der Gesetze, in Versen JTiTTX 7) Jahre, eine Abhandlung über die Wissenschaften, aus dem oben erwähnten Commentar gebildet, 3 Jahre. An eine regelmässige Ausführung dieses Planes habe ich nie gedacht, (7) ^nd er wurde von mir in einem Jargon niedergeschrieben, den ich mir frühzeitig bildete. Wahrscheinlich wollte ich nicht, dass andere meine Pläne kenneu, bevor sie nicht zum Theile wenigstens aasgeführt worden. Das Verzeichniss der Vorschriften, mit einer neuen Klassifieation und neuen Aufzählung, unabhängig von der desMaimonides wurde von mir am 17. Juli 1814 begonnen, aber nicht zu Ende geführt, i Nachdem ich die öffentliche Schule verlassen, beschäftigte ich mich nach Möglichkeit mit der Literatur der hebräischen, italienischen und französischen Sprache, nicht so mit der lateinischen und deutschen, wo ich mit Mühe ein Buch allein lesen konnte. Ende 1814 regte sich in mir der lebhafte Wunsch, von dem ich nicht weiss, ob dabei ausschliesslich wissenschaftlicher Trieb oder der Rath einiger Verwandten Mediän zu studiren, den Ausschlag gab. Mein Vater wollte mich nach Padua schicken, aber er hatte nicht die Mittel hiezu und ich gab mich, ohne Hoffnung auf die Universität zu kommen, heiter dem Studium des Lateinischen hin, nachdem ich es vor 20 Monaten gänzlich aufgegeben hatte. Dieses war für mich eine unnütze Arbeit und es war für mich ein Glück, dass ich bei meinem Onkel Juda Lolli das Lexicon talmudicum von Buxtorf, und das Lexicon sermonis hebraici et chaldaici von Coccejus, welche mich (7) Die Schüler Luzzatto's, welche sich mehr als seine Söhne erlauben durften, tadelten häufig ihren Meister, dass er nicht seine Arbeiten gänzlich vollende. Aber sei es, dass seine Natur Abwechslung in seiner ungeheuren literarischen Thätigkeit forderte, sei es, dass äussere Ursachen seine Gedanken von der Mission, die er sich gestellt, ihn abgewandt, es ist jedenfalls zu bedauern, dass so manche VVerke des Professor's von Padua unvollendet geblieben sind. Selbst die Ebräische Grammatik an derer von seiner Jugend bis in seiue letzten Tage arbeitete, ist nicht so vollendet, wie er es wünschte. S. M. ( ) Es ist bekannt, dass sämtliche Gebote von den Rabbinen in 2 Theile u. z. 248 Ge- und 365 Verbote getheilt wurden. L. theilte sie in 7Klassen 1. unsere Pflichten gegen Gott 2. vom Götzendienst sich zu enthalten 3. die Pflichten des Mannes 4. die Pflichten der Frau 5. die Pflichten gegen unsere Nebenmenschen 6. die Pflichten der Richter (5. die Pflichten der Priester; er zählt 295 auf, und verwirft einige von den alten angenommene. S. M. mehr ab alle lateinischen Classiker interessirten und die glühende Liebe zu diesem Studium in mir wachhielten fand. (a) Ich besass ein kleines lat. ital. und ein ital. lat. Lexicon von meinem Grossvater, der auch diese Studien begonnen hatte, um die medicinische Carriere zu betreten. Das deutsche ernst zu betreiben hatte ich, so lange ich in der Heimat blieb, keine Gelegenheit. Unter den Prämienbüchern, die ich in der Tahnudthora erhielt, war eine schöne illustrirte Naturgeschichte und ich las und übersetzte sie mit Vergnügen. Später verschaffte ich mir Mendelssohn^ philosophische Schriften, die ich theilweise las und übersetzte. Bei meinen Uebersetzungen benutzte ich Flathes deutsch-ital. Wb, das aber unvollständig war, und das mir mein Vater um 15 Kreutzer von einen Tabakverschleisser kaufte, als ich noch die Schule besuchte. Auch das oben erwähnte Lexicon hebraicum von Coccejus ( ) Dr. Saul Formiggini drückt sich in seinen Ricordi giovanili a proposito della dipartita di S. D. Luzzatto (Jugenderinnerungeu bei Gelegenheit des Todes S. D. Luzzatto's) im Corriere Israelitico (1865—6 p. 211—7) folgeudermassen über die Kenntnisse Luzzatto's aus: Als ich zum kam, sah ich zum 1. mal den aussergewöhnlichen Jüngling, etwas demüthig, mit grossen fast bäuerischen Schuhen, weicher in der Neuen Welt jener Zeit wohnte — denket Euch! in der Via Pondares — als er in unser Haus kam, die Rede zu hören, welche ich damals in der Scuola vivante vortrug. Er war 20 Jahre alt, sprach wenig und hatte wenig Welt, jedoch merkte man ihm den tiefen Denker au, und ergab einige Lectionen. — Ich stndirte privat latein bei dem Abt Prof. Ludwig Romano, bes. chte die kgl. Academie und der junge Luzzatto kam zu mir, hörte die Lectionen jener Sprache, die er allein gelernt hatte und die er besser als ich wusste und in der Zwischenzeit sagte er mir die Erklärung einiger Bibelstellen die von seinem Vater Ezechia herrührten, den man gewöhnlich den Drechsler nannte, weil er dieses Handwerk übte..... Wenig, aber ausgewählt sind die Briefe, die er mir nach meiner Ankunft nach Padua schrieb. Der erste, den ich linde, ist vom-9. October 1822, in welchem er mir sehr gute Ratschläge betreff des Studiums der Philosophie ertheilte, der eine ist lateinisch in elegantem Styl abgefasst und auf meine Anfrage über literarisene Neuigkeiten schreibt Luzzatto in seinem Briefe vom 25. Jänner 1*24 folgendes: Quid cum talarigero Numine aegidiferae Deae. A te dilecte, a te qui in omnium diseiplinarium Regia vitam jueundissimam agis, eruditae ephemeredes petendae sunt. (Wozu muss Mercur zu Minerva kommen? Es ist an dich, dessen Lebensfreude in der Untersuchung der Wahrheit besteht, literarische Notizen zu verlangen). Das 5. Gedicht im Kinnor naim ist eine Uebersetzung des lat. De consolatione philosophiae von Boethius, 'und auch im zweiten kürzlit h veröffentlichten Theile finden sich ähnliche Uebersetzungen aus dem lateinischen. S. M Die Briefe meines Vaters an seinen geliebten Freund Dr. Sau Formiggini wurden mir von seiner Wittwe geschenkt, und danke ich ihr für die freundliche Gabe öffentlich. Er schrieb auch sonst lateinische Briete an die Professoren Gesenius und Marticet und an andere deutsche Gelehrte, verfasste auch lateinische Grabinschriften und andere Gelegenheitsgedichte, >iie bis jetzt noch nicht veröffentlicht wurden und viele Widmungen seiner Werke an ausländische Gelehrte, von welchen ich eine Abschrift bewahre. Ausser den nicht veröffentlichten Schriften sind es noch folgende: „Chrestomathia Samaritana complectens: I Capita quaedam Pentateuchi ex Samaritana versione II Carmina Sam. a Cl. Guil. Gesenio, Lipsiae 1824 edita, III Epistolae Samariticae ad Jobum Ludolphem et Silv. de Sacy, hebraicis liteiis descripsit, puneta vocalia adjecit, Carminum versionem plurimis in locis emendavit onmiaque notis illustravit S. D. L. (ein kaum bej gonnenes Wrerk). Fundamenta hebraicae atque aramaicae grama- I tices nova methodo illustravit S. D. L. (2 Mss. in folio, das eine; 46, das andere 10 Seiten). J. L.