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Das jüdische Centralblatt · 1882-06-01 · 11 (1.6.1882) · p. Seite 125

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
11 (1.6.1882)
Date
1882-06-01
Page
Seite 125 (sequence 5)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 125 Ich fand auch zufällig einen grossen Catalog ital. frz. und lateinischer Bücher, der mir eine Idee von einer Universalliteratur beibrachte. Später [1817] lieh ich mir das mehrbändige Nouveau dictionnaire historique von 1789 mit einem Supplement von 1805 aus, u. z. um mir Kenntniss über Bücher, Schriftsteller und deren Biographie zu verschaffen. Die Ideen Locke's und die Methode Condillac's übten immer eine gewisse Herrschaft über mich aus. Einen unzerstörbaren Einfluss übten auf mich besonders folgende Bände: Die Logik, l'art de penser, l'art decrire und la langue des calculs. Die Neigung concis und präcis zu sprechen erbte ich von meinem Vater, und sie wurde genährt durch den steten Gebrauch der hebräischen Sprache und besonders des Raschi - Commentars zum Talmud [eine Arbeit, die von mir stets bewundert und als bewundernswert meinen Schülern angerühmt wurde,] und viele meiner ehemaligen Mitschüler erinnern sich, wie ich in kurzen Worten ihnen die langen subtilen talmudischen Untersuchungen unseres Lehrers, des Rabbiners Levi auseinandersetzte. Ein solches Streben machte mir die Methode Condillac's homogen, und wirkte deshalb mächtig auf mich. Das Zusammentreffen so vieler Umstände verursachte bei mir, dass ich jede Frage bis in das kleinste Detail zerlegte, so zu sagen algebraisch zu denken, mir entschiedene Ansichten zu bilden, fast könnte man sagen überspannte [outrees] und jeden vermittelnden Ausdruck zu vermeiden, und den Syncretismus, die entgegengesetzten Systeme zu versöhnen. Daher und aus natürlicher angeerbter Einfachheit des Charakters eignete ich mir die Art schneidend [tranchant] zu schreiben und zu sprechen an, die manchmal sogar rauh und unangenehm klingt. Die Klugheit, die Tochter des Alters und des Umganges mit der Welt, strebt immer meinen Styl höflicher zu machen, aber oft bricht die derbe Wahrheit durch (4). Zur selben Zeit beschäftigte ich mich mit der Küche, mit der Philosophie und der hebräischen Poesie. Der Onkel Benedetto sprach häufig von seinem Vater Dr. Isäc und seinem Onkel Dr. Efraim, und da er häufig die eine oder andere Dichtung vortrug und lobte, und seine Tochter Rachel sich von Görz das Buch Q'Hiyjn "5 kommen Hess, und es eigenhändig abschrieb trug diess viel dazu bei, in mir den Genius der hebräischen Poesie zu nähren. Denn trotz der vielen grammatischen Fehler wurde diesesBuch gelobt und in derFolge fühlte ich, dass dieser Stil nicht eigentlich hebräisch war, sondern italienisch mit hebräischen Worten, ich aber wollte nie das Lob der Tüchtigkeit für das Opfer des Sprachgenius erhalten (4) Nirgend zeigt sich dieser Freimut so klar als in seiner angewurzelten Abneigung gegen das philosophische System Spinoza's, dass er bei jeder Gelegenheit den holländischen Pantheisten und seine zahlreichen Gegner augreift. S. M. Im Catologo ragionato degli scrittj sparsi di S. D. L. wird der Grund hiervon auseinandergesetzt. J. L. | und auch nicht die Tüchtigkeit der Töne durch Leere der Gedanken gewinnen (5). Im Herbst 1815 hatte ich schon ein Bändchen mit J dem Titel geschrieben, welches 37 Gedichte I enthielt; darunter auch das ♦HTQ^ri "RD In meiner Kindheit hatte ich eine Vorliebe für Katzen, und in diesem Jahre feierte ich in hebräischen Versen das Leben und den Tod einiger .Individuen dieser Thierart. Das auf Seite 28 des Kinnor naim gedruckte Gedicht wurde auf auf eine Katze gemacht, und wo geschrieben steht: jlttbvT "TJ^ fltoEttb [vom kleinsten bis zum Fürsten I ITT blStT H^tET) Vhil Streckt die Hölle ihre Hand aus] stand ursprünglich jlt2p£t? [von der kleinen bis zur grossen Katze]. Als ich eines Abends zu Bette gieng, fand ich, dass die Katze daselbst Junge geworfen hatte. Um sie nicht zu stören, wachte ich die ganze Nacht und übersetzte zum Zeitvertreib eine Canzone Metastasio's (Kinnor naim p. 84) (6). (5) Dieses absolute Urtheil Luzzatto's muss allen misfallen, | welche wie seine Cousine Rachel bewiesen haben, dass man nicht genug lange die Süssigkeiten des Styles Efraim Luzzatto's kosten i kann. In der Voraussetzung, dass die Bne haneurim wie der Name! sagt, eine Jugendarbeit war, besitzt sie trotz der poetischen Licenzen, Soloecismen und Italianismen Verdienste, welche die streng-! sten Puristen nicht wegleugnen können, und welche immer von den ■ Liebhabern des zierlichen Stiles werden gewürdigt werden. S. M (6) Einige der ersten Versuche L.'s, auf welche er hier I anspielt, wurden in Wien separat veröffentlicht u. z. unter dem | Titel: ♦C">2 "113» Viele andere sahen kürzlich das Licht unter j dem Titel p^il £3*5^ 1133 Ueber das 37 Ge- I dichte enthaltende Bändchen hat der Uabb. M. Coen Porto in dem bereits erwähnten Werke berichtet. Von diesen 37 sind 4 der Beschreibung der Katzen oder einer Elegie über deren Tod gewidmet. Wie alltäglich auch der Gegenstand sei, es zeigt doch immer die i Biegsamkeit der hebräischen Sprache, in der Hand eines geschickten Schriftstellers. Der Herausgeber des 2ten Theiles sollte eine Auswahl zwischen den vielen noch nicht veröffentlichten Gedichten treffen und sich dabei auf das Urtheil competenter Personen stützen. Doch sollte er solche weglassen, welche wenn auch Perlen des hebräischen Stiles, einen gemeinen Gegenstand behandeln und daher nicht j wichtig genug sind, der Öffentlichkeit übergeben zu werden. Jedoch! könnten einige hievon nach der Ansicht des trefflichen V. Zelman | in einer vollständigen Biographie L's. ihren Platz linden. Einige verdienen eine besondere Erwähnung, weil sie die Entj wickelung eines sehr hohen moralischen Gefühles bekunden. So j zB. drückt sich der jugendliche Autor aus, um das Leben der Rechtlichkeit seinen Zeitgenossen zu schildern: Mensch.' Schmücke deinen Geist mit Wissen, aber nicht mit Stolz! Halte dein Herz an den, der dir gut irill, aber luss keinen Hass gegen den einschleichen, der dich beleidigt. Wenn du gl'ick! ich bist, laufe nicht der Sünde nach; tdtnii unglücklich, vergrössere es nicht durch Zorn. Erwäge wol deine Gedanken damit diu verübten Handlungen nicht mangelhaft befunden werden. Sei nicht neugierig, bewahre dein Geheimniss. Breite einen Schleier über deine Augen, damit sie nicht einen gierigen Blick auf etwas (nerlaubtes werfen. Ueber das Benehmen der Frau schreibt er: „Ehre deinen Mann und liebe ihn immer: verheimliche jedem die Fehler, die sein Umgang dir bereitet, damit er durch deine Unvorsichtigkeit nicht Gift schlucke. Sei rasch in der That, aber überstürze dich nicht. Erfülle ruhig die Pflichten in der Leitung Deines Hauswesens, suche aber nicht, dass andere dich beschäftigt sehen. Meide die Eitelkeit, verabscheue das Unrecht. Sei die Stütze deines Hauses: eine Genossin von seltenem Werte. S. M.

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