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Das jüdische Centralblatt · 1882-06-01 · 11 (1.6.1882) · p. Seite 122

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
11 (1.6.1882)
Date
1882-06-01
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. Wenn diess am grünen Holze der Fall ist, da doch in 1 Galizien der Rabbiner bisher in hohen Ehren steht, wel- I eben verheerenden Brand können wir am dürren Leibe j in anderen Ländern erwarten, wenn nicht in letzter Stunde sich bewährt, dass Segen und Abhilfe rechtzeitig I von oben kommen? Immerhin geben solche Zustände und Ereignisse zu j denken, und bezwecken diese Zeilen nur, die g. Standesj genossen zu einem gemeinsamen Schritte anzuregen,! unsere historisch geketmzeichnete Stellung zu wahren I und aufrecht zu erhalten u. z. nicht in unserem eigenen Interesse, als vielmehr aus Rücksisht für Glauben und Lehre! Sri» htm pn him bv hnaü 21 1 denn der Rabbiner, wenn er nur ein besoldetes, unteri geordnetes Organ ist. und nicht ein mit unbedingtem Vertrauen ausgerüsteter Funktionär eines Ehrenamts | hat nie den notwendigen moralischen Einfluss, um in gemeinnütziger Weise wirken, oder zu wohlthätigen! Bestrebungen anregen und erforderliche Falles Frieden j .stiften zu können. Mögen hervorragende Berufs-Collegen sich der beacht-; enswürdigen Sache annehmen, und so lange es noch Zeit; ist. bei der b. Regierung die geeigneten Schritte unterneh-; men. von welcher auch seinerzeit die jüd. Volksschul-Lehrer ihre Freiheit vom Kahals-Joche eriangten-würde ja doch! manche Gemeinde keinen Rabbiner aufnehmen, wenn sie! ihn nicht zunächst als Lehrer verwenden müsste; in analöger Weise könnten die Rabbiner als pensionsberecht- '; igte Staats-Beamte klärt werden, besonders inGemeinden,! wo sie gleichzeitig den Religionsunterricht an Mittelschulen ertheilen (und im Auttrage der Regierung die! Matrikenführung übernehmen würden.) gleichzeitig aber könnte aus diesem Anlasse „Die Gründüng einte Rabbiner-Vereins1* thatkräftig ins Werk gesetzt werden; denn, wo es sich um Festigung der | Religion, um Standesehre, der eigenen Stellung und | Versorgung der Angehörigen bei Dienst-Unfähigkeit oder Todesfällen handelt, werden wohl die Vertreter! aller Parthei Richtungen geeinigt für einander einstehen! Nachschrift der Redaction: Indem wir diesen Aufsatz eines mährischen (Jollegen vollinhaltlich hiemit an erster Stelle veröffentlichen, bitten; wir jeden einzelnen unserer Berufsgenossen die Sache i einer ernsten Erwägung zu unterziehen, denn das facturus ne operae pretium ist im vorliegenden Fälle leider über jeden Zweifel erhaben. Auch für die Stellung gegen die Ausj senwelt, abgesehen von der Förderung des Judenthums und ■ den materiellen Interessen wäre ein Rabbinerverein von! grösstem Nutzen; denn Grösse und Stärke liegt nur im j festen solidarischen Einstehen Eines für Allen, und aller für jeden Einzelnen. Mögen diese Zeilen, die Beachtung die sie verdienen, finden! Lieber die spanisch-portugiesischen Juden der Gegenwart. Von Dr. M. Grünwald. (Fortzetzung.) Aber (l) nicht nur die Bibel in ihrer wortgetreuen Übersetzung wurde bearbeitet, sondern analog den Strömungen der Germanischen Länder, wo Juden wohnten, wurden die aggadischen Elemente und ganz besonders die ethischen Momente in besondere Bücher niedergelegt. Wie das von Jacob ben Isac verfasste und 1648 zum ersten Mal gedruckte jüdisch-deutsche Z'ena u renn (-) bis in die fünfziger Jahre unseres Jahrhunderts in keiner jüdischen Familie fehlte von Mädchen und Frauen andächtig gelesen und wieder gelesen wurde, so hat auch das spanisch-portugiesische Judenthum ein derartiges Buch hervorgebracht, das aber trotz der zahlreichen Agadoth gelehrter und gründlicher als das fast ausschliesslich für das weibliehe Publicum berechnete Z'ena u r'ena. Dieses spanische Buch führt den Namen Meäm loes ( ')• Der Spanier ist von Natur ernster, stolzer und gemmessener; und so tragen auch die Literaturerzeugnisse der spanischen Juden bis auf den heutigen Tag unverkennbar den Stempel des Ernstes und der Grandezza an sich. Ja selbst der höchst nüchterne Schulchan Äruch des berühmten und von den spanisch-portugiesischen Juden sowohl als auch von den übrigen Juden der Erde anerkannten Rabbi Josef Caro wurde hYs ludino (*) übersetzt, u. z. unter folgendem Titel: D^BPI JH^tS? 1ÖD (;) Besonders wichtig ist das Buch ETZ ""SD von Abraham Ankava, neu aufgelegt in Livoruo 5631 (1870 n. Ch.) Streitfragen über jüdische Ritualgesetze im hebräischen Texte mit darauffolgender spanischer Uebersetzung. Das spanische rührt von den im 15, Jahrhundert aus Spanien vertriebenen Rabbinern her, steht also auf gleicher Altersstufe mit der Ferrareuschischen Bibelübersetzung. Dieses seltene Werk sowie das folgende von Abraham de Boton, herausgeben in Azmir (Smyrna) 5420 (1658 n. Ch.) verdanke ich der Güte des Herrn Dr. Adolf Jellinek in Wien. Siehe meine Studien zur romanischen Dialektologie, Heft 1. p. 23 Anmerkung 1. (-) Ueber jüdisch-deutsche Literatur siehe: Dr. Max Grünebaum's Werk: Jüdisch-deutsche Chrestomathie. Leipzig Brockhaus 1882, und die gründlichen Besprechungen dieser Arbeit in Dr. A. Brüll's populaer-wissenschaftlichen Monatsblättern, 1882 Nr. 5 p. 117-120 und Rahmers Jüdisches Literaturbiatt Nr. 17. und 19; über die sprachliche Analyse dieses Dialektes siehe: Dr. M. Grünwald's: lieber den jüdisch-deutscheu Jargon. Budapest 1876; Separatabdruck aus dem lTng. Israelit und Dr. A. BrülFs Arbeit: Beiträge znr Kenntniss der jüdisch-deutschen Literatur Frankfurt a M. 1877. Seperatabdrnck aus D. N. Brüll's Jahrbüchern für jüdische Geschichte und Literatur IH. Jahrgang. (') Siehe hierüber unsere Arbeit: Zur romanischen Dialektologie Heft I. p. 14. Anmerkung 1. ('■) Prof. Dr. Fduard Börner rieth mir den Namen iatlino für das jüdisch-spanische nicht zu benutzen, doch halte ich es für nöthig mitzutheilen, dass die spanischpotugiesischen Juden ihren Dialekt stets ladino nennen, und darauf muss denn doch Rücksicht genommen werden.

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