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Das jüdische Centralblatt · 1882-05-15 · 10 (15.5.1882) · p. Seite 119

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
10 (15.5.1882)
Date
1882-05-15
Page
Seite 119 (sequence 11)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 119 Matmuni's Jugendjahre und seine erste Wirksamkeit. (Fortsetzung.) Kaum war er in dem Hafen des Friedens angelangt, brachen neue Stürme über ihn herein! Es schien, als ob dem Manne, der von der Natur mit so seltenen Geistesgaben ausgestattet war, auf seiner Lebensbahn nie ein Freudesstral leuchten sollte. Köperliche Leiden warfen ihn auf das Krankenlager und brachten ihn bis an den Rand des Grabes; grosse Geldverluste erschütterten tief den Bestand seines Vermögens. Zu diesen harten Schicksalsschlägen gesellten sich noch die heftigsten Anfeindungen, die er von Seiten Andersgläubiger zu erdulden hatte. Böswillige Menschen traten gegen ihn mit der Verleumdung auf, er sei dem Islam abtrünnig geworden und beschworen grosse Gefahren über ihn herauf. Kaum hatte Maimuni das Krankenlager verlassen, kaum war er aus jenen dreifachen Nöthen gerettet, so wurde er von einem neuen Schicksalsschlage heimgesucht, wie er ihn schmerzlicher gar nicht treffen konnte. Sein jüngerer Bruder David, der den eigentlichen Handel betrieb, während er den Wissenschaften oblag, fand eines Tages in den Wellen des indischen Oceans seinen Tod. Wie ein Donnerschlag traf Maimonides die Kunde hievon! Tiefer Schmerz bemächtigte sich seiner, und körperliche Leiden warfen ihn wiederum auf das Siechbett; der Verlust seines theueren Bruders und nebenbei auch seines ganzen Vermögens berührte ihn so schmerzlich, dass er lange keinen Trost zu finden vermochte. Es schien, als ob die Vorsehung durch harte und wiederholte Prüfungen diesen grossen Mann von allen Schlacken reinigen und gewissermassen von allen Beziehungen, die ihn an das Irdische fesselten, befreien wollte, bevor er an die Erfüllung seiner hohen Mission schritt: die Verherrlichung des Judenthums und Neubelebung des jüdischen Geistes. In einem Briefe an seinem Freund Jefet ben Elia, mit dem er bei seinem Aufenthalte in Akko Umgang gepflogen, verleiht Maimonides seiner düsternGemüthsstimmung tiefergreifenden Ausdruck. „Seitdem wir uns getrennt haben", so schreibt er seinem Freunde, haben mich schwere Schicksalsschläge Schlag auf Schlag getroffen. Einige Monate nach der Ankunft m Egypten ging mein Vater seligen Andenkens in das ewige Leben ein, und es wurden mir Trostschreiben aus entfernten Gegenden (aus Afrika und Spanien) zugeschickt, Körperliche Leiden untergruben dann meine Gesundheit bedeutende Geldverluste verringerten mein Vermögen; böswillige Verleumder schwärzten mich an und versetzten mich in Todesgefahr. Doch das grösste Unglück kam zuletzt! Es ist dies der Tod jenes Frommen, der mit vielen Glücksgütern, die uns beiden und auch andern Geschäftsfreunden angehörten, in dem indischen Meer unterging und mir eine unmündige Tochter und eine unversorgte Wittwe hinterlassen hat. Wiederum warf mich eine bösartige Krankheit auf das Siechbett und fast wäre ich den Leiden erlegen. — So oft ich mich an ihn errinnere, steigen Thränen in meine Augen und selbst die Zeit hat meinen Schmerz nicht gelindert. Er ist ja! auf meinen Knieen grossgewachsen; er war mein Bruder, mein Schüler, mein Geschäftsführer, mein Ver- | pfleger, und ich sass ruhig im Hause. Er verband mit einem tiefen talmudischen Wissen eine ausgebreitete Sprachkenntnis und machte mir stets nur Freude. Doch seitdem er in ein besseres Leben eingegangen, flohen von mir die frohen Tage; — er liess mich, mit Sorgen belastet, in einem fremden Lande zurück. So oft ich einen Brief oder irgend welche von ihm sehe, erneuert sich der Schmerz und die alten Klagen brechen hervor; ich fühle, dass diese Trostlosigkeit mir die Lebenstage verkürzt. — Ja, wenn nicht das Studium und das Forschen in der heiligen Lehre meinen Schmerz mich gewissermassen vergessen machten, so würde ich schon längst ein Raub der wiederholten Schicksalsschäge | geworden sein. Doch endlich raffte sich Maimuni wieder auf. Der ' Mann, der zum Heile der Menschheit einen so grossen I Lebenszweck zu erfüllen hatte, sollte dem Unglücke nicht I zum Opfer anheimfallen. Die harten Schicksalsschläge waren wohl im Stande, sein fühlendes Herz mit Schmerz und Trauer zu erfüllen, aber nicht seine nach Wahrheit strebende Seele ihrer Spannkraft und Ausdauer zu berauben. — Der zeitlichen Güter des Lebens verlustig, war er desto eifriger bestrebt, die ewigen, unvergänglichen Güter des Geistes zu erwerben; ein ernstes, tiefes Studium brachte endlich Ruhe und Linderung dem schwergeprüften Manne. Alle seine Geisteskräfte koncentrirten sich in einem Brennpunkte; Maimuni begann seine fruchtbare literarische Thäti<)k<it. (Fortsetzung folgt.) g&iscelleu. i. Vorlesungen gehalten im Wiener Bethamid rasch im Winter 1876 von Dr. M. Grünwald. (x) mm II. Vortrag gehalten den 2. October 1876. Über den Zusammenhang der neuesten Forschungen auf dem Gebiete der Assyriologie mit der Bibelexegese (2). Meine Herren! Wir haben in der ersten Vorlesung uns damit beschäftigt, einen kurzen Abriss der Geschichte der Keilschriftforschung zu gebe», von den ersten Stufen ihrer Entwickelung an bis auf den heutigen (:) Siehe Rechnungsausweis des Vereiies Wiener Bethamidrasch für das Jahr 187G. Wien 1877. Druck und Verlag von M. Waizner, p. 9. ('-) Da die erste Vorlesung nicht unbedingt zum Verständniss der folgenden erforderlich ist, w«llen wir sie übergehen, und zählen im Beginne der zweiten kurz das daselbst behandelte auf. Dr. M. OL

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