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Das jüdische Centralblatt · 1882-05-15 · 10 (15.5.1882) · p. Seite 116

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
10 (15.5.1882)
Date
1882-05-15
Page
Seite 116 (sequence 8)
Language
German
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116 DAS JÜDISCHE CENTßALBLATT. liehe Haus, er begleitete mich dahin und empfahl mich meinen Eltern. Glücklicherweise war es kurz nach Mittag die Stunde, wo ich gewöhnlich von der Schule nach Hause kam, deshalb waren meine Eltern nicht beunruhigt, da, sie mich in der Schule glaubten. Mein Vater gab dem guten Mann 10 Kreuzer, machte mir keinerlei Vorwürfe und wir nahmen das Mittagbrod wie gewöhnlich ein. Meine Mutter machte mir dann aus einem ihrer Kleider einen Anzug. Die Farbe war eine weibliche und als ich ihn zum ersten . Mal trug, riefen die Gassenbuben mir nach: Der Bischof! Der Bischof! und ich wollte ihn nicht mehr anlegen. Endlich wurde der Anzug schwarz gefärbt und ich zog ihn an. Wenn ich in diesem Alter andere Romane gelesen hätte, Gott weiss, was für Dummheiten ich noch angestellt hätte. Im Anfange des Jahres 1813 wurde ich schwer krank und Dr. Frizzi schrieb diess meinem allzugrossen Fleisse zu; darauf nahm mich mein Vater aus der öffentlichen Schule und schickte mich nur zu den talmudischen Vorlesungen des Rabbiners Levi, Hess mich ebräische Bücher lesen unter anderen das fT^On (em mm senr hebes Buch, sei es wegen der Anmerkungen über Physik Geographie, Naturgeschichte als auch wegen der cabbalistischen Dinge] und zu (*) gleicher Zeit lehrte er mich das Drechslerhandwerk. In jener Zeit schrieb ich schlechte ebräische Verse und eine noch schlechtere Uebersetzung des yfä'ü m italienischen Versen. 2 Monate vor meinem vollendeten 13. Jahre schenkte mir mein Vater ein Buch mit unbeschriebenem Papier, das einen Gulden kostete. Ein so sonderbares Geschenk wurde meinem Vater sicherlich von dem ihm innewohnenden Triebe zu schreiben eingegeben, der sich auch bald bei mir zeigte; aber es war für mich, wenn auch nicht die wirkende, so doch die Gelegenheit bietende Ursache, zu schreiben, etwas zu verfassen, keinen Gedanken verloren gehen zu lassen, noch irgend ein Ereigniss, ohne eine Erinnerung davon zu erhalten. Am 11. August wurde beim Rabbiner Levi die Beendigung des Tractates Beza (n^^!3) gefeiert. Ein Dichterling zeigte mir und wahrscheinlich auch meinen Mitschülern) ein Sonett, worin sich diese 2 Verse fanden; pa p hnp roK -[nn jn ' dwöi rb mr6 Tori Ich antwortet ihm mit einem anderen Sonett, das mit den Worten anfieng: *bs 2rr bz dk i*n Tin n *zzb roo (l) Auf diesem Bande steht geschrieben: 11. Nov. 1811, Etablissement primaire israelite pour la langue latine, la geographie et l'histore, second prix acenrde a Samuel Luzzatto. Saraval, Vice- Directeur J. L. In denselben Sonett warf ich ihm vor, das Wort niÜH^ mit einem "ff-p in der Mitte gebraucht zu haben, während der Vers einen im A nfange erfordert wie zB. ,p!3fi^ Er eutschuldigte sich damit, dass er rHjnb [lehagot] sagen wollte (ein riesiger grammatischer Fehler). Hingegen lehrte er mich ein bis dahin mir unbekanntes Gesetz der Prosodie, welches allerdings von den alten spanischen Dichtern nicht beachtet wurde, aber von den Italienern den europäischen Sprachen nachgeahmt wurde u. z. dass der Vers mit dem Accent auf der vorletzten Sylbe eine Sylbe weniger haben muss, als der auf der letzten. Da ich dadurch erfahren hatte, dass mein Sonett den üblichen Rhythmus hatte, schrieb ich es nicht in meine Memo;ren ein und so gieng es verloren bis auf die 2 angeführten Verse, die ich auf einem fliegenden Blatte fand. Dasselbe Jahr machte ich eine kritische Bemerkung. Bei der Leetüre des En Jacob gewahrte ich aus mehreren Stellen, dass es den Anschein habe, die Bibel wäre zur Zeit der Talmudisten noch nicht mit Vocalen undAccenten versehen gewesen, dass sie zwar schon damals mit einem dem unsrigen ähnlichen Tone vorgetragen wurde, jedoch ohne dass bestimmte Zeichen hiefür festgesetzten wären. Ich plagte meinen Vater mit diesen Gedanken, er aber theilte sie, da meine Mutter krank war (März 1814) dem Doctor Frizzi (l) mit. Dieser ein Mann von ungeheuerem Wissen theilte mir sofort die Stelle in Nedarim, folio 37 mit (welche dahin erläutert wird, dass die Punkte und Vocale schon von Esdra' Zeit herrühren. (2) Ich schwieg schüchtern, aber beharrte bei meiner Ansicht; überzeugt, dass wenn der Talmud auch von der Tonart spricht, er durchaus nicht die geschriebenen Zeichen darunter verstehe. (J) Das Ta Schemah des Rabb. Efraim ans Bonn, im deutschen Ritus üblich ist hebraeisch schwer verständlich und noch viel schwieriger in eine moderne Sprache zu übersetzen. Es besteht aus talmudischen Legenden, die geistreich vereinigt sind, die aber für das Verständniss eines Kindes zu hoch sind. Dass Luzzatto im Alter von 13 Jahren fähig von eine Uebersetung zu machen, zeigt deutlich für dessen wahrhaft überraschenden Kenntnisse. S. M. Diese Uebersetzung findet sich im 1. Buche der Memoiren bei bei dem 2. Memoire. Sie ist in Distichen abgefasst, man sieht aber, dass der Autor die italienische Metrik nicht gut verstand. J. L. (3) Ueber Dr. Frizz sehreibt mein Vatier an ander er Stelle folgendes: Ein jüdischer Arzt aus Italien, Benedetto Frizzi, veröffentlichte eine gelehrten Dicssertation in welcher die Mosaischen und Rabbinischen Vorschriften über den Aussatz mit den heutigen in der Medicin üblichen verglihc. Benedetto Frizzi wurde geboren in Ostiano, Provinz Mantua, war ein berühmter Arzt in Triest von 1789 bis 1831, kehrte dann in seine Heimath zurück und starb 1844. ( ') Luzzatto spricht hierüber in mehreren seinen Werke, so in den Dialogues sur la Cabbale. welche das angebliche Alter des Zohar alls irrig nachweisen und da widmete er ein ganze« Capitel über die Vocal und Accentzeichen.

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