Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 10 (15.5.1882)
- Date
- 1882-05-15
- Page
- Seite 115 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9620166-9626018-9625260--116-9625267- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 115 selbst uns unwillkürlich zwingt, einen unendlich weisen Schöpfer anzunehmen. Ausser den Studien, die ich in der öffentlichen Schule betrieb, studirte ich ebräisch theils mit meinem Vater, theils allein. Im Alter von 11 Jahren stellte ich eine ebräisehe Grammatik in italienischer Sprache zusammen und im 12. übersetzte ich aus dem italienischen in s hebräische das Leben Aesop s, und schrieb auch einige exegetische Bemerkungen (l) zum Pentateuch. DieLiebe zuHandschriften und selteneBüchern schlummerte schon damals in mir, und es freute mich recht sehr Blätter und mangelhafte Bücher, die in einen Winkel der öffentlichen Schule geworfen wurden, zu durchsuchen. Dort fand ich den inedirten Commentar zum Targum, den ich seit 16 Jahren mit so grossem Nutzen betreibe. (2) In der Schule selber sah ich am Grunde eines Kastens, jedoch immer von weitem, nie mangelhaftes Aruch-manuscript, welches in mir den Wunsch entstehen liess, es zu grüssen, und wie froh war ich als ich es nach 30 Jahren käuflich erwerben konnte (3). (') Diese ersten Jugendarbeiten wurden zur Genüge von meinem Freunde Mose Coen Porto, Oberrabbiner in Venedig im Vessillo Isrselitico, November, December 1877 und Januar 187* angedeutet. Diese Arbeit wurde später separat abgezogen, einige hebräische Hefte und erläuternde Noten kamen von mir hiezu, und sie wird der Autobiographie beigelegt werden. J. L. (-) Im Obeb Ger spricht Luzzatto wie folgt darüber: Viel früher als Isac Arama seine Ansicht über die Uebersetzuugsart des Onkelos geschrieben, hatte bereits ein Mann diese chaldäiscbe Ueber- "setzung zum Gegenstaude ernster Untersuchung gemacht: diese Arbeit blieb aber, bis Gott sie mich finden Hess, unbekannt. Ich fand sie inmitten einiger von der Zeit hart beschädigten Bücher. Ich sah sie, erbarmte mich ihrer, bat um sie, erhielt sie, nalnn sie zu mir und fand dass sie vom Anfang bis zum Ende vollständig sei. Nur der Name des Buches und sein Autor waren nicht zu entdecken. Ich nannte es (Jaer) *™!^" weil am Ende des Buches das Datum (5) 211 den numerischen Wort von Jaer hat: 8. M. Dieses kostbare Manuscript ist gegenwärtig in der Bodlejana. Rev. Sabato Morais hat im Jewish Reeord eine sehr schöne Uebersetzung des Oheb Ger geliefert. Im Mose wird bald diese Arbeit italtenisch veröffentlicht werden. J. L. GegenEnde des vorigenJahrhundercs schrieb der bsrühmteTalxnudist Isaja Berlin, Rabbiner in Breslau eine Ergäuzung des Aruch anter dem Titel j^1>DC ^K^SH (Haahah Schebaarachin) Im Jahre 1830 iieng sein Schüler Rafael W. Ginzburg dieses Werk zu veröffentlichen an, aber aus mir unbekannten Gründen, wahrscheinlich weil es an der nöthigen Unterstützung fehlte, wurde nur die Hälfte gedruckt. In Jahre 1846—47 erwarb Leou L. Rosenkranz das übrige Ms. vom Schwiegersohn des Herrn Günzburg mit der Absicht die Veröffentlichung zu vollenden. Aber die damaligen politischen Erzeugnisse hinderten diess. 1859 jedoch wurde der inedirte Theil in Wien veröffentlicht und bei dieser Gelegenheit bat Bosenkranz Luzzatto, den er ,,den immer bereiteu Mann, verwickelte Angelegenheiten zu lö*eir nennt, alle Bemerkungen hinzuzufügen, die zum Werke des Rabbiners Isaja Berlin passen. Der Professor von Padua freute sich seinen Namen j Am 11. November »811 erhielt ich in der Schule als ] Prämienbuch, welches ich mit grossen Interesse las; u. | z. Montesquieu Considerations sur les causes de la gran-; deur des Romains et de leur decandence mit anderen Werken desselben Autors, Amsterdam und Leipzig 1761. Dieses Buch übte einen wolthätigen Einfluss auf meine philosophisch-kritische Entwicklung. Im Jahre 1812 kam mir zufällig ein französischer Roman betitelt: Alexis (der Name des Autor's ist mir unbekannt) und ich las einige Seiten davon. Alexis war; ein wolerzogener Knabe, aber durch unglückliche Zufälle musste er unter Bauern und Hirten leben. Eines Tages i schlief er am Gras ein, hatte zur Seite einen Vergil, ein; Vorzug seiner ehemaligen Lage. Eine hohe Persönlichkeit gieng vorbei, sah das Buch,; sprach mit dem Jüngling, erkannte seine Geburt und : seine guten Eigenschaften, nahm ihn zu sich u. s. f. Soviel erinnere ich mich noch seit 35 Jahren Kurz darauf fühlte ich das Bedürfhiss nach neuen Kleidern. Mein Vater konnte nicht oder hielt es nicht für nöthig, mir , welche zu machen, und ich entschloss mich es wie Al&xfo zu machen. An einem Octobermorgen, gegen acht Uhr früh nahm ich das Buch Doveri Morali [Moralische Ptiichi ten] von Francesco Soave, und statt in die Schule zu j gehen, gieng ich ausserhalb der Stadt. Ich gieng einige 1 Stunden mit dem Buche in der Hand ohne zu wissen, wohin. Einige Israeliten fragten mich, wohin ich gienge und ich antwortete afus Land und da sie mich kannten ■ | schenkten sie mir Glauben und liessen mich gehen. End- | lieh fragte mich ein Christ, der mich nicht kannte, und ' da er meine Antworten verwirrt fand, rieth er mir mit ihm zurück zu gehen. Und ich. theils müde vom Wege | theils überzeugt von der Richtigkeit der Ansichten des | guten Unbekannten, gieng zurück, zeigte ihm das elterdem Isaja Berlin's hinzufügen können und sagt weiter: Ich werde einige Noten aus einem sehr alten Manuscripte, das ich vor 25 Jahren in Triest gesehen, hinzufügen. Als ich dort war, hatte ich keine Gelegenheit es zu prüfen. Ich sah es vernachlässigt in einer Kammer liegen, wünschte es zu besitzen, ich habe nicht daran vergessen, als die Vorsehung beschloss dass ich 3334 Jahre später nach Triest reiste um die Schwester meiner verstorbenen Frau zu heirathen. Damals besuchte mich eine Frau, die sich als Wittwe des Schulmeisters vorstellte, und bat mich sie zu besuchen und die kleine Zahl der Bücher zu betrachten, welche ihr Mann zurückgelassen, in der Hoffnung etwas zu finden, was mir zu erwerben angenehm wäre. Da fand ich das Ms. das ich so längs' wünschte zahlte einen hohen Preis um es zn erwerbe]), liess es sofort einbinden, damit keine Blätter verloren gehen, und nach Padua zurückgekehrt, benachrichtigte ich den theueren und geschätzten Vater der Kritiker, Kapaport vorn kostbaren Erwerb, den ich gethan. S. M. Der an Rapaport gerichtete Brief datirt 19. December 1842 ißt der im Index raisonne unter Nr. 39(5 angeführte. Im Anfange dieses Briefes lobt mein Vater seine zweite Frau und meine Stiefmutter, die vor kurzem der Liebe ihrer Theueren und der Verehrung aller welche sie kannten, entrissen wurde. Die Bemerkungen Luzzatto'« wurden auch separat unter dem Titel 23mm •"""iHtS msDDIH "H^* veröffentlicht. lieber den Rabbiner Isaja Berlin vergleiche man die Schrift Dr. A. Berliner's: Rabbi Isaja Berlin. Eiue biographische Skizze Vorgetragen im Rabbinerseimnar zu Berlin .... Berlin 1879. J. L.