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Das jüdische Centralblatt · 1882-05-15 · 10 (15.5.1882) · p. Seite 114

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
10 (15.5.1882)
Date
1882-05-15
Page
Seite 114 (sequence 6)
Language
German
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114 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. Thora in der Synagoge bei Anwesenheit des Kaisers Franz I. am 6. Mai 1816, hielt, zu Theil. Seine Hauptvorzüge wurden am besten von dem Guver nator Rossetti bezeichnet, der in einen Beeret vom 3. Februar 1816 ihn finot keiinii^isreichen, uvcd bescheidenen Mann nennt; Den Faden meiner Biographie wieder aufnehmend, sage ich, dass mein Vater im Jahre 1808, indem er das Manufacturgesehäft mit der Schwester zusammen hatte, sich seine Wohnung in eigenen Hause Nr. 1306 machte, wo ich selbst 2 Jahre wohnte, wo meine Eltern starben und wo mein erstgeborener Sohn geboren wurde. Dieses Haus am Ende der Stadt, umgeben allerseits von armen Leuten, war nicht ohne grossen Einttuss auf mein moralisches Leben. Sprache uixl der Anwendung billischer Verse, indem er sie dahin stellte, wo sie das Bild verschönern und den Begriff beleben, zeigte. Luzzatto sagte e;nst im Vertrauen zu Zelman: Ich hoffe in der jitdUehen Wissenschaft Schule gemacht zu haben, und dass man nach meinem Tode meine Wege gehen wird: was aber das Ebräischschreiben uud besonders das iu Versenschreiben betrifft, habe ich leider keinen anderen Nachfolger als Dich. Das Hauptverdienst Zelmau's aber besteht iu dem Besitze jener Gefühle, welche den wahren Adel der menschlichen Natur bilden. Lebhaft eingedenk der ihm von Luzzatto erwiesenen Wolthaten widmete er viele seiner dichterischen Ergüsse seinem Lehrer und Wohlthäter. An der Spitze einer seiner Dichtungen fand ich folgendes: A SAMUELE DAVIDE LUZZATTO, NEL COLLEGIO RABBINICO Dl PADOVA PROFESSORS; UOMO INTEGRO, D'ANTICHE VIRTU ORNATO A CU1 DELLE LETTERE EBRA1CHE I GRANDI A VAX ZI IN TÜTTE LE PARTI GLI SONG DO VT Tl. A LUI CHE POVERO ME POVERO RACCOGLIEVA, NUDRIVA ED EDUCAVA, QUESTO DISCORSO AMAN DG E VENERANDG DEDICO. (Samuel David Luzzatto, Professor am Collegium rabbinicum in Padua, dem unbescholtenen, mit antiken Tugenden geschmückten Manne, dem die jüdische Wissenschaft in allen Beziehungen einen Ungeheuern Fortschritt verdankt, der selber arm mich den armen aufnahm, nährte und erzog, widme ich diese Arbeit in Liebe und Verehrung). Und in der Sammlung seiner Gedichte betitelt C*^^ (Blüten) sagt er: Dieses Opfer lege ich auf den Altar der Liebe und Dankbarkeit uud ich widme es meinem Lehrer, dem auf der ganzen Erde berühmten Manne, der zum Lohne für seine Mühen ein kärgliches Brod hatte und es mit mir theilte. Ich fand ein Asyl unter seinem Dache, wurde genährt an seinem Tische, er liess mich trinken an der frischen und lebendigen Quelle seines Wissens. Möge Gott es ihm vergelten und ihn trösten über den, Verlust den er durch den Tod seiner einzigen musterhaften Tochter erlitten Möge ihm Gott viel Glück widerfahren lassen und ihm ein langes Leben gewähren, dass er seine würdige Genossin erheitere und seine Glaubensgenossen bessere, die sich seines grossen Charakters rühmen. Was noch mehr ist, er setzte die Schule Luzzatto's in der Talmud-Tora fort, aus welcher viele tüchtige Männer hervorgiengen. so der durch seine vielen Werke berühmte Rabbiner Mose Tedeschi und der Rabbiner in Triest S. R. Medi. Die Detailnachrichten über den Aufenthalt Zehnan's bei meinem Vater werden von Zelman in einem Anhang dieser Autobiographie erscheinen. Fern von dem Luxus nnd der Corruption einer blühenden Stadt, selber arm und unter Armen lebend, habe ich mir jene Einfachheit des Charakters gewahrt, die auch meine Eltern im dem Dorfe, in welchem sie das Licht der Welt erblickt, sich erhalten haben. Ueberdiess lebte ich immer unter Christen, und die Unbetieektheit des Cnarakters und ihre Güte hatten ineinen Eltern die Achtung und Liebe aller, welche sie kannten, ihnen verschafft, so dass niemals ein Religionshass bei mir Platz greifen! konnte (1). Es war schliesslich die grosse freie Ebene, die zu I jener Zeit meiner Wohnung gegenüber war, die freie j Aussicht auf Hügel, das Schauspiel der aufgehenden ■ Sonne und der Mangel der Ansicht von Kunstschönheiten,; welche mich täglich nnd ausschliesslich das grosse; Schöpfungswerk bewundern Hessen. In meiner .Jugend I wollte ich mich bei meinen philosophischen Fortschritten I des Gedankens an einen Schöpfer entschlagen; aber bei dem täglichen Anblicke der aufgehenden Sonne wurde mein i Gedanke zerstört, sc dass ich mir sagte: Und es gibt einen Gatt, Der Sonnenaufgang ist allerdings kein Beweis, j aber dieses periodisch wiederkehrende grossartige Schauspiel hat dazu beigetragen den (Tedanken an einen Gott! in einem für verwickelte Vernunft Schlüsse noch nicht! reifen Geiste, der noch nicht an die Wunder der Natur j gewohnt ist. zu erhalten, deren Betrachtung nach Kant (') Es ist wol der Mühe wen <|ie religiöse Toleranz Luz-! zatto's näher au beleuchten. In einem Briefe an den Rabb. Mor migliani in Piemom (1836) schreibt er: leb halte mich von jeder! Polemik entfernt, und herausgefordert von einen unbescheidenen Xichtjuden antworte ich nicht. Da das Judenthum den Niehtjuden in keiner Weise verdammt und keine Proselyten machen witt, fühle ich kein Verlangen jemand zu bekehren, und keine Pflicht Einwürfen zu antworten; ich würde vielmehr fürchten, seinen Glauben zu schwächen und ihn des einen und des anderen berauben. (Vessillo isr. 1876 p. 325 8). Ueber den Proselytismus schrieb er in den Archives israelites p. 1855 p. 138. Als er sich im Jahre 1863 an den berühmten Benamozegh wandte, der in einem seiner Werke einen I Vergleich zwischeu der jüdischen und christlichen Moral zieht schreibt L.: Polemiken gegen das Christenthum kommen mir nie in's < Blut. Wenn jemand mich angreifen will, antwortete ich. Die | Schwerter bestehen, noch sind sie nicht zu Wmzermessern ge- I worden. Seien Sie trotzdem ein guter Christ, und möge jeder der! Religion, in der er geboren, treu bleiben. In diesem Sinne sprach i ich mehrere Male mit dem Cardinal Nardi, als er hier Professor; war, und wir lebten mehrere Jahre in guter Harmonie. Und die; Hochachtung, die Nardi gegen Luzzatto hatte, war so gross, dass er ihm die Correctur seiner Istituzioni di diritto eanonico (Institutionen des canouischen Rechtes, übertrug und ihm schrieb: Ich i schulde Ihnen grossen Dank für die Mühe, die Sie sich bei der j Revision meines Werkes gaben. Was den an den Freund und j nicht an den Sehn/st,- ler gerichteten Brief betrifft, war er mir j sehr heb und werde Ich ihn beantworten. Und er stand nicht an I den Jaden „Mein theuerer und berühmter Professor" und sich seinen ergebeneu Freund zu nennen. Ein anderer gelehrter | Traelat, der Kanoniker Pietro Tiboni aus Brescia. früher Professor j des Ebräischen in jenem Seminar, stand in intimer gelehrter Cor- : respondenz und herzlicher Freundschaft mit dem Professor von | Padua und legte ihm häufig das, was er drucken wollte vor, bat ihn auch es rücksichtslos zu beurtheilen. Unter den vielen Briefen j des gelehrten und vortrefflichen Praelaten an den gelehrtesten der modernen ./<■ /•-/,. wie er ihn zu nennen pflegte, verdient diess herr vorgehoben zu werden: Mein theuerster Professor, und weit würdiger Bischof zu sein als so viele mächtige und intolerante Dumm- , köpfe. Und viel früher: Volo te censorem, non laulatorem. J. L. S. M.

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