Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Centralblatt · 1882-05-15 · 10 (15.5.1882) · p. Seite 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
10 (15.5.1882)
Date
1882-05-15
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9620166-9626018-9625260--114-9625265
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 113 fügte er einige Blätter selber hinzu, welche die jüdische Geschichte von Titus bis auf Karl den Grossen enthielt. Die freie Untersuchung der Wahrheit, die Liebe zum Fortschritte waren mir angeboren und diess schon von meinem 8. Jahre an; aber der erste Gedanke eines literarischen Ruhmes, der erste elektrische Funke der Begeisterung hiefür wurde durch Saraval geweckt. Segre brachte mir die ersten Begriffe des logischen Theiles der Grammatik bei, führte mich in die deutsche und lateinische Syntax ein, und Hess mich die Schönheiten des italienischen Styles erkennen, indem er Galateo del Casa mich zergliedern Hess. Ausser dem Einflüsse, den er auf mich in der öffentlichen Schule übte, war die Erziehung, die er seinen 3 Töchtern angedeihen liess. und von denen 2 von der Vorsehung bestimmt waren, meine Lebensgenossinnen zu werden, auf mich von Wichtigkeit. Dieser ehrbare Greis, der keine Söhne hatte, hat ein Recht, dass ich ihm ein Blatt in meiner Biographie widme. Geboren in Triest am 10. Ellul 1764 von einer Familie^ die URabbinenzu ihren Ahnen zählte, studirte er bis zu 13 Jahren bei seinem Vater und 1772 war er, der erste Jude, der die Normalschulen besuchte. fr) (') Aus einer ausführlichen Beschreibung des Ursprunges der Familie Segre, welche auf meinen Wunsch vom Rabb. Ritter S. R. Lewi in Vercelli ausgearbeitet wurde, will ich folgendes hervorheben: Der Vater Raphael Benedetto Segre's hiess Vidal Benjamin [siehe die Grabschrift Triest 1851 p. 9] er hatte die Eltern in Vercelli und siedelte sich im Alter von 19 Jahre in Triest an. Er hatte 9 Brüder, und sein Vater war Rafael Benedetto, von dem folgende in gerader Linie abstammen; David Vita, Abram di Casale genannt der Rothe. Zerah di Chieri, Abram di Chieri, Nathaniel genannt Bella Vigogna, der erste, den man in Piemont von der Familie Segre kannte, die hinkamen nach der Vertreibung mittels Decretes von Phillipp II. und sich dann in den Städten Vercelli, Casale, Chieri, Pinerolo und Saluzzo niederliessen. Der Name Segre stammt vou einem Flusse, der an der spanischen Grenze gegen Frankreich zu fliesst. Es ist eine Sage, dass daselbst lOOOe von Israeliten getödtet wurden. Nataniel nun war aus Lodi und Rabbiner in Mailand, hierauf begab er sich nach Vercelli im Jahre 1540. Vita (2*,n'*n^ g'ieng von Casale nach Vercelli, wo er im Jahre 1053 Oberrabbiner wurde. Dieser begab sich zusammen mit dem Rabb. Samson Bachi aus Casale mit einem Diener Jacob Pavia aus Casale nach Smyrna, um zu erfahren, was denn wahres an der Erscheinung des Pseudo Messias Sabbatai-Zewi wäre, worauf sie in die Heimat zurückkehrten. Dieser Vita war der Ururgrossvater Josua Benedetto Segre's, der bei dem grossen Synhedrium in Paris für die Stadt Vercelli, welche damals zum Departement Sesia gehörte, Deputirter. Er war einer der o Vorsitzenden jenes berühmten Synhedriums mit dem Rabb. Cologna, der damals in Triest 1827 Rabbiner war und mit dem alten Rabbiner Zihsheimer, welcher der Deputirte des Niederrheins war. Josua Benzion starb in Paris im Jahre 1809. Er war Stadtrath in Vercelli; er Hess seine 2 Söhne Jacob und Elias als Rabbinatsassessoren in Vercelli zurück, des ersteren Sohn ist gegenwärtig Professor in Parma. Einer der Tochtersöhne, Benedetta Artom ist der Commandant Isaaco Artom, ehemaliger italienischer Sekretär Cavour's. Von der weiblichen Linie Josue Benzion Segres sind der Ritter Prof. Levi und der Prof. Alessandro Treves zu erwähnen. Von dem anderen Josue aus Vercelli, Rabbiner in Scandiano, der von de Rossi im Dizionario storico degli autori ebrei angeführt wird, wird behauptet, dass er zur selben Familie gehöre, doch sind sichere Beweise nicht beizubringen. Nachdem er mit grosser Ehre diese Schulen beendet und die lateinischen Schulen begonnen hatte, befahl der Graf Kobenzel, Präsident der Intendanz der israelitischen Gemeinde im Jahre 1782 ihm eine Unterstützung zu gewähren, damit er die Studien fortsetzen könne. Durch Privatsammlungen wurden ihm jährlich 60 Gulden zugesichert; aber der arme Junge, der von Haus zu Haus gehen musste, um diese Unterstützung zu erhalten wurde so schlecht aufgenommen, dass er sich entschloss diese Unterstützung aufzugeben, und da es ihm unmöglich war, seine Studien fortzusetzen, ward er anfangs Privat- und dann öffentlicher Lehrer. In der Schule in Triest unterrichtete er 3 Jahre zusammen mit Herz Homberg, welcher berufen war die isr. Schulen Polens zu organisiren und der ihm rieth mit ihm zu gehen, indem er ihm eine gute Stelle zusicherte; aber er wollte nicht die arme Familie verlassen. Von seinem 18. bis 27. Lebensjahre unterrichtete er Deutsch, Italienisch und Arithmetik, dann vertrat er seinen Vater und unterrichtete auch in den ebräischen Fächern. Da die Schule aufgehoben wurde, widmete er sich dem Handel zusammen mit seinen Brüdern; dann übernahm er im Jahre 1811 den öffentlichen Unterricht unter der französischen Regierung. Als im Jahre 1799 der Rabbiner und ausgezeichnete Prediger Rafifeel Natan Aschkenazi erkrankte, bat er ihn, an seiner Statt zu predigen und von da ab hielt er 46 Jahre hindurch jährlich einen Vortrag: auch wurde er bei verschiedenen Gelegenheiten von der Gemeinde ersucht die Kanzel zu besteigen. Ihm wurde die Ehre der Abfassung der Ansprache, welche ein zartes Kind [ Saume! Vita Zelman] (') ein Zögling der Talmud Die zur Familie gehörenden Rabbinen wären vom ältesten angefangen folgende 1. Nataniel, von dem schon die Rede war, 2. Aron Jacob, Enkel Natbaniel's Rabbiner in Chieri.?>. Nathaniel, Sohn Aron Jacob's. 4. Vita Jesurun älterer Bruder des Vidal Benjamin. 5. Todros di Chieri. 6. Vita zuerst in Casale, dann in Vercelli, 9. Josua Benedetto (Benzion) Sohn Alexanders 10. David j Sohn Josua Beuedetto's 11. Rafael Benedetto Sohn David's 13. j Samson Bruder des oben angeführten Josua Benedetto's 14. Abraham i Rabbiner in Casale 15. Josua Benedetto (Benzion) Rabb. in Ver^ celli 16. Jacob, Sohn des Vorhergehenden, Landrabbiuer über Piemont. damals ^wm\ der Medinah genannt. 17. Benjamin Rabbinatsassessor in Vercelli. (!) Die Achtung vor der rührenden Herzensgüte Luzzatto's lässt mich diese Anmerkimg machen. Luzzatto war immer arm und doch zog er nie Nutzen aus seiner Gelehrsamkeit. Von seinen Schriften zog er nicht nur keinen Nutzen, sondern setzte oft noch zu. Da er aber wusste, dass viele Gelehrte, die die Säulen des Judenthums wurden, in Armut gelebt, und eingedenk der väterlichen Lehren, die in sein zartes Herz den Glauben fest eingewurzelt hatten, dass die Ehrlichkeit und Einfachheit selbstständige Güter und Reiehthümer sind, war er mit seinem Schicksal zufrieden. Noch mehr, er theilte seine körpliche Nahrung mit denen, die weniger als er hatten. Ein glänzendes Zeuguiss hiefür ist die Erziehung des | Kindes Zelman, dem er körperliche und geistige Nahrung in reichj lieber Weise zu Theil werden Hess. Allerdings belohnte diese edle I That die innigste Dankbarkeit. Zelman hatte sich schon frühe durch seine in den Bikkure-Haittim veröffentlichten Gedichte einen Ruf als tüchtiger ebräischer Schriftsteller erworben. Das Werk [Blüthen] ist eine Sammlung von Gelegenheitsgedichten, in welchen er sich als Meister der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.