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Das jüdische Centralblatt · 1882-05-01 · 9 (1.5.1882) · p. Seite 101

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
9 (1.5.1882)
Date
1882-05-01
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 1,01 wartete er <) Jahre, schlug vorteilhafte Partieen aus, als er plötzlich hörte, dass diese Nichte mit einem anderen verlobt worden sei. Im Herbst 1792 heiratete dieser und genau an dessen Hochzeitstage erhielt Ezechias einen lirief von seiner in Görz verheiratheten Schwester, wo sie ihm das Bädchen zur Frau vorschlug, welche nach ihrer Verheiratung meine Mutter wurde. Um diese Zeit litt Ezechia an einer Augenkrankheit und war einige Monate des Augenlichtes beraubt; der schreckliche Gedanke, nicht mehr lesen und sich mit den religiösen Studien nicht befassen zu können, trieb ihn zum Entschlüsse die 613 Gebote auswendig zu lernen. Da er glücklicherweise das Buch H")iri "1713 von David Vital besass, in welchem die 613 Gebote jedes in einem einzigen Worte ausgedrückt sind, deren Anfangsbuchstaben so künstlich gewählt sind, dass es genau die 620 Buchstaben des Decalog's sind. Hess er sich bis Ende 1793 von seinem Bruder einige dieser Worte mit den dazu gehörigen Erklärungen, die gleichfalls in diesem Buche enthalten sind, vorlesen. In dieser Weise verschaffte er sich die Kenntniss sämtlicher religiöser Vorschriften, damit, wenn er auch für immer des Augenlichtes beraubt wäre, er sich doch mit den Gesetzesstudium beschäftigen und über jedes Gesetz nachzudenken im Stande wäre. Nach vielen vergeblichen Heilmitteln wurde er endlich mittelst eines Haarseiles geheilt, und blieb einäugig, wie er es früher gewesen, ebenso wie sein Vater, sein Sohn und sein erstgestorbener Sohn. Im Dezember 1794 starb mein Grossvater, 81 Jahre alt, nachdem er nur einige Tage krank war und uns Friedensliebe empfohlen hatte indem er sagte ,C,,i?w,2 *^'J PI Am 28. Jänner 1795 fand die Hochzeit meiner Eltern statt. Meine Mutter Mirjam Regina wurde in S. Daniel geboren und war die Tochter von Samuel Cormons, der nachdem er sich von Friaul nach Palästina gegeben und daselbst. Weib und Kind verloren hatte, in vorgerücktem Alter (zwischen 1750 und 1760) in seine Heimat zurückkehrte und seinen Beinamen Cormons in ,uvH (woraus Später Lolli und Lolly wurde (umänderte) und damit anzeigen wollte, dass es nicht seine Sache sei Keichthümer zu erwerben; verheirathete sich darauf und starb nach einigen Jahren, indem er seine Frau vier Söhne und eine Tochter in der grössten Armut zurückliess. Nachdem die Tochter mehrere Jahre in dem Hause einer Tante in Görz gedient hatte, wurde sie mit einem geistig and körperlich gleich verkommenen Menschen verlobt, der sie nach einigen Jahren verliess. Sie war von äusserst sanftem gütigem und geduldigen Natural und eine Stütze der überaus thätigen und arbeitsamen Familie. Sie war klein und fett von liebens würdigen Aussehen, phlegmatisch im Temperament, was ich von ihr erbte; wie ich meinem Vater das Streben zur Zurückgezogenheit, zum Nachdenken und zum Laconisinus erbte. Liebe und Friede herrschten bis zum Tode zwischen beiden Ehehälften, sie lasen die Bibel zusammen, meine I Mutter nämlich las sie hebräisch und mein Vater übersetzte sie in*s Italiänische. Mein Vater machte für sein; geliebtes Weib einen hübschen Sessel, der für ihre I Beleibtheit ganz angemessen war. Noch heute ist ' er in meinem Studirzimmer und das Häßflewerk uterne* Vaters, aus Liebe zu meiner Mutter gemacht, dient mir zur Ruhe während meiner' Erholung vom Schreiben, da! ich um die lieber der sitzenden Lebensweise zu vermindern, fast immer stehend schreibe. (*); Nachdem 2 Knaben gestorben, dereine an den Blattern im | Alter von 3:3/, Jahren, tief betrauert von seinem Vater, der dessen Biographie begleitet mit einer Elegie in biblischer Prosa abgefasst, geschrieben hatte, und der andere 12 Tage alt starb, wurde ich am 22. August 1800 I (1. FHul 5560) Freitag um die 7. Nachmittagstunde, in dem! obenerwähnten Hause Nr. 666 im 1. Stock in einem Zimmer, das eine Gassenausssicht und an das Haus Nr. 667 angrenzt, geboren (2). Im selben Jahre erwarb Ezechia mit Hilfe der Mitgift (400 crocioni) und mit anderen vom Bruder entlehnten Geldern, ein kleines Grundstück auf der Anhöhe Contrada Pondarez r) die damals das Ende der Stadt bil-! dete; und erbauete daselbst ein kleines Haus, die die i Nummer 1306 trug. Am Dache liess er mehrere horin-! zotale und verticale eiserne Querstangen zum Schutze errichten um das Schriftwort zu erfüllen ±T"w>" ,T^'*^ (Deut, 22. 8). Nach seinem Tode liess »t»1 / I I \y & ta | ich diese Stangen entfernen, um die darauffolgenden Schriftworte zu bewähren *[fTM CTvOT I weil diese Metallstangen den Blitz anziehen konnten. Im Alter von 3 Jahren wurde ich in eine Kinderschule geschickt, da mein Vater schon 2 Kinder verloren hatte,; und ungewiss war, ob ihm die Gelegenheit geboten wurde ■ seine Kinder im göttlichen Gesetze zu unterichten ,be- ' eilte sich, diese Ptiicht gegen mich zu erfüllen, begab sich täglich mit mir in die Schule, las einiges aus dem Pentateuch, besondere die Verse Deut, Cap. VI Vers 20—25. deren Sinn er mir auch erklärte. (') Diese Gewohnheit nahm ich vom Rabb. Ritter Abraham de Cologna, der als ich ihn kennen lernte, das 70. Lebensjahr | bereits überschritten hatte. Der Stamm dieses Sessels, älter als ich! benöthigte nie eine Reparatur, es war eben nicht eine Lohnarbeit, I sondern ein Werk der Lifebe ^. D. L. Dieser Sessel ist noch heute : in meinem Besitze. J. L. ('-') Dieses Haus wurde kürzlich mit anderen ähnlichen; Häusern zu einem grossen Gebäude vereinigt J. L. (5) Dr. Said Formiggini, der durch 45 Jahre Luzzatto's Freund war, schrieb, als sie noch beide jung waren IJ^** f*wi?z bv r. —s s:r pwÄia *r vm. isr. i 1865 p. 211. S. M.

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