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Das jüdische Centralblatt · 1882-05-01 · 9 (1.5.1882) · p. Seite 100

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
9 (1.5.1882)
Date
1882-05-01
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 DAS JÜDISCHE CENTKALBLA'JT. Mutter verkaufte Manufacturwaaren. Jedoch meine Grossmutter Rachel starb 2 Jahre darauf (Ende des Jahres 1779, 2. Kislev 5640) nach einigen Anfällen von Apoplexe!. Ihr Unwohlsein wurde durch die Abreise ihrer Tochter Thamar verschlimmert, welche in die väterliche Familie zurückkehrte, als ihr Gatte Dr. Isac nach Wien gereist war und bei seiner Rückkehr die Eltern verlassen und sich mit dem Gatten vereinen musste, der in S. Daniel wohnte. Kurz vor ihrem Tode wünschte Rachel, dass eine ihrer Wohnungen einer armen Frau geschenkt würde. Der ältere Sohn und die ältere Tochter bemerkten ihr aber, dass mein Vater sich gegenwärtig nicht im Orte befände und man vor seiner Rückkunft nichts beschliessen könnte. Die kranke wünschte jedoch die unbedingte Ausführung ihres Willens. Ezechia erbot sich daher aus seiner eigenen Tasche das Geld zu einer Wohnung für eine arme Frau zu geben. Dieses Anerbieten tröstete die kranke Mutter und sie sagte *1JIT CH^K und diess wurde auch i-or ihren Augen vollzogen. Es war eine schöne That, weil sie für die sterbende Mutter zum gröbsten Tröste gereichte: obwol die ausgegebene Summe gering war (4l/2 venetianische Lire — 55 Kreutzer) welche aber trotzdem für den. der sie ausgegeben, wie für den. der sie empfieng. bedeutend war. Bis dahin quälte meinen Vater der Gedanke ein perpetuum mobile zu ertinden. aber schon am 10. Juni 1780 wurde er bitter enttäuscht. Trotzdem gab er seine Bemühungen nicht aut und wer weiss, ob er, wenn er die Mittel hierzu gehabt hätte, die Dampfmaschienen nicht erfunden hätte. Ich besitze den Brie!, den er am 12. Februar 1801 an den Präsidenten der israelitischen Gemeinde richtete, dessen Name jedoch mir unbekannt, und dem er folgendes schrieb: Hochgeehrter Herr!- Ich erlaube mir Ihnen mitzutheilen, dass ich eine Erfindung gemacht, welche darin besteht, dass mit Hilfe des Feuers (nicht viel) das todte Wasser sich erheben, dann ein Rad bewegen könnte, wie bei den gewöhnlichen Mühlen und dadurch könnte man Räder, Mühlen, und alles, was man durch fliessences Wasser bewirkt überall herstellen; jedoch mit dem besonderen Vortheil, dass man in der Nähe von Wäldern, wo das Holz billig ist, und ebenso, wo siedende Mineralquellen sind, solche Mühlen anlegen könnte: in Gegenden jedoch, wo das Holz theuerer ist, nicht. Ich glaube, dass man diess zum Bewegen der Schiffe wie der Wagen zu Lande anwenden könnte. Aber diess behaupte ich nicht, weil ich nur das behaupte, was ich bewiesen habe. Oft denkt man sich etwas, aber der Erfolg entspricht nicht dem Gedachten, und zu beweisen vermag ich es nicht, weil mir 10000 fl. hiezu nöthig wären, und ich nicht einmal 100 darauf wagen kann. Ich sage nur, was ich im kleinen ausgeführt | habe, und was gewiss auch im Grossen gelingen muss, und ich habe auch das Modell hiezu in Rahmen fassen j lassen. Ich wollte diese Erfindung der Regierung kund- | thun, doch zuvor wollte ich Sie als Haupt unserer j Glaubensgenossen und als achtungswürdigen Mann um j ihre Meinung befragen. Ihrer Antwort entgegensehend zeichne ich mit Handkuss Ezechia Benetto Luzzatto. ......... Es ist mir ganz unbekannt, <>// dieser Brief überhaupt abgegeben wurde und welchen Erlolg er hatte. Soviel weiss ich. dass mein Vater keinerlei Förderung erhielt, und dass er trotzdem von Zeit zu Zeit sich damit beschäftigte und häufig auch mit mir davon sprach, ich aber zu diesen Studien keinerlei Neigung in mir verspürte. Aber, um zum Jahre 1780 zurückzukehren, so mussten jene rastlosen Untersuchungen ausgeführt im Alter von 19 Jahren, ohne Mittel und ohne Bücher, ohne vorhergegangenen Studien, nothwendigerweise die Gesundheit meines Vaters untergraben. Und in der That litt er [ häufig an Migräne, Schweigsamkeit, Hypochondrie, Misan- | thropie, Jähzorn Wuth und Verzweiflung. 1781 begab er sich nach S. Daniele, um seinen Verwandten, den Dr. Isak zu consultiren und blieb daselbst einen Monat. Da erhielt er das vortreffliche Buch von : Tissot La sahite dt leterati, diess lehrte ihn die Schäden de> allzugrossen Nachdenkens. Mehr aber als die gelehrten | Ratschläge des Arztes und des Werkes vom Arzte von t Losanne vermochte die Ermahnung des alten Vaters j der am 1. Juli 1785 zu ihm wie folgt sprach: Was geschieht hier schönes? Benedetta sagt, dass du Maschienen machst. — Nein mein Sohn — Dank sei Gott, | du hast andere Mittel dir den Lebensunterhalt zu verschaffen, wir dürfen uns nicht so hoch versteigen. *:iöö m*6&;m m^no T.zbn *6i Wir haben hiefür keinen Kopf. Greife rasch zur That,! jetzt ist nicht Zeit zum (müssigen) Nachdenken-Darauf : "ES nSl ns IM I I Ezechia schrieb in sein Tagebuch die väterliche Err 1 mahnung und fügte eine noch längere hiezu, wo er von! den vielen Entbehrungen, die er durch 6 Jahre erleiden I musste, spricht, und sich vornahm, nie mehr Maschinen zu machen. Am 1. Nissan 1780 fasste Ezechia den Entschluss I ohne jedoch ein indessen Gelöbniss abzulegen, den 10. I Theil seines Vermögens auf wolthätige Zwecke zu veri wenden und er beobachtete diess bis zu seinem Tode I und auch ich bis zum Jahre 1829, einer Zeit, wo Umstände (die noch heute bestehen) weit mehr als den | 10. Theil meiner Einnahmen betragendes Opfer erheischten,; weshalb ich die Sonderung des 10. Theiles unterliess. Da ein reicher Mann freiwillig meinem Vater den Antrag machte, ihm seine Nichte zur Frau zu geben,

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