Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 9 (1.5.1882)
- Date
- 1882-05-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 99 Doch bis zu jenem Zeiträume (1777) fühlte er sich geneigt, Autor zu werden. (3) Er schrieb zwei Werkchen: das eine mit dem Titel jV¥ njpl ist em Onomasticon, oder ein alphabetisches Verzeichniss der Namen der Personen in der heiligen Schrift und des Talmud, das andere mit dem Titel mft^tl plDS eine Zusammenstellung alles dessen, was man im Talmud über die Auslegung der Träume liest. Diese zwei Werkchen sollen nur einen Theil eines grösseren Werkes, befttelt: fcp'fcjj Dn^H mOif TBD man D^tnöd nwm >narröfl mTro rw ^nn wa nnpm ppn irvrb nSpnrr Das oben angedeutete Onomasticon hat noch dem Titel folgende Worte: 'ffopflfl b&lllV 2£T Dieses Wort ££T;j ist ein kindischer Scherz oder hoffte er in S. Daniel eine jüdische Buchdruckerei ent- (') Isidor Busch, der Herausgeber des Wiener Jahrbuches für Israeliten bat mich inständig das Gefühl von allzugrosser Empfindlichkeit zu überwinden und sewi Jahrbuch mit d?m, was beigetragen einen Geist von so ungeheurem Wissen zu bilden, zu bereichern. Doctor Isaia Luzzatto, bewogen von kindlicher Liebe, sammelte mit unermüdlicher Geduld jedes Wort um die Autobiographie seines Vaters aufzuklären. Unter andern Memoiren werden die folgenden Auszüge von den Mittheilungen des Herrn Busch nicht ohne Interesse sein: „Wenn Sie Ihre Autobiographie italienisch schreiben werden, so wird es in's Deutsche übersetzt werden. Wennn Sie die Geschichte ihrer berühmten alten Familie hinzufügen könnten, um damit das Feld der hebräischen Literatur zu erweitern, so kennen Sie versichert sein, dass Ihre Bemühungen von Ihren Mitgläubigen mit der grössten Erkenntlichkeit aufgenommen werden. Ich wünsche lebhaft, dass Sie mir Ihre Autobiographie sofort schicken, damit die Uebersetzung mit grösster Genauigkeit und Eleganz gemacht werden kann. Alles, was das Rabbinats-Institut von Padua, welches doch das Muster einer Stiftung ist, betrifft, ist vortheilhaft für Religion und Wissenschaft. Und Luzzatto begleitete mit folgenden Briefe an Busch sein Manuscript: Padua, 15, Oktober 1847. Theuerster Freund! Hier meine Biographie. Sie können es in so kleinen Buchstaben, wie Sie nur wollen drucken lassen. Ich will jedoch nicht, dass sie halbirt oder m zwei Jahren getheilt werde. Ich habe nicht ein einziges Muster nachgeahmt. Eines Tages vielleicht wird diese Arbeit ein Muster für andere Schriftsteller sein. Wollte Gott, dass jeder Mensch sein eigenes Leben mit Aufrichtigkeit und Einfachheit schreiben könnte! Jenes wäre der grösste Fortschritt. Ich bin Ihnen indessen sehr dankl ar, dass Sie mir eine Gelegenheit gaben, eine Arbeit zu liefern, die mich sehr vergnügt macht. Der literarischen Wichtigkeit nach, werden die hier beigeshlossenen Blattseiten von jenen übertroffen werden, die in diesem oder im nächsten Jahre noch kommen werden, wo sich im klaren Lichte meine reiferen Ideen zeigen werden und der Geist der von mir gemachten, und noch zu machenden Arbeiten oder, von denen ich wollte dass sie schon gemacht wären. Mit dem Wunsche, von Ihnen zu hören, welchen Eindruck diese Blätter in Ihrer Seele machen werden, bin ich Ihr pflichtschuldigster Freund S. D. Luzzatto. Politischer Begebenheiten halber, musste Busch sein Jahrbuch aufgeben, weshalb die Autobiographie von Luzzatto, weder veröffentlicht noch zu Ende geführt wurde. Dr. J. L. ' stehen zu sehen? — Aber während er schrieb, hatte schon i 1 die venetianische Republik die Austreibung der Juden I von dort, und von den andern Dörfern, die unter ihrer i Obergewalt standen beschlossen. Mein Vater siedelte mit der Familie (1778) nach ' Triest und dachte nicht mehr an jene Compilationen. 1 Wie konnte i.ber in dem Kopfe eines armen Handwerkers, in einem Dorfe, wo kein Schriftsteller wohnte, der Gedanke. Schrifsteller zu werden, entstehen? Wahr ist es, dass Dr. Isaac Luzzatto ein Dichter und Bruder eines anderen Dichters Ephraim L. ein Verwandter meines Vaters war. Aber jene 2 Doctoren schrieben nur Verse und ihr Beispiel! hätte ihn zum Studium der Grammatik, der Prosodie und der Dichter führen müssen (Dinge, mit denen er sich nie beschäftigte) aber nicht zu den obenbezeielineten Compii lationen. Wenn er aber von Ruhmsucht oder von dem I Bedürfnisse, seine Gedanken zu verbreiten beherrscht gewesen wäre, würde er doch sich um Orthographie gekümmert und originellere Arbeiten geliefert haben. Ich glaube vielmehr, dass diese Arbeiten ein für einen armen, zurückgezogenen Jüngling nothwendiger Zeitvertreib gewesen, oder für einen solchen, der keine passende Gesellschaft gefunden. Seine Arbeiten wurden durch den Erlass der venetiani- | sehen Republik. ( September 1777/ welche den Aufenthalt der I Juden in den Dörfern verbot, unterbrochen. Als er sich j daher im Jahre 1778 mit der ganzen väterlichen Familie j nach Triest begab, dachte er nicht mehr an diese Compilationen: aber der Trieb Schrifsteller zu sein blieb ihm. da er von Zeit zu Zeit seine eigenen Gedanken und die; eigenen Erlebnisse sowie die seiner Familie, wie auch | einige politische Ereignisse seiner Zeit schriftlich aufzeichnete. Jener Trieb zu schreiben war in ihm nicht Ruhmsucht, sondern ein aus Mangel an Gesellschaft entspringendes Bedürfniss. Sein Bruder war ein recht geselliger Mensch und hinterliess fast keine Schriften. Das erste von meinem Vater in Triest begonnene Buch ist ein Verzeichniss der göttlichen Vorschriften, die noch jetzt üblich sind, in Classen abgetheilt, und aus religiösen Drange abgefasst, um die religiösen Pflichten | immer gegenwärtig zu haben. Am Schlüsse dieses Buches finden sich hebräische Arbeiten. Seine folgenden Me- I moiren sind italienisch, aber hin und da mit hebräischen; Worten untermischt. In Triest war mein Vater bis zum Lebensende Drechsler, und seine Schwester Benedetta eröffnete einen Laden von Esswaaren, welchen sie später in ein Manufacturlager für Dorfbewohner umwandelte; das Geschäft bestand bis zum Jahre 1853 in demselben Hause Corso Nr. 666 (a), geliebt von den Landfrauen und gut acereditirt bei den Fabrikanten und Kautleuten. Die ganze Familie lebte zusammen, und in demselben Laden übte mein Vater das Drechslerhandwerk und meine