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Das jüdische Centralblatt · 1882-05-01 · 9 (1.5.1882) · p. Seite 98

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
9 (1.5.1882)
Date
1882-05-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 98 die Widerlegung unrichtiger Anschauungen, die Abwehr* schlechterMenschen, die Zurechtweisung wegen ihres Lebenwandels in Eifer gerathe, aber nicht in masslosen Hass und Groll ausbreche; dass endlich das Begehrungsverinögen nach dem Genuss von Speise und Trank und anderen körperlichen Bedürfnissen, nach dem Gelderwerbe verlange, aber nicht in Lüsternheit ausarte. Wenn der König Verstand alle diese Funktionen in gehörigem Masse ohne Störung der gegenseitigen Beziehungen zu einander ausüben lässt, dann werden alle Kräfte seinem Willen sich unterordnen, zur Vollführung seiner Befehle bereit sein; er wird auf ihrem Beistand rechnen können gleich dem Herrscher, welchen sein gehorsamer Herr zu jeder Zeit zur Hülfe herbeirufen kann und wie Moses, der seine Gemeinde um den Berg Sinai herum in strengster Ordnung aufstellte (3, 5). So hätte J. H. mit dieser leichten Wendung vom Gebiete der Moralphilosophie in das der Moraltheologie eingelenkt und in seinem Tugendideal Moses mit Plato vereint. Allein eine innert aus dem platonischen System heraus sich ergebende Notwendigkeit, die Kritik gegen die Ethik der reinen Vernunft nämlich, zwang ihn zu dieser Combination. Plato in seiner idealen Lebensanschauung hält die ei-, gene Vernunft zur Begründung der menschlichen Sittlichkeit für hinreichend, und räumt ihr Competenz und Herrschaft ein zur recht-und gleichmässigen Betätigung der genannten Seelenkräfte, zur Bewirkung der Harmonie zwischen ihnen. Allein abgesehen davon, dass diese durch Willkühr und Klügeele bestimmte Vernunftlichkeit nur bedingte, Geltung hätte, (419) und keine Uebereinstimmung erzielte (2, 49), wendet J. H. gegen sie ein, dass wir aus eigener Einsicht und Erkenntniss wohl die sittlichen Pflichten selbst ihrem Wesen und Inhalt nach wissen, als Bescheidenheit und Demuth, Zucht unserer Seele, Keuschheit und Lauterkeit, Redlichkeit und Rechtlichkeit Aelternliebe, u. dgl. nicht aber auch ihre Gränze und ihr Mass (3, 7). Insofern es aber bei unseren Handlungen, damit diese tugendhaft seien, hauptsächlich auf Letzteres ankommt, bedarf die Vernunft zur Bezeichnung des Wieweit und Wieviel einer ausser ihr gelegenen massgebenden Norm. Diese findet nun J. H. in der geoffenbarten Lehre, welche für den Menschen dasselbe ist, was das Naturgesetz für die Schöpfung und welche die in dieser waltende Gerechtigkeit durch feste Formen zum Ausdruck bringt. Gott, der die Beschaffenheit unseres Organismus und unserer Construction kennt, hat die Gebote dem richtigen Verhältnisse unserer Seelenkräfte zu einander angemessen, um durch ihre Ausübung dieses zu erhalten, oder wenn gestört, zu corngiren (I, 69, 79. III, 23. 53.) Die für Alle gleich gute, göttliche Lehre verhütet jede einseitige Befriedigung unser und fähigkeit, und führt uns den Weg, auf welchem Alle in gleicher Weise genügend entwickelt und ausgebildet werden denn wer zu sehr dem Begehrungsvermögen sich zuneigt; verkürzt "das Denkvermögen und umgekekrt; wer wieder zu sehr dem Zornvemögen sich hinneigt, schwächt die zwei diesem entgegengesetzen Kräfte. So ist viel festen fü,i den am Körper und an Begierden Schwächen durchaus nicht ein gottgefälliges Werk, vielmehr die sorgfältig leibliche Pflege ebensowenig verdienstlich ist die Vermindlung - des Golderwereres auf erlaubte Weise (TTO mcnt *TTflÖ) onne hindurch erfolgte Störung in der Aneigung der Weisheit besonders für denjenigen, der es für die Erziehung der Kinder oder sonstige würdige Zwecke verwenden will, für diesen ist die Vermehrung angemessener (2, 50). Ohne auf das Einzelne eingehen zu wollen, bringt er blos die drei Seelenkräfte mit den dreierlei Geboten, den philosophischen, socialen und göttlichen nämlich in wechselseitige Beziehung (3, 11 (l) Doch fällt es nicht schwer, den entsprechenden Einnuss nachzuweisen, welchen jedes dieser Gebote auf jede diese Kräfte nimmt. (Fortsetzung folgt). Autobiographie des S. D. Luzzatto. (Fortsetzung.) rn ns nüKan r\nb *rjD D^bfc Tijntpn *r *b iran ^y -anm icarfc ony *fi trr p rrm Diess war warscheinlich der erste und fast der einzige poetische Versuch meines Vaters, welcher, ungeachtet der Mahnungen seines Bruders, weder die Grammatik studieren, noch ortographisch schreiben konnte. (:) An dieser Platonischen Dreitheilung der Snelenkräfte hält J .H. im ganzen Buche fest. (3, 5.11. V, 10); einer anderen von dieser abweichenden Eintheilungen ist nur nebens chliche Bedeutung beizulegen. In der Aufzählung \ on fünf Seelenkräften (V, 12) gibt! J. H. blos die Psychologie Ibn Sina's wieder mit einigen unj wesentlichen Aenderungen. So zB. wird bei Scharastani (Edit. ' Haarbr. Th. IL S. 315) Hass und Liebe der dritten urtheilenden, im erwähnten §. hingegen der fünften denkenden Kraft zu geschrieben und Muskato zB.) Andere Abweichungä bieten sich der zwischen 3, 5 und 5, 12 durch die Gegenüberstellung S. 197. 198 mit S. 312 388. und 390 iu Kassels zweiter Kusari-Ausgabe Vgl. Kaufi mann's Theologie des ßachja S. 12, dagegen Prof. S. Landauer's Psychologie des Ibn Sina in der Ztschr. der dm. Ges. Bd. 29 S. I 402 der über diesen schwierigen § durch Vergleichung mit dem J arab. Original des Kusari Aufklärung gibt. Das in | HttlP HTi^ynD x- 389 hat meines Erachtens kausale Be- I deutung wegen des Heuentstanden. Kaufmann leitet dieses Wort von I TVhfZ TEim hier im Sinne Aufhören v. dazu S. 180 | IHK C^* mttl?n3 (1as m derselben Weise mit Kassels Zustimmung erkläre.

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