Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 9 (1.5.1882)
- Date
- 1882-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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9 ^el'ouiu (Kroatien) 1. $Sai 1882 DAS fli JUDISCHE CENTRALBLATT (ZUGLEICH ARCHIV FÜR DIE GESCHICHTE DER JUDEN 1 KUR. KROATIEN). Herausgegeben von Rabbiner Dr. M. Grün mald. 1. JAHR GAN Bas Jüdische Centraiblatt erscheint alle 14 Tage in 17» bil 2 Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Belovarbei J. Meischntatiit) pro Jahrgang 4 fl. Inserate werden mit 10 Kreucern die 3 gespaltene Petitzeile berechnet und auscbliesslich entgegengenommen durch die Annoncen-Expedition Ton /. FleUohmann in Beiwar. (Manuacripte werden nicht retonruirt). INHALT. I. Ethik Jehuda Halewi's von Rab. Dr. Frankl-Grün in Kremsier — II. Autobiographie Luzzatto's. — II. Maimuni's Leben und Wirken von Ig. Münz Kempen. — IV. Altfranzösisches bei Raschi von Dr. M. Grünwald. Miscellen. I. Die Redensart ^n"f^|^ f^ZÖ ^""TH nf2 im Talmud von Lic. Dr. Aug. Wünsche. Recensionen. I. Franz Delitzsch Rohüng's Talmudjude beleuchtet, siebente Auflage. — II. Paul de Lagarde Lexicalisches. — III. Israel Singer, Erziehungslehre. für Israeliten. — IY. Religiöse Dichtungen von Dr. M. Grünwald. Nachdruck nur mit VOLLER Quellenangabe gestattet. Die Ethik des Juda Halewi. (Fortsetzung.) Der Tugendhafte ist der umsichtige Herrseher in seinem Staate, der allen Bewohnern ihre Bedürfnisse j zumisst, sie nach Gerechtigkeit leitet: keinem etwas vorenthält, Niemandem aber auch mehr als den ihm gebührenden Theil zukommen lässt. oder wie die auf dieses Gleichniss folgende Anwendung lautet; der Tugendhafte ist der Herrscher, auf den alle Smne und Kräfte des Körpers und der Seele hören, und welcher zwischen deren verschiedenen Theilen, insbesondere zwischen dem Denk-Begehrungs-und Zornvermögen ein richtiges gleichmassiges Verhältniss herstellt, der also zu herrschen Würdige, weil er dann gewiss jedem Einzelnen im Staate das ihm Geziemende zuweisen würde, ebenso wie er den Organen in seinem Seelenstaate ihre Thätigkeit genau ohne Ueberhäufung und Verminderung vorzeichnet. (Kus. HI, 3. f.) Diese Definition ist dem Grundgedanken nach der Platonischen Republik entnommen; nur dass H. vermuthlich unter dem Einflüsse ähnlicher Anschaunuen der jüd. Morallehrer, (*) die an drei verschiedenen Gassen des Staates dargelegte Eigentümlichkeit einer jeden Seelenkraft bei dem Herrscher construirt und sie dann auf sein Ideal des Tugendhaften überträgt. Obwohl ihm bei der Vergleichung des Heiligthums mit dem menschlichen Organismus diese Dreitheilung vorgeschwebt zu haben scheint (Kus. II, 25), zu welcher übrigens auch die Sonderung im Judenthum nach Priestern Lewiten und Israeliten eine Analogie darbietet, zog er es dennoch vor, die Wirksamkeit der genannten drei von einander verschiedenen Seelenkräfte, durch die psychologische Wahrnehmung, dass nämlich das Denkvermögen durch die Affecte des Zornes und der Begierde gehemmt wird, der Zorn aber oft der Vernunft zur Bekämpfung der Begierde beisteht, in einer und derselben Person zu begründen. Im Sinne Piatos weist er dem Verstände die Aufgabe zu, darüber zu achten, dass das Gleichmass zwischen diesen Kräften nicht gestört werde, (2) die eine durch ungebührliche Ausdehung die ihr entgegengesetzte nicht verkürze in der Weise, dass die Thätigkeit des Denkvermögens sich auf die Beschäftigung mit den Wissenschaften deu Problemen der Sittlichkeit, auf die Erforschung der Wahrheit, die Erkenntniss. Gottes des Wesens der Seele, des Berufes des Menschen sich erstrecke oder vor falschen Meinungen, irrigen Vorstellungen und herrschenden Vorurtheilen bewahrt bleibe: dass das Zornvermögen für gute und nützliche Angelegenheiten, als (1) Sprüch. Cap. 16. 32 23, 22. Koh. 9, 14 Tr. Abot. 41 di R. Nathan 23. Tamid 31. Ned. 32. (2) Unter T\)V "P"^ 2' 50, 3' 5' ist (lurcliaus meht da* Aristotelische Mittelmass zu verstehen, welches auch den daselbst angeführten Beispielen widerspricht. Nirgends empfiehlt J. H. die Mitte zwischen zwei Handlungen, von denen eine ein Zuviel, und die andere ein Zuweng bezeichnet. Luzzatto will die A'sche Mitte in einem diabetischen Gedichte J. H. 0 (Divan V. 22.) ^p^X nuden, was aber durchaus nicht erwiesen ist.