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Das jüdische Centralblatt · 1882-04-01 · 7 (1.4.1882) · p. Seite 79

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
7 (1.4.1882)
Date
1882-04-01
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 7<> unterstützt seine armen Mitbrüder auch mehreren andern jüdischen Gemeinden auf das wärmste empfahl. Ich besitze die Skizzen von vier hebräischen Briefen, welche er in dieser Angelegenheit schrieb. Der erste vom 15, Tebeth 5538 (4. Jänner 1778) an den Vorstand der Gemeinde Venedig's, welchen er bittet, dass sie Geldunterstützung den armen Verbannten senden möchten, wobei er das Beispiel der Triestiner anführt, welche schon ihre grossherzigen Beiträge geschickt hatten. Es ist darin der menschenfreundliche reiche Marcus Lewi aus Triest nach Verdienst gelobt, der nicht nur seine Mitbürger zum frommen Werke angeregt hatte, sondern die Unglücklichen auch den Gemeinden von Mantua und Livorno empfohlen. Der 2. vom 24. Elul 5538 (17. September 1778) ist an die Menschenfreunde der Gemeinde Triest's gerichtet. Die unglücklichen Verbannten erklären darin, dass sie wohl dankbar für die Güte des Markus Lewi, der für sie von Wien die Erlaubniss erlangt hatte, sich in Triest niederzulassen, allein dass sie schwerlich die Miethe für das nöthige Obdach würden bezahlen können, nachdem sie sich in diese Stadt würden begeben haben; und sie bitten daher, die Triestiner möchten noch das Opfer bringen, ihnen Geld zu senden, womit sie bei ihrer Ankunft die Wohnungen miethen können. Eine so unbescheidene Anforderung gereicht dem humanen und grossmüthigen Charakter der Triestiner, an die man sie zu richten wagte, zur grössten Ehre. Der 3. von 24. Schebat 5539 (11. Februar 1779) ist an die drei Brüder Aghib in Livorno gerichtet, (Moses, Jakob und Isak, Söhne des Salomon Aghib) er enthält den Dank für die von ihnen empfangene grossmüthige Unterstützung. Der 4. vom 9 Jjar 5539 (25. April 1779) ist nach Wien an Moses Honig gerichtet, und empfiehlt den Doktor Isak Luzzatto, der sich nach der Residenz verfügt hatte, um von der Kaiserin die Erlaubniss für seine Mitbriider zu erflehen, dass ihnen in jenen Dörfern österreichischer Oberherrschaft, dahin sie sich vorläufig begeben, und drei Monate bleiben durften, auch das Niederlasstmgsrecht ertheilt werde. Ueber den Erfolg dieser Reise des Doktor Isaak ist mir nichts bekannt; soviel jedoch weiss ich, dass die aus San Daniel Vertriebenen sich wirklich alle in Triest, Görz und den nachbarlichen Dorfschaften sesshaft gemacht haben, welche Orte sämmtlich zu Oesterreich gehören; und dass mein Grossvater mit seiner Gattin, zwei Töchtern (die beiden andern waren schon verheirathet) und meinem Vater sich nach Triest begaben, wo schon mein Onkel David wohnte. Die Juden aus San Daniel bewahren auch immer ein dankvolles Herz für das erhabene Haus Oesterreich, das ihnen eine Zufluchtsstätte gab, und der Rabbiner Anselmo schrieb am letzten Blatte seiner Memoiren (im Jahre 1783) Segensworte für den Kaiser Joseph II. und seine Hauptstadt. Einem alten Glauben folgend, dass im Testamente von Moses jedes künftige Ereigniss angezeigt sei, bildete Ii. Anselmo, indem er aus jenem Liede die Worten tfTl "Wl p**l¥ Anfangsbuchstaben gebrauchte, folgende Weissagung über den künftigen Fall der venetianischen Republik: pp JHF ITHTT HB'ttC •d** minorr rt3k%n vdwd fr nacr:^ Und mit letzten Worten desselben Liedes HD^W H^K^I miin rntttzr w ror mp fcildete erfo1gende Segensspruch über die Stadt Wien und den Kaiser Joseph H. Und hier hinterbrechen wir den Lauf der Erzählung, die Schicksale meiner Familie nach ihrer Auswanderung nach Triest, und meine eigene Biographie dem nächsten Jahrgange, so Gott will, vorbehaltend. Fortsetzung folgt. Rabbi Jehuda Aszud (Fortzetzung) Von Szerdahely ging er nach Nikolsburg zu dem grossen weltberühmten verewigten Rabbi Markus Benedikt, dem damaligen mährischen Ober-Landesrabbiner, s. A. der ihm wie sein eigenes Kind liebte, ihn vor allen anderen Jüngern in seiner grossen Jeschiwab mit allen möglichen Auszeichnungen überhäufte. Er war kaum einige Wochen dort, und hatte schon durch sein immenses talmudischen Wissen, (1) so wie durch seine echte innige ungeheuchelte Frömmigkeit, durch seine seltene Herzensgüte und liebenswürdige Bescheidenheit Sensation gemacht u. war beliebt und geehrt von Allen, die ihn kannten, und mit ihm Umgang hatten. Nach einem Jahre seines Aufenthaltes in Nikolsburg hielt er schon mit Erlaubniss seines grossen Rabbiners vor 60 Jüngern täglich talmudische Vorträge, die sich des ungeteilten Beifalls seiner Hörer erfreuten. Doch hier fehlte es ihm auch nicht an Neidern u. Missgönnern unter seinen Collegen, die ihm bei Rabbi. M. B. verleumden wollten, er sei ein Opponent von ihm, indem er so viele Jünger um sich schart, ihnen täglich Vorträge hält und sich wie ein Rabbi gerire, aber es half ihnen nichts; denn eines Tages erklärte Rabbi M. B. in seinem [Beth-Hamidrasch] Hörsal frei und öffentlich vor allen seinen Jüngern: Rabbi-Juda (') Das damalige Niholsburger Rabbinats- Collegium sowie die vielen grossen Talmudgelehrten, mit denen er recht oft talmudische Disputationen hatte, rühmten von ihm, dass er schon b«i seinen Hinkommen circa fünfhundert Blatter des Talmud'* auswendig vollkommen inne hatte.

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