Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 6 (15.3.1882)
- Date
- 1882-03-15
- Page
- Seite 70 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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70 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. Aus dem Kgr Kroatien. Dr. M.Grünwald, Rabbiner in Belovar besuchte Montag den 6. März Sr. Excellenz den Seetionschef im Ministerium für Cultus und Unterricht, Herrn Ivan Voncina, und versprach Sr. Excellenz demselben in kurzer Zeit eine Enqutte-commission behufs endgUtiger Feststellung eines Lehrplanes für eleu Religionsunterricht, einzuberufen. Dem edlen Manne sei auch auf diesem Wege der öffenttliche Dank ausgedrückt. Mmcücn. Das Wort und Herodot. Rosch haschana fol. 4 a heisst es: Rab Joseph oder nach anderen R. Jizchak sagte: Woher wissen wir, dass der Perser könig Cyrus schlecht (d. i. ein Götzendiener) geworden ist? Aus Nach. 2. 6, wo es heisst: Das sprach zu mir der König und die Gemahlin die neben ihm sassV Was bedeutet Rabba bar Lernt sagte im Namen Habs: XrC^- Hündin. Wenn das der Fall ist. wie ist dann das Wort in den 5, 23: „Gegen den Herrn des Himmeis hast du dich erhoben und die Gefässe seines Hauses hat man vor dich gebracht und du und deine Grossen und deine Gemahlinnen und deine Kebsweiber, ihr habt Weine aus ihnen getrunken". Wenn KT—*?2 bedeuten sollte, kann denn eine Bündin Wein trinken, an einem Zechgelage theilnehmen. Das wäre kein Einwurf, sie kann daran gewöhnt worden sein. Wie verhält es sich denn eben mit Ps. 45, 10: Königstöchter sind unter dienen Geliebten, zur Rechten steht die in Kostbarkeit von Ophir. Wenn soviel wie Kf)-J^!3 wäre was, würde der Prophet (der Psalmist) den Israeliten verkünden (d. i. wie könnte er denn sagen, dass eine Hündin zur Rechten des Königs Messsias stehe)? Allein weil das Gesetz den Israeliten so lieb ist, wie die den Völkern der Welt, so habt ihr die Kostbarkeit von Ophir erlangt. Oder bedeutet Srübtt und Rabba bar Lema hat es nur in diesem Sinne genommen. Der Sinn ist denn, dass sie (die Königin) ihm (den König) so lieb war, wie die oder dass er sie an Stelle der gesetzt hat. Wie kommen die Talmudisten daszu. in der Nechemjastelle im Sinne von J^rO^S zunehmen? Nach meinem Dafürhalten schwebte ihnen .eine auch bei Herodot 1, I, §. 102 sich findende Ueberlieferung vor, nach welcher der Pflegevater des Cyrus, jener von Harpagus zur Ermordung des kleinen Cyrus gedingte Mitradates, mit einer Weibsperson zusammen gelebt haben soll, als wenn sie seine Ehefrau gewesen wäre, ihr Name soll nach der griechischen Sprache Kuno, die Hündin, gewesen sein Dass ein von Mitradates tradirter Zug von Rabba bar Lema auf Cyrus selbst übertragen werden konnte, wird sicherlich Niemand befremden. Lic. Dr. Aug. Wünsche i . ' --■ <ü I jR_ECENSIONEN. Josef Stare. Die Kroaten im Königreiche Kroatien und Slavonien. Wien und Teschen. Verlag von Karl Prochaska 1882 A. u. d. T. Die Völker Oestereich-Ungarns. Ethnographische und culturhistorische Schilderungen. X. Band, 2. Hafte. Wenn es üherhaupt verdienstlich ist, eine unbekanntes Gebiet zugänglich zu machen, so ist es doppelt anerkennenswert, wenn man Land und Leuteschildert, über deren Wesen und deren Wert das Asland von einem Yorurtheü befangen ist. Und diess ist bei dem Kroatischen Volke wahrlich der Fall. Wer, wie Schreiber dieser Zeilen, erst seit einigen Monaten in Kroatien lebt, wird es bezeugen können, wie selir Unrecht diejenigen haben, die dem Kroaten Gesittung und Kultur absprechen. DasBuch des Director Stare ist sehr geeignet, solche Vorurtheile zu beseitigen, indem es in lichtvoller und wahrheitsgetreuer Weise uns Land und Leute vorführt In dem engen Räume von 153 Seiten werden wir mit den Bodenverhältnissen (p. 1—12) der Ansiedlung und historischen Entwickelung (12—23) mit der Christianisirung und kirchlichen Entwickelung (23—29) der Gliederung des Volkes in Stände (29—33) der Staatsverfassung (33—42) der Einrichtung der Militärgrenze (42—47), Landwirtschaft (47—53) Bergbau (53—55) Gewerbsthätigkeit (55—59) Kunst (59—60). Handel (66—70), dem neuen nationalen Aufschwung (70—83) dem Statistischen (83—87) dem Volkscharakter (87—94) Adel und Bürger (99_i04) Sitten und Gebrauchen 104—151 und letztlich der Stellung unter den anderen Volksstämmen (151—153) bekannt gemacht, Den Löwentheil nimmt die Schilderung der Sitten und Gebräuche eiu und mit Recht: denn in den Sitten prägt sich der Charakter des Volkes am reinsten und lautersten aus. Und wahrlich, man merkt es dem Verfasser an, mit welch hingebungsvoller Liebe er an dem auch an Naturschönheiten nicht armen Lande Kroatien hängt. Und dieses überquellende Gefühl der Freude, auch in ethischer Beziehung das Heimatvolk anderen Völkern des civilisirten Europa nicht nachstehen zu sehen, zeigt sich in jedem Satze bei der Schilderung der Sitten und Gebräuche wie auch gelegentlich des Verhältnisses von Adel und Bürger, wo der Autor sagt (p. 98—99): Beinahe in jeder kleinen Stadt gibt es eine katholische, eine griechische und eine israelitische Cultusgemeinde fas beste Einvernehmen b^tcht. Von einer Judenhetze ist hier keine Rede; im (-regenthei/e, es steuern selbst Christen zun; Ihme jüdischer Bethnuser ihr Sch&flein bei. Das letztere war bekanntlich auch in Belovar der Fall. Uni nun auf (Ins Capitel Sittenund Gebräuche zurückzukommen,