Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 6 (15.3.1882)
- Date
- 1882-03-15
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Veränderung grosse Vortheile für die Erziehung seiner Kinder hiedurch verspricht. In einem Verzeiehniss seiner Zöglinge nennt Leo da Modena Benedetto Luzzatto ('kacham HacoUcl (einen umfassenden Gelehrten). Das Buch „Porto astronomico" von Emanuel Porto, gedruckt Padua 163G. enthält ein italienisches Sonett von B. Luzzatto: Rabbi ebreo studenti di Padua zum Lobe des Verfassers. Dieser Porto ist der gelehrte Rabbiner Menahem Zijon Cohen Rapo Port. Verf. des Buches Over lassocher (Venedig 102—7). So waren schon vor 200 Jahren ein Luzzatto aus Padua und ein Rappoport durch die Bande gegenseitiger Achtung und Freundschaft verbunden. Benedetto Luzzatto vermittelte dem Leo da Modena die Bekanntschaft mit dem berühmten Giovanni Veslingio, Professor der Anatomie in Padua. Im Jahre 1640 schrieb Modena an Veslingio. dass er den B. Luzzatto berauftragte, anzufragen, ob er die Widmung einer neuen Aasgabe seines Buches angenommen; dass aber, als er zu seinem grossen Schmerze vernommen, dass eben dieser L. trübsinnig und zu jeden Verkehre untauglich sei, er nun selbst schreiben müsste. In der That war der Wiederabdruck des Galut Jehuda von Modena dem Veslingio gewidmet und in der Widmung findet man, dass dieser berühmte Anatom und Botaniker ein Kenner der hebräischen Sprache war Die Hypochondrie Luzzattos scheint jedoch vorübergehend gewesen zu sein, weil wii ihn im Jahre 1662 als Prediger in Venedig finden, wie man aus der Vorrede von Ed Turim (nicht Arba Turinn entnimmt. Aus diesem Werke ersieht man auch, dass der oben erwähnte M. C. Porto dort Lehrer an der Talmud Thora war. Im Jahre 1660 war Benedetto Luzzatto in Padua. Isak Chajjim Cantarini, Rabbiner und Doctor der Mediän erwähnt ihn in seinem Werke Pachad Jizchak unter den Rabbinern in Padua, und bei der Gelegenheit eines Cyclus von Talmud Studien schrieb er ein Sonnet zur seiner Ehre und der von Salomon Marini; die letzten Worte lauten wie folgt: Benedetto das grosse (Licht) der Wissenschaft, der bereitet und wirken liess (auf uns) den Glanz (seiner) Sonne HJH ^TTJ -[TO PIDT! bjf&) pH Bei derselben Gelegenheit veröffentlichte Cantarini ein grösseres Gedicht unter dem Titel Pisefarim, woraus man das Jahr der Feierlichkeit ersieht. Das Sonnett blieb unedirt und wurde der Vergessenheit durch die Bemühungen des gelehrten Rabbiners M. S. Ghirondi entrissen. Bei der Hazkaroth Nesehamot wird dieser Benedetto Luzzatto noch heute unter den verdientesten Rabbinen Padua's erwähnt. Der oben erwähnte Simon, (Simha Luzzatto) Rabbiner in Venedig, weniger bekannt, als er es verdiente, verband mit einer grossen rabbinischen Gelehrsamkeit klassisches Wissen und ein tiefes Verständniss für Politik und Philosophie. Im Jahre 1638 wurde in Venedig seine Rede über den Zustand der Hebräer gedruckt. Dieses Buch von beinahe 190 Seiten in Octav ist : eine Apologie der Ebräer und will den Regierungen und besonders der venezianischen Republik zeigen, wie i die Gerechtigkeit und gleichzeitig das Staatsinteresse 1 die Toleranz gegen die Juden und ihren Schutz erfordern. Es(l) ist in 18 Betrachtungen getheilt, deren erste den Nutzen den Handels bespricht: die vierte zeigt, wie die Juden besonders tüchtig zum Handel: die fünfte, wie die Juden gehorsam und ergeben den Staatsgesetzen; die achte liefert, eine umständliche Darstellung der verschiedenen Vortheile, die die venetianische Republik von den Juden zog: die zehnte beweist, dass der den Juden angediehene Schutz eine ehrenvolle That; die eilfte sagt, w e schwer es sei, die Sitten der Juden im Allgemeinen zu bestimmen, und dass man deren Vergehungen leicht hindern könne; die zwölfte prüft und widerlegt die Ani griffe, welche gegen die Juden von drei ("lassen Leuten ' gemacht werden: die dreizehnte weist, nach, dass das I mosaische Gesetz allgemeine MetischenHeb« gebietet; die ' vierzehnte, dass es den Juden, obschon ihr Glaube von dem aller andern Völker verschieden war, dennoch nicht gestattet gewesen, mit ihren Nachbarn um der Religion! willen Krieg zu führen. Die fünfzehnte beleuchtet die 1 Iri thümer des Tacitus in Betreff der Juden; die sechszente i handelt von den verschiedenen Klassen jüdischer Gelehrten, deren er drei unterscheidet : die der Rabbiner und Tal-! mudisten. die der philosophirenden Theologen und die! der Kabbalisteu-. die siebzehnte erläutert die politischen; Ursachen der verschiedenen Behandlungsweise, welche I den Juden in den verschiedenen Ländern wiederfährt;! die achtzehnte endlich enthält statistische Notizen über | die Juden vieler Länder und schliesst mit folgenden Worten: „Das ist, was ich in Betreff dieser Nation zu „sagen mich erinnerte, und so weit es im Interesse der „Fürsten und Völker, welche sie bergen, und vorzüglich „der venetianischen Republik, die sie mit so vielem „Wohlwollen in ihre Staaten aufnimmt und mit der ihr „eigenen Gerechtigkeit und Güte beschützt; die in jeder „ihrer Handlungen ihren Abscheu gegen jene ungerechte „und unmenschliche Maxime des ruchlosen Ministers ..Photinus bezeugt, die er vor dem jungen, unerfahrenen König Ptolemäus geäussert wie Lucan sang (2): (1) Von hier ab veröffentliche ich die von J. Busch im Jahrbuche von 1848 sich befindende Übersetzung; da Herr Dr. J. Luzzato so freundrlich war mir dieses Jahrbuch zu überlassen. Die Redaction. (2) Nur Strafe folgt der weltgepries'nen Treue,' Die den erhebt, wen Schicksal hat gebeugt. D'rum wie die Götter handle und das Fatum; Des Glückes Günstling nur verehre; meide Scheu, wen der Kummer drückt. Unvereinbar Wie Himmel mit der Erd' und Fluth mit Gluth, Ist unser Nutzen mit der Rechtlichkeit. Lucanus.