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Das jüdische Centralblatt · 1882-03-01 · 5 (1.3.1882) · p. Seite 57

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
5 (1.3.1882)
Date
1882-03-01
Page
Seite 57 (sequence 9)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 57 aber bei dem Herrn Semo darüber nachfrug, sagte er mir, es wäre echt spanisch, und hienge mit deutschen melden durchaus nicht zusammen. Ich dachte dann an eine Zusammenstellung von mandare schicken, auftragen, und dem Wechsel zwischen l und n der wol auf dem Gebiete der romanischen Sprachen nichts unerhörter* ist: doch gab mir Prof. Ad. Mussafia die folgende Lösung. Im Hebräischen heisst nämlich lamad lernen: durch Metathesis bildete man daraus mald meld und zum Verbum meldar. Und in der That sagen die espanolische Kinder heute: verjios a la metya Gehen wir in die Schule. Ein zweites Wort, das ebenfalls den hebräischen entlehnt ist, und dem meldar analog, dessen bildung aber noch viel klarer ist. das Wort darsdr bei Aboab in seiner Nomologia (p. 300) lesen wir y como el (Rabbi Abraham Zäcirto) dar o hizo sermon. Mit Recht bemerkt Dr. Ad. Jellinek (1) dass sich auch im Jüdisch-deutsch derselbe Ausdruck damchmtnvöm hebr. ^"H eigentlich forschen, dann das Resultat seiner Forschungen mittheilen belehren überhaupt. (2) Ausser solchen Wörtern die ihren rein-hebräischen Ursprung nicht verleugnen, gibt es ferner Redensarten, die sich nur aus dem hebräischen erklären lassen. Um zb. folgenden Satz spanisch auszudrücken: Wenn er über eine Baumfrucht den Segensspruch je macht, und die Worte gesagt hat: (Gelobt seiest du Gott) der du Erdfrüchte erschallst, gilt ihm diess (dieser Segenspruch auch als Verdienst, (d. h. er braucht nicht einen 2ten iSegensspruch zu machen): Diess wird von den Ladino o Igendermassen wiedergegeben. (3) Si bendixo sobre fruto de arbel y dixo creem (partic, praes.) fruto de la tierra. sale de Obligation. Es gilt ihm als Verdienste wird durch saür hinaufsteigen wiedergegeben : der Terminus technicus nämlich im Hebräischen lautet : rhT TT2i <*• h. das Verdienst steigt hinauf, und daher im ladino salir. Ferner scheint das Espanol (ladino) darin mit dem portug'. zu libäugeln. das es beim Verbum die präpositions- (1) Literaturblatt des Orients, herausgegeben von Dr. Jul. Fürst, Leipzig 1845 p. 239 ff. % (2) U eber solche Bildungen: vgl. meineu Aufsatz: - Ueber den jüdisch-deutschen Jargon, vuigo Kauderwälsch genannt Budapest 1876. Vgl. den schönen Satz Ascoli's in seinem Archivo tglotologico: 11 genio di Lutero, siguor^ggiato um idioma aulico greggio ed instabile ne plasmo quella niiracolösa versione della Bibbia che rttppe Vmiita della feie rt treo Innita della nazione vgl. ferner: Herrig Archiv für das Studium der neueren Studium und Literaturen Bd. 44. den Aufsatz von Dr. W. Backe: Ueber den Einfluss welchen die religiösen Spaltungen auf die Entstehung der neueren deutschen Literatur ausgeübt haben, p. 1—90 vgl. ferner. Rückert's Aufsatz: Zur Charakteristik der deutschen Mundarten und Poesien in der Zeitschaft für deutsche Philologie. Bd. L p. 199 — 213: „So wunderlich es zb. auf den ersten Blick erscheinen mag den Einfluss er Confessionen in sprachlauten Dingen als einen Hauptfactor in Rechnung zu ziehen so volbegrüudet erzeigt es sich doch wie jeder &U6 eigener beobaehtung sich Bezeicheu kann, wxlald wie es mit klaren und kleinsten Producten eines dialectes zu einer spräche. (3) Orden d« Beudieiones. losen Formen den mit Praepositionen zusammengesetzten vorzieht, so lesen wir für Beute: espojo (espozo); im Altspan, sowohl als neuspan. despojos; so haben wir statt des üblichen sompagnare im ladimo regelmässig espanare. statt compania im ladino apanemento. Es seien mir noch einige Worte erlaubt betreff der von Paul Meyer in der Romania gegebenen Etymologie (1) von cadun, ciascun, ein jeder; Paul Meyer gelangt zum Schlüsse: II nous faut constater que la similitude de formation entre cadaüno et xxceva: est beaueoup plus grand, que ce qu a pense M. Diez cada etant excatement xaöa et la seule ditference etant que uno est roman et xä§a grec. (p. 82). Für die Richtigkeit dieser Etymologie bürgt die im Hebräischen vorkommende Phrase: Und es starben alle, wo regelmässig hiezugefügt wird T> ha auf einen; d. h. keiner, auch nicht ein einziger. Es ist dies meiner festen Ueberzeugung nach einer der vielen Redensarten, die in alle europäischen Sprachen durch das B'belstudium eingedrungen, und es wäre gewiss keino unverdienst liehe Arbeit, den Einfluss der Bibel auf die Sprachbildung zu untersuchen (2) Endlich noch eine Frage. Schon Diez erwähnt in seinem Werkchen. Ueber die erste portugiesische Kunst und Hofposie p. 134 das Wort vico Lüsst, Üppigkeit mit der Nebenform (vice). Diez gibt keine Etymologie hinzu, ich habe mit Prof. Mussaria darüber gesprochen und auf meine Frage ob es nicht wohl von lat. vitium Laster stammt bejahte er dieselbe. Doch hat auch diese Etymologie einige Bedenken. Während die Ferrarensische Bibelübersetzung den Satz in Gen. 49 vers 30 U) "pö T7pÖ jJT -KUT) durch et dara daleytes de rey wiedergibt, übersetzt es die Ladinoibel durch et dara viciode rey. Obwol nun die Etymologie bereits dunkel gewesen sein mag, so ist doch auffallend, beim Segen eines solchen Wortes sich zu bedienen. In Eichhorns Bibliothek (3) lesen wir (p. 21); la djenna vfcymo — dans les düiees du paradis. Es kommt noch dazu, dass im Portug. vico Luft, Freude leisst: Hängt diess vielleicht mit dem lat. vigor zusammen. Oder macht sich der Übergang wie bei voluntas geltend. Sunt multa, qui distiguunt volumtatem per n attinere ad deum, et voltmtatem per m ad hominem, voluptatem vero per p ad diabolum. \lso vielleicht dich von Vitium. Diess die ersten einleitenden Bemerkungen, die zur Erforschung des Dialectes, worin noch manches zu finden sein dürfte, führen sollen, und ich gebe nur zu bedenken, dass wenn irgend wie hier das Wort gilt: „Jeder Anfang ist schwer". (1) Romania 1873 p. 80-85 quisque et cata dans les laugues Komanes. (2) Vgl. Deutsche Sprichwörter auf biblischem Grunde von C. Schulze in Herrig's Archiv Bd. XXV1IJ p. 329-149. (3) Eichhorn's Bibliothek VIII. Bd. Ueber spanisches Manuscript mit arabischen Buchstaben von A. J. Lilo de Lacy p. 1- 22.

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