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Das jüdische Centralblatt · 1882-03-01 · 5 (1.3.1882) · p. Seite 56

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
5 (1.3.1882)
Date
1882-03-01
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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56 DAS JÜDISCHE CENTRAL BLATT. zeigt uns überall noch das bereits erwähnte Werk: Meam Lo'els, denn wir finden ausnahmslos UbenjJl dort: rautastedes, hicistedes u. a. und diess wurde dann in cantasth zusammengezogen, deshalb das s. Ebenso so bildet das Ladino die 2. Ps. pl. vom Hilfsverbum sein; span. soes im altportugiesisehen soves, ao lado de sodes, soves also neben sodes, ladino lautet ihr seid sos. Analog diesen Bildungen ist nun die 2. Person Plurals im Futurum; so also guardartdm ihr werdet hüten. Sonst stimmt das Futuram ganz mit dem altspanischen überein so zb. Gen. II. Vers 18; Ich will ihm eine Gehilfin machen genau wie im Altspanisehen: hazerlehe ayuda statt heutigem Spanisch hare a el ayuda. Was das verbum auxiliare esse betrifft, wo Diez bemerkt dass sich sowohl im Spanischen als im Portugiesischen, dass sich esse nicht und s/are, sondern offenbar mit sede-re gemischt, dafür zeugt auch die Bedeutung von ser, welche zu weilen noch mit der von sedere zusammentrifft, wie in P. Cid. Vers o121j: sed in vuestro escano, setzt oder bleibt auf P]uerei Stuhl. Coelho in seiner Theoria da Conjugacao sucht Diez zu widerlegen und, wie ich glaube, mit vollstem Bechte (siehe vorzüglich p. 23). Diez stellt die Participialform im spanischen folgendermassen auf: cantante. vendiente, partiente: wie man aber aus dem Ladino ersieht lautete die Participialform im Singular: caritan, vendien, partien. Lud diese Formen finden sich bereits in der Ferrarensischen l:>ibelüber>etziuig die in -Jahre 1553 veröffentlicht wurde. Das Hebräische nämlich, das wie alle semitischen Sprachen keine Gr>t/entcarf kennt, bildet diese Zeit durch das Participium praesentis und Hienzufügung des ])ersönlichen Fürwortes; so also statt zu sagen ich schreibe sagt er „ich bin schreibend" oder noch richtiger ich schreibend^ Die Espanolen nun. die die Bibel mit der grössten Akribie behandelten, und sie wollten haben im Espanolischen traduzida palabra por palabra de la verdad hebrayca dürften also die Eigentümlichkeit vier hebr. Sprach nicht ändern und führten sie so in ihre Sprache ein. Ähnlich, aber auf ganz verschiedenem Wege dazugekommen, bildet bekanntermassen das heutige Englisch das Praesensin der Form: ,.I am writing". Und so finden wir denn als Participialform singularis: hablan, liazien und /andere Wir wollen hier eines spezielen Zuges den nach Diez (2) die portugiesische Grammatik in der echt verbalen Flexion des Infinitivs besitzt, Erwähnung thun, ter, ter-es, ter, ter-mos, ter-des, ter-em, die ganz mit der des Futurs live zusammenfällt und in schwachen Verbis sich auch durch die innere Form nicht unterscheidet. Ter wird von dem haben der ersten Person (von meinem Kaben) teres von der zweiten (von deinem Haben) etc. gebraucht: (1) Vgl. meinen Aufsatz. Etudes altaiques iu Francis Turettinis Zeitschrift Ban-zai-san, 1876 p. 143 ff. (2) Diez, Gr. II p. 187 vio teres er sach dich haben. Diese Bezeichnungen I kennen schon die ältesten Sprachproben, der Cancion. ined. sagt zb. 44 a: de viveren tan sen sabor dass sie! ohne Geschmack leben. Ich glaubt1 nicht zu irren, wenn | ich da semitischen oder speziell hebräischen Einfluss annehme: die grosse Begünstigung, welche die Juden unter Alphons dem X. genossen ist allzuedkannt, und! dass die Juden auch später von wichtigem Einfluss auf die \ Bildung der Sprache und Literatur einwirkten, leugnet selbst der nicht sehr Judenfreundliche Amador de los Bios. Wer zb. wird beim lesen des Setzes: vioteres er sah dich haben, nicht sofortan hebräische Constructionen wie! JTT »er kennt deinen Weg" eigentlich das i Gehen deines. Überhaupt ist die Scheidung zwischen Nomen und Verbum im semitischen lange nicht so scharf ausgeprägt! als eben im dan indogermanischen Sprachen, die schon; früh eine Sonderung dieser beiden Bedetheile vor-; nehmen. In der Ferrarensischen Bibelübersetzung finden wir diese Construction überall dort, wo sie im Hebräischen vorkommt. Euie fernere Eigenthümliehkeit. welche der ro- , manischen Literatur zukommt, können wir nicht unerwähnt hissen, ohne mindestens die grösste Analogie mit den Hebräischen anzuzeigen, man begegnet nämlich oft Formen wie: consellado consellar, cuidado cuidar. etc. (1) .leder des Hebräischen nur theilweise kundige wird sich lebhaft, man könnte sagen, der typischen Formen wie I man tVOft ♦ JKtt* jKE s. *• erinnern. Zum Verbum wäre noch hinzuzufügen, dass die 3. Ps. ' pl. nicht serän sondern semu in ladino lautet; ist hier nicht Neigung zum Portugiesischen, u. z. zum Altnortngiesischen, das Ja bekanntlich oft n auslässt und I blosses o gebraucht. Eine Umwandlung des n in u am; Ende des Wortes wräre sonst etwas Auffallendes. | Mit - n lerer Vorliebe gebrauchen die Ladinos die ■ Verba auf gnar so mugiguar, frugiguar, fraguar etc. j Formen die im heutigen Spanisch immer seltener werden. Zur Metatbesis des Imperativs, wie er in Ladino sich findet vgl. Form wie llevalde, tenelde, leelde, statt! üevadle, tenedlc, Uedla. Zum Lexicon. Es sind vor allem nur Worte hervorzuheben die heute spanisches Gewand angenommen, im Grunde jedoch echt hebräisch sind: so liest man gewöhnlich in den jetzt erscheinenden Zeitungen: si melda was ich anfänglich für das deutsche man meldet hielt; als ich (1) Diez lieber die erste portugiesische Kunst oder Hofpoesie P. 55.

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