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Das jüdische Centralblatt · 1882-03-01 · 5 (1.3.1882) · p. Seite 52

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
5 (1.3.1882)
Date
1882-03-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. Derartige Postillen findet man in der Talmnd ausgäbe von Basel. So im Blatte 18—b in Berahhoth, die Todtengespräcbe Dialoghi dei morti haben die Auslegung am Ranbe. Diese Worte sind allegorisch im Blatte 54 auf die Worte „und den Stein auf Og zu schleudern versuchte" steht am Rande die Bemerkung: Ist figürlich auzufassen, im Blatte 56 ist die Anmerkung: Alles das ist in Metapher und hat einen verborgenen Sinn, den die Einsichtigen wohl verstehen werden: im Blatte 59 auf die Worte: „Vergoss zwei Thränen" liest man: Ist im verblümten Sinne neben den kabalistischen Geheimniss zu verstehen. Nun vermuthe ich. dass unser Jacob L. eben derConector jenes Talmud und zu gleicher Zeit der Autor jener Randschriften (Agaöt) gewesen sei. und dalier der Name mäghia, den er sich im Caftor vaferahh gab. Ich glaube ferner, dass er um jene Anmerkungen, in welchen er vielen Agadoth einen geheimen und symbolischen Sinn beimisst zu rechtfertigen, die Kompilation des Caft. vaf. unternommen habe, welches Werk die Absicht hat jene dunklen Agadoth auf den symbolischen oder mystischen Weg riehtig zu erklären: es ist bekannt, dass es in derselben Buchdruckerei ans Tageslicht gegeben wurde, in welcher der Talmud gedruckt wurde, und gerade in demselben Jahre, in welchem jene Ausgabe des Talmud vollendet wurde. Einige diess Randschriften zeigen sonnenklar, dass dieselben hauptsächlich mit Rücksicht auf die christliche Gensur, und nicht nur zur Belehrung des Lesers gemacht worden sind. In Baba mezzia fol. 24 zur Stelle: Wer Geld auf öffentlichen Plätzen findet, dem gehört findet es sich folgende Anmerkung: Diess ist die Meinung unserer Weisen (Doctoren-:) aber die christliche Religion befiehlt jeden Gegenstand, den man gefunden öffentlich ausrufen zu lassen. So im Blatte 107 zu den Worten: Wie du entblösst von Sünden auf die Welt kämest, findet sich am Rande angemerkt: Nämlich wie du warst, als du aus Welt kamst ohne deine eigenen Sünden, weil alle dem christlichen Glauben nach ursprünglich des ersten Menschen wegen mit Sünden geboren werden, wie die Schrift sagt : In Sünden hat mich meine Mutter geboren. Sehr wenige dieser Anmerkungen sind wirklich kritischer Natur. So z. B. im Baba Bidra fol. 123 b zu den Worten. Wie der Text sagt: Die Söhne des Manasse sind Hafer und Issi, liest man: Ich finde nirgends diese Stelle nur in der Chronik I. 5 steht geschrieben: Und diese sind die Vornehmsten ihrer Abkünfte Hafer und Issi und am Anfange des Blattes 130 nach dem Worten ucdoscin sind sechs Textzeilen zwischen den Parenthesen mit folgender Anmerkung am Rande angebracht: Alles das scheint mir eine nachherige Zugabe und ist nicht die Schreibart der Ghemara. Aber genug davon, mögen nun darüber die Gelehrten uriheilen, besonders jene, die die ganze Baseler Ausgabe zu ihrer Verfügutig^haben, über die grössere oder geringere Wtthrecheinlichkeit meiner Vermutnng, dass der Dompilator desCavtor vaferah, das ist Jakob L. auch der Autor jener Postillen ist. Wenn ich alter sage, dass die erwanhten Postillen zum Talmud vorzüglich in Rücksicht auf die geist liehe Gensur geschrieben wurden, so will ich durchaus nicht sagen, dass der Autor nicht aus vollster Übersetzung geschrieben. Schon das Buch Caftor vaferah zeigt uns den Autor durchtränkt von moralischen Allegoren, eabbalistischen Mysterien, aber noch ein anderer Umstand dient zur Stütze, das er ein aufrichtiger Gabbadist war. Im selben Jahre 5341 (1580-81) lies er auch eigene Kosten bei dem seihen Trobenius das Buch nT^^H *E>u drucken, ein eabbahstisches Werk von Recänatis, dem er auch eine kurze Vorrede hinzufügte. (Fortsetzung folgt). Aus einem Briefe des Herrn Rabb Dr. Spitzer in Esseg. Ich finde mich bewogen, so ungern ich pro domo zu sprechen geneigt, zu Ihrem gesch. Artikel Zur Gesch. der Juden in der Kroatischen Militärgrenze folgendes hinzuzufügen. Im Sommer des Jahres 1868 besuchte der selige Feldmarschall-Lieutenant Freiherr von Gablenz, der damalige Landescommandierende zum ersten Male unsere Stadt, da nahm ich Anlass, bei ihm in zwei Angelegenheiten seine massgebende Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zum ersten handelte es sich um eine dringende Abhilfe. In der Mrlitärgränze. namentlich in der Nähe der Städte Brod und Vinkovce hielten sich immer Juden auf, um dort Geschäfte zu treiben, was besonders zur Zeit geschah, wo die Ptianmmenmuserzeugung begann. So geschah es auch in diesem Jahre. Aber da verfügte das Commando des Broder Regimentes urplötztlieh, sich auf eine alte und veraltete Veordnung, beziehend die Ausschaffung aller, die isr. Confession sind binnen 48 Stunden. Es wurde hieher von mehreren hiesigen K aufteilten um Abhilfe telegraürt, das war also das erste und dringlichste Moment weswegen ich den Oommandirenden um Einschreiten angieng. General j Gablenz in seiner ungewöhnlichen Leutseligkeit gewährte ' meine Bitte sofort und liess in meiner Gegenwart nach Brod telegrafiren, dass der lüdM quo ante eingehalten und die Israeliten in ihrem Handel nicht gehindert i werden sollen, bis er selbst weiters verfügen werde. Ich gieng auf das Meritorium der Sesshaftigkeit unserer Glaubensgenossen in den Grenze ein und setzte auseinander dass jene nicht nur die Juden sondern auch den Grenzbewohnern, durch die daraus erstehende Handelseoneurenz Vortheil erwachse durch Se Exc^ellenz gewahrten mich zu versichern: „Sobald

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