Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 5 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. keit der Erziehung und der Schule-denn auch die Bezeihnung Schule für Bethaus ist sehr charakteristisch für die Wichtigkeit einer richtigen Auffassung des Judenthums-darlegen und diess ist ihm in der den Talmudisten eigenthümlichen sinnreichen, kurzen Sprache meisterhaft gelungen. Ja sie zeichnet sogar die verschiedenen Grade und die Resultate der richtigen Erziehung in diesem wenigen aber kernigen Worten. Der Satz des Altmeisters Göthe: Was glänzt, ist für den Augenblick geboren, das Echte bleibt der Nachwelt unverloren oder mit anderen Worten das Gute einer Sache muss nicht gerade in die Augen springend sein und kann dennoch wahrhaft gut sein. Dieser Sinn liegt in dem einen Worte R. Hosaja des Grossen, wenn er die Erziehung zu nächst als hedeeckt (ver-hüllt) bezeichnet. Das Gute nämlich reift hier (in der Erziehung nämlich) wie in der Natur langsam, und ist um mit unseren Weisen zu sprechen HD13£ bedeckt d. h. im Stillen und in Bescheidenheit geht es seiner Vervollkoimneng entgegen. Lasset nur die Jugend langsam entwickeln, übereilet und überhastet sie nicht und der Nutzen hievon wird zwar anlangs nur für den bescheidenen stillen Familienkreis ersichtlich sein, aber da selbst vermag er schon euch reine Herzensfreude bereiten, y^jCltt (^e *^e~ seheidenheit und Anspruchslosigkeit so erzogener Kinder ist die sicherste Bürgschaft, dass dieselben auch im Leben, in der Gesellschaft diese kostbaren Eigenschaften der Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit bewahren und bewähren werden. Trotzdem aber werden sie nicht feige und kriecherisch werden, denn das Bewusstsein ihrer Menschenwürde, der Gottähnlichkeit C^a2 CTKPT TIS TO> u'H^X durchdringt und erfüllt sie, und gerade durch diese Erziehung werden sie TC") yross innerlich gefestet, unabhängig von den Scheinerfolgen der Aussenwelt, denn sie haben in ihrem Jmern evm Welt, wohin sie sich in des Lebens Stürmen flüchten können, wo sie wenn des Meeres WTellen noch so hoch gehen, in den sicheren Hafen wahrer Zufriedenheit einmünden können. An so woiergezogen Kindern erfüllt sich das schöne Wort des gottbegeisterten Sängers E^TTltt? •rr-©* irrf?x nvutrq n rraa die gepflanzt und erzogen wurden im Gotteshause — in der Schule — sie werden, wenn sie einst grossgeworden, zur herzerireuenden Frucht in den Hallen Gottes, sie die bescheiden und züchtig sind erzogen worden, sie werden gross und angesehen auch in der grossen Welt. Ich glaube in beredteren Worten kann man nicht den Vorzug wahrer und idealer Erziehung schildern, als R. Hosaja es hiemit thut; und nicht Leibnitz ist es daher, der Anspruch erheben kann auf die Originalität des Satzes, dass wer die Erziehung eines Volkes leitet, in dessen Händen die Zukunft liegt, sondern den (1) Der deutsche Dichter und Sprachforscher Max Moltke hat diesem Gedanken eine neue, schöne Form iu folgenden Worten . erheben: Das Wort sei Hort und Saat der That, | Talmudisten welche den Psalmvers (1) C^^J? *£f | TU* rHu" D^pJVI Alls tlem Munde der Kinder und Säuglinge hast du die deinen Sieg gegründet "dahin | deuten, dass die Lehr -und Bethämer, welche in Israel zum Unterrichte der unmündigen Kindheic und der | unerfahrenen Jugend errichtet werden, den Bestand, die Festigkeit der Welt sichern und erhalten. Denn die Talmudisten waren durchdrungen von dem Gedanken, : dass die Schuir die treueste .Hilterin der ethische/) In- ■ teremen <U>r Menschen i$t Und kann es mit Zunz zu reden, ohne UebertreibimQ in Äimassüng gesagt werden, dass kein Volk der alten und, neuen Welt den Wert der j Erziehung so hoch gestellt und so anerkannt hat als die jüdische Nation schon zur Zelt der Tai rni allsten, ja noch viel früher. Als nämlich der jüdische Staat zu sein aufgehört, als Rom's alles verschließende Macht dem Staate Judaea den Garaus gemacht und dem ob seiner Gottesfurcht, Rechtlichkeit und Gelehrsamkeit gleich berühmten Manne Rabbi Jochanan ben Sakkai freigestellt j wurde, sich eine Bitte vom römischen Caesareil erbeten zu dürfen, da bat er einzig und allein um die Bewilligung zur Errichtung und Erhaltung eines Lehrhauses in Jamnia (Jahne) Denn tief drurchdrungen von der heiligenden und schützenden Kraft des Studiums wollte er nur dieses ' erhalten wissen, und durfte mit Recht hoffen, dass mit dessen Bestand das Judenthum nicht nur fortbestehen sondern lebenskräftig und lebensfreudig sich fortentwikkeln werde. Und diese Hoffnung hat ihn nicht getäuscht | Fortsuschreiten mit der Entwicklung von Gesellschaft j und Wissenschaft, sich Neues anzueignen, ohne Bewährtes zu verlieren, neue Interessen zu würdigen ohne dem , Hergebrachten ungerecht zu werden, das setzten sich die Tatmudisten bei der Einrichtung ihrer Schule zum Ziele. Der Schüler sollte in das Leben eintreten, nicht mit rückwärts gekehrtem Antlitz, das nur Vergangenes; sehen gelernt hat, nicht als Wanderer in der Irre der fremden WTelt, sondern er schreite, als Wanderer hienein in ein Feld, für welches ihm seine Erziehung rege Sym- | pathien und Fähigkeiten geweckt hat (2). Das ist dre 1 I__________ (1) Vgl. Sachs, Stimmen vom Jordan und Euphrat p. 372 j wo er diesen Psalmvers so schön und treffend durch die Worte •wiedergibt: Komm Freund, ich zeige dir des Erdballs feste Stüzen i der pmgen Kinder Utweh, die in den Schulen sitzen. (2) Daher der Ursprung des bei den Juden noch heute:; üblichen Sprüchwortes. Aus einem Bachur (Studenten) kann man alles machen. Ein anerkannter Paedagog (Dr. Adolf Jos. Pick in Wien) der das Wort Baßmr schüchtern durch „Student" übersetzt spricht sich über die jüdischen Schulen in dem Aufsatze; Ueber Schulorganisatiort und Schulgliederung (Dittes I'aedagogium p. 228 ff.) folgeiulermassen aus: Das Sprichwort rührt daher, weil die; Ertüchtigung der die jüdische Schule beruhenden jungen Leute; darin lag dass diese Schulen sich nicht zum Ziele setzten, ihre! Jünger zu ausgezeichneten Kaufleuten, die sie doch unstreitig i wurden, oder zu einem anderen praktischen Erwerb zu bilden sondern zu dem, was .hnen eben in dem Begriffe den Menschent&vms lag. Hält 'mann wirklich die fast 2000jährige Märtyrer- I r/etr.hie.hte fi/r ittöei'lrh. wenn sie eine utmnterbrocheue Lei den sgeiett.leh.ti wäret wenn aus dem Leidenskelche nicht das Glück stets und stets eniporgeperlt wäre. Tßie*es Qlück lag in der Ganzheit , in d/.r Einheit des ich, das also gewappnet besser al« mit der Routine der praktischen Brauchbarkeit dem Geschicke entgegentrat. Ich