Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Centralblatt · 1882-02-15 · 4 (15.2.1882) · p. Seite 45

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
4 (15.2.1882)
Date
1882-02-15
Page
Seite 45 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/9620166-9626018-9625182--040-9625191
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DAS .li'DISCHK CENTRA LBLATT. 45 wir uns nun in den indogermanischen Sprachen um, was Kir Lautverbindungen aus g mit j entstehen können. Der f-omparativ von uiyac gross lautet bekanntlich. ja£u«>/ eigentlich jieyttov, tteYjwv und gibt endlich den dentalen Zischlaut .Z Den Laut ch aber nehmen wir in keiner der indogermanischen Sprachen, aus einet' wichen Verbindung entstanden, währ. Dass das / aber wirklich auch in Spanischen ursprünglich einen dentalen Zischlaut bezeichnet, wodurch es ja noch heute im Ladino bezeichnet wird, und ausser dem, dass das dem Spanischen am nächsten verwandte, das Portugiesische nämlich, diesen Laut noch heute so ausspricht, ergibt sich aus einem von A. Sylvestre de Sacv in Eichhorns allgemeiner Bi- Mothek der Biblischen Literatur Bd. VIII p. 1 — 22 veröffentlichsten Aufsatze. Silvester de Saey giebt nämlich in Transscription einige Proben, wir lesen darunter: Quando sereis a quatr» o cinco levas de Milan desarloes (1) a la mano derecha (Quand vous serez a quati*e ou cing lieues de Milan vous laisserez eette villea main droite.) Wir ersehen also daraus ganz sonnenklar, dass J in keinem Falle den Gutturailaut ch hatte. Und so drängt sich uns die Vermuthung Moniaus wieder auf. dass diese Aussprache germanischen Emffasse zugeschrieben werden müsse, oder, wie mir nriker bestimmen, niederländischen Einflüsse.4 Da das h im ladino nicht ausgedrückt wird, so wird es hier am passendsten sein darüber einige Worte zu sprechen. Wir haben bereits gelegentlich bemerkt, dass das ch im altspanischen zwischen ch und g die Mitte gehalten haben müsse, was soviel sagen will, dass h ein gutturaler Laut war. Wenn nun dieses gutturale ch bald / wurde, bald wieder h, so ist dieses durchaus keine befremdende Erscheinung: der gegenseitige Wechsel ist im Gegentheil ein durch alle indogermanischen Sprachen sich hinziehender (2) Wie aus lateinischen / häufig im spanischen h wurde, so wird auch aus dem gernirmiwhen Lippenlaut also p oder f ch vgl. koopen (kaufen) kocht, gekocht (3) und <Yt der Anmerkung hiezu lesen wir: Der Übergang des P ist selten, z. B. gothisch aptar, niederdeutsch achter (hinter) [vgl. englisch after in derselben Bedeutung.] Man vgl. auch ttote und x-dte, tz&c and xrnc ferner Kluft und niederl. Klucht, Klafter und niederl. Lachtet. Neffe and Nichte taufen und tauchen (hier auch Begriffsmodifieation) im Vlämischen Lucht für Luft, krachtig für kräftig (4). Zu vgl. ist ferner engl, enough mit dem ihm (1) Oeear wird aber im heutigen spanisch d<jt - geschrieben. (Die Etymologie dieses Wortes ist allerdings nicht festgestellt.) Man ersieht aber soviel, dass das y, das damals einen Zischlaut bezeichnete, heute den Guutturallaut ch bezeichnet, Weiteres in unserem Beitrage zur Lexicograpliie. (2) Charakteristisch für sabinische Latein ist der Gebrauch des / für anleutendes h zB. fircus statt hircus, faedushaedus. Schuchardt Vocal. I. p. 89. (3) Wichtigkeit des Studium's der flamändischen Sprache etc. Herrig's Archiv V. Bd. p. 329 ff. (4) Vgl. ferner H. Schuchardt, Vocalismus des Vulgärlateins tll. Bd.^p. 31: Im albanesischen erscheint^! fiir xt, */t nicht selten ßa<pt£a tosk. ßa^T* *uch neugriechisch cacpxuÄc altgriechi schein $ axtuao c . etymologisch gleichen;kuUcheh Worte genug. [Siehe Dr. Mtetzner, Englische Grammatik, Berlin Weidmansche Buchhandlung 1873, I. Bd. p. 52). Nun wird Diezs Frage nicht mehr befremden, warum j die Araber den Laut des j durch ihr [ch] nicht I wiedergeben, sie durften & nicht, denn es wurde so j lange Mauren in Spanien waren, d. h. guttural, sondern stet's dental ausgesprochen. Wurde aber das j de«ta) also wie fr. j ausgesprochen! so wird sich uns die Aussprache des x, die ja eben auch | festgestellt werden soll, von selbst ergeben. Prof.! Mussafia bemerkte schon mit Hecht, dass die türkischen; Juden noch heutzutage überall das x wie sch aussprechen ' und so lesen wir ib der That in den ältesten im ladino j abgelösten Büchern y$ (sch) anstatt x (1). Dass nun x \ schon in den mten Jahrhundert der christlichen Aera wie * oder ss ausgesprochen wurde, ist durch Corssen und Schuchardt. so wie durch andere Forscher hinlänglich nach- I gewiesen worden, ja die Verwechselung gieng soweit, dass man wie Schuchardt nachwies, oft geradezu umgekehrt statt s x und statt x « schrieb: so lesen wir Xisius für Sixtus. (2) So steht uns nun so wohl nach Schuchardt als nach Coeiho (3) lest, dass spanisches dexar, dejar, port, deixar nicht von lat. desitare, sondern von lexare, mittelst eines Wechsel von l und d, den wir bereits oben nachgewiesen. Aber auch hier kommt uns die portugiesische Aussprache, »o wie die von uns bereits erwähnte Transscription des Wortes dejar in arabischen Texten. Und nur so lässt es sich erklären dass man x und j mit einander vertauschte. [Man vergleiche noch hiezu die interes- : mute Stelle in Don Quixote (4): Quieren dezir que tenia el 1 sobrenombre de Quixada o Qmsada que en esto ay alguna differencia en los Autores que deste caso escriven | aunque por conjeturaos vero sirniles se dexa entendes que ' se llamava Quixada p. 2. * i findet sich nie allein im Anlaut, es muss immer als spiritus lenis ein J$ vorgesetzt, werden; jedoch finden wir ' ein doppeltes [ii y] wol in Anlaut ohne Vorherstellung eines }<, d. h. eines spiritus lenis. Dieses Wegfallen ■ des J< zeigt uns schon, dass wir es hier nicht mit einem ' Voeale, sondern mit einein Oonsonanten zu thun haben, O) Dir ""SC v«)», h bra bau A»kava neu aufgelegt in Livorno 5631 (Jh70 o. Ch.) Streitfragen über jüdische Ritualgesetze, in hebräischem Texte mit darauffolgender apanischer Übersetzung. Das Spanische rührt von den im 15. Jahrhunderte ' aus Spanien vertriebenen Rabbinen her, steht also auf gleieber Alterstufe mit der Kerrarensisehen Bibelübersetzung. Dieses seltene j Werk sowie das folgende: von Abraham Boton ffffi *T^D > herausgegeben in Assmir (Smyrna) 5420 (1658 n. (Jh.) verdanke ich der Güte des Herrn Dr. Adolph Jellinekv der wol die grossle Sammlung jüdisch-spauise.ber Antiqnitaeten besitsrt. (2) Vergleiche über die Aussprache des Aitfranaösischen : von G. Michaelis p, 41J-424, in Herrigs' Arhiv für neuere Sprachen XXXIX Bd. X erscheint schon früh m Vulgärlatein asshnialirt i zu *« und daram erklärt, sich am meiste]) sein häufiger Gebrauch; für scharfes *. Vgl. Schuch- J. p. 22. Statt x wurde zuweilfn % ' gesehrieben: Alezandro bizit und umgekehrt x tdu v,. (3) Romania 11. p. 287 io der Anmerkung. (4) Schlich. III p. 74.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.