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Das jüdische Centralblatt · 1882-02-01 · 3 (1.2.1882) · p. Seite 35

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
3 (1.2.1882)
Date
1882-02-01
Page
Seite 35 (sequence 11)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 35 enatisehen Zwange, der -Denkkraftfreien -Raum liess, den errungenen Glauben sein erworbenes Eigenthum nennen zn dürfen. Nicht das Bach Job in seinem Gotteszweifel sollte dem jüdischen Geiste fremd bleiben und der Materialismus und der Sinnengenuss, wie sie im Buche Koheieth als einziger Ertrag des zeitlichen Daseins gepriesen sind, sollten ihm unbekannt bleiben, auf dass desto klarer, und erhabener ihm die Idee der Sittlichkeit erschiene und er aus allen Wirren des Denkens zum reinen selbsterrungenen Gottesbewusstsein gelange. Diess alles illustrirt der Verfasser durch Originaltexte aus der heiligen Schrift, den Targumim und den beiden Tälmuden und ist das Studium dieses lehrreichen und zu gleich fesselnden Buches jedem, dem es um ein gründliches Erfassen der religiösen Lehren des Judenthums zu thun ist, wärmstens zu empfehlen. Abraliam Uochmuth, Rabbiner in Ves&prim, Goiteser kennt niss und GoUes verehruny, auf Grundlage der h. Schrift und späterer Quellen bearbeitet als Lehr-und Handbuch zum Religionsunterrichte in Lehrer-Pra)parandien und in den oberen Klassen der Mittelschulen. Budapest, Franklin-Verein 1882 Preis 1 fl. 20 kr. 2 Mark 40. Dass gerade in letzter Zeit soviel Lehr-und Geschichtsbücher über den Religionsunterricht an jüdischen Mittelschulen erscheinen, beweist zur Genüge, dass ein wahres Bedürfhiss nach einem geeigneten Lebrbuche vorliegt, und jede Bemühung diesem Bedürfhiss gerecht zu werden, verdient nicht nur volle Anerkennung, sondern auch Förderung, soweit es im Bereiche eines jeden liegt. Das angeführte Buch verdient schon aus dem Grunde besonders rühmend erwähnt zu werden, weil es auf die Ethik des Judenthums ein besonderes, ja das Hauptgewicht legt, und weil auch wir überzeugt sind, dass ohne Erfassung der wahrhaft erhabenen Ethik das Judenthums alles andere unhaltbar und hinfallig ist. Denn dass gerade die Ethik eines Gemeinwesens oder eines Staates das Charakterische ausmacht, hat der Akademiker Paul Hunfalvy in einem seiner jüngsten Vorträge in der kgl. Akademie der Wissenschaften zu Budapest nachgewiesen. Obwol der Verfasser in der Vorrede sich darüber ausspricht, dass er manches nicht eng in das Buch gehörige aufgenommen, so glauben wir doch dass in einer zweiten Autlage, die wir dem vorzüglichen Buche herzlich und recht bald wünschen, manche Anmerkungen, die zu gelehrt sind, ausbleiben sollten. Vollständigkeit wird und kann auf diesem Wege nicht erzielt werden, und da führt diess oft zur Halbbildung, die bekanntlich viel ärger als gar keine Bildung ist. Der bibliographische Hang ist unsererZeit ohnehin bereits zu sehr eingerissen, als das man ihm noch Förderung angedeihen lassen sollte. Die Deutung mancher Bibelstelte so zB. 1. Mos. Gap. 18 Vers 18 „Den ich weiss von ihm, dass er l^fy? VDITT befiehlt" scheint uns eine gewagte zu sein. Man darf nicht alles beweisen wollen: das Wort J7"p hat entschieden in sehr vielen Stellen .die Bedeutung, d^e der Autor in scharfsinnigerweise dieseraWorte beilegt, aber nicht immer. Gerade das Wort eK&ennetä, wissen ist eines der etymologisch schwierigsten. Eine Vergleichung des griechischen y^vcboxw (yovrj Frau) mit Ifi^K Hin JH* DllCtt imd der Sanskritwurzel gan und gna würde dem Autor zeigen, dass diese dem Worte JH*1 beigelegte ethische Bedeutung eine späte und daher durchaus nicht überall so wiedergegeben-werden darf. Doch wollen wir die gelehrten Anmerkungen mit Dank hinnehmen, denn nicht jedem Mittelschullehrer ist es gegönnt, mit den neueren Literaturerzeugnissen sich bekannt zu machen; nur wünschen wir, dass das gelehrte Material, der Quellennachweis in einer besonderen, von dem Buche losgetrennten Brocbüre erschiene. So hat es Prof. Gurtius in Leipzig mit seinen „Erläuterungen" zur griechischen Schulgrammatik gemacht, und so halten wir es auch vom paedagogischen Standpunkt am richtigsten. Dem vorzüglichen, in einem edlen Stil abgefassten Lehrbuche wünschen wir fleissige Schüler und ehrliche Lehrer; denn es wäre endlich Zeit, dass die Religion keine Magd der anderen wissenschaftlich - gelehrten Gegenstände, sondern ihre ebenbürtige Schwester werde und bleibe dk rrrix nmrb Dr. M. Duschak, Die Moral de/' Evangelien und des Talmud. Eine vergleichende Studie im Geiste unserer Zeit. Brünn 1877. Verlag von B. Epstein. Es ist die Schrift des gelehrten Verfassers noch heute wert gelesen zu werden, denn die Moral des Talmud ist leider nicht, nur den Nichtjuden, sondern auch vielen unserer Glaubensgenossen eine terra incognita. Zur Ein- 1 eitung in die Moral des Talmud mag obige Schrift dünen Elias Karpeles Rabb., (Jorfiniationsreden für alle Wochenabschnitte des Jahres. Brünn 1870. Verlag von B. Epstein. Es ist nur lobend anzuerkennen, wenn man bestrebt ist, altjüdische Sitten zu erhalten, und die erhebende Feier der HI^E "Q wir<i entschieden für das Leben massgebend sein, wenn die Rede des Confirmanden nicht bloss für Schaustellung und Produciren berechnet ist, sondern auf eine Vertiefung des Gemüthes eine Veredlung des Herzens hinzielt. Von dem grossen Eroberer Napoleon I. wird erzählt, dass als er einst schon als Kaiser inmitten seiner Generäle sass, er die Frage aufwarf, welcher Tag denn für ihn der schönste seines Lebens sei, und nach langem Hin-und Herrathen der Generäle sagte, es wäre der Tag seiner Corhmation gewesen, denn dieser ha be bestimmend auf sein ganzes zukünftiges Leben gewirkt, Der Verfasser hat sich bemüht geisterhebende und gemüthveredelnde Anprachen zu verfassen und wir können sagen, dass seinem Willen auch die Kräfte gleich kommen.

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