Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 3 (1.2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- Seite 33 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JÜDISCHE CENTRALßLATT. 33 Vorzügliches und unentbehrliches Erziehungsmittel der zarten und aufwachsenden Jugend. Im Geist der Bibel selbst, welche die Männer und Frauen, die sie uns vorführt, durchaus nicht als vollkommene Muster hinstellt, sondern neben ihren Tugenden ihre Fehler, neben ihren Vorzügen ihre Schwächen zeichnet und uns damit Bilder aus dem wirklichen Menschenleben darbietet, wird überall auf die echte Moral hingewiesen. Unser Lehrplan w'äre also: I. Klasse. Gymnasium und Realschule: 2 Stunden wöchentlich a.j Eintheilung der Bibel, Name und Inhalt der einzelnen Bücher. hj. Feiertage (Namen und Bedeutung derselben). <-.). Biblische Geschichte der 5 Bücher Mosi3 d.h. bis zum Tode Mosis. d). Uebersetzung des Schernau Gebetes, und cursorisches Lesen der wichtigeren Gebete. iL Klasse. Gymnasium und Realschule: 2 Stünden wöchentlich. a). Biblische Geschichte von Josua bis zur Theilong des Reiches. h). Uebersetzung des Schemah, des 18 Sprüchegebetes (Schemoneessrah). 6). Cursorisches Lesen und Orientiren im Betbuche. für die wichtigsten Feiertage (Ostern, Wochen-Laubhütten-Neujahr- Versöhnungsfest). III. Klasse. 2 Stunden wöchentlich. a). Biblische Geschichte bis zur Zerstörung de3 1. Tempels. hj. Uebersetzung des Sabbatgebete und der von den wichtigsten Feiertagen. c> Cursorische Leetüre aus dem Gebiete des ganzen Betbuches. IV. Klasse. 2 Stunden wöchentlich a). Systematische Entwicklung der Religionslehre (gezogen aus der biblischen Geschichte). hj. Fortsetzung der biblischen Geschichte bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien. V. Klasse. 2 Stunden wöchentlich. a). Systematische Religionslehre, begründet auf Ethik und Moral. [>)• Fortsetzung der Geschichte der Juden von der Zerstörung des 1. Tempels bis zum En;le des Gaonats (586-1040) VI. Klasse, a). Systematische Religionslebre. hj. Biblische Geschichte von 1040 bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien. VII. Klasse. Systematische Religionslehre (anlehnend an bedeutende Bibelstellen). Geschichte der Juden bis auf Mendelssohn. VIII. Klasse. Recapitulation des gesamten Stoffes. (1) Wir sind schon aus dem Grunde nicht für eine Erweiterung des Lehrstoffes in den 8 Gymnasialklassen, weil die Realschule bis jetzt nur 7klassig ist und der gleiche Stoff durchgenommen werden muss (sowohl im Obergymnasium als auch in den Realschulen); aber auch sonst sind wir der Ansicht, dass es endlich an da- Zeit wäre, die 8. Gymnasialklasse zum grössteu Theile zur Wiederholung des Lehrstoffes zu verwenden. Wie wir übrigens die Behandlung des Religionsunterrichtes in den oberen Klassen des Gymnasiums in der Realschule behandelt wünschen, zeige folgende von uns schon vor 4 Jahre entworfenen Skizze, die im 2. Jahrgang das Hamerhacker veröffentlicht wurde. Der Unterricht im Untergymnasium bleibt ganz und gar der Gewissenhaftigkeit des Lehrers überlassen. Mit Recht sagt der geistreiche Ritter Ljebomir (Pseu lonym, dessen wahren Namen wir gern erfahren würden) dass der jüdische Lehrer sagen kann: L'ecole c'est moi in dem interessannten Aufsatze: Einige Reflexionen Religionsunterricht an Mittelschulen. Mag mann wie immer über Religion denken, für die Mittelschüler ist sie meiner tiefinnersten Ueberzeugung nach YtoifoiopM.ditj\ unbedingt nothwenülg. Die Moral allein genügt nicht, den Menschen für ideale Zwecke zu begeistern. Sehr richtig wird in der allg. österr. Lehrerzeitung vom 15. Mai 1878 (S. 157) bemerkt: „Mbrälti sehe Bildung allein fuhrt Ei)tblld.ung vhd Stolz herbe>\ religiöse Bildung allein erzeugt knechtischen Sinn, Scheinheiligkeit und Schmeicheh>i.b Beide Bildungsrichtungen müssen sich beim Unterrichte ergänzen, um wahre, gej rüde Menschen heranzuziehen und nicht vom Eigendünkel I aufgeblasene Gecken einerseits, oder scheinheilige Knech- | te und Schmeichler andererseits. Das Verhältniss zwischen religiöser und moralischer Bildung soll jeder Lehrer anerkannt haben, bevor er an das Werk der Erziehung geht. Die Zweitheilung der Religion und Moral ist eine naturgemässe und nothwendige. Die jetzige Erziehung legt imverhältnissmässig mehr Gewicht avf Erwerbung von Kentnissen, oh auf die Enticickh<ng den Charakters und die Stärkimg der fsittJichev Willenskra ft. Der Grund hiervon ist jedenfalls in den ungeheueren Fortschritten, welche die Naturwissenschaften in den letzten Dezennien genommen. Aber könnte man nicht dieselben für die | Moral vervverthen, könnte man nicht darauf verweisen, dass in der Natur, in der todten sogar. Ordnung und Gesetzmässigkeit, ja wenn mann es will, eine gewisse Sitte und Sittlichkeit herrscht. Denn Sitte und Sittlichkeit sind ursprünglich nahef verwandte Begriffe. Wir kommen hier auf die jüngstgeäusserten Worte H. Lorm's zurück, ( der in seiner Naturbetrachtung sagt: „Allzulange hat man Sittlichkeit und Natur in einen Gegensatz gebracht, welchen der angeborene Impuls des Menschen, dem naturgemässen zu folgen, nicht anerkennen will. Das Sittliche zugleich, als das Naturgemässe, das Unsittliche als das Naturvridrige zum Heiniisstsein zu bringen, wäre eine Aufgabe für Pädagogen und Moral ixten." Werden die Naturwissenschaften auf diese Weise verwerthet (und es haben sogar gewiegte Forscher wie Prof. Jäger nachgewiesen, dass der so verschrieene Darwinismus sich mit Religion verträgt), so wird die Eraehuiu der Jugend eine erfolgreiche und glückliche sein. In unserer Zeit, wo man keine Bevormundung von irgend einer Seite duldet und dulden will, können die Menschen nicht frei werden, wenn sie nicht zur Freiheit erzogen werden. Und diese Erziehung der Freiheit kann eben so schön an Hand der Natur vollbracht werden. Ist doch die Natur ein Werk Gottest dessen Grösse man im Sonnenstäubchen, wie im grössten Fixsterne bloss ahtfber die israelitischen Kultusgemeinden ie Kroatien, llamechaeker Jahrgang III. p. 174 g. 202, 233, 248, 264, 299, 312.) Also auf Gewissenhaftigkeit und Liebe zur Jugend kommt es liier hauptsächlich an, denn dass Wissen hiezu haben fast alle Lehrer. Wenn die Jugend vnxere Hoffnung und untere Zukunft ist, sind die Lehrer die verantwortlichsten Männer des Staates. Caveant consules ne quid detrimenti res publica capiat. Dixi et salvavi auimam meam.