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Das jüdische Centralblatt · 1882-02-01 · 3 (1.2.1882) · p. Seite 27

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
3 (1.2.1882)
Date
1882-02-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALE Ii ATT. 27 in. seinen Heimatsorte aui sich gelenkt. Wie es in der damaligen Zeit und namentlich in Ungarn Usus war, dass fromme Eltern ihre Söhne ausschliesslich nur dem Studium der Thora und des Talmuds widmeten, so war es auch der sehnlichste Wunsch der frommen Eltern des kleinen Jehuda, das besonders begabte und ebenso gute, fromme Kind als tüchtigen Talmudgelehrten heranbilden zu lassen. Und sie haben sich in ihren Erwartungen nicht nur nicht getäuscht, sondern sie auf das glänzendste realisirt gesehen. In seinen neunten Lebensjahere hatte er bereits die fünf Bücher Mosis mit dem Raschi Comentar, die Profeten, und einen grossen Theil von den Hagiografen, einen grossen Theil der Mischnah und mehrere Abschnitte von dem Talmud-Traktate Berachot bei einem Lehrer erlernt j und vollständig inne gehabt, so dass sein erster Lehrer seinen Eltern äusserte, er sei dem kleinen Jehuda als Lehrer nicht mehr gewachsen, denn er vermag oft weder seine Fragen in den 5 Büchern Mosis noch in der Mischnah und im Talmud zu beantworten. Sie mögen daher das Kind einem tüchtigeren Lehrer zuführen, denn Jehuda bemerkte er, wird gewiss etwas grosses und seltenes werden. Und das erste Prognostikon war auch wirklich ein sehr richtiges. Die Eltern, hoch erfreut und sich überaus glücklich fühlend von dieser ihnen gemachten Mittheilung des Lehrers, übergeben ihn auch sofort einem andern tüchtigeren Lehrer, bei welchem er bis zu seinem 13. Jahre Unterricht im Talmud nahm und solche Riesenschritte machte, dass er zu seiner Confirmation (Bar-Mizwah) ein selbstverfasste hebräische Rede (Agadah-Deraschah) so wie eine eigene talmudische Composition in seinem Eltemhause vor vielen versammelten Gästen vortragen konnte, die sich auch des allgemeinen Beifalls erfreute. Die Ethik des Juda Halevi Von Rabb. Dr. Adolf Frankl-Grün in Kremsier. Während die antike Ethik von der herrschenden Volksreligion ganz absieht, ja oft im Widerspruch mit dieser sich befindet, geht die mittelalterliche Sittenlehre mit der Theologie Hand in Hand und gewinnt diese nicht selten die Oberhand über jene. Besonders aber war das Streben der Scholastik darauf gerichtet, alle Tugenden nur in Glauben aufgehen oder münden zu lassen. So sehr auch Juda Halevi diese Anschauung theilt, dass nämlich die Sittengebote, welche in unsern Herzenstafeln eingeprägt sind, mit denen, welche Gott in die Gesetzestafeln eingezeichnet hat, (1) vereint werden sollen, stellt er doch nicht Religiosität als die Bedingung der Moralität hin, noch weniger macht er die Sittlichkeit des Menschen von der (l) Divan 38 Ausübung irgend einer Glaubensform oder gar bestimmter Religionssatzung abhängig. Schon durch den Umstand, dass er die Pflicht unserer sittlichen Veredlung wie auch der unserer Angehörigen und Mitbürger aus der Vernunft herleitet, durch welche der Mensch von allen beseelten Wesen, mit denen er innere und äussere Sinne, Bewegung und Begierde gemeinschaftlich hat, sich auszeichnet (1) schon dadurch erkennt er die Allgemeinheit und Selbständigkeit der Ethik an. verleiht er der Sittenlehre einen cosmopolitischen, interconfessionellen Charakter und nimmt ihr jene Exelusivität und Einseitigkeit, in welche sie zu bannen auch die Gegenwart mehr als gebührlich geneigt ist. In dieser Erklärung der Ethik als ein neutrales Gebiet fcIgt J. H. den W?isen des Talmud*, welche in Bezug j auf dieselbe den Satz, dieWahrheit von wem immer anzunehmen, zur vollen Geltung brachten, indem sie sittliche Maxime und Handlungen, wo immer sie solche wahrgenommen, mit Lob aufzeichneten. So führen sie einen Heiden als Beispiel der kindlichen Liebe gegen die Altem an, (2) schliessen sie den Ausspruch des Apostaten Elisa ben Abuja an den anderer Gelehrten an (3). Auf diese vorurtheilslose Anerkennung des Guten auch bei Andersgläubigen ist es zurückzuführen, wenn J. H. trotz dem schärfsten Tadel, den er gegen die Philosophie erhebt, dass sie bloss Blüthen ohne Früchte treibt, durch ihre kalten Zweifel das Herz starr macht (4) ihre ethische Grundsätze schätzt und würdigt, wenn er von der moralischen Weltbedeutung des Christenthums spricht und mit rührender Offenheit dessen Vorzüge hervorsucht, wenn er für jedes Verdienst in jeden Stamme und Stande, in jeder Nation und Religion, ein offenes Auge hat (5), ein Zug, der an Werth gewinnt, wenn wir uns in die Zeit und in das Land J. H. versetzen. Von solchen Prinzipien geleitet kann er, ohne den Vorwurf der Ausschliesslichkeit auf sich zu laden, an die Aufgabe herangehen, den Nachweis zu liefern, dass die jüd. Religion die höchsten Anforderungen der Ethik vollkommen zur Erscheinung und Verwirklichung bringt. Eine solche Ethik auf religiöser Grundlage zu constuiren, ist die Haupttendenz des religions-philosophischen oder vielmehr ethisch-theologischen Buches Kusari, dessen Anfang Mitte und Ende, wie wir diess zeigen wollen, mit sittlichen Problemen sich befassen, und welche in ein System zu bringen, folgende Arbeit sich vorsetzt. Fortsetzung folgt. (1) Kus 1,27 f. (2) Kid. 30 (3) Sprüche der Väter 4,25. (4) Luzzalo Virgo. S. 57 (5) Kus. 1,111.

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