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Das jüdische Centralblatt · 1882-02-01 · 3 (1.2.1882) · p. Seite 26

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
3 (1.2.1882)
Date
1882-02-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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56 DAS JÜDISCHE CENTKALBLATT. werden. Dieses ethische Leben nennt das Judenthum (1) heilig sein, und in diesen Sinne ergeht an jeden Israeliten die Mahnung des Pentateucb: Heilig sollt Ihr sein, denn heilig bin ich der Ewige Euer Gott. Und diese (2) vorwiegende Richtung auf das Ethische haben auch nichtjüdische hervorragende Forscher anerkannt. Der Bund, sagt Bahr (Symbolik des mosaischen Cultus L 37) das heisst das besondere Gemeinschaftsverhältniss, in welches Gott zu Israel durch das geoffenbarte Gesetz getreten, bezweckt die Heiligung Israels, er lautet mit einem Wort: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig. Diess ist das Princip, die Seele des Mosaismus, sein Lebensodem und nach ihm bestimmt sich überhaupt das ganze göttlich-menschliche d. h. religiöse Verhalten. Die mosaische Religion ist daher durch und. durch ethisch, richtet sich durchhaue an den Willen des Menschen und betrachtet ihn als ein nwralisch.es Wesen. KAPITEL III. Besondere Eigentümlichkeiten der talmudischen Ethik. Einer der hervorragendsten Kenner des biblisch - talmudischen Schriftthums, der der Wissenschaft und dem Judenthum leider allzufrüh entrissene Director Dr. Lazarus in Breslau, hat in seiner einleitenden Schrift zur Ethik: „ZurCharakteristik der talmudischen Ethik" die treffende Betrachtung gemacht: Die talmudische Ethik hatte nicht in irgend einem Prinzip sich erst eine Grundlage zu schaffen, es gab im Bereiche menschlichen Denkens nichts, was gewisser, sicherer, klarer, bestimmter, zweifelloser war, als dass Gott der Schöpfer eben sowol einer sittlichen als der physischen Weltordnung sei, dass er die Quelle aller, auch der ethischen Wahrheit sei und dass die überlieferten Sittengesetze eben diese Wahrheit ausdrücken und enthalten. Es fehlt zwar im Talmud und fehlte schon bei den Propheten nicht au einzelnen Aussprüchen von einer so unfassenden Gewalt, dass in ihnen wirklich der gern der ganzen Sittlichkeit enthalten scheint und in diesem Sinne haben auch die Talmudisten solche Sprüche als Principien angesehen (Maccot 23 b) aber (1) Der Name Jude (Jehudi) ist übrigens, wie Dr. Julius Fürst diess jüngst in Dr. A. Brüll's ^Monatsheften" nachgewiesen durchaus nicht auf dieBekenner des Judenthums, allein sondern auf alle Anhänger des einig-einzigen Gottes ausgedehnt worden, wie diess ältere Midraschim und auch Midrasch Pesikta Sutarti (Lekach Tob Abschnitt Schemot) an vielen Stellen aussprechen so heisst es +VSV *np; mi nropa nai^n hz wer den Götzendienst verleugnet, wird Jehudi (Jude) genannt (Lekach Tob edidit S. Buber pagina 10. siehe daselbst" Anmerkung 33. als Beweis wird die Stelle im Profeten Daniel Cap. 3 Vers 12 angeführt, die lautet pTPH» pM TPX (2) Zur Charakteristik der talmudischen Ethik von Director Dr. L. Lazarus. Im Selbstverlage des Verfassers. Breslau 1877. weder konnten diesen Sprüchen, auch wenn sie des göttlichen Namens keine Erwähnung thäten (was sie nur zum Theil nicht thun) eine dem theistischen Hintergrund aller Sittlichkeit abgelöste Bedeutung in der Seele eines Talmudisten zukommen, noch wird irgend der Versuch gemacht aus diesen allgemeinen Sätzen in systematischer Ordnung die überlieferten oder weiter ausgebildeten Lehren abzuleiten. Die sittliche Grundstimmung also war thatsachlich und zweifellos gegeben, der Hang zu strenger Systematik fehlte: oder wenigstens zur praktischen Befestigung des ethischen Ishenshaues bedurfte man ihrer nicht. Und fürwahr, wo das Leben eine ununterbrochene Bethätigung der Lehren der Moral und der Sittlichkeit ist, wo die Ethik dergestalt in Fleisch und Blut übergegangen ist, bedarf man eines systematisch ausgebildeten und nach allen Seiten hin verarbeiteten ethischen Gebäudes nicht. Es ist eine alte Wahrheit, die psychologisch wol begründet ist, dass der Mensch sich gewöhnlich nicht der ihm wirklich innewohnenden Vorzüge und Fähigkeiten rühmt, sondern gerade solche Eigenschaften sich zugeschrieben wissen will, die er nicht besitzt. Die Erfahrung hat erwiesen, dass dadurch auch sehr häufig gegen dieEthik Verstössen wird, in dem die Sucht zu scheinen was, mau nicht ist, so manchen die ihm von Gott verliehenen Fähigkeiten undAnlagen vernachlässigen und in dem Einschlagen eines falschen Weges seines Lebens Ziel verfehlen liess. Solches wollten die Talmudisten verhüten, wenn sie den Ausspruch: hasse die n*DS*lP[ >Otn Herrschaft und nur den als reich *pbr\2 HDtrn TtPI? HT-N miü glücklich hinstellten der nicht nur mit dem ihm von Gott zu Theil gewordenen zufrieden ist, sondern sich dessen freut, in der festen Überzeugung, dass er damit ein gottgefälliges und menschenwürdiges Leben führen kann. (Fortsetzung folgt) Rabbi Jehuda. Aszud Rabbi Juda Aszud hatte in dem kleinen Städtchen Aszud in Unter- Ungarn im Jahre 1796 des Licht der Welt erblickt. Seine schlichten Eltern zeichneten sich besonders durch wahre, echte und innige Frömmigkeit und Herzensgüte aus, die sie auch ihrem geliebten Sohn einzuflössen auf das Eifrigste bestrebt waren. Und in der That hat der kleine Jehuda schon in seiner frühesten Kindheit nicht nur einen sehr hellen Kopf, ein seltenes Gedächtnissvermögen, das seine ersten Lehrer in Staunen versetzte, maniiestirt, sondern auch in seiner Frömmigkeit und Gottesfurcht schon in seiner. Jugend die Aufmerksamkeit seiner Lehrer und vieler Gemeindeglieder

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