Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 2 (15.1.1882)
- Date
- 1882-01-15
- Page
- Seite 21 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 2t Berliner Seminar hochverdiente Hr. Dr. J. Hildesheimer begreift in seiner jüngsten Vorrede zum Jahresberichte dieses Seminars Seite 5 nicht, weshalb Maimonides nicht diese Pflicht in seinem „Jad" rezipirte? Einfach können wir diese Frage dahin beantworten, indem wir auf die Unvollkommenheit der ägyptischen Astronomie hinweisen, welche zu Zeiten Moses die Lunarmonate zu runden 30 Tagen berechnete, 'während die mosaische wegen des 3^&1 ttflfi mit dem Solarjahre genau stimmen musste, und da erschien das Motiv (i) a^pn Dsnrm DsriMH ktt gerechtfertigt. Anders das ausgebildete System zu; Zeiten Maimonides, welcher sich nicht scheuete die i Autorität der griechischen Lunarberechnung freimüthig anzuerkennen, (K. Hachodesch 17, 25) womit das Prärogativ geschwunden, und mit der Ursache die Wirkung gefallen ist Vielmehr hat die Cultur unseres Kalenderwesens Einbusse erlitten, seitdem seine praktische Mitwirkung auf den engsten Kreis von Vetrauensmännern beschränkt wurde. Betrachtete man überhaupt die Algebra als Geheimniss, die man nur den vertrautesten Freunden lehrte, (PrändeFs Algebra p. 570) ging man mit der Neumondberechnung noch rigoroser um, zu welcher z. B. der bekannte Astronom Mar Samuel nicht zugelassen wurde, und freuete sich R. Eleasar als er geweiht wurde um dieser Mysterie 1"QJM beitreten zu dürfen. (Synhedr. 11 a Ketuboth 112 a) Worin aber ist der Grund dieser Geheimthuerei zu suchen? und weshalb beschränkte man die Öffentlich- I keit der Neumondbestimmung? Raschi zu R. Hoschana 25 a meint wegen äusserer Religionsstörungen; Krochmal im ersten Bändchen des j Hechaluz, Seite 135 will dem "[IQ einen politischen! Grund unterschieben, nämlich den Brennpunkt nach Jerusalem zu concentriren. Wir sehen noch eine dritte Absicht darin: um bei eventuellen Missgriffen das Decorum des Synhedriums zu wahren. Die genaue Berechnung des eintretenden Neumondes war stets ein wichtiger Akt, von welchem die Feststellung aller Feiertage abhing, und musste gegen alle Vorfälle gesorgt werden. Schon Ezechiel 13, 9 eifert gegen Verführungen auf diesem Gebiete. Später müheten sich die Kutäer ab, das Neumnodj forum irre zu führen; auch heimische falsche Neumondj zeugen fanden sich ein, vielleicht durch das reichliche J Fetiren gelockt, (Mischna R. Haschana 2, 1 — 8) deren j Ächtheit durch Prüfungen und Parolen wie z. B. E'pl j Tl'I?K*W1 "[^ft 11 ein anderes Mal durch fh^T) <2) j gesichert wurde. Auch stand wohl neben der untrüglichen (1) TDtrn 1 105 hält es möglich, dass die Griechen ein Plagiat gegen unser literarisches Eigenthum begangen, welches sie sich zueigneten. (2) Krochmal im Hechaluz I Seite 134 macht sich's bequem den Satz D^DD TTJ von fremder Hand eingeschoben zu erklären. Wir glauben, dass das Wort zur Zeit als Losungswort galt. Sicht des Sicheis der geheime Schlüssel der astronomischen Berechnung besonders bei bewölktem Firmamente dem Synhedrium zu Gebote; aber bonus quandoque dormitas Homerus, und der geübteste Mathematiker kann irren oder getäuscht werden; für solchen Fall galt zwar die Regel, dass selbst die irrige Aufstellung unerschütterlich aufrecht bleibe; (ibid. 28 a) wie aber wenn die Menge mit rektificirtem Aufweise dem Neumondforum entgegen tritt, und den Irrthum ad absurdum führt; ein Rencontre wie es im kleinen Massstabe sich zwischen R. Gamaliel und Josua abspielte (ibid. Mischna 2, 8 9). Solche Eventualität mochte auch Grund gewesen sein, den Betrieb dieser Wissenschaft dem Volke zum ve siegelten Buche zu machen und als abrögirte Pflicht nicht von Maimonides rezipirt u-crden konnte. Gr. Kanisza Nov. 1881. Löwy. j^ECENSlONEN. D r. Aug, Wünsche, Bibliotheca rcibbinica, XIII. Lieferung. Der Midrasch Echa rabbati (d. i. die haggadische Auslegung der Klagelieder) Leipzig, Otto Schulze 11. Querstrasse 11. 1881. Je weiter Wünsche in der Ausarbeitung seines wahrhaft riesenartigen Werkes vorschreitet, desto grösser wird seine Kraft, desto mehr wird er dem Stoffe gewachsen, und dringt ganz in den Sinn des Midrasch ein. Die Einleitung zeigt in beredten Worten Ziel und Tendenz dieses Midrasch und ermangelt nicht gleichzeitig auf den bis jetzt fast jungfräulichen Schatz der vergleichenden Mährchenkunde in Bezim auf Talmud und Midrasch hinzuweisen. Bei der Schlusslieferung dieses Midrasch werden wir näher auf dessen Einzelheiten eingehen. Dr. Ludwig Stein. Die Willensfreiheit und ihr Verhältniss zur göttlichen Prae^eienz und Providern! bei den jüdischen Philosophen des Mittelalters. Berlin 1882. In Commissionsverlag J. Kauffmann's Buchhandlung Frankfurt a- 'm. und B. Baer's Buchhandlung Berlin. Neue Friedriehstr. 69. Eines der wichtigsten Probleme, das sich fast unwillkührlich dem denkenden Menschengeiste aufdrängt, ist die Frage nach der Willensfreiheit. Dem Verfasser muss das hohe Verdienst zugeschrieben werden in wahrhaft wissenschaftlicher, auf die Quellen zurückgehender Weise diese Frage behandelt zu haben. Die Willensfreiheit und ihr Verhältniss zur göttlichen Praescienz und Providenz ist hier trotz der streng wissenschaftlichen Behandlung in klarer, fasslicher uud lichtvoller Sprache abgefasst und es ist dies bei religions-