Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 2 (15.1.1882)
- Date
- 1882-01-15
- Page
- Seite 19 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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f DAS JÜDISCHE CENTEALBLATT. 19 aus Tiberias versuchte in Gegenwart R. Gamaliels die Ehegesetze unter Verwandten in's Lächerliche zu ziehen u. z. durch folgenden Paralogismus. nmn mos n:x pq -nritt vxw ntra .10 pppikw p ira ra niDK ^atr t^K nm nnrm mox Wenn die Heirath mit der eigenen Tochter verboten ist, obwol die Heirath mit ihrer Mutter erlaubt ist, um wie viel weniger wird es gestattet sein, die Tochter einer anderen verheirateten Frau zu heiraten, wo sogar die Heirat mit der verheirateten Frau (d. h. bei Lebzeiten des Mannes) verboten ist. Das Sophistische liegt darin, dass dei^chluss der Praemisse widerspricht. Die Praemisse lautet nämlich, dass die Heirath mit der eigenen Frau erlaubt ist, während dem Schlüsse zufolge jede Heirat verboten wäre. R. Gamaliel aber antwortete ihm kaustisch (beissend): Gehe, trage du Sorge für den hohen Priester, von dem es in der Thora heisst, nur eine Jungfrau aus seinem Volke soll er heirathen, und ich werde dann für ganz Israel Sorge tragen d. h. Zeige mir erst, wie so der hohe Priester heiraten kann, was ihm doch die Thora gestattet, und ich will dann dieselbe Erlaubniss für alle Israeliten verschaffen. Nach einer anderen Lesart excommunicirte Rabbi Gamaliel den fragenden mit der Bemerkung: Man darf keine Schlüsse ziehen, die sich mit der Thora im Widerspruch befinden. mW jE 131 Iptlb 721 pH Ein Meisterstück eines Sophismes findet sich Sanhedrin 17. In Bezug auf die Überlieferung, dass jedes Synhedrial mitglied seine Kunst in der Dialektik z. b. durch das Beinsprechen der Leviticus XI, Vers, 29 30 als unrein erklärten Thiere, bemerkte einAmora scherzend: Wenn ich zur Zeit gelebt hätte, würde ich folgendes gesagt haben: hköiss ron»i rröBttf wru höi KPPttf p irx hköiis m-iöi jtöö irxttf ants? tob Wenn schon eine Schlange, die Tod verursacht, und die Unreinheit vermehrt, rein ist (insoferne als sie nicht zu den 8 Thieren gehört von denen es heisst, dass wer sie berührt, wenn sie todt sind, bis zum Abend unrein ist,) sollte nicht ein kriechendes Thier ^as keinen Tod verursacht und nicht Unreinheit die vermehrt, viel eher rein sein? Obwol nur scherzweise, wird dieses doch ad absurdum geführt: „Wenn eine Schlange in Folge der Fähigkeit Ursache des Todes zu sein, unrein sein sollte, so müsste auch ein hölzernes Gefäss, wodurch ein Mensch getödtet wurde, unrein sein. Dieses Beispiel und dessen Widerlegung zeigen deutlich dass manche talmudische Discussienen nur zur Schärfung des Geistes beitragen sollten, und Lehrer und Schüler die Geschicklichkeit ihres Geistes und ihres Scharfsinnes zeigen wollten. Ibn Esra als Raethseldichter. Von. Lac. Dr. Aug. Wünsche. Bekanntlich hat Ibn Esra, der Schöpfer der wissen schaftlichen Bibelkritik, auch dem Gebiete der Rsethselpoesie seine Aufmerksamkeit zugewendet. Wir besitzen mehrere Räthsel von ihm, die seine eminente Denker natur bekunden. Eins seiner Räthsel steht gewöhnlich zu Beginn seines Pentateuchcommentars, das wegen seiner ausnehmenden Schwierigkeit und Dunkelheit vielfach behandelt worden ist, am ausführlichsten im Jahrbuch Bikkurim von Naftali Keller Bd. 1, S. 66. ff. vergl. Steinschneider in seinem Catalog der Hebräischen Handschriften der Bodlejana No: 683 und W. Bacher, Abraham Ibn Esra als Grammatiker (Jahresbericht der Landesrabbinerschule zu Budapest 1881, S. 23). Den Inhalt dieses Räthsels bilden die Buchstaben V"HK 80 wohl hinsichtlich ihres Zahlenwerthes wie ihrer grammatischen Function und Gestalt, Ein anderes Räthsel dasselben Autors behandelt die Buchstaben Ein nicht grammatisches Räthsel hat Pollak in der Sammelschrift filD^n (Amsterdam 1847) veröffentlicht. Das berühmte Zahlenräthsei Ibn Esra's über das Schachspiel findet sich bei Hyde de ludis Örientalibus (Oxonii 1694) mit einer lateinischen Uebersetzimg, neuerdings ist es von Steinschneider in seiner Abhandlung über das Schach wieder hehandelt worden. Endlich existirt noch ein arithmetisches Rsethsel oder vielmehr eine arithmetische Aufgabe von Ibn Esra welche darstellt, wie der grosse Gelehrte sich mit seinen Schülern bei einer Schifffahrt von dem Tode rettete, indem sie sich so placirten, dass sie der durch Auszählung gesellenden Losung, welcher sich die ganze Schiffsmannschaft unterwerfen muste, entrannen. Wir wollen im Nachfolgenden versuchen das erste der aufgeführten Räthsel mit zu Grundelegung des Commentar« *Tt2* behandeln. Auf die grosse Schwierigkeit des Räthsels deuten schon die vom Autor vorgesetzten Eingangsworte: „Hört mein Räthselwort! Verständige, staunet! wohlan, wisset, alle Weisen ermüden, es zu lösen". , Das Räthsel selbst lautet: Ein Vater auf Erden hat vier Brüder gezeugt. (1) Sie sind nicht schwer, nicht leicht, nicht trocken, nicht feucht. Ihre Räder (2) laufen mit ihnen, sie aber rasten und ruhen (3). Mit ihnen sind die Thiergestalten vom Himmel erschaffen worden, die bald unsichtbar, bald sichtbar sind. Euer Auge sieht es, mit der Zeit wird es sich zeigen wie furchtbar mein Wort ist, (4) Jl) Es sind die Buchstaben (2) D. i. die übrigen Buchstaben. (3) Die Buchstaben V'^*]^ werden nur in Verbindung mit andern Buchstaben Ternonimen z. B. X1H'*"tä2X (4) Die Worte: tf-ft} entnalten (,ie Buchstaben ^Ip^ sie ßin(l aDer üur Auge und werden nicht gehört.