Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Centralblatt · 1882-01-15 · 2 (15.1.1882) · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
2 (15.1.1882)
Date
1882-01-15
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/9620166-9626018-9625156--007-9625158
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

14 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. schaffen, sondern dass die Menschen gesellig leben; der Mensch ist in erste/ Linie, wie diess schonAristoteles sagte,ein Coöov rcoXrax&v, ein für die Gesellschaft geschaffenes Wesen. Und weil der Mensch ein für die Gesellschaft geschaffenes Wesen ist, heisst die erste Pflicht der Ethik gegenseitige Nachsicht, und Förderung der gemeinschaftlichen Zwecke, welches beides am besten durch Liehe bezeichnet wird. Der jüngst verstorbene Literat Adolf Dux (1) in Budapest hat in seinem literarischen Vermächtnisse in beredten Worten praktische Ethik, das Wolthun nämlich, verherrlicht. Wir können nicht umhin folgendes wörtlich anzuführen. „Die klirrende Almosenbüchse bei den Leichenbegängnissen vertritt die Stelle der Sterbeglocke. Das Klirren der Münze in der Büchse sagt: Vivos voco. ich rufe die Lebenden, denen ein mitfühlendes Herz in der Brust schlägt, mortuos plango, ich beklage die Todten,- in denen das Herz sich nicht regt beim Anbück der Leiden ihrer Mitmenschen, fulgura frango, ich breche die vernichtenden Blitze der Not und des Elends, ich will sie brechen, sie ablenken von den Häuptern der Armut. Doch die wirkliche Inschrift dieser Sterbeglocke ist HpT^ Gerechtigkeit. Alle sociale Weisheit in einem Worte. Denn Wohltätigkeit (ist nach der etymologischen Bedeutung des Wortes HplX) nlc^i etwa* das Belohnung verdient, es ist Pflicht, irnerlässliche Gerechtigkeit. Wer sie nicht übt ist ungerecht, ein Verbrecher an der Menschheit.8 (Fortsetzung folgt.) II. Über die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Kroatien und Slavonien. (2) Wenn wir die Geschichte eines Volkes oder auch nur über eine in diesem Volke oder Staate lebende Gesellschaft schreiben wollen, müssen wir über die ursprüngliche Bedeutung des Länder-oder Völkernamens, so weit diess uns möglich ist im Klaren sein. Wenn wir nun über Kroatien und Slavonien einige Mittheilungen, die wir so Gott will, zu einem Ganzen vereinigen werden, geben, so (1) Zuerst veröffentlicht im Pester Lloyd. Wir haben während unseres Aufenthaltes in Budapest im Winter des Jahres 1876 häufig Gelegenheit gehabt AdolfDux zu sprechen, und seineWorte bekundeten immer seinen Feuereifer für die ethischen Principien des Judenthums. Genährt an den Brüsten der heiligen Schrift und des Talmud, schämte er sich nicht, wie viele moderne Philosophen thun, seines jüdischen Glaubens, sondern trat mannhaft und mit Erfolg für das Judenthum ein. Seine Schrift -'Vallas es tudomäny" „Glauben und Wissenschaft" die bisher nur in ungarischer Sprache erschien, wäre wol wert in's Deutsche übertragen zn werden. Doch uns sei es gestattet, dem Andenken dieses edlen Mannes hier ein bescheidenes Denkmal zu setzen. Der Namme Adolf Dux sei in gesegnetem Andenken erhalten. (2) Mit Freuden begrüssen wir des Erscheinen das 2. Theiies des Werkes von Vj. Klaic. Opis zemalja u koji obitavaju Hrvati, worauf wir in der nächsten Nummer unseres Blattes noch zurückkommen werden. sei des Namens der Slaven, zu denen sich Kroatien und Slavonien von jeher mit Recht zählte, gedacht. Das Wort Slave „ Slovan „ (1) bedeutet ohne Zweifel der sprechende, d.h. der der Rede, der schönen, deutlichen Rede mächtige, während der Nichtslave und zwar sein nächster Nachbar, derDeutsche der Stumme genannt wird, njemackinjemi stumm. Es ist diese Art der Namengebung keine bei den Slaven vereinzelt auftretende, sondern zieht sich durch das ganze Alterthum wie ein rother Faden hindurch. Bei Griechen und Römern finden wir in gleicher I Weise, um die beiden classischen Völker als Beispiel I anzuführen, dass sie den Nichteingeborenen d.h. den! Nichtgriechen und Nichtrömer als fapfapog (barbarus) als | „Stammler" bezeichneten, was dem deutschen njemacki | „Stummer" so ziemlich gleichkömmt. Und diese That- | sache lässt sich auch psychologisch leicht erklären. In die Fremde zu gehen, das Vaterland zu verlassen, wenn auch nur zum Selbstunterricht und zur Beiehrung, war im Alterthum nicht Sitte, der Fremde wurde überall als Feine' betrachtet, und hatte er keinen Gastfreund an den betreffenden Orte, so war er des Lebens nicht sicher. Nun aber erscheint uns der Laut einer fremden, uns unbekannten Sprache gewöhnlich wie ein Stammeln und- Stottern. Es ist daher den alten Völkern und im vorliegenden Falle den Slaven keinerlei Vorwurf daraus zu machen, wenn sie die deutsche Sprache als eine stumme (nemi) bezeichnen. Stammt nun der Name Slave von slovo Wort, so stammt das Wort Kroat griechisch XpwÖdxog) altslavisch Chrbat, Chorbat, Horvat, Hrvat, entschieden nicht von den Kroatischen hrvati raufen, kämpfen, so dass es etwa die Bedeutung Raufbold, oder im edleren Sinne Kämpfer bedeuten würde; obwol gewisse deutsche Völkerstämme von ihrer Kampflust ihren Namen er-; hielten so z. B. die Sachsen von ihrem Schwerte, das im altdeutschen Sahsa (3) hiess, sondern wir stimmen mit Safafik überein, wenn er das Wort vom kleinrussischen chrb, hrb Hügel Erhöhung, dann exueh Rücken ableitet. Chrbat wäre also demnach der Höhenbewohner, der Bergbewohner. (1) 1 (1) Eine andere Etymologie von Slave, welches etwa das berühmte Volk von slava „Ruhmu bezeichnen sollte, ist nicht richtig, obwol der Eigenliebe schmeichelnd; übrigens ist zu dem Wort slava Ruhm slovo Wort, nicht nur würze! - sondern auch sinnverwandt. Am richtigsten handelt über die Bedeutung und Etymologie der slawischen Völkernamen Paul Josef Safafik seinen slawischen Alterthümern (Slovanske starozitnosti sepsal Pavel J. Safafik Oddil dejepisny Dil II. V Praze 1861. (2) Pavla. Jos. Safafika sebrane spisy K vydani upravil Josef Jiricek Dil. II. Starozitnosti slovanske okresu druheho V Praze. NakJadem Kuehkupce Bedfiha Tempskeho 1863 strana 112. (3) Unlands Schriften zur Geschichte der Dichtung und 8. Bd. Stuttgart. J. G. Cotta 1873 p. 80.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.