Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 2 (15.1.1882)
- Date
- 1882-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ilo. 2. ^el'ouar (§loatten) 15. Jänner. 1882. DAS ■ ■ JUDISCHE CENTRALBLATT (ZUGLEICH ARCHIV FÜR DIE GESCHICHTE DER JUDEN 1 KDE. KROATIEN), Herausgegeben von Rabbiner Dr. 3T. Grünwald. L JAHRGANG. Das jüdische Centralblatt erscheint alle 14 Tage in iya bis 2 Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Belovar bei «7. Fleischmann) pro Jahrgang 4 fl. Inserate werden mit 10 Kreuzern die 3 gespaltene Petitzeile berechnet und auschliesslich entgegengenommen durch die Annoncen-Expedition von J. Fl ei «■■•hm an n in Belovar. (Manuscrifi^ werden nicht retournirt) Es wird im Interesse der gesell* Leser ersucht, rechtzeitig den Abonnements preis 9 am besten per Postanweisung, an die Verlagsbuchhandlung J. Fleischmann Belovar (Kroatien) einzusenden. INHALT. I Wesen der Ethik (Fortsetzung) — IL Über die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Kroatien und Slavonien — III. Zur Geschichte der Juden in dem vereinigten Königreiche Kroatien, Slavonien und Dalmatien. — IV. Harmlose Briefe eines Kleinstaedters von Dr. M. Gottlieb — V.Aus dem vereinigten Königreiche Kroatien, Slavonien und Dalmatien. — VI. Der talmudische Syllogismus (Scbluss) VII. Miscellen — 1) Ibn Esra als Räthseldichter von Lic. Theolog. Dr. Aug. Wünsche. 2) Kalendarisches von Josef Löwy. Recensionen. Bibliotheca rabbinica von Dr. Aug. Wünsche. — Die Willensfreiheit von Dr. Ludwig Stein. — Rasehi's Leben und Wirken Von Bez. Rabb. Dr. M. Grünwald. — Lehrbuch der israelitischen Religion von J. Singer Religionsprofessor in S. A. Ujhely — Saggio di giunte e correzioni al lessico talmudico del Rabb. Dr M. Lattes. — Kalenderschau. Nachdruck nur mit VOLLER Quellenangabe gestattet Wesen der Ethik. (Fortsetzung.) Diese Liebe zu dem Nebenmenschen aber schliesst selbstverständlich die Liebe zu sich selbst nicht aus; denn den Egoismus ganz aus der menschlichen Natur entfernenwollen, hiesse die menschliche Natur verkennen oder verleugnen. Und beides, das Verkennen wie das Verleugnen der menschlichen Natur ist der Vervollkommnung der menschlichen Natur nachtheilig; es zeigt den tiefen psychologischen Blick des Talmuds rHttfH ^X^Ö1? PHTH njrD tfh* »Die Thora, das Gesetz ist nicht für Dienstengel bestimmt, sondern angemessen den körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Menschen." Es könnte vielleicht mit weit mehr Recht behauptet werden, da»s gerade der edle Egoismus der Grundpfeiler, die festeste Stütze der Ethik ist. Die Worte Hillers, die scheinbar groben Egoismus predigen, sie gerade zeugen für die tiefe psychologische Kenntniss dieses Mannes, wie für dessen Bescheidenheit. Wk rvzy *6 bxi <;x no •pawb wdi mb *d *b ^x px EX (Sprüche der Väter, I. Abschnitt Satz 14 (1). „Wemi ich nicht für mich Sorge trage, wenn ich nicht für mein Wol thätig bin, wer wird es sonst thun; (2) wenn ich aber für meine eigenen Interessen ausschliesslich arbeite, was bin ich dann, wozu ist mir das Leben, und wenn ich nicht sofort an die Arbeit gehe, wann denn" d. b. ist es denn gewiss, dass mir noch in Zukunft Zeit zur Arbeit wird gelassen werden. Die Welt ipie sie ist, und nicht wie sie sein soll) erfassen, d. h. ein erreichbares Ideal aufstellen, das war das Ziel der Talmudisten, praktische Ethik lehren oder vielmehr Ethik für die Praxis, für das Leben Lebren aufstellen, das wollten <?ie und bewirkten sie auch. Den Feind zii lieben, gebietet allerdings das Judenthum nicht, weil es sich nicht in Himmeln träumt, sondern den realen Ver- ImSfcnssen Rechnung trägt und Menschen mit Leidenfvbfiften und Gebrechen im Auge hat; aber den Feind 7M hassen, das verbietet allerdings das mosaische Gesetz, verbieten die Hagiographen, verbietet der Talmud in unzähligen Stellen. (3) Denn nicht für die Einöde hat Gott Welt ge (1) Wir haben Taylor's vortreffliche Ausgabe der Pirke Aboth benutzt* (2) Hier ist der Ursprung des französischen Sprüchwortes: Aide-töi etDieu t'aidera (Hilf dir selbst und Gott wird dir helfen, - wm des deutschen „Selbst ist der Mann") zu suchen. Vgl. ferner Arthur Schopenhauer'sArbeit: Die zwei Grundprobleme der Ethik. (3) Vgl. die Bibel, der Talmud und das Evangelium von E. Soloweyczyk, aus dem Französischen ins Deutsche übertragen und mit erläuternden Anmerkungen versehen von Dr. M. Grünwald, Leipzig Brockhaus 1S77 p. 1G1 ff. und das interessante Werk des Rabbiners A. Hochmuth: „Gotteserkenntniss und Gottesverehrung," i \/