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Der israelitische Bote · 1879-12-25 · 51/52 (25.12.1879) · p. [Seite 5]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
51/52 (25.12.1879)
Date
1879-12-25
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German
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f I f-! 4! » ry 4 i t :ÄSW?r- ><** Jeilaße i>ks Isratliliskhcn Dolkil zu Leitender Artikel. Die ,Deutsche Reichs Zeitung^ und der Nothstand in Oberschlesien. G. R. Wer in diese Aufschrift den tröstenden Sinn hineintragen wollte, als habe die,D. R. Ztg.', gerührt von dem Hilferuf verzweiflungsvoller Noth, in rein philantropischer Absicht das Wort ergriffen, um das Gefühl der Charität zu wecken, um den hartbedrängten Brüdern in Oberschlesien hilfreich unter die Arme zu greifen, dem werden die Leitartikel der,D. R. Ztg/ vom 12. und 13. ds. bei seiner Auslegung nicht länger verharren lassen. Ja, man wird fast zu der Annahme verleitet, als habe sie grade das Gegentheil anzuftreben gesucht: Denn anstatt — wie dies unter solchen Umständen jeder Vernünftige gerathen haben würde— alle Herzen für die Theilnahme durch Opferwilligkeit an dem großen Werke der Menschenliebe zu stimmen, sucht sie Zank, ergeht sich in harten Anklagen gegen den einen (begüterten) Theil der Bürger, in dem Wohlstände dessen sie den Untergang des andern (größern aber ärmern) Theiles entdeckt zu haben vermeint. Heißt das nicht in bester Form die Lehre Proudhon's (La propriötö c’est le vol) predigen?— Doch wollen wir Niemand in seinen Absichten verdächtigen und folglich auch die ,D. R. Ztg.' in ihren nicht, solange sie sich nicht selbst verräth. In zwei Artikeln erwähnten Datums bemüht sie sich (contra „National" und »Franks. Ztg.-) darzuthun, wie der Nothstand in Oberschlesten keineswegs dem nieder« Bildungsgrade und der Indolenz des Volkes zuzuschreiben sei, vielmehr „den Nothstand in Oberschlesten haben, abgesehen von den elementaren Ereignissen, verschuldet: 1) Die Arbeitgeber, welche die Leute nicht nach Verdienst bezahlen und ihnen nicht ein menschenwürdiges Dasein schaffen und 2) die oberschlesischen Semiten, welche das Volk durch die Begünstigung des Fuselsuffes und anderer Leidenschaften verführen und ausbeuten." Nun würde man gern in dieser volkswirthschaftlichen Frage der Autorität der ,D. R. Zig.' einiges Recht auf Glaubwürdigkeit zuerkannt haben, wenn sie nur bei ihren Untersuchungen unparteiischer vorgegangen wäre; denn mit Hinsicht darauf, daß sie vor Allem, und dies in wenig schonender Weise, die protestantische Eigenschaft der Großgrundbesitzer (der Arbeitgeber) einerseits, anderseits wieder die semitische der Schnapsverkäufer betont, und dann erst zu ihren Schlüssen gelangt, (die,D. R. Ztg/ liebt also nicht allein die Semiten nicht, auch nicht alle Christen werden von ihr geliebt: sie liebt blos ihre Christen) muß man sich fragen: Wäre nicht der Nothstand in Oberschlesten auch dann eingetreten, so die Großgrundbesitzer und die Schnapsverkäufer daselbst lauter Christen nach dem Wunsche der ,D. R. Ztg/ gewesen wären? Hält vielleicht die,D. R. Ztg/ ihre Christen für unfehlbar? Ist der Schnaps deshalb verlockender, weil Juden ihn verabreichen? — Demjenigen aber, der diese Fragen zu Gunsten der ,D. R. Z. entscheiden möchte, würden wir folgende weitere Fragen entgegenhalten: Hört man nicht gar zu oft von Strikes in großen Fabriksstädten (wie Paris, London u. a. m.), trotzdem dort zwischen Arbeitgeber und Arbeiter weder konfessionelle Antipatyreen, noch »Schnapsjuden" bestehen? Und ferner: Wie kommt es, daß in den eben erwähnten Großstädten, wo sich fast ohne Ausnahme alle vorhandenen Schänken in Händen von „Nichtjuden" befinden, bei alledem die Trunkenheit entsetzliche Dimensionen annimmt? Daß es bei alledem zu Calamitäten, wie diese gegenwärtig in Oberschlesten herrschen, doch nie kommen kann? — Auch bleibt es unbegreiflich, wie denn ein Volk, dem die ,D. R. Z/ das Zeugniß ausstellt: »Die Oberschlester sind sehr anstellig, arbeitsam und in der Arbeit ausdauernd" und ferner: »Gleichwohl sind die Oberschlesier brave Patrioten, wie sie treue Kinder der katholischen Kirche sind" wie denn, sagen wir, ein Mustervolk wie dies, im Glauben so stark und sonst noch mit Tugenden aller Art ausgerüstet, moralisch so schwach sein könne, um den Verlockungen zum Trünke und „andern Leidenschaften" zum Opfer zu fallen? Diesen Widerspruch einsehend, sucht die „D. R. Z." die sittlichen Fehler ihrer Schützlinge mit (angeblichen) Verbrechen Anderer zu decken: sie erhebt sich als Anklägerin wider die Juden, sich dabei auf ein Gebiet versteigend, wohin man ihr, ohne in die Geheimnisse der Chemie eingeweihet zu sein, nicht gut folgen kann: sie weiß nämlich in ihrer Anklage von monstruösen Mitteln wie: „Giftfusel-, „Fuselsuff", „Höllentrank" zu erzählen, durch welche die oberschlestschen Juden das Bolk bethörten und zur Sünde verleiteten. Voraussetzend, daß die Anklägerin ihre Angaben nicht blos vom Hörensagen her, sondern durch persönliche Ueberzeugung gewonnen, (betheuerten wir ja von vornherein, Niemand in seinen Absichten verdächtigen zu wollen) wird man uns hoffentlich als Verlheidiger auch das Recht einräumen: solch fabelhaften Dingen gegenüber das Erbrachtsein von Beweisen abzuverlangen. Erft wenn wir eine gewisse Anzahl Proben solchen „Höllentrankes" vor Augen haben, über deren jüdisch schlesiiche Quelle keine Zweifel obwalteten, welche Proben selbstverständlich dann erst von Gerichtschemikern untersucht und als sanitätswidrig anerkannt werden müßten, erst dann würden wir uns entschloffen haben, daran zu glauben. Bis dahin aber müssen wir die Behauptungen der „D. R. Z." für reine Märchen betrachten. Wären die oberschlestschen Juden Lebensmittel' älscher, Giftmischer, so würden sie längst der strafenden Hand der Polizei anheim gefallen sein. Nicht mehr Vertrauen verdient die Enthüllung der „D. R. Z. von dem frrm- ' den »protestantischen Offizier", der (zu Oberschlesten) in der Person einer „katholischen Erbin" ein großes Vermögen erheirathet, um sich dann als Großgrundbesitzer zum Despoten seiner katholischen Arbeiter zu wachen; denn (die Wahrheit um die Existenz des in Rede stehenden »protestantischen Offiziers^ wie die der „katholischen Erbin" als vorhanden gewesen oder noch seiend, der Verantwortlichkeit der „D. R. Z." überlastend,) gäbe es zufällig einen fanatischen Protestanten, den das „menschenwürdige Dastin" seiner Arbeiter, weil dieselben seiner Confession nicht angehören, gleich, giltig ließe, so würde ihn ohne Zweifel die Liebe allttn zu seiner katholischen Gattin (wie in dem von der »D. R. Z." erwähnten Falle) gefühlvoll gestimmt haben für Diejenigen, die mit dem Gegenstände seiner Verehrung Einen Glauben verehren. Was aber haben derlei Romane mit der ernsten Situation zu schaffen? Muß doch jeder Unbefangene eingeftehen, daß, unter dem nicht zu unterschätzenden Einflüsse einer Mißernte, weder Grundbesitzer, (die ja diesmal arg in Mitleiden- Uro. 51 ii. 5 schaft gezogen worden sein müssen) noch Schnapsver-4 käufer (die, so g schicke sie auch in der Kunst der Höllentrank-Fabrikatton sein mögen, die leeren Kornfelder doch nicht zu füllen vermögen) die Schuld an dem Nothstand dieses Lanoes tragen. Wem jedoch die „D. R. P." weiß machen will, daß es grade die protestantischen Grundbesitzer unv die jüdischen Schnapsverkäufer seien, die den Ruin der schlesischen Bevölkerung verschulden, und zwar Erstere, indem sie die katholischen Arbeiter nicht nach Verdienst bezahlen, und Letztere indem sie das katholische Volk zum Trünke und zu andern Leidenschaften verleiten, den verweisen wir: 1) zur Rechtfertigung der protestantischen Grundbesitzer auf die massenhaften Strikes in Ländern, wo zwilchen Arbeitgeber und Arbeiter ein und dieselbe und nämlich die katholisch», u. auch oft gar keine Religion bestehet und 2) zur Rechtfertigung (nicht den Trunkenbolden, sonden denen, die man für dieselben verantwortlich machen will, gilt unsere Vertheidigungp der jüdischen Wirthe in Schlesien auf Großstäote wie Pans London u. a., wo Juden vom Verkauf starker Getränke sich ganz und gar fern halten, und wo recht brave Katholiken ungestört dasselbe ausüben, woraus die ,D. R. Ztg/ den schlesisch-n Juden Vorwürfe macht. Schließlich möchten wir nur noch Folgendes der Beherzigung der begüterten Klassen in dem so hart heimgesuchten Lande selbst, dessen Geschick seit einiger Zeit mit so vieler Theilnahme verfolgt wird, nachdrücklichst empfehlen. Die Lage der arbeitenden^ Klassen im Auslande wie in den meisten Fabriksstädten - Deutschlands kann keineswegs als unerträgliche bezeichnet werden. Dank den zivilisatorischen Bestrebungen der Menschheit ist es gelungen, den Klagen der Arbeiter über Unzulänglichkeit von Verdienst, erwerblose Zetten immer mehr abzuhelfen. Selbst in Fällen und an solchen Plätzen, wo die Arbeit nicht genügend gezahlt wttd, ist immerhin dafür Sorge getragen, den Arbeiter vor drückender Noth zu schützen. So z. B. hat man in Paris seit kurzem Wärmestuben errichtet. Suppen- Thee- und Speiseanstalten bestehen in allen Stadtvierteln. Arbeiter-Unlerftützungskussen wieArbeiter- Consumverrine sind Institutionen der neuern Zeit, die es dem Arbeiter ermöglichen, seine Bedürfnisse, in so fern es mit dem gewonnenen Lohne nicht ausreicht, theils durch Unterstützung/ theils dadurch zu decken, daß ihm Quellen zu^äglich gemacht werden, wo n sich mit so wenig Ausgaben wie nur möglich die für seinen Hausstand nöthigen Lebensmittel anschaffen kann. Alle diese humanen Einrichtungen scheinen in Oberschlesten nicht gekannt zu sein. Und daher die drückende Noth. Die löblichen Comitäs, die sich gegenwärtig mit Sammlung und Vertheilung von Spenden für Oberschlesien beschäftigen, würden unsrer Ansicht nach ihre Aufgabe am zweckmäßigsten erfüllen, wenn sie die eingelauseuen Spenden zur Gründung von Wäru.estuben, Speiseanstatten verwendeten. In zweiter Lune käme dann die Gründung von Consum- und Unterstützungs-Vereinen. Dem Nolhstande in seiner häßlichen G.statt soll dadurch für alle Zeiten vorgebeugt werden. — Und diese Anregungen sind es, denen wir wünschten, daß sie bei unsern geehrten Collegen der jüdischen wie fremden Preffe durch weitere Verbrei tung Ar>klang gefunden hätten. Die Tochter als Minderjährige, als Braut und als Gattin. Treu nach der Talm. Literatur gezeichnet von Dr. Jsaac Gastfrei»«- in Wie«. Die Tochter als Gattin. Aeußeren schädlichen Einflüssen ist es zuzuschreiben, daß die Miethehe, die Mohammed den Arabern (vgl. Sprenger: Das Leben und die Lehre Mohammed's III. S. 83.) zuerst zwar verboten, bei seiner Anwesenheit in Mecca aber auf einige Zeit gestattet hatte (Weil: Mohammed der Prophet S. 228.) auch in jüdischen Familien nicht fremd war, wie die Ausdrücke; die Eheschließung mit einer Unmündigen ist nur eine schwebende (Jebam. 109. 6.) hindeuten. Wäre es denn sonst begreifltch, daß Rab, der große Lehrer an der Hochschule, welcher, obgleich von seiner bösen Gattin viel geplagt, dennoch von der Ehe sagte, daß Alles in der Schöpfung nach ihrem Muster gebildet wurde (B. Bartra 74. a.) und der Rechtsgelehrte R. Nachmann in eine Miethehe auf einen Tag einzugehen sich nicht scheute? — Nur den zerfahrenen Verhältnissen und der Lockerung der sittlichen Bande ist es zuzuschreiben, wenn dem geschlechtlichen Umgänge. mit Sklaven bloß Eiferer begegnen düiflen (Synhevr. 82. a b.) Die Unsittlichkeit drang so tief in das jüdische Leben ein, daß selbst die Töchter des berühmten R. Nachmann sich in der Gefangenschaft sehr unkensch benahmen. (Gittin 45 a,) ja, daß man ehebrecherische Handlungen öffentlich vor den eigenen Sklaven beging (Riddah 24. 6.) Diesen Verfall der Zucht characteristrt folgende Erzählung: Jemand hatte sein Auge auf die Ehefrau eines Tischlermeisters geworfen, dieser brauchte eines Tages Geld und wandte sich zu dem Zwecke Mglos an den reichen Liebhaber seiner Frau. Der Wüstling sagte dem Handwerker, er solle nur seine Frau schicken um das Geld abzuholen. Der harmlose Tischler, nichts Böses ahnend, kam dem Aufträge nach. Der Reiche behielt die Frau einige Tage bei sich. Darauf erschien der Geldbedürftige selbst, um sich über das Ausbleiben seiner Frau zu erkundigen, erhielt aber von dem Ehebrecher die schlaue Antwort, daß er seine Frau schon längst abgef.rtigt habe, sie aber treibe sich mit willen Jungen herum. Was soll ich mit einem solchen leichtstnigen Weibe anfangen? rief der um Frau und Geld so schnöde betrogene Ehemann. »Wenn Da meinem Rathe folgen willst," ve>setzte der verschmitzte Wüstling, »so laß Dich von ihr scheiden," „Ich möchte es thun," seufzte der arme Mann, »allein ich bin nicht im Stande ihr die Ketuda auszuzahlen.- „Wenn Dir nur dieses Hinderniß im Wege liegt," erwiderte der Reiche, so kann dies ja mittelst einer Anleihe beseitigt werden.- Der Tischler ließ sich wirklich von seiner Frau scheiden, welche der Andere sogleich heirathete. Da aber der Arme am Bezahlungstermine insolvent war, so zwang ihn der Wüstling durch Arbeit seine schuld abzulragen. Also mußte der geprellte Gatte bei seinem Gläubiger die Aufwartung machen, während jener mit der ehemaligen Frau des Tischles gemächlich fchmauchle (Gittin 38. a.) Diese traurigen Zustände illustrirt auch folgende Schilderung: „Wie es verschiedene Geschmacksarten in Rücksicht der Speisen und Getränke giebt, so gäbt es verschiedene Gesinnungen bei den Ehemännern in Rücksicht ihrer Frauen. Manchem nämilch fällt eine Fliege* *) ins Glas, er nimmt ste heraus und trinkt das darin enthaltene Getränk ohne Weiteres, ebenso macht es mancher Ehemann, er sieht seine F au mit Nachbaren und Verwandten sich unterhalten, ohne etwas Böses dabei zu denken. Fortsetzung folgt. *) Nebenbei sei bemerkt, daß Rab die menschliche Begierde eine Fliege nannte (Berachot 61. a.) 'Ä

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