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Der israelitische Bote · 1879-12-25 · 51/52 (25.12.1879) · p. [Seite 4]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
51/52 (25.12.1879)
Date
1879-12-25
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German
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Aufgabe eines jüdischen Lehrer-Seminars im Anlegen irdischer Schätze, in der Vergrößerung seines Capitals oder in dem Streben, die Zahl der Lernenden bis zur Grenze der Möglichkeit zu steigern? Aufklärung über diese Frage zu erhalten, (aber auch sonst nicht anders) das ist es, was wir durch unsre Zeilen erzielt haben wollten. Nicht zu rügen lag in unsrer Absicht, belehrt wollten wir werden. — •) Anmerkung der Redaktion. Auch wir haben es bisher nie unterlassen, das Wohl des Kölner Lehrer- Seminars, so weit dies in unsrer Macht lag, durch Wort und That zu fördern. Würzbnrg, 17. Dec. Die Versammlung der isr. Lehrer der fränkischen Kreise Bayrens zur Gründung eines jüdischen Lehrervereins wurde gestern Vormittag 10 Uhr dahier abgehalten. Da das hiezu bestimmte Local eingetretener Hindernisse wegen nicht disponibel war, so stellte die verehrliche hiesige Eultusverwaltung in äußerst zuvorkommender Weise ihren Sitzungssaal im Gemeindehause zur Verfügung. Die strenge Kälte hatte viele Herren abgehalten, persönlich zu erscheinen, doch waren 24 Lehrer bei der Versammlung anwesend. Die nicht Erschienenen hatten ihre Zustimmung zu den Beschlüsien der Versammlung ■ brieflich angezeigt. Der Vorstände, Herr Schuldireclor Stern in Würzburg, begrüßte die anwesenden Herren und wurden sofort die Statuten einzeln verlesen und besprochen. Nur hier und da wurden kleine Abänderungen vorgenommen, der Absatz „Ehrengericht betreffend" aber ganz gestrichen. Es wurde der zu wählenden Vorstandschaft überlasten, eine hiesür etwas mildere Form zu fassen. Nach vollendeter Besprechung der Statuten und Annahme derselben von Seiten der Versammlung, wurde die Wahl der Vorstandschaft per Acclamation vorgenommen. Dieselbe besteht aus einem Schriftführer, einem Casster, vier Beisitzern und vier Ersatzmännern. Die Versammlung verlief in äußerst würdiger Weise, nicht der leiseste Mißton war bemerkbar. Alle Anwesenden hatten das frohe Bewußtsein, zu einem guten Werke ihr Scherflein beigetragen zu haben, zur Gründung eines Vereins, der es sich zur Aufgabe macht, nicht nur die materiellen Verhältnisse seiner Mitglieder zu verbeffern, sondern auch durch gegenseitigen Gedankenaustausch, Berufsfreudigkeit bei denselben zu erwecken. Nach Schluß der Sitzung zahlten die Anwesenden sofort ihren halbjährigen Beitrag, begaben sich sodann in eine hiesige Restauration, wo sie nach vorangegangenem Minchagebel ein gemeinsames Mittagsmahl einnahmen. In heiterster Stimmung, wozu besonders Herr Unna durch geistreiche nim M21 beitrug, verweilte die Gesellschaft einige Stunden. Das Tischgebet wurde versteigert, jeder Bietende mußte sein Mehrgcbot sofort zahlen und wurden dadurch 15 M. 80 Pfg. zu Gunsten des Vereins erlöst. Herr Cantor Lehmann von hier wurde ersucht, nihyDd vorzutragen, er entledigte sich dieser Aufgabe durch seinen herrlichen Vortrag in ganz gelungener Weise. Hiermit schloß eine Feier, die den Betheiligten gewiß unvergeßlich bleiben und bei denselben stets angenehme Erinnerungen Hervorrufen wird. Zum Schluffe sei es mir gestattet, der Redaction des -Israelitischen Botertt die in höchst uneigennütziger Weise die Vereinsstatuten drucken ließ, den tiefgefühlten Dank der Versammlung auszusprechen. Die verehr!. Redaction des ,Jsr. Botertt hat dadurch wesentlich zur Gründung des Vereins beigetragen, was von sämmttichcn Anwesenden dankbar anerkannt wurde. Würzburg, 17. Dezember 1879. B. Blum, Lehrer. II 1_.iSÜULLlJL-lll1—1 1 I — Ein Schächter als Bischof. Eine Ltch?r aus den Erinnerungen meines Lebens, von Braunhart. Am nächsten Vormittage berichtigte ich meine Rechnung in meinem Quartier, nahm mein Neisebündel, miethete einen Fiaker, zeigte dem Roßlenker meine Karte und nach einer Fahrt von einer guten halben Stunde befand ich mich vor der Thür meines Asyls. Ueber dem Portale des Hauses erblickte man mit großen, vergoldeten, hibrüischen Buchstaben die Inschrist: Rewe Gerim Mit Zagen, ja mtt Zittern ergriff ich den Knocker (Thürkiopfer,) aber mein neuer Wrrth hatte mich bereits bemerkt, kam mir jubelnd entgegen und empfing mich mit offenen Armen. Cr führte mich in den Tarlor (Putzzimmer,) wo ich eine hübsche, blonde Lady erblickte, die mir entgegentrat, mir ihre schöne zarte Hand reichte und in englischer Sprache mich freundlich bcwillkommte. Ich verneigte mich, und mußte auf einem j Sessel Platz nehmen. v Inzwischen war es ein Uhr Nachmittags geworden, td ein elegant gekleidetes Stubenmädchen trug das leite Frühstück auf, welches nur in Butterbrod, Käse Aus der Prvinz Posen. (Orrig. Corresp.) Am 30. November, Abends 7 Uhr, fand im Saale des Herrn Ceiler zu Posen eine zahlreiche Versammlung israelitischer Cantoren behufs Gründung eines Deutsch- Jsraelitischen-Cantoren-Vereins statt. Eröffnet wurde die Versammlung durch den mit Acclamation zum Vorsitzenden gewählten Kantor Herrn A. Blaustein aus Bromberg mit einem dreimaligen Hoch auf Sr. Majestät den deutschen Kaiser Wilhelm I. in welches alle Anwesenden mit Begeisterung einstimmten. Der Verein hat sich lonstttuirt zum Zwecke der Unterstützung dienstunfähig gewordener Cantoren sowie deren Wittwen und Waisen. Nach Festsetzung und Genehmigung der Statuten wurde zur Wahl des Vorsitzenden des Central- Comitees geschritten. Es wurde zum Vorsitzenden der königlche Musikdirektor Herr R. Lewandowski in Berlin gewählt. Frankreich. Paris im Dezember 1879. In der Kammer zeigte Legrand an, daß er nach Vertheilung des Gelbbuchs im nächsten Januar die Regierung bezüglich der Lage der rumänischen Israeliten zu interpelliren beabsichtige: zur Zeit richtete er die Frage an die Regierung, ob sie die Unabhängigkeit Rumäniens anzuerkennen gedenke. Der Konseilsprästdent Waddington erwiderte, daß die Regierung die Angelegenheiten Rumäniens stets mit Wohlwollen behandelt habe; seit dem Berliner Kongreß sei der Einfluß Frankreichs beständig zu Gunsten dieser kleinen Nanon ausgeübt worden. Berl. Taaebl. Nekrolog. Aus Weftphalen. Auch in dem gegenwärtigen Jahre ha> der unerdrttliche Tod in den Reihen der DMDn und wahrhaft frommen auf dem Boden des üderUcserten Judentums felsenfest stehenden Männern reiche Lese gehalten; sehr viele Heroen in der jüdischen Wissenschaft sind seit Kurzem vom Schau» Platze ihrer irdischen Thätigkeit abberufen und eingegangen in ein besseres, ewiges Jenseits, wo sie den Lohn für ihre frommen, gottgefälligen Werke von dem gerechten Richter empfangen werden. Ein solcher Mann war auch der, Anfangs 1^22 2HH *u Duisburg am Rhein, in hohem Alter veuwrbene hllM ^IXM hin ^XDI ':nV'ö in den wellesten Kreisen u,.s's Bortheithatteste bekannt durch fein niSMH, nninn Min ^22 nwpm besonders durch seine Belesenheit in beiden Tatmuden, den Dttdraschim und der neuhebräischen Literatu-, so wie endlich nicht minder wegen seiner aufrichngen Frömmigkeil und adeligen Gesinnung. Noch jung an Jahren kam der Verstorbene ein geborener Pole, der mehre bedeutende ITQ^ besucht und sich den I^IIO-Titel erworben haue, nach Delmold, wo er von dem verstorbenen Banquer Schager-Herford, h"2"1, ebenfalls ein tüchtiger Talmudist, für dessen Kinder als Hauslehrer angestellt wurde. In dieser Stellung verblieb er bis die Kinder desselben herangewachsen waren, und wurde alsdann als Gemeindelehrer angestellt, welche Stelle er eine lange Reihe von Jahren zur größien Zufriedenheit der Gemeindemitglteder und der Vorgesetzten Behörde verwaltete, bis endlich nach dem Tode des verstorbenen Landrabbiners Dr. Fahrenbach die Lipp^sche Regierung ihm die Verwaltung des Rabbinats interimistisch übertrug. Aus Gesundheitsrücksichten und vorgerückten Alters mußte er vor einigen Jahren die Stellung aufgeben und siedelte nach Duisburg über, wo er bei seinem Schwiegersöhne, dem Lehrer und Prediger und Ale (Bier) bestand. Mr. S. überreichte mir dann eine hebräische Bibel, um darin fleißig zu studiren; besonders empfahl er mir den Propheten Jesaja mit Aufmerksamkeit und Ernst zu lesen. Er zog sich hierauf mit seiner Frau zurück, um, wie er sagte, noch einen Spaziergang zu machen. Ich war wieder allein. Die Bibel in der Hand haltend, schlug ich sie unwillkürlich auf, und traf auf den Propheten Jesaja. Die Merkzeichen, die ich darin fand, waren Erraten, wie sie zur Bekehrung der Juden gewöhnlich angeführt werden. Mir wurde nun klar, daß ich in ein Missionshaus gerathen war, welches unter dem verkappten Namen Newe Gerim änlocken sollte. Trotzdem beschloß ich zu bleiben und abzuwarten, weil mir in meiner bedrängten Lage keine andere Wahl übrig blieb. Um sechs Uhr wurde zu Mittag gespeist. Außer dem Hausherrn nebst seiner Frau fanden sich noch 10 junge Männer, die meisten aus Polen ein, die, wie ich bei dieser Gelegenheit erfuhr, ihr Tow.icil hier aufgeschlagen hatten. Man wusch sich die Hände und betete, Freund S— machte Mauze, sprach den Segen, aber alles mit entblößtem Haupte. Nach aufgehobener Mahlzeit wurde wieder hebräisch und englisch gedeiet, dann begab sich jeder auf sein Zimmer. Auch mich gesellte man zu zwei anderen Hierzu eine Beilage. Lazarus, den Rest seiner ihm von Gott vergönnten Tage zubrachte KDIVID n'QIS pDB üb 221. Unter großer Betheiliqung der isr. Gemeinde wurde die Leiche des Tiym p'12 nach dem Bahnhofe gefahren, um von da nach Detmold gefahren zu werden,, wo sie auf dem dorngen isr. Friedhofe, woselbst auch die Frau desselben ruhet, beigesetzt zu werden. In allen Lippe'schen Gemeinden, durch welche der Zug passtrte, war die nih eine allgemeine und die Theilnahme eine große. Möge dem verstorbenen pvrc in jenen lichten Höhen dec Lohn zu Theil werden, den der Allbarmherzige durch seine begeisterten Psalmisten allen denen verheißen, die so gelebt, wie der Heimgegangene. inmiD mh —.-pKi^ nirnr ibw ^212 an nölBihtn niaa M. Rosenwald, Lehrer. Oestrich bei Letmathe. __ Westphalen. Stimmen aus der Jerne. Wir können nicht umhin, in Folgendem die Ansicht einer ausländischen Autorität, auf unfern Vorschlag in Nro. 49 des ,Jsr. Botertt Bezug nehmemd, wiederzu-- geben: Geehrte Redaktion! Der Leitartikel in Nr. 49 Ihres geschätzten Blattes, der in tiefcmpfundknen Worten mit so viel Klarheit wie Besonnenheit die Situation der Juden der Gegenwart beleuchtet, und in seinen Ausführungen die Nothwendigkeit der Creirung eines Organs zur Wahrung jüdischer Interessen nach Außen darthut, veranlaßt mich zu folgender Bemerkung: Bei der Gleichgiltigkeit, die heute in vielen jüdischen Kreisen für die Sache des Judenthums anzutreffen ist, kann von Interessen des Judenthums weniger die Rede sein, als von Interessen der Juden. Denn da, wo der materiellen Existenz der Unsrigen Gefahr droht, da erst, scheint mir, wird das jüdische Bewußtsein in Vieler Herzen rege. Als Jude leben will nicht Jeder, als Jude leiden aber will keiner. Ein Organ nun das zur Aufgabe sich stellte, ununterbrochen das bestrittene Menschenrecht der Juden in Schutz zu nehmen, und wie Sie sa.jen „so zu reden, daß es vernommen, so zu schreiben, daß es verbreitet und gelesen werde," dem Wunsche Aller entsprechend, würde gegründete Aussicht auf Erfolg haben. Doch bevor man Neues zu gründen sucht, wäre es nicht rathsam, vor Allem das bereits Bestehende zu befestigen? — Würden Sie dem allgemein gefühlten Bedürfnisse nicht auch damit genügend Rechnung getragen haben, wenn Sie z. B. den,Jsr. Boten*, der bis jetzt ein Mal wöchentlich verschickt wurde, zweimal erscheinen ließen und alles Mögliche aufbölen, denselben sowohl in nichtjüdischen wie in jüdischen Kreisen einzusühren? — Soweit mein Einfluß reicht, bin ich vom Herzen bereit, wenn Sie damit einverstanden sind dieses Vorhaben möglichst zu fördern rc. Hamburg, 15. Dezember 1879. Spende -Berzeichniß. Für den Aufruf in Nr. 49 (arme Familie) sind ferner eingegangen: N. N. Brüssel 5 M. — Ungenannt Poststempel Fischach 1. M. — Ungenannt in Bonn 2 M. — N. 'N. Halberstadt 4M. — Aus München, Motto: Auch eine kleine Gabe per Sammlung 17 M. 70 Pfg. — Ungenannt, Poststempel Cassel 10 M. — N. O. Köln 5 M. — N. Elberfeld 3 M. nebst 2 Bettdecken. — D. S. in Berlin Motto: Leben und leben lassen 25 M. Für den Aufruf für den Studiosen sind ferner eingegangen: I. H. Frankfurt a. M. 10 M. — N. Köln 5 M. — R. Frankfurt ö M. Gerim, die ein nettes Zimmer nebst Schlafkabine! inne hatten, ich muß gestehen, daß ich es während meines Aufenthaltes in der Anstalt sehr gut hatte. Man widmete besonders mir große Aufmerksamkeit, da ich der beste Hebräer unter den angeworbenen Jüngern war, und sie auch an Alter übertraf. Nachdem ich bereits 2 Tage in dem Hause verlebt hatte, kam der Freitag heran. Gegen Abend dieses Tages fuhren mehrere elegante Kutschen und Gigs vor das Haus und Herren und Damen stiegen aus, denen Diener in reicher Livree folgten. Eben so kam eine Menge zu Fuß, der bessern Klasse angehörend. Sämmtliche Gäste begaben sich in meine Zufluchtsstätte. Nach Verlauf einer halben Stunde ertönte ein Glöcklein und meine Stubengenossen sagten mir, daß es Zeit sei, uns in die Kapelle zur Andacht zu begeben. Zu diesem Zwecke mußten wir uns mit einer Bibel versehen. Als ich in den Betsaal trat, saßen bereits die Andächtigen auf ihren Plätzen, Herren und Damen, Kammerzofen und Diener in bunter Reihe, und auf jedem Pulte lag eine gedruckte Hymne. Tie Zöglinge der Anstalt saßen abgesondert zusammen auf Stühlen, und mir wurde angewiesen, mich ebenfalls dorthin zu placiren. Fortsetzung folgt.

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