Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Bote · 1879-12-25 · 51/52 (25.12.1879) · p. [Seite 3]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
51/52 (25.12.1879)
Date
1879-12-25
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9620169-9625151-9624191--317-9624194
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

das Volk deS Landes, (Esra 4, 4.) und von unseren Weisen Idioten genannt werden, hatten die aramäische Sprache und die aramäische Schrift angenommen, wie Mar Sutra behauptet. Dies war eine bekannte Thatsache zur Zeit der Talmud-Gelehrten und ist es noch heute, wie wir noch weiterhin dies erwähnen werden. Diese schrieben den Brief in der aramäischen Sprache, welche die ihrige ist und in aramäischer Schrift, welche augenscheinlich identisch ist mit der ebräischen, die die Kuthäer annahmen. Da Esra, welcher den Wortlaut des Briefes in seinem Buche anführt uud zwar in der Sprache, in der derselbe abgefaßt war, (Esra schrieb nämlich sein Buch selbst. S. B. Batra 15), ausdrücklich erwähnt, daß dieser Brief in aramäischer Sprache und Schrift abgefaßt war, so geht daraus hervor, daß dies nicht dieselbe Schrift gewesen sei, deren er sich beim Niederschreiben seines Buches bediente, denn wäre eS dieselbe gewesen, so hätte er nicht nöthig gehabt, zu erwähnen, in welcher Schrift und Sprache jener Brief abgefaßt war. Vielmehr hätte er nur zu sagen brauchen: „In den Tagen A. schrieb B. M. T. u. s. w. Folgendes oder das was wir in Folgendem ansühren!“ Wir hätten daraus dann entnehmen können, daß es die Sprache und Schrift des Briefes war, welche uns hier vorliegt. War aber die Schrift des Briefes eine andere als diejenige des Buches Esra, so erwähnt der Schreiber mit Recht, daß die Schrift sowohl wie die Sprache des Briefes aramäisch war, daß er denselben zwar in derselben Sprache unverändert niederschreiben wolle, jedoch die Schrift derselben ändern. Daraus ist erwiesen, daß die Schrift, in welcher Esra sein Buch schrieb, nicht die Schrift der Cuthäer, sondern die assyrische gewesen sei, in deren Besitze wir uns heutzu« tage befinden. Literarisches. Die Lehrsätze des neugermanijchen Judenhaffes mit besonderer Rücksicht auf W. Marr's Schriften historisch und sachlich beleuchtet von Ludwig Stern, Schul Direktor in Würzburg. II. Das Recht, größere Auszüge aus der Broschüre abzudrucken, hat sich der Vers. Vorbehalten. Diese seine Bestimmung respektirend, wollen wir es hier versuchen, unfern Lesern blos einen Ueberblick über den weitläufigen Inhalt der Studie zu gewähren, indem wir an der Hand der methodischen Eintheilung des Stoffes von jedem der 9 Capitel, die sie enthält, ein keineswegs auf Vollständigkeit Anspruch erhebendes Sachverzeichniß bringen. Diejenigen unserer Leser, die gründlich belehrt und überzeugt sein wollen, werden cs auch der Mühe lohnend finden, die Broschüre selbst anzuschaffen. Nachdem der Verf. Cap. I. — wo von „Zurücknahme der Emanzipation" die Rede ist — damit schließt: «Das Judenthum wird nie eine Nationalität absorbiren, aber auch von keiner je absorbirt werden," weist derselbe Cap. II. Herrn Marr in Bezug auf die Einwanderung der Juden in Deutschland seine Unwissenheit nach, die Frage beantwortend «Wie kamen aber die Juden zu uns?" —- Daß sie nicht aus Spanien (wie Marr behaupten will) hierher gekommen, beweise die Thatsache, daß außer in Hamburg (Vaterstadt Marr's) keine spanische isr. Gemeinde (die sog. spanischen Juden unterscheiden sich aber durch Sprache, Ritus, von den eigentlichen Deutschen) offfciell exislire. — Cap. III. wird der Schlußsatz zur Evidenz nachgewiesen, „daß die Juden realistisch weder beanlagt, noch von ihrer Religion infizirt sind; daß ihre Culturgeschichte, weit entfernt, Realismus nachzuweisen, vielmehr ein Leben und Streben für das Idealste ist, das die Menschheit besitzt, und daß ein guter Theil der germanischen Cultur diesem Jveale zu verdanken ist." (Beweise: Der Decalog, Salomo, Hesekiel. — Wo ist der Realismus? Wo der Idealismus? — s. S. 12-17.) Cap. IV. — «Abraham, der Fels aus dem wir gehauen sind, wird von dem Hetiterfürlten mit „Gottesfürst" angeredet. — Hat die germanische Urzeit einen Abraham aufzuweisen? — (§. 19). — „Wenn mir aber ein Germane die Eroberung Kanaans vorhält, so rc. rc." (S. 20.) «Ein Recht und ein Gesetz soll bei Euch gelten für den Einheimischen und den Fremden." „Liebet den Fremdling;" „Haben wir nicht Einen Vater, hat uns nicht ein Gort geschaffen?" Kann nun ein Volk, das solche Ideen ausgebildet und auf einen großen Theil der Menschheit bereits übertragen hat, gleichzeitig auch der Träger des Menschenunv Völkerhasses sein? — Der Ursprung des Judenhaffes. — (s. S. 21 — 25.) Cap. V. — Verdienen die Juden wirklich arbeitsscheu genannt zu werden? Und verdienten sie es, wäre dieser Umstand als Motiv für den Haß gegen dieselben anzunehmen? — „Wie — wenn die Engländer ihre Favriken schlössen" rc. — „Selbst im Paradise sollte Adam arbeiten." — „Die Juden haben mehr als einen Cincinnatus auszuweism: Gideon Boas, Elischa u. s. f. (S. 26 — 33). — Classtsch sind folgende Stellen (S. 32) „Wenn Vs der Juden Bauern, Va Handwerker und Tagelöhner, 1/6 Kaufleute und */« Gelehrte aller Art wären, so würve es immer noch „Marre" genug geben rc. und weiter unten: «Nur das Geld einiger reichen Juden ist der Brennstoff zu der neu r.ngefachten Hl.inime des Judenhasses." — (Fortsetzung folgt.) G. R. Zeitungsnachrichten und Lorrespondenzen. Deutschland. Bonn, Anfangs Dec. In der letzten Nr« des «Haibrl" und „Jbri Anochi" debutirt ein Fräulein Taube Seaal aus Wilna, unter der Ueberschrift: rbxW“ mit der Beleuchtung der Frauenemancipauons-Frage. Der Titel, den die g. Schriftstellerin für ihr Thema ausgesucht, erinnert zwar diejenigen Leser, welchen die rabbinische Responsen-Literatur nicht ganz fremd ist, an gewisse Fragen, die nichts weniger denn Frauenemancipation zum Gegenstände haben. Doch schadet ja der Name der Sache wenig. Frl. Segal (das Frl. ist, wenn wir seinem eigenen Geständniffe trauen wollen, noch jung. „Denn auch dies habe ich erfahren in den wenigen Tagen meines Lebens" (v>n 'Ift'i IDVÖ3 TPK-) nat DJ N) äußert der weibliche Autor) anknüptend an Jesaja Cap. IV. 5. „Und es werden einst sieben Frauen an einen Mann sich klammern rc., übergeht von dannen zur Schilderung der sozialen Lage des schwachen Geschlechts, das von dem starken in jedweder Beziehung ausqebeutet wird. Die Zeiten, behauptet Frl. S. hätten sich in puncto Jesaja Cap. IV. 5, nicht geändert, denn die Statistik weise ja nach, daß das Verhäliniß des weiblichen Geschlechts zum männlichen wie 7:1 stehe, also gerade so, wie zur Zeit unseres großen Sehers. Unser Geschlecht kommt natürlich bei der Schilderung nur sehr schlecht fort. Die mißlichen Ehezustände der jüdischen Bevölkerung seines Vaterlands vor Augen habend, ist es auch kein Wunder, wenn da ein denkendes Mädchen Ans dem Lebe« eines jüd Waisenknaben. (Eine wahre Begebenheit.) (Nachdruck ohne Erlaubniß der Redaktion nicht gestattet.) Aber was hätte auch der arme Mann anfange" sollen ohne sie und was sein Kind, selbst die bösartigsten Nachbarn sagten ihm, er könne Gott danken, daß er eine so tüchtige Person im Hause habe. Nur Benjamin sah mit einem gewissen Groll, wie ste sich zwischen ihn und seinen Onkel drängte, wie immer weniger von der verstorbenen Tante gesprochen wurde, wie die Geschichte im Hause überhaupt immer heiterer wurde. Er sah, daß die Magd schon verschiedene Kleidungsstücke der Verblichenen trug und daß sie anfing gebieterisch gegen ihn aufzutreten. Noch zu kindisch, die wahre Sachlage zu durchschauen, machte er seinen Onkel darauf Aufmerksam, und hatte dadurch nur Oel ins Feuer gegoffen. Er muß aus dem Hause, das war der feste Vorsatz des Frauenzimmers, daS feine Pläne durch den Knaben nicht wollte scheitern sehen. Er muß aus dem Hause dieser Eindringling, und mit Schimpf und Schande, damit er nie zurückkehren darf. Und daS war für sie keine große Aufgabe. Bald hatte sie dieses, bald jenes vermißt und suchte dann eifrig darnach; obgleich sie recht gut wußte, wo sie die fehlenden Sachen hinversteckt. Der Onkel wurde aufmerksam gemacht, und sie erklärte ihm rundweg, wenn daß so fortginge, würde ste sein Haus verlassen., bevor ste durch Andere in irgend einen bösen Verdacht komme. Täglich war etwas Anders fort, und wieder rief ste eines Tages ihren Herrn, nach dem ste Benjamins Kleider duchsucht hatte, und zeigte ihm einen Ring, den ste in des Knaben Tasche gefunden haben wollte. Nun war das Maaß voll, der Onkel konnte seiner Wuth keine Grenze setzen, die Magd meinte, sie wolle den Jungen nicht vertreiben, aber auch nicht mehr mit ihm leben, lieber wollte sie fort, es sollte nicht gesagt werden, ste habe ein verwaistes Kind verjagt. Nein Du vertreibst ihn nicht, tröstete ihr Herr, aber er muß fort, ich habe immer die große Nachsicht meiner Frau gegen diesen Knaben getadelt, heute sind die Folgen da, mag er sich ein Unterkommen suchen, ich habe ihn so weit herangezogen, und nun mag er auch einmal fremder Leute Brod essen. Starr von Strecken hörte Benjamin bei seinem Nachhausegehen die gegen ihn erhobene Anklage und des Onkels Urtheil, sofort sein Haus zu velaffen. Unfähig auch nur ein Wort über seine Lippen zu bring:» und der wüthende Onkel hörte ihn auch nicht viel Tadelhaftes auszusetzen findet. — Frl. S. schreibt übrigens einen blühenden hebräischen Styl, scheint geistreich und in der jüdischen Literatur heimisch zu sein. Wir sind auf die Ausführungen der wackern Russin gespannt. G. R. Bonn, im Dez. Der ,Univers JSraölite^ zu Paris veröffentlicht einen Auszug aus dem September- Oktober-Berichte d. I. der Alliance Israelite Universelle. Die Lage der noch immer nicht ganz, nicht halb emanzipirten Juden Rumäniens wird scharf in's Auge gefaßt. Die jüngste Rundreise des rumänischen Staatsmintsters, Herrn Boeresco, in Angelegenheit der Judenfrage, sowie das Votum der rumänischen Kammern ääto. 7./19. Oktober (das wir unfern Lesern s. Zeit mitgetheilt) werden eingehend beleuchtet. Auch wird der beiden interessanten Briefe Cremieux's, veröffentlicht in den pariser Blättern: ,Temps', ,Evenement und «Rappel", an H. Callimaki-Catargi, diplomatischen Agenten Rumäniens zu Paris, Erwähnung gethan, wo nachgewiesen wird, daß in allen rumänischen Gesetzen und administrativen Akten eine Juden unterdrückende Haltung sich kundgiebt. Die Beschlüsse des Berliner Congresses umgehend, hat man in Rumänien einen Modus zur Lösung der Judenfrage ausfindig gemacht, der, nach wie vor, den meisten Juden im Lande (bie sie da unten «Nicht-Naturalisirte" heißen) alle Freiheit versagt. Die Judenfrage in Rumänien muß also noch immer als eine offene angesehen werden. Im übrigen befaßt sich der Bericht mit den Juden in der Türkei und der Ackerbauschule zu Jaffa. ** Köln. (Unlieb verspätet.) Rechenschaftsbericht des Kölner jüdischen Lehrer-Seminars für 1879. Nach genauer Durchsicht des erwähnten Berichtes muß man das Geständniß oblegen. daß das Verhältniß der dieser Lehranstalt zugeführten Unterstützungskraft mit dem ihrer Schüleranzahl in keinem Einklänge steht: Die Schülerzahl der Anstalt beläuft sich auf 13 interne und 3 externe. Von diesen 16 Zöglingen werden 7unentgeltlich beköstigt. Die regelmäßigen Jahresbeiträge belaufen sich auf die Summe von 15342 Mk. 61 Pfg. Die jährlichen Ausgaben sind mit 15397 Mk. 99 Pfg. verzeichnet, nachgewiesen. Wenn sich nun das JahreLbudget bis auf 35397 Mk. 99. Pf. erhebt, so kann man sich unmöglich der Ueberzeugung verschließen, daß die Anstalt in pecuniärer Hinsicht erfreuliche Fortschritte mache. Wir gönnen übrigens diesem so nützlichen Lehrinstitute seine materiellen Erfolge, die es durch verschiedene „Ankäufe" an den Tag legt, vom Herzen. Dabei bleibt uns nur folgendes zu bemerken: In Nr. 47 des ,Israelit' erscheint eine Correspondenz aus der Rheinprovinz, die in einem langern Artikel das Kölner Seminar mit Lob hervorhebt.*) Dagegen hätte auch Niemand das Geringste einzuwenden, wenn nicht daselbst folgendes zu lesen wäre: „Mehr als 35000 Mark beträgt das jährliche «Budget der Anstalt, sie könnte noch Größeres leisten, „wenn ihr größere Mittel zu Gebote stünden. Blu- „tenden Herzens müssen die edlen Cmawren der An- «stalt alljährlich treffliche Jünglinge zurückweisen. weil „ihnen die Mittel fehlen für eine größere Anzahl zu «sorgen. Die Gesuche zahlreicher Gemeinden um Lehrer „aus dieser Anstalt können nur zum kleinsten Theile „berücksichtigt werden, weil die Mittel zur Ausbildung «einer größeren Zahl von Lehrern fehlen!" Wie kommt es nun, muß sich jeder Unbefangene, der den Rechenschaftsbericht von 1879 liest, fragen, daß j eine Anstalt, der Geldmittel genug zur Verfügung! stehen, um bedeutende „Ankäufe" zu machen, wegen i Mangels an Mitteln „blutenden Herzens" lernbegie-! rige Jünglinge zurückweisen müsse? — Besteht die ■ il -LU —'.LULL!-—■-1 ■—WWgBBaWt einmal an, nahm er seine Habseligkeiten, die man ihm schon zurecht gelegt, und schlich zur Hinterthür hiuauS. Der Hausherr war fortgegangen, es mochte nun doch wohl etwas in seinem Herzen sprechen, da8 er nicht hören wollte, als er dem Kinde seiner Schwester die Thüre gewiesen, da er doch dieser versprochen gehabt, Vaterstelle bei ihm zu vertreten. Aber was vermag nicht ein Weib, wenn sie den Mann bethören will. Benjamin hätte so gerne ihm seine Unschuld betheuert, so gerne ihm gesagt, er werde noch einsehen, daß ihm Unrecht geschehen. Auch DankeS- Worte hätte er ihm noch sagen mögen, er hatte ihm ja auch so viel Gutes erzeigt. Die Magd würdigte er keines Blickes. Aber jetzt wohin? Das war eine Lebensfrage. Ausgerüstet mit einigen Kleidungsstücken, die zum Theil ihm die Hand seiner verstorbenen Tante ihm noch geschenkt, und einige Stüber und Fettmännchen in der Tasche, war sein erster Weg zum Grabe seiner verstorbenen Wohlthäterin. Von ihr wollte er A' nehmen, die sein ganzer Jugendglück mit sich m ».achte Gruft genommen.^. Hier erst brach fin ^.«erz sich Bahn, und larck weinend rief er % -;..u den zärtlichsten Namen, ' ob sie noch hören könnte. Fortsetzung folgt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.