Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 46 (13.11.1879)
- Date
- 1879-11-13
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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werden, haben sich mit Herrn Kahn verbunden, ihren Austritt aus der Synaqogen-Gemeinde bereits vollzogen und ein Lokal t'n M änner- und Grauen-Synagoge hergerichtet, ein L^ipv. das am KT»! ntns p"tt> eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben worden ist. Wir erlauben uns hier in aller Kürze eine Mittheilung über die Einweihungsfeierlichkeit zu geben. Am Freiraa Nachmittag, nachdem der Unterzeichnete, der mit der Abhaltung des Weiheactes betraut worden war, zunächst den Segensrpnlch l^nm^ gesprochen, und man nrüöl nnitD HD gebetet Hütte, wurden mehre passende i^sntmer» rezuirt, und dann ging man zu P2W r6np über. Der Gottesdienst, sowohl am Freitag Ab-, o, w?e am kinl^-Morgens, Nachmittages und am rQtp 'WilD war ein sehr feierlicher und hat Herr S. ,yiu> fru.ier aus Wesel, der mit der Leitung desselben bt-uuft-agt war, seinen Ruf als tüchtiger yfn auts Giän^ndtte bewährt. Die eigentliche Weiheredewurde am Freitaabend, nach beendigtem 12>^ Gebete durch Unterzeichneten gehalten. In einem Einleitungsgebete fl hele delsetbe den Segen Gottes auf das ihm zur Ehre eingerichtete Bethaus herab, dankte der kleinen Gemeinde, die keine Mühe geschenkt, keine Sorgen geachtet und nicht auf die Opfer gesehen hat, um eine Stätte einzurichten. an der Gottes heiliger Name gepriE'N und sein h il Wort verkündet werden soll in altherkömmlicher, r-cht jüdischer Weise, ohne allen modernen Flrtter uno kand. Der eigentlichen Weiherede legte derselbe den hp: Vnrmn DlpÖH *013 HD zu Grunde und sucht, darin, anknüpfend an die sinnigen Worte unserer --etien im Talmud Peßachim: npyvmts' in mnntr pmr in ,in nmntr dstdk n^n 1N"lpt^ ln laiiger^r Rede nachzuwetsen, daß das GotleLhau f in tmiffe: Ein Haus des Gebetes, ein Haus der Belehrung und endlich ein Haus der Versammlung und Einigung. Mit einem Weihegebete wurde die Feier beschlossen. Erwähnen wollen wir noch, daß der Gottesdienst am Samstagmorgen durch eine von gedachtem Herrn Frankfurter gehaltene recht kernige und der Situation entsprechende Predigt sehr gehoben wurde; eben so hat der als tüchtiger bekannte Herr Coppel Dessauer aus Limburg durch mehre während dcs Tages gehaltene religiöse Reden (min 'Hnm uns und alle Anwesenden recht erbauet, und zur Be, h'-rrtichung der Feier beigetragen. Möge die kleine glaube-.streue Schaar immer mehr erstarken und an ihr e. füllt ro iben: .rn-M mw -jrvnnNi nwo ")jwm mm M. Rosenwald, Lehrer. Oestrich vei Letmathe. Filehne. i Unlieb verspätet.) Zu den Verlusten, welche die nnsige Gemeinde in den letzten Jahren zu beklagen g'hadi hat, ist ein neuer getreten. In der Nacht zum zwetten Tag des Laubhüttenfestes starb der Kaufmann B rer Putziger im Alter von 60 Jahren. Von der Liebe und Hochachtung die der Verblichene, welcher Mitglied des Gemeinde-Vorstandes und Leiter mehrerer wohlihätiger Vereine gewesen, genossen, gab die große 'Menschenmenge Zeugniß, Welche ihn zu Grabe geleitete. Von Nah und Fern waren Freunde und Verwandte des Heimgegangenen herbeigeeilt. In längerer Rede p-ies der Orts-Rabbiner Dr. Richter die Tugenden und Verdienste des Verstorbenen. 'mnwn Rußland. Aus Huradna wird dem „Hamelitz" das Ableben des großen, frommen und heiligen Rabbiners R. Nachum Kaplan gemeldet, der am 9. Cheschwan (2. Nov.) zu Grabe getragen wurde. — Der dem s. Verblichenen im g. Blatte gewidmete Nachruf muß jedem Auge Thräncn entlocken und in diesem gerührten Gefühle rufen wir dem Andenkrn dieses Gott und Menschen geweihten Lebens zu: y>ront5>D >6i ■Jpam bnn. Literarisches. Carl Brisch, Geschichte der Juden in Cöln aus ältester Zeit bis auf die Gegenwart. (Mülheim a. Rh. Carl Meyer 1879.) Ein herzbeklemmendes Gefühl ist es, das unser sich bemächtigt, so oft wir uns ein Capitel jüdischer Geschichte aus den düstern Jahrhunderten des Mittelalters vergegenwärtigen. Und wenn schon an und für sich die Geschichte der Menschheit im Allgemeinen zu jener trostlosen Zeit die Seele mit Schauer erfüllt ob der Wildheit, der die menschliche Race sich fähig zeigte, ob der oft bis zuoRaserei gesteigerten geistigen Blindheit — diese Tochter eines aller Vernunft spottenden Aberglaubens, damals Glaube genannt —, die dem Menschen des Mittelalters das beschämendste Zeugniß ausstellt, so ist es besonders die Leidensgeschichte Israels Jiu jene» Zeit, die uns^ schmerzliche Theilnahme herausfordert, die das heiterste Gemüth in tiefe Traurigkeit versetzt. Nichtsdestoweniger aber kann uns anderseits die Lectüre von den Leiden unserer Väter in der Vergangenheit mit Trost und Hoffnung stärken, so wir uns dabei weniger sentimental und mehr geistig verhalten. Denn so wie der Werth des Lichtes durch die eintretende Dunkelheit erst recht zur Würdigung gelangt, so können uns auch die Segnungen einer erleuchtenden Neuzeit nur um so mehr erfreuen, als wir das Zeitalter der Gewissensfreiheit dem des Gewissenszwanges, das der Aufklärung dem der heillosen Geistesfinsterniß gegenüberhalten, um so den endlichen Sieg der Vernunft über die Thorheit zu feiern. — Und in diesem Geiste haben wir auch das vorliegende Buch gelesen. Die „Geschichte der Juden in Cöln" berührt zu gleicher Zeit die der Juden in vielen andern Orten Deutschlands; ja, die der Juden im Mittlern und westlichen Europa. Namentlich kann dies von der Geschichte der Juden zur Zeit der Kreuzzüge behauptet werden; denn so wie die Krankheit an einem Organe des thierischen Körpers nicht verfehlt, alle andern in Mitleidenschaft zu ziehen, so haben, bei der innigen Znsammengehörung des jüdischen Stammes, die dem einen Theile zugefügten Leiden auf das Ganze niederschlagenden Einfluß geübt: ein verlaufenes Schäflein von der Heerde setzte oft die ganze Heerde in Flucht. Mit lobenswerthem Fleiße hat nun der strebsame Verfasser die historischen Quellen, ältere wie neue, ausgesucht, die ihm die Elemente für die Schöpfung seines Werkes lieferten. Vorzüglich ist es die Benutzung verschiedener Memorbücher — diese untrüglichen Verzeichnisse jüdischer Leidensgeschichte — die es dem Verfasser ermöglichte, bis jetzt nur wenig bekannte Thatsachen aus dem Dunkel der Verborgenheit in die Oeffentlichkeit zu bringen. — Die heutige jüdische Bürgerschaft Cöln's durfte mit besonderer Befriedigung wahrnehmen, daß lange bevor die Fahne des Germanenthums und die des Christenthums in der Stadt Cöln sich erhoben, bereits eine ansehnliche jüdische Gemeinde da vorhanden gewesen war (s. S. 3). Der Vorwurf der christlich-Socialen, als die Juden „Fremde" wären, trifft also zum mindesten die Juden Cöln's in keinem Falle. »Zu Anfang des dritten Jahrhunderts", berichtet der Vers., treffen wir in Cöln einen jüdischen Ehegatten, Namens Androlinai aus Nehardea am Eufrat, der von hier aus seiner Ehegattin den Scheidebrief sendet (id. ans Talmud Jebamot). Allerdings ein intereffantes Detail. Doch mit Verfasser von diesem vereinzelten Falle auf den „regen Verkehr der Cölner Juden mit ihren Glaubensgenossen anderer Länder" zu schließen, wären etwas gewagt.— Nicht minder interessant ist die Zusammenstellung jüdischer Männer- und Frauennamen in früher» Jahrhunderten (s. S. 25), woraus hervorgeht, daß der Name zur Sache wenig thut: daß man ein ebenso guter Jude sein kann, wenn man Pipin, Manns, Matthias, als wenn man Seligmann, Süßkind oder Gottlieb heißt, daß es ferner recht brave jüdische Frauen gegeben haben mag, die Bruna, Gertrud oder Matrone hießen. G. R. (Schluß folgt.) Antrittsrede, gehalten in der Synagoge zu Trier am Sabbath den 13. September 1879 von Dr. I. Holländer. Lange hatten wir uns vergebens nach einer Verkündigung des Gotteswortes gesehnt, mit so vieler Innigkeit und Wärme, so vielem Gemüthe und Verstände, in echt prophetischem Tone und Geiste gehalten, wie dies der neue Rabbiner der Trierer Gemeinde beim Antritte seines Amtes seinen Hörern verkündet. Nur edle und wahre Begeisterung für die Sache des Judenthums, von der Überzeugungskraft einer gesunden, lebensfähigen Philosophie unterstützt, vermag ein oratorisches Werk von dem Werthe der uns vorliegenden Rede zu schaffen. Man weiß nicht: soll man die Originalität des Ganzen, die Vollendung in der Form, oder den köstlichen Inhalt, den diese in sich birgt, bewundern; soll man die Einleitung — die schon an und für sich eine meisterhafte Seite gesprochenen und geschriebenen Wortes ausmacht —, oder die eigentliche Rede mit Auszeichnung beloben. — »Was bin ich? Was ist mein Leben?" so ruft der Kanzelredner, „Ich der Schwächsten Einer, o Gott! und der unwürdigste deiner Diener, soll ein Werk vollführen, das selbst Helden erzittern macht, soll hintreten an die Stelle, da Fürsten und Große im Reiche des Geistes gestanden, soll mein Lichtlein stellen neben die Sonnen, die hier geleuchtet, soll Lehre, Gesetz, Liebe, Frieden neu begründen, wo Alles durcheinander wogt und tobt?" Wie pocht mein Herz, wie zagt meine Seele ob solch erhabener Aufgabe! Aber da nahest du mir, edler Prophetengeist, deine Lippen hauchen balsamischen Trost „Gott bekleidet dich mit dem Gewände des Heils" "VW »TO myqfrn *0" rufst > ■ mir zu. Er wird dir zur Seite stehen, dir Heil und Hilfe bringen, fasse Muth, kämpfe mit Begeisterung und Liebe". — Nur ein Priester, der mit einer solchen Selbstlosigkeit sich betrachtet, von sich spricht, der sich zur Aufgabe stellt, Gesetz, Liebe und Frieden zu begründen, ist ein wahrer Priester; von einem solchen sagt Maleachi "Kin nm ^SD1„: „und vor meinem Namen demüthigt er sich«; nur von einem Priester, der sich seiner Gemeinde mit einem solchen Programme präsentirt, kann gesagt werden: „Sin Nixn2 "7 „Er sei ein Gesandter Gottes". — Nach Art der alten Agadisten geht nun der Rede Meister diesmal an's Werk. Den Text des Bibelwortes (Deut. 3 l, 12) zergliedernd, weiß er jedem einzelnen Satzgliede Leben, frischen, erquickenden Geist einzuhauchen. Jedes neue Wort gestaltet sich in seinem Munde zu einer neuen Rede. — Dr. Holländer hat aber in seiner Antrittsrede nicht blos an die Trierer Gemeinde, der er die rührende Frage: „N^NNIMN IWnnn" tröstend, ermuthigend und belehrend beantwortet, das Wort gerichtet; er hat vielmehr zu seiner Nation, zu seiner Zeit gesprochen. Er sucht die Menschen zur Religiosität zu führen, indem er d-n herrschenden Materialismus entwaffnet, der menschlichen Wissenschaft ihre Ohnmacht vorhält. Hören wir nun, wie sich der Redner in diesen Punkten äußert: „Versammle um dich die Männer« die Starken der Erde, die da kämpfen und ringen auf der Höhe des Lebens, um mit kräftiger Hand Haus und Familie zu erhalten. O kommt, versammelt Euch um Euren Lehrer, höret und lernet Gott fürchten. Ihr strebt sonder Ruh und Rast, kämpfet mit Sorge und Mühen einen heißen schweren Kampf. Aber wird auch der Segen Gottes Euer Ringen krönen, wenn Ihr ohne Gottesfurcht strebt und kämpfet? So Ihr saget: Meine Kraft und meiner Hände Stärke hat all diesen Reichthum geschaffen; wird da nicht unersättliche Gier Euer Herz erfüllen, nicht Neid und Mißgunst Eure Wangen bleichen, nicht Gewalt und Unrecht Eure Hände beflecken? — Versammelt Euch um Euren Lehrer und lernet Gott fürchten, die Ihr glaubet, das Glück gefunden zu haben, so der Strahlenglanz der Lichter Cure Nächte erhellt, die Ihr in Lust und Vergnügen dahineilt? O nicht immer wird es so helle um Euch sein. Doch Ihr saget, Ihr wollt das Glück genießen, so lange es Euch zulächelt. Und wenn Ihr nun gerade durch Eure Genüsse es von Euch stoßet, wenn Ihr nun in Lüsten Eure Kräfte verzehret, über die Euch Gott zu Wächtern eingesetzt, wenn Ihr Euren Geist, Euer sestbegründetes Hans in Thorheit untergrabet, nennt Ihr auch das noch wahres Glück? — „Versammle um Dich," so ruft es dem Priester Gottes zu, die sich klug dünken und weise in ihren Augen, die da glauben, Gottesfurcht geringschätzen zu können, die den Staat mit seinen Gesetzen, seinen Kriegern, seinen Schulen und Gefängnissen an die Stelle der Religion setzen wollen. O einmal werden sie es erkennen, wenn Alles übereinanderstürzt, wenn das Gebäude des Staates in seinen Fugen kracht, wenn die Wogen des Frevels, des Aufruhrs sich über ihre Dämme ergießen, dann stehen sie da, die Klugen und Stolzen, rathlos, führerlos, hilflos, widerstandslose Opfer menschlicher Entartung. O warum wollt Ihr bei dem Schrecken in die Lehre gehen? Kommt zu Eurem Lehrer, hört und lernet von ihm Gott fürchten." Kommt auch Ihr Starken im Geiste, die Ihr die Höhen des Wissens und der Forschung erstiegen habt, die Ihr Euch frei erhoben habt in kühnem Fluge über die kleinlichen Grenzen beschränkten Unverstandes. Habt Ihr nie an Eurem Wissen gezweifelt? Wenn Ihr an den Grenzen standet menschlicher Einsicht, sähet Ihr nur öde Finsterniß jenseits dieser Grenzen? Erfaßte Euch nicht ein Grauen bei dem Gedanken, daß nur das enge Gebiet Eurer Erkenntniß licht sein sollte, die Unendlichkeit aber leer und dunkel? O ehe Ihr verzweifelt ob solchen Ungedankens, versammelt Euch hier, um zu hören, um zu lernen, daß Gottesfurcht der Anfang der Weisheit ist, daß erst, wo Euer Wissen zu Ende geht, die Quellen des Lichtes zu strömen beginnen. Und wenn Ihr Euren Geist befriedigt an den Erfolgen Eures Forschens, hat auch Euer Herz Ruhe gefunden, hat auch Euer Gemüth Nahrung erlangt an kalten Wiffensregeln? Hat auch Eure Sittlichkeit Halt gewonnen an kühnen Gedankensäulen, Euer Seelenleben Wärme erlangt an lichten Geistesblitzen? O versammelt Euch, höret und lernet von dem Verkünder des Gotteswortes, daß Wissen ohne Gottesfurcht einer Sonne gleicht, deren Strahlen nur leuchten, doch nicht erwärmen". Nach dieser kräftigen Sprache, die den Eindruck eines Jesajanischen Capitels hervorbringt; nachdem Redner die Starken an Kraft und Verstand ernst gewarnt, nähert er sich den Schwachen, »den Priesterinnen deL Hauses; denn so sie nicht Gott im Herzen tragen, wie soll da die Jugend für Gott und die Tugend erzogen werden? Die Männer sollen lernen, Frauen sollen hören. Hat ja schon die No*' Frauen Herz dem Göttlichen etSdjjcfo»» ' x*~