Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 41/42 (16.10.1879)
- Date
- 1879-10-16
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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sei, so müssen wir an diese::: geheiligten Tage auch heilige Grundsätze für's Leben fassen: fasten und Gott erkennen! Denn haben wir einmal uns selbst erkannt, dann haben wir zur Erkenntniß Gottes nur einen Schritt. Haben wir unsere Untugenden und Laster eingesehen, sind wir geschützt vor Egoismus, vor Selbstvergotterung; haben wir das Bewußtsein unserer Ohnmacht, unserer Vergänglichkeit erlangt, wird auch die Habsucht aus unserer Mitte verschwinden. Haben wir dies gethan, dann haben wir aber auch nicht vergebens gefastet. Dann ruft uns eine himmlische Stimme freudig zu: Mi27' ‘11 Xlpn 1X„ „Rufet mich an, ich erhöre euch!" Ich habe euer Fasten genehmigt, weil ihr fastend meiner eingedenk wäret, weil ihr es mit Herz und Liebe zu mir gethan, weil ihr euch bessertet. Denn nur so soll eurem Ansprüche auf Versöhnung mit Gott, aus Wohlwollen derMenschen willfahren werden. 2p7' )17 IDI? 1X12 *0 Nur so können Jakobs Sünden verziehen werden. Amen! Die hebräische Sprache im Vergleich mit andern Sprachen. Ursprünglich gab es auf der ganzen Erde nur einerlei Sprache und einerlei Worte und zwar bis zur Zeit Peley's, in welcher die Erde getheilt, und die Völker nach allen Richtungen der Winvrose hin zerstreut wurden. Bei dieser Gelegenheit gerieth auch die Sprache der Menschen in Verwirrung, wie es also heißt: „Daselbst verwirrte der Ewige die Sprache aller Völker und von dort zerstreute er sie über die ganze Erde hin. (Gen. 11, 9). Dieselbe erlitt Veränderungen und Wechselungen je nach der Mundart der verschiedenen Völker. Nur ein Theil der neuentstandenen Sprachen behielt eine annähernde Aehnlichkeit mit der Ursprache, der sie entstammten, der andere Theil der Sprache jedoch entfernte sich durch die Länge der Zeit und die mächtigen Völkerbewegungen so weit von ihrem Ursprünge, daß keine Spur der Aehnlichkeit mehr zwischen ihnen und diesen erkennbar war. Die Mannigfaltigkeit der Sprachen vermehrte sich immermehr. Unsere Weisen — Ihr Andenken gereiche uns zum Segen — unterschieden bereits 70 entsprechend der Zahl der Nachkommen des Sem, Ham und Jafeth zur Zeit der Sprachenverwirrung. Die gleiche Zahl der Sprachen findet sich in der X212 ITT X1p'D2 wo 14 Sprachen auf die Nachkommen Jafeths. 30 auf diejenigen Ham's und 26 auf diejenigen Sem's kommen. Unter den Nachkommen Hams werden UtPX1) und OVlt^S übergangen, weil diese beiden die Nachkommen bereits genannter Namen waren. Die heilige Sprache erhielt sich in dem ihr eigenthümlichen Glanze so wie in ihrer Reinheit und Klarheit nur bei Eber, dem Vater Peley's und dessen Nachkommen, welche die göttlichen Gebote beobachteten, die Adam und seine Frau in der hebräischen Sprache von Gott überkamen. Unsere Gelehrten haben uns überliefert, daß dies die 2) 7 Gebote seien, auf welche rheils die Söhne Noah's theils schon die ersten Menschen verpflichtet wurden und zweifelsohne haben Adam und Eva, welche diese Gebote von Gott in der heiligen Sprache erhielten, dieselben in derselben Sprache aus ihre Kinder und Kindeskinder vererbt! Wahrscheinlich ist auch, daß die Schöpfungsgeschichte der Welt Adam und Eva durch göttliche Offenbarung bekannt gegeben und von diesen den kommenden Geschlechtern bis zu dem des Eber überliefert wurde und zwar ebenfalls in der heiligen Sprache^ (^. Gen. 2, 4) Deshalb wird auch die heilige Sprache die hebräische genannt, weil sie nach der Ansicht einiger Autoren auf den Namen Eber zurückoiführen ist (Nasch: u. A. glauben, weil sie 1272 von jenseits d"s Stromes d. i. des Euphrat zu uns gekommen ist), bei welchem allein sie sich zur Zeit der Zerstreuung der Völker in ihrer Ursprünglichkeit erhielt. Bon diesem nun pflanzte sich die heiliae Sprache fort auf seine Nachkommen bis zu unserm Patriarchen Abraham, Jsak und Jakob und deren Familie. Sie stieg mit den Nachkommen Jakobs nach Aegypten herab, woselbst die Nachkommen Israels die geheiligte Sprache unverändert beibehielten, was diesen von unsern Weisen als Tugend angerechnet wird. Diese Behauptungen alle erhalten die unwiderleglichsten Beweise in den Eigennamen, die in der Thora in jeglichen Zeitaltern Vorkommen und die alle nur aus der hebräischen Sprache herzuleiten sind. So z. B. wird Ql 12X von yi21 2X, ^X72t7' von 7217 hergeleitet; ebenso werden die Namen pm, 2p7' und diejenigen der zwölf Stämme Israels auf ganz bestimmte Motive znrückgeführt; die Töchter Lots, welcher letztere im Hause Abrahams erzogen wurde, nannten ihre Söhne 2X12 4) und 127 weil sie dieselben von ihrem Vater geboren hatten. In gleicher Weise weisen die Namen der Brunnen und Ortschaften, z. B. 72t7 -)Xl, 'XI '11 1X2 12X ,1X 1'2 ,niDD ,12S2 ,1712 ,U2t? ,pt77 121 D'1S2 auf die hebräische Ursprache hin, aus welcher allein der etymologische Zusammenhang der Bezeichnung mit der Veranlassung zu derselben ersichtlich ist. Denn in allen Sprachen, in welchen die Thora übersetzt wurde, blieben die Eigennamen unverändert hebräisch. Der Zusammenhang jedoch des Eigennamens mit seiner Bedeutung konnte in diesen, wie natürlich, nicht wiedergegeben werden. So übersetzt der Chaldäaer die Worte: '2 112X '2121X1 1217 Xlpm V072'1 nxi mit 112X 'IX 121X1 1'257 llpl '212117 "7 Dip '12 'IX und bei der Erklärung des Namens '17 durch: '^X 1I7X 111' D721 mit XII '172 '!? i2nrr X221 und 117121 1712 mit X'11 Xt7l21 Uno indem der Prophet spricht: 172272^ lp'1 <1p72 1211 ipi2l 12t72 12116) übersetzt der Chawäer: )'212X )12'X XII X2'1 11127'1 1'12X1 1'211 )'2D2 )12'X XII 121 ^1127'1 1'12X. _ (Fortsetzung folgt.) 1) Siehe über Aschur den Biur Gen. 10,11, der diesen nicht als eine Person, sondern als das Band erklärt, nach welchem Nimrod sich begab auch über Pelischtim, vergleiche den Biur Gen. 10, 14! 2) Siehe Sanhedrin 56, wo es heißt: 112!2 7217 ni'17 'l^'2 D127 Dt71 12121 1'2'112 '22 11222 '11 p 12X1 1121 D'21 12'2t71 Auf 7 Gebote sind die Söhne Noahs verpflichtet worden. 1. Das Gebot, Gerechtigkeit in Streitsachen zu üben. 2. Das Verbot der Gotteslästerung, 3. des Götzendienstes, 4. der Blutschande, 5. des Blutvergießens, 6. der Aneignung fremden Eigenthums, 7. des Genusses eines von einem lebenden Thiere entnommenen Stückes! 3) Hier wird auf Gen. 1. 2 verwiesen, was unbedingt ein Druckfehler ist und 2, 4 heißen muß, da sich nur zu dieser Stelle die weitere Ausführung des hier Angedeuteten finden. 4) 2X12 ist soviel als: 2X2. 5) d. h. der Vater des Kindes stammt von meiner Familie her. 6) Jnteresiant ist, daß es der Ueberfetzung in der Zunz'schen Bibel gelungen ist, die Homonymie im ersten Theile im Deutschen nachzuahmen, im zweiten jedoch dieselbe unterbleiben mußte! Zeitungsnachrichten und Lyrrelpoudeuzen Deutschland. % Bonn (Besetzung des Prager Obecrabbinats.) W Der seit dem Ableben Rappaports unbesetzt gebliebene . Posten eines Oberrabbiners der Prager isr. Gemeinde .H soll wie der „Neuen isr. Ztg.« mitgetheilt wird, durch > -Z dm Rabb. Hirsch zu Allofen in Ungarn besetzt wor- .A den sein. Die Prager Gemeinde hat durch diesen Akt ' •’ die jüdische Welt freudig überrascht.- Wer halte je ’l gedacht, daß die zerstückelte Prager Gemeinde sich wie- H der sammle; daß — gleich den Steinen des Patriarchen Jakobs in der Agada — aus den 10 verschiedenen Synagogen mit ihren verschieden religiösen Rich- ÜH jungen und einer Hauptsynagoge reformatorischer ZÄ Richtung Eine werde und daß die Klaus -Synagoge, die von nun ab den Rang einer Hauptsyna- Ist goge einnehmen soll, alle ihre älteren und jüngeren M Schwestern verschlinge? Waren es finanzielle oder religiöse Motive, die diese Centralisation geschaffen? — ,W In allen Fällen gratuliren wir der Prager Ge-; meinde zu ihrer Wahl in der Person des Herrn Ober- Z Rabbiner Hirsch '2, der von je dem orthodoxen Juden- Z thume alle Ehre gemacht. Z — Bonn. (Spende aus Bingen a. Rh.) Den H Mitgliedern des Vereins ^X1I7' ^1p dahier wurde f am ersten Tage des 1122-Festes eine angenehme Ueberraschung zu Theile. Dem Vorstand des genannten Z Vereins wurde nämlich ein recht elegant ausgestattetes Z 1212 (Vorhang zum Sanctiffimum) überschickt, das dem t71p1 111X als zierliche Hülle diene. Der Spie- J gel des Vorhanges trägt in hebräischer Schrift die H Namen der Spender: Frau Vögle und Hr. Nathan H Kahn*), wohnhaft in Bingen. Die ihres biedern Charakters wegen in beneidenswerthem Rufe stehende Familie N. Kahn, die sich durch ihre Spende bei dem Vereine ^X1t7' blp ein dauerndes Monument gesetzt, durfte auch so manchem unserer Leser von ihrer guten Seite her wohlbekannt sein. Hier sei nur noch erwähnt, daß bei Gelegenheit der Einweihung des 1212 Hr. G. Rosentheil, gegenwärtig Lehrer hier, den ßedlen Spendern im Namen des Vorstandes in warmen Worten Dank sagte. Redner betonte dabei die so paffende Wahl einer 1212-spende von Seiten einer priesterlichen Familie, die, als Nachkomme Aron's, sich es zur Aufgabe gestellt ü&W 5)1111 ü)bw 211X zu sein und so diese ihre humane Gesinnung nie schöner zum Ausdruck bringen konnte, als gerade in der Gabe eines „Vorhanges«, der, ein Symbol des Verdeckens, der Vergebung wie der Aussöhnung, daran mahnt, den Schleier der Vergessenheit über zugefügte Beleidigungen zu ziehen.**) — Möge es dem Hause Kahn gegönnt sein, noch viele Gotteshäuser durch seine Arbeit zu verherrlichen und seinen Namen im Hause Israels zu verewigen! *) Ober-Chasan der orthodoxen Gemeinde zu Bingen. **) (Anmerkung). Dem Herausgeber dieses Blattes in der Eigenschaft als Gründer und Vorsitzender der Religions-Gesellschaft ^X1t7' blp dahier ist es gelungen, eine Aussöhnung zwischen zwei Mitgliedern der genannten Gesellschaft, von denen das Eine Schwiegersohn der verehrten Spendern ist, welche fast zwei Jahre in Unfrieden lebten, zu Stande zu bringen. In Folge dieser angenehmen Nachricht wurde das 1212 aus Freude zur Liebe und Eintracht gespendet. Red. Ei» Schächter als Bischof. Eine Sktzrr aus de» Erinnerungen meiurs Lebens, von Brauuhart. Fortsetzung. Mein Nebenmann sprach nun kein Wort weite über Exegese, sondern las für sich weiter, währen! ich aus Langeweile recht sanft einschlief. Als die Pferde gewechselt wurden erwachte ich und mein Reisegefährte fragte mich, ob ich mit ihn eine Taffe Thee trinken möchte, was ich gern annahm Wir stiegen aus, und begaben uns in das Gastzimmei des Wirthshauses, wo die Bestellung zum Thee gemacht wurde. Es dauerte nicht lange, da stand aud schon die dampfende Theekanne, Tassen und Zubiß au Lem Tische, unter Anderem auch Fleischspeisen uni Eier. Ich nahm eine Taffe Thee, Butterbrod uni drei Eier; mein Bibelfreund hingegen griff zum Roast beef. Ich sah ihn groß an. Er bemerkte dies uni sprach lächelnd: „Eie wundern sich, daß ich in diesen Lokale Fleisch esse? Sind sie noch nicht soweit fort geschritten, um über diese Nonsens heraus zu sein?" Mein Herr, erwiderte ich ihm, Sie der Sie die Bibel so fleißig zu lesen scheinen, wie können Sie die Gebote Gottes so leichtfertig Nonsens nennen? Wissen Sie nicht, daß es dreimal in der heiligen Thora steht:;12X 2^>12 '12 ^1721 X^. Eben so daß wir JU' den kein 1212 essen dürfen. Es wundert mich, daß Sie, der Sie fast noch einmal so alt scheinen, als ich, diese Verbote ohne Gewiffens - Skrupel übertreten können. „Glauben Sie das nicht, junger Mann," versetzte er hierauf, daß ich leichtsinnig irgend ein Gesetz Gottes übertrete; ich handle nach Grundsätzen. Hier ist nicht der Ort, sie Ihnen zu erläutern; vielleicht werde ich in Liverpool Gelegenheit haben, mit Ihnen näher bekannt zu werden. Zu welchem Zwecke reisen Sie nach Liverpool? Ich sagte ihm, daß ich in London leidend geworden sei und auf Anrathen der Aerzte Seebäder nehmen müffe. Darauf sprach er: „Ich habe gleich an Ihrer Aussprache gemerkt, daß Sie kein geborener Engländer sind; was sind Sie für ein Landsmann?" „Ich bin, antwortete ich ihm; aus S. in der Provinz Posen". Ei, rief er sichtlich erfreut, in deutscher Sprache, so sind wir ja Landsleute! Ich bin auch ein Herzogtümer, und zwar in F. geboren. Es freut mich, auf eine so eigenthümliche Weise in Ihnen einen Landsmann gefunden zu haben, und es soll mir zum Vergnügen gereichen, Ihnen mit Rath und Thal beistehen zu können." Mein Landsmann sprach zwar ein gutes Deutsch; an der Aussprache konnte ich jedoch leicht erkennen, daß er in einer l^lp unserer Provinz geboren und erzogen worden war. Ich dankte ihm für sein freundliches Anerbieten und versprach ihm, davon Gebrauch zu machen, wenn ich dessen bedürfen sollte. Er bezahlte die Zeche, und wir setzten unsere Reise fort. Nachdem wir uns in dem Wagen gemächlich eingerichtet hatten, die beiden Engländer waren zurückgeblieben, setzten wir unsere Unterhaltung fort, und ich nahm mir die Freiheit, ihn zu fragen, mit wem ich die Ehre hatte bekannt worden zu sein. Er erwiderte: „Das wag ich Ihnen nicht mit wenigen Worten zu sagen. Fortsetzung folgt. Sauer-Schwabenheim, 27. Sep. Heute brach in dem Hause eines Israeliten, deren höchster Festtag gerade gefeiert wurde, Feuer aus. Dem raschen Eingreifen der Bürger ist es gelungen, das gefährliche Element, ehe es einen bedeutenden Schaden anrichten konnte, in seine, Schranken zurückzuweisen.