Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 39/40 (29.9.1879)
- Date
- 1879-09-29
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mage des Israelitischen Daten 31t Ir. 39 und 40. An die geehrten Leser! In Nr. 37 unseres Blattes haben wir auf die Eventualität vorbereitet, das Erscheinen der folgenden Nummer aus Gesundheitsrücksichten unterlassen zu müssen. Indessen haben wir mit der Hilfe des Allmächtigen N2 iniJPI unsere Thätigkeit zu dieser Zeit nicht eingestellt und würde auch im Erscheinen des Blattes keine Unterbrechung vorgekommen sein, wenn nicht ein Trauerfall eingetreten wäre, der uns nach den religiösen Vorschriften die Arbeit untersagte. Nach dreiwöchentlichem Leiden starb nämlich unser jüngstes Töchterchen am verflossenen natP; die vergangene Woche war somit für uns die der njDtP. Als Ersatz bieten wir den g. Lesern heute eine Doppelnummer (39 u. 40), welches Verfahren wir zu wiederholen gedenken, da in der Zeit vom 2. bis 10. October, wo das M2L>-Fest fällt, der heiligen Feiertage wegen und des inzwischen siegenden in unserer Redaction wie bekannt nicht gearbeitet wird. Das IH. Quartal hat sein Ende erreicht — wir stehen im Beginn des IV. und da ist es denn auch angebracht, einmal pro ciomo, in eigener Angelegenheit zu sprechen. Wohl nicht mit Unrecht dürfen wir unsere Leser bitten, in befreundeten Kreisen oder wohin immer ihr Einfluß reicht, für das Blatt, zu dessen Abonnenten sie zählen, zu wirken und dasselbe zu verbreiten. Sie wissen es ja am Besten, wie der Israelitische Bote seit seinem fünfjährigen Bestehen stets bestrebt gewesen, das Beste und Interessanteste zur Unterrichtung und Unterhaltung seiner Freunde zu bieten, wie er — trotz manchmal sehr unregelmäßiger Zuführung der Abonnementsbeträge — keinerlei Opfer gescheuct, das begonnene, zum Vortheil der Glaubensgenossen ins Leben gerufene Werk fotzuführen; sie wissen auch, wie der „Israelitische Bote" weiter seine Pflicht thuen wird und daß sie ihn daher mit Fug und Recht empfehlen können, empfehlen sollten! Mögen des „Israel. Boten" Leser dessen eingedenk sein und darnach handeln! Mit vollster Zuversicht rechnen wir auf Unterstützung unseres Unternehmens, der Israelit ist ja stets gern bereit, eine gute Sache zu unterstützen, wo er nur kann — und eine gute Presse ist ja eine solche. Des „Israel. Boten" Wahrspruch ist aber auch immer gewesen: „Für unseren Glauben und unsere Glaubensgenossen!" Frei und offen, ohne Menschenfurcht ist er an die Erfüllung seiner Aufgabe herangetreten. Nie hat er sich gescheut, die Wahrheit zu sagen, und auch heute steht er nicht an zu sagen, daß trotz der größten Aufmerksamkeit, trotz des unermüdlichen Strebens, trotz alles Fleißes der Redaction, dem Herausgeber und alleinigen Gründer noch Manches zu wünschen übrig bleibt, um die Früchte seiner Thätigkeit in richtigem Maße zu genießen. Nicht möge der Leser aber auch vergessen, daß er durch kräftige Bethätigung und Mithülfe der Verbreitung uns in den Stand setzt, immer mehr des Guten und Interessanten zu bieten. Besonders bitten wir die Hrn. Kultusbeamten um thatkräftige Unterstützung; der „Jsr. Bote" kostet ja nur 2 Mark pro Quartal. Bezüglich der Insertion empfiehlt es sich im Großen und Ganzen die Annoncen mit den Namen, anstatt unter Chiffre erscheinen zu lassen; die Wirkung solcher Inserate ist eine überaus größere. Natürlich gilt auch hier der Satz: „keine Regel ohne Ausnahme." Die Insertion wird pro Zeile, 7 Silben Inhalt, mit nur 10 Pf. berechnet. Es ist Jeder im Stande, hiernach kleinere Inserate selbst berechnen zu können, und bitten wir bei solchen Gelegenheiten den Betrag in Freimarken beizufügen, es werden dadurch viele gegenseitigen Schreibereien und Portis erspart und die sofortige Ausnahme erwirkt. Instituts-Inhabern, Hotel-Besttzern und Kaufleuten, die längere Zeit hindurch zu inseriren beabsichtigen, bitten wir, sich bezüglich näherer Ver einbarungen an die Erpedition zu wenden. — Nach alledem dürfte es klar liegen, daß wir mit Recht behaupten können, ein Organ, das seinen Abonnenten und Inserenten die größten Vortheile bietet ist der „Israelitische Bote". Herausgeber und Redacteur Moritz Baum, Bonn, Peterstraße 8. Im Banne des Gesetzes. Erzählung von Jenny Hirsch. „O, das thut gar nichts," unterbrach sie ihn. „Es ist ja selbstverständlich, daß eine Autorität wie Sie, zu der täglich eine Schaar von Patienten wallfahrtet, sich nicht die Namen der Einzelnen merken kann. Nun ich hoffe, wir werden uns hier als Kurgäste besser kennen lernen, Sie sind doch zu längerem Aufenthalte hier?" „Ich beabsichtige allerdings einige Wochen hier auszuruhen," war die etwas zögernd ertheilte Antwort. — Der Professor war offenbar nicht sehr angenehm berührt von der Aussicht auf eine nähere Bekanntschaft mit der kleinen zuthunlichen Frau; ein Ausdruck des Schreckens malte sich aber auf feinem Gesicht, als sie, ohne Notiz von seiner Einsilbigkeit zu nehmen, fortfuhr: „Erlauben Sie, daß ich Sie meiner Mutter und meinen Schwestern vorstelle, Frau Löwenthal aus Frankfurt, Esther und Hanna." Ist-das Zufall oder Absicht?" fragte sich der Professor,, ^jedenfalls ein unangenehmes Zusammentreffen." Er nahm sich vor, den Damen möglichst aus dem Wege zu gehen, für den Augenblick konnte er aber, ohne unhöflich zu erscheinen, sich ihnen nicht sofort entziehen. Frau Löwenthal begrüßte ihn mit einer ihrer hochtrabenden Redensarten, Hanna ward roth und kicherte, Esther verbeugte sich schweigend. Der ganze Auftritt war ihr im höchsten Grade peinlich. „Kommen Sie mit nach dem Karlshain, Herr Professor," fuhr Frau Rosenblatt fort, „wir wollen Ihnen zeigen, wo wir hängen." „Wo Sie hängen?" ~ wiederholte der Professor erstaunt. „Hangen und Bangen in schwebender Lust/ kann man sagen", citirte Friedchen, Goethe mißhandelnd, während Hanna sowohl über das Erstaunen des Pro-- sessors, wie über das Citat der Mutter in ein lautes Gelächter ausbrach. Jetzt konnte es Esther nicht mehr mit ansehen, einen Schritt näher tretend, sagte sie in einem Tone, dessen ruhige Würde die beste Zurechtweisung für Mutter und Schwestern enthielt: »Man befestigt im Karlshain Hängematten an den Bäumen und ruht darin, die Koteriesprache der Kurgäste nennt das „hängen". Es ist Ihnen wirklich nicht zuzumuthen, Herr Professor, direkt nach dem Karlshain zu gehen, um sich diese Anstalten zu betrachten." „Als Arzt ist es meine Pflicht, mich mit den Einrichtungen eines Kurortes, an dem ich mich aufhalte, bekannt zu machen. Wenn Sie mir gestatten, so schließe ich mich den Damen an", antwortete der Professor unwillkürlich. Der Klang dieser Stimme, der Blick des großen dunklen Auges, die Vornehmheit der ganzen Erscheinung halten ihn wunderbar sympathisch berührt. Selbst die einfache Erklärung, die Esther gegeben, gewann in ihrem Munde etwas Bedeutendes. Frau Löwenthal und ihre beiden anderen Töchter versanken vor ihm, er sah nur Esther und schritt, bald im lebhaften Gespräch mit ihr, an ihrer Seite weiter. Da Hanna sich neben ihrer Schwester befand, so glaubte Frau Löwenthal die Sache im besten Fahrwasser. Mit großer Befriedigung folgte sie mit ihrer verheiratheten Tochter den Vorausschreitenden. »Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme, Sarchen!" seufzte sie. „Sollen wir Vaterleben zu Schabbes kommen lassen, meinst du, daß wir da Verlobung haben können?" „Warten wir es noch ab, Mutter," — mahnte Frau Nosenblatt, die ihrer Sache doch nicht so ganz sicher war. »Das Judengeschmeiß hängt doch wie Kletten aneinander," bemerkte die Frau Commerzienräthin, ihrer lieben Freundin einen nichts weniger als freundlichen Blick nachsendend. „Ein Professor ist der Kerl, ich sage doch, es wird immer toller. Aber wißt Ihr was, mit der Esther hat's 'nen Haken, die Löwenthalen hat sich verschnappt. Ich will's schon rausbringen, dem Grasaffen tränke ich seinen Hochmuth noch ein." * * * Es waren einige Wochen vergangen. Der Aufenthalt des Professors in Eharlottendrunn neigte sich seinem Ende zu und noch immer wartete Frau Friedchen Löwenthal vergeblich darauf, daß er seine Absichten auf die Hand ihres Hannchen kundgeben sollte. Nicht daß er sich ihrer Gesellschaft entzogen hätte, darüber hatte sie sich nicht zu beklagen. Er war ihr Begleiter auf allen Spaziergängen und Ausflügen, ließ ihre Citate mit rührender Geduld über sich ergehen, hatte alle erdenkliche Aufmerksamkeit für ihre Töchter und duldete auch den freundlichen Verkehr mit dem seine Frau ab und zu besuchenden Nosenblatt, aber weiter kam es nicht.