Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 39/40 (29.9.1879)
- Date
- 1879-09-29
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9620169-9625151-9624133--258-9624135- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Cicero 1× ep/1024888
- Homer 1× ep/1025156
OCR text
/enntnißreich, kunstbeflissen, soll der Jsraelite sein, kein Gewerbe verschmähen und zu Handwerken jeder Art sollen sich Israeliten ausbilden, aber darüber nicht aufhören Israelit zu sein, oder etwa seine Ansprüche zu vergrößern, und dadurch zuletzt von Gott abweichen. Nein, Demuth, Bescheidenheit, edler L-inn, und über Alles Großmuth, der Opfer zu bringen weiß, ziere dich Jsraelite; so sollst du ein Priesterreich Gottes sein, das Priesterthum der Völker, das entbehrt und entsagt, und stets singt: Der Herr ist mein Feld, meine Veste und mein Zufluchtsort wn iw /“n ,mt nj nn» '2 du bist mein Licht o Herr, und der Herr wird selbst meine Dunkelheit leuchten lassen. Selbst gering und unbedeutend, werde ich gerade dadurch ein Licht werden. Und dazu helfe du uns, o Herr, auf daß wir jeder Versuchung widerstehen, jede Prüfung bestehen, und bei aller Erkenntniß unsere höchste Erkenntniß, die sein lassen, an dich o Gott zu halten. Mit dieser Bitte schließen wir unsere Andacht, und mit ihr vereinen wir in treuer Anhänglichkeit und Liebe zum Vaterland unser Gebet für das Wohl desselben. Zu seinem Besten segne den, dem du bas Seepter in die Hand gegeben, unfern geliebten Landesvater und König, unsere Landesmutter und Königin, sowie das ganze königliche Haus, seine Räthe und Minister. Laß in Israel die Ueberzeugung immer fester werden, treue Anhänglichkeit im Glauben erheben den Menschen wahrhaft, Religion und Tugend machen allein ihn groß und würdig vor aller Augen, auf daß die Väter in solche Muster verwandeln ihre Söhne, die Mütter dieses Religionsgefühl einhauchen ihren Kindern, und wir alle recht würdig seien zu empfangen deinen Segen, den du heute recht kräftig dieser Gemeinde möchtest erlheilen lassen durch deinen Knecht. Amen! Bon der Niederschrift der Thora. III Die heilige Sprache. Die heilige Sprache, in welcher die in unfern Händen noch heute befindlichen 24 Bücher geschrieben worden sind, ist die Sprache, in welcher die Gottheit mit Adam, Kain, Noch und unfern Erzvätern redete, in der sie die Zehn-Gebote auf dem Berge Sinai feierlichst verkündete, in welcher die Bundestafeln beschrieben wurden und in der der Ewige mit Mose und seinen Propheten gesprochen! In diesem Allem ist es wohlbegründet, daß diese Sprache an Vorzug, Erhabenheit und Majestät über allen anderen Sprachen steht und deshalb die „heilige Sprache" genannt wird. Im Midrasch Ber. Rabba Cap. 31 heißt es: Gott sprach zu Mose: „mache dir eine Schlange" ohne die nähere Bestimmung, woraus*)! da dachte Mose: mache ich sie aus Gold oder Silber, so kömmt hierbei keine ähnliche Wortverknüpfung heraus; daher will ich sie aus Kupfer1 2) fertigen, damit diese letztere gewonnen werde; wie es also heißt: nt£TD DTD PltPD tPJW (Rum. 21, 9) Eine andere Ansicht an derselben Stelle (B. Rabba 31 und 18) ist folgende. Gleichwie die Thora in der heiligen Sprache gegeben worden ist, so wurde auch die Welt in der heiligen Sprache erschaffen. Denn haben wir wohl jemals Anthropos — Anthropeia oder Gabra bung der Ehe und der Weibergemeinschaft das Wort geredet ward, worin sie eine Entschuldigung ihrer eigenen Ausschweifung zu finden glaubten (Forbiger, Hellas u. Rom. I, S. 296) und auch die Fürsten der Stoa in dem Schwanenlied der Weibergemeinschaft anstimmten (Diog. Laert. libri VII. C. 7,965) — welche Ausartung übrigens auch der Talmud (Sabbath 62,6) erwähnt — da hielten die um die Erhaltung der weiblichen Sittlichkeit besorgten jüdischen Lehrer, dem Nebel zu steuern, indem sie dem Mädchen die Bekanntschaft mit dieser in griechischer Sprache ursprünglich abgefaßten sittenloser Lectüre, durch die Unkenntniß dieser Sprache, entziehen wollten. Wie aber, so wird vielleicht Mancher fragen, ist die Bevorzugung, die zärtliche Theilnahme, Werthschätzung des weiblichen Kindes mit jener Aeußerung zu vereinbaren, daß nämlich die Welt allerdings weder ohne männliche noch ohne weibliche Personen bestehen könne, daß doch der Vater glücklich sei, desien Kinver männliche, ihm sonst aber wehe, dessen Kinder weiblichen Geschlechts seien (Kiduschin 82, a). Fortsetzung folgt. —Gabrata sprechen hören? Wohl aber heißt es:„Jsch — Jschah", weil beide laut verwandt sind. Der Sinn der genannten Worte: „Hieraus ist erwiesen, daß die Thora in der hebräischen Sprache verfaßt worden ist", ist folgender: die göttlichen Unterredungen mit Mose müssen nothwendiger Maßen in der heiligen Sprache stattgefunden haben, da Moses, als ihm geboten wurde, bie Schlange zu fertigen, zu derselben Kupfer verwandte, wobei im Hebräischen sich das erforderliche Wortspiel für die Materie und den Gegenstand ergab! Der Beweis jedoch, daß die Thora in der heiligen Sprache gegeben wurde, muß deshalb erbracht werden, weil Manche behaupten, daß die ursprüngliche Schrift derselben später verändert worden sei und leicht hierbei der Jrrthum entstehen konnte, daß dies derselbe Fall mit der Sprache der Thora sein könnte. Der Vertreter der obengenannten andern Ansicht geht noch weiter und sagt, daß die Welt in der hebräischen Sprache erschaffen wurde, d. h. daß sie die älteste aller Sprachen wäre, Gott dieselbe Adam und dessen Frau gelehrt habe, und diese letztern sowohl wie ihre Kinder sich in ihr verständigt hätten. Der Beweis dafür liegt darin, daß z. B. Adam seine Frau ntPK nannte, weil sie von dem Manne genommen wurde. Rur im Hebräischen stehen diese beiden Worte in so enger Lautverwandtschaft untereinander. Im Griechischen hingegen heißt der Mann Anthropos und die Frau Gyne, welche beide Worte bezüglich ihres Lautbestandes völlig von einander verschieden sind. Dasselbe ist im Aramäischen der Fall, wo der Mann Gabra und die Frau Jtta heißt. Dies beweist, daß Adam weder Griechisch noch Aramäisch gesprochen. Der Beweis noch, daß die Thora eben so wenig in irgend einer andern Sprache, als in der aramäischen und griechischen verfaßt worden sei, braucht nicht erst geführt zu werden, weil, wenn ein Jrrthum überhaupt möglich ist, dieser nur bezüglich der griechischen und aramäischen obwalten kann, da diese nächst der hebräischen Sprache die ältesten und vorzüglichsten unter allen Sprachen waren, deren sich Völker bedienten, die von uralten Zeiten her ein geordnetes Staatswesen hatten und sich gesetzlicher Zustände erfreuten. Hauptsächlich aber beweisen es die Eigennamen: (nomina propria), die in der Thora Vorkommen bis zur Unwiderlegbarkeit, daß sie (die Thora) ursprünglich in der hebräischen Sprache verfaßt worden ist. Denn die Eigennamen sind es gerade, welche in keiner andern Sprache übersetzbar sind und daher ihre primetive Gestalt beibehalten. So z. B. bleiben die Namen: Homer, Plato, Alexander, Cicero, Caesar u. s. w. in allen Sprachen unübersetzt, nur mit der Maßgabe, daß sie eine sehr geringe Modifikation in der einen und andern Sprache erleiden. Außerdem finden wir, daß die Thora die Eigennamen aus ganz bestimmten Motiven herausbildete. So nannte sie den ersten Menschen Adam, weil er von der Erde Adama genommen war, und die erste Frau: pfin weil sie i?2 DK die Mutter aller lebenden Menschen war. In gleicher Weise werden Eigennamen wie: n: ,^2N ,*pj? ^121 DmiK auf ganz bestimmte Motive zurückgeführt. Es wurden aber die Eigennamen, welche in der Thora Vorkommen in allen den Sprachen, in welche sie übersetzt wurde in der hebräischen Grundform beibehalten. Folglich ist es erwiesen, daß die Thora ursprünglich in der hebräischen Sprache verfaßt worden sei. (Fortsetzung folgt.) 1) Unmittelbar vorher wird auf die Stelle (Num. 10, 2) hingewiesen, wo es heißt: mache dir zwei sil- Ein Schächter als Bischof. * Eine Skizze aus den Erinnerungen meiues Lebens, von Brarrrrhart. * (Nachdruck ohne Erlaubniß der Redaction nicht gestattet.) Es war im Juli des Jahres 18—* als ich mit der Strykutsche von Manchester nach Liverpool reisete, um in letzterer Stadt das Seebad zu benutzen. Da das Wetter ungünstig war, nahm ich im Innern des Wagens einen Platz. Vor mir war bereits ein Mann eingestiegen, an dessen Seite ich zu sitzen kam. Ich erkannte sogleich an seinem Aeußern, daß er ein Glaubensgenoffe von mir sei und bot ihm D2^V D1^, welchen Gruß er mir etwas gezwungen erwiederte. Als wir aus dem Weichbilde der Stadt waren, zog mein Wagennachbar aus einer Seitentasche seines schwarzen Ueberziehers ein Buch hervor, blätterte darin, und wendete sich endlich an mich mit den Worten: „Wenn Sie Israelit sind, so setze ich voraus, daß Sie auch Hebräisch verstehen. Können Sie mir diese Stelle übersetzen? Er reichte mir hierauf eine kleine hebräische * 1828. berne Trompeten, demgemäß ist bei diesen die nähere Bestimmung voraus getroffen worden. 2) Jephe Thoar (ein Commentar zu ")"n) bemerkt Obgleich es, da das Material nicht näher bestimmt wurde, im Belieben Moses stand, woraus er die Schlange fertigte, so bestrebte er sich dennoch das ihm aufgetragene Gebot mit der größten Präciston zu erfüllen. Der Einwand, daß er Kupfer nur zufällig gewählt haben könne, ist hinfällig, da alsdann die Worte: DVU WD tW (Num. 21,19) nicht stehen würden, es vielmehr statt derselben hieße: tPSW tPn} rw>, oder was dem Aufträge noch mehr entspräche pltPÖ WV Kirchliches Köliöat. Die Altkatholische Synode in Bonn faßte im vorigen Jahre den Beschluß, daß das Verbot des Kanonischen Gesetzes, welches die Verehelichung des Klerus vom Subdechanten aufwärts untersagt, für Altkatholiken weder ein Hinderniß für die Vermählung von Priestern in sich schließe, noch den verheiratheten Geistlichen an der Ausübung der Seelsorge verhindere und sowohl die badische als die preußische Regierung haben ein Schreiben des Bischofs Reinkens dahin beantwortet, daß der Beschluß der Altkatholischen Synode eine Angelegenheit rein kirchlicher Entscheidung sei, indem die Regierung, sich jeder Einmischung in diese Fragen fern halten wolle. Eins von den hauptsächlichsten Unterscheidungsmerkmalen der Römisch Katholischen Kirche im Laufe der Zeit, war als Hauptgegensatz gegen die Synagoge — das kirchliche Cölibat. Die Synagoge erklärte die Verehelichung als eins der 613 Gebote, die sie im göttlichen Gesetze entdeckte. Das Cölibat wurde von ihr mit ausgeprägtem Mißvergnügen betrachtet und ein Rabbiner, welcher dasselbe aus eigenem Entschluß der Verheirathung vorgezogen hätte, würde ihrer scharfen Censur nicht entgangen sein, und sicherlich nicht die Erlaubniß erhalten haben, irgend welche geistliche Gemeindefunktionen auszuüben. Aber die Kirche handelte in ganz anderem Sinne. Verehelichung wurde von ihr ganz offen betrachtet, als eine Nachgiebigkeit gegen menschliche Schwäche. Von den ersten Zeiten ihres Entstehens arbeitete sie bei ihren Dienern gegen das Aufkommen derselben und zuletzt wurde sie förmlich verboten. Dies geschah aus zwei Gründen. Der erstere, der ältere, entsprang aus dem geistlichen Gesichtspunkte. Das Fleisch sollte kasteiet und dadurch ein höherer Grad von Heiligkeit erreicht werden. Und Enthaltung von ehelichen Freuden und Genüssen war ohne Zweifel ein ausgezeichnetes Mittel zur Kasteiung, welches überdies den Vortheil hatte, eine genaue Demarkationslinie zwischen dem Geistlichen und dem Laien ziehen zu können. Aber es gab noch einen anderen Grund, welcher im Laufe der Zeiten den anderen verdunkelte, welcher bei den Kirchenfürsten besonders in die Wagschaale fiel, als sie so strenge auf dem geistlichen Cölibat bestanden — und das war der politische Grund. Als die Kirche zum vollen Bewußtsein ihres kriegerischen Characters und der Nothwendigkeit einer gänzlichen Trennung vom Staate gekommen war, als Sucht in ihr aufstieg sich über die Völker zu erheben, um die weltliche Macht zu beherrschen und an der Spitze der Welt zu stehen, fühlte sie zugleich die Nothwendigkeit, Vasallen zu besitzen, welche lediglich ihr allein unterthan sein müßten, die kein anderes Interesse haben dürften als das der Kirche, welche zu ihr allein aufblicken müßten, wenn sie höheren Bibel, in welcher er mir eine Stelle im Propheten Jesaia bezeichnet?. Ich sah mir die Stelle an, las sie und erwiderte ihm, „daß ich allerdings in der hebräischen Sprache kein Laie sei. Er ersuchte mich den angedeuteten Wortlaut zu übersetzen, was ich aus dem Grunde nicht that, weil noch zwei andere Passagiere sich in dem Wagen befanden, und ich wollte keine Veranlassung zu irgend einer Diskussion geben. Auch sprach mein Mann mit mir nur Englisch, und obgleich ich ziemlich geläufig diese Sprache sprach, so fühlte ich es doch, daß ich einem Engländer gegenüber, nicht im Stande war, in der Landessprache irgend einen gelehrten Streit auszufechten. Ich reichte ihm daß Buch mit dem Bemerken zurück, daß man auf diesen und ähnlichen Citaten seit Jahrhunderten herumreite, mit denen man aber bis jetzt wenig Erfolg gehabt habe. Die zwei Engländer sahen uns neugierig an und baten um das Buch, das ihnen bereitwillig gereicht wurde. Die beiden Gentlemen nahmen die Bibel, hielten sie aber verkehrt, drehten sie nach allen Seiten, und gaben das Buch der Bücher mit den Worten zurück: We d’ont understand it. -Wir verstehen nicht." (Fortsetzung folgt.)