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Der israelitische Bote · 1879-09-29 · 39/40 (29.9.1879) · p. [Seite 1]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
39/40 (29.9.1879)
Date
1879-09-29
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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Erscheint jeden Donnerstag. Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. v. Jahrgang. Leitender Artikel. Predigt gehalten am Sabbath OTXPI des Jahres y"pn (1829) von Sr. Ehrwürden Hrn. Dr. Wolfs 1 Oberrabbiner zu Copenhagen. *) i (Schluß.) II. Wie sie uns aber abführt; so, sagt unser Text, soll auch die Strafe sein. „Sie haben mich verlasien, wollen nichts von mir wissen, OHD '2B m'nDK o'2i non niisnn th 'i cnnrix na n*ox Dl pN So will ich denn mein Angesicht vor ihnen verbergen, will mich von ihnen abwenden, und will sehen, welch Ende ihnen wird: denn «.? ist ein verkehrtes Geschlechts Kinder ohne Glaube pes!" Würde und Ansehen gibt dem Menschen nur,, wus ihn über den Menschen erhebt, was ihn mit dem Allerhabensten in Verbindung setzt. Nur wer mit Festigkeit und Treue seine Religion behauptet, nur wer sie achten gelernt hat, nur den werden die Menschen achten, selbst die, welche nicht so glauben wie wir, wie wir auch den schätzen und ehren, der seines Glaubens, ist er auch nicht der unsre, treu und redlich lebt. Die dies nicht einsehen, sind ein verkehrtesGeschlecht, Kinder ohne Glaube; so will ich denn, spricht der Herr, wich ihrer entziehen, welch Ende werden sie haben. OV Xvl DX'2pX '2X1 bx X>1 '21X2p DH »sie eifern wider mich, wie gegen einen, der nicht Gott ist, so will ich wider sie eisern wie gegen ein Nichtvolk." Den Herrn verlassen, hat euch nichts genützt, ihr mußtet weiterschreiten, mußtet ihn auch verkennen wollen, mußtet auch seine Religion verschmähen, verlachen die heiligen Lehren derselben, als wäre der Gott, der sie euch gegeben, nicht auch euer Gott, nun so will ich euch denn als ein Nichtvolk verschmähen. Seid noch so eifrig und thätig, zeigt euch noch so kräftig und wirksam in eurem Berufe, legt die größten Beweise eurer Erkenntniß, eurer Kunst ab, ihr seid ein Nichtvolk. Ein kleines Häufchen, das nicht der Mühe lohnt, seiner zu gedenken, bei den es Zeitverschwendung ist, viel von ihm zu reden. Ach es kann ja Großes ans ihm hervorgehen, es kann sich ja in Würde zeigen, dieses unbedeutende Völkchen. Nein, es hat ja nichts Ganzes, es hat ja keinen Glauben, das sie aneinander bindet. Die sich hervorgethan, haben nur den äußeren Menschen angebaut, aber den inneren nicht erkannt. Für ihren eignen Glauben haben sie keine Achtung — wie sollte man sie nicht verachten. Und zuletzt noch Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum in Bonn, Expedition: Petersstratze Nr. 8. Monn, 29. Septemöer 1879 (5649). kündigt der Text die Strafe für diejenigen an, welche in der Sünde so weit gehen, durch Fremdartiges sich zu heben. Die ihre Religion so zu verleugnen suchen, daß sie Dinge thun, welche ihr gerade entgegen sind DD'VIX i?12 '121 DiT^ini '21DV1- Mit ihren Eitelkeiten, mit ihrem Tand erzürnen sie mich; so will ich sie erzürnen durch nichtswürdigcs Pöbel. Große und hohe, von Gott erleuchtete kenntnißreiche Männer beschimpfen uns selten, ja fast gar nicht, eben Niedere und Geringe sind es, die uns so häufig beleidigen, die Hefe des Volks. Wer seiner Religion anhängt, wer seines Glaubens lebt, der wird hierdurch niemals betrübt, dessen Herz fühlt keine Kränkung dabei, er hat auf den Lippen ein Gebet, das um Vergebung für jene zum Herrn fleht (Pf. 109, 4). Doch wer sich von Gott entfernt hat, wer unter den Brüdern dieses Glaubens nicht gerechnet sein will, der fühlt und erfährt die Kränkung, sollte sie auch von Nichtswürdigen ausgehen, um so schmerzlicher. Denn bei ihm hat ja offenbar Anmaßung, Dünkel, Stolz und Eitelkeit in einem hohen Grade zugenommdn, und was er auf Rechnung dieser schreiben sollte, was er eigentlich aus seinen wenigen Anhängen dem, was ihn innerlich erhebt, und glanzvolle Wü 'de bei den Menschen verschaffen konnte, herleiten soll, das schreibt er gerade der Eigenthümlichkeit der Religion zu, die er nicht hat, das leitet er aus der Verschiedenheit des Glaubens ab, dem er nicht nachlebt, daß man mit Recht wiederholt ihm zurufen muß: W'pV IN DD1D 1'21 xb 1^ nntP ^n^nsi. Sollte das Verderben eines bösen, tückischen Geschlechts, ihm, Gott, zuzuschreiben sein? Nein, o nein, das liegt an der Schlechtigkeit der Kinder! — Hier habt ihr die Sünde, wie sie von Gott abführt, so wie die göttliche Strafe, mit der die ihr ergeben sind, heimgesucht worden. Wollt ihr die Anwendungen dieser Betrachtung auf unsere Zeit, unser Leben, unser religiöses Verhalten vernehmen? O erlasset mir die Schilderung, welche mir das Herz brechen würde, erlaßt mir eine Darstellung dessen, was vor unfern Augen liegt, und welche uns allen wohl thun muß. Aber lernet vielmehr daraus das Mittel finden, euch von dem Abfall von Gott zu retten. Was ich euch hier anzugeben habe, ist in wenigen Worten enthalten: Je mehr Opfer das Leben von dem Menschen fordert, desto mehr Werth hat es, desto musterhafter leuchtet es einer Nachwelt. O es wäre keine Kunst durch das Leben zu wandeln, wenn alles da nach Wohlgefallen uns wiederführe, und nichts als Rosen uns blüthen, ja spurlos ging unser ganzes Dasein vorüber, und wenn wir nicht mehr sind, wird man blos sagen können, daß wir waren. Aber wer in seinem Leben mannichfache Prüfungen erfahren, vieles entbehren, vielem entsagen muß, und dieses alles um irgend einen ihm heiligen Zweck, die schönsten Hoffen s e r aste: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pf. Zahlbar hier. Inserate werden bis Dienstag erbeten. Mo. 39u. 49 nungen seines Lebens, für die er thätig gewesen, seine ganze Jugendzeit zugebracht, und im Alter sein Brod gehofft, aufgeben, und doch noch am Einzigen halten, viele bittere Erfahrungen machen, für alle Liebe, die man überall und jedem ohne Unterschied des Glaubens erweist, oft Feindschaft entdeckten, und doch in der Liebe zu verharren, für das Wohl seiner Mitbrüder arbeiten und verkannt dabei zu werden, und dennoch in seiner Thätigkeit nicht erschlaffen, sieh, das heißt israelitisch leben. So, m. Fr., hat gelebt, der Weise, dessen lOOjähr. Geburtstag man vor Kurzem gefeiert, Mojes Mendelsohn, sein Andenken sei uns heilig, und werde in dieser Stunde von uns erneuert. Ihn lockte kein irdischer Lohn, er trachtete nicht nach Ehrenstellen, und hieß mit allen seinen Titeln nur der Jude Moses Mendelssohn, aber nach Wissenschaft und Erkenntniß, nach Ausbildung seines Geistes und Herzens hat er dabei unerläßlich gestrebt, bis an seines Lebens Ende. Angefeindet ward er darob von vielen seiner eigenen Glaubensgenossen, obgleich er nur ihr Heil vor Augen hatte, von den Genossen anderen Glaubens vielfach in Versuchung gebracht, selbst den schmählichen Leibzoll, der den Israeliten dem Thiere gleichstellt, hat er oft entrichten müssen, und ob er zwar in einer Zeit gelebt, wo der Glaubensunterschied die Weisen der Erde nicht getrennt, so war er doch von Vielem ausgeschlossen, aber alles das hat ihn nicht irre machen können und seinem Glauben als Israelit hat er gelebt, nnd kein Bedenken getragen, seinen Glauben öffentlich zu bekennen, und ihn nach der ihm eigenthümlichen Ansicht öffentlich zu vertheidigen. Eben darum steht er so hoch, eben darum gilt er der israelitischen und nichtisraelit. Nachwelt so viel. Weise, Große, Helden, Männer die über ihr Zeitalter hervorgeragt, hat es viele gegeben, aber daß es jenem verkl. Geist, so vielen Kampf gekostet, sich nur Weisheit zu erringen, daß er unter so ungünstigen Zeitenzuständen, und dürftigen Verhältnissen darnach gestrebt, und diese Höhe erschwungen hat, daß er ohne Aufsicht auf ein glückliches Loos dabei geforscht, und ihm kein irdischer Lorbeerkranz, kein Titel und kein Rang von Ferne gewinkt, daß er durch keinen, der ihm zur Seite diese Stufe bestieg, angespornt ward, sondern rein seine Selbstperson war, die er zu veredeln suchte, und daß er die Eitelkeit des Lebens, die so manchen auf den Jrrpfad führet, viel zu gering geachtet, um ihrer willen ein Haarbreit von seinem Glauben zu weichen, oder auch nur den Schein einer Abweichung zu geben, darin liegt seine wahre Größe. Höret seine eignen Worte, als Braton's Aufforderung an ihn erging. So hat er geschrieben, gelebt und gehandelt. Das erhebt ihn, das macht ihn uns würdig und groß. So zu leben und zu handeln, das gebe ich euch zu rathen. Recht tugendhaft, recht gelehrt, recht weise, Die Tochter als Minderjährige, als Braut und als Gattin. Treu nach der Talm. Literatur gezeichnet *) von Dr. Jsaae Gastfreuud in Wien. * (Nachdruck ohne Erlaubniß der Redaktion nicht gestattet.) Vorwort. Wiewohl die in der Bibel niedergelegten ethischen Elemente und auf die Frauen im Allgemeinen kurzen Aussprüche und dürftigen Weisungen stets als Grundlage und Quelle für die spätere talm. Periode angesehen werden müssen, so habe ich doch in meiner vorstehenden Abhandlung die biblische Auffassung in Bezug auf die Frauen nur flüchtig berührt, weil nach der talm. Literatur diese längst bekannt zugänglich behandelt worden, während die talm. Literatur ein noch weiteres Feld zur Charakteristrung und Werthschätzung des Weibes bei den Juden bietet, bis nun noch nicht genügend ausgebeutet und noch nicht gehörig verarbeitet wurde. Das Mädchen im elterlichen Hanse. Zunächst will ich mich mit der Beantwortung der Frage beschäftigen, welche Stellung und welche Werthschätzung soll der Tochter zu Theil werden, im Vergleich mit ihren übrigen Brüdern? Zur Lösung dieser Frage ziehe ich zuvörderst vielmehr die ethischen als die Rechtsaussprüche in Betracht, wiewohl aus beiden die eigentliche Frage zur Beantwortung gelangen kann. Schon das Gesetz, das der Vater nur zur Ernährung seiner Tochter verpflichtet sei (Tssephta Kethubot C. 4) weist darauf hin, mit welcher aufmerksamen Bedachtsamkeit man für die Wartung und Pflege*) der Tochter bedacht war,„ damit diese zarte und edle Pflanze zeitig und reif, blühe und gedeihe. *) Diese Bevorzugung der Tochter vor den Söhnen tritt auch beim Waisenstande deutlich hervor, daß man nämlich zunächst eine weibliche Waise ernähren oder gar verheirathen soll, und erst nachher von dem übrigen Gelde auch den männlichen Waisen unterstützen. (Kethubot C. 9). Eine weibliche Waise selbst wenn sie von der Armenverwaltung versorgt wird, erhält zu ihrer Verheirathung 50 Sus, wenn aber Jads vorhanden ist, sie auch standesgemäß ausgestattet werden muß (Kethubot 67, a). Die Waise erhält von dem Vermögen ihres In der Regel ward der Tochter eine sorgfältige Erziehung zu Theil, wie es der Talmudlehrer R. Abbau; der gebildete Weltmann, seiner Tochter zu geben beflissen war (Vgl. Jeruschal. Sabbath 3,1 Sota Ende. Hebamot Babli 65, 6. Chagiga 14, a). Wenn wir aber finden, daß man seine Tochter nicht Griechisch unterrichten lassen darf (Vgl. Sota 49, a. Menachot 99, a. Jeruschalmi Peah C. 1 u. Sabbath C. 6 u. Sota C. 9), so darf darin nicht eine allgemeine Mißachtung oder Vernachlässigung der Erziehung der Tochter erblickt, noch der Vermuthung Raum gegeben werden, als ob der Tochter die Kenntniß der Sprachen entzogen wurde; vielmehr muß die Begründung dieses einzelnen Verbotes in eigenthümlichen damals obwaltenden Zeitverhältnissen und localen Vorgängen gesucht werden: Als nämlich zu Ende des ersten und zu Anfang des zweiten Jahrhunderts die römischen Damen besonders Platons Republik lasen, weil hier der Aufhe- Vaters eine Mitgift, wie muthmaßlich dieser selbst nach seinen Vermögensverhältnissen zegsben haben würde (Kethubot 68, a u. b). Ja, wenn des Vaters Erbnachlaß gering ist, so sollen jedenfalls die Töckter davon ernährt werden, wenn auch die Söhne dadurch betteln müßten (B. Bathra 139, 6. Kethubot 100, a).

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