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Der israelitische Bote · 1879-09-11 · 37 (11.9.1879) · p. [Seite 2]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
37 (11.9.1879)
Date
1879-09-11
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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Der Prophet Iesaias, wie sein Zeit- und Berufsgenosse Micha konnten sich mit den gegebenen Zeitverhältnissen nicht befreunden; sie fanden die Perfektion, das Heil der Menschheit in der alleinigen Bedingung, in der Zeit, da nicht mehr, wie bisher, ein Volk gegen das andere die Waffen ergreift und die Menschen sich nicht mehr in der Kriegskunst üben"). Wie aber? Kann je eine Wirkung verschwinden, so lange die Ursache dauert, deren Ergebniß sie nothwendigerweise ist? Können wir uns eine Zeit denken, wo alle Menschen sich als die Kinder eines Vaters ansehen, ich meine, als die tugendhaften Kinder eines tugendhaften Vaters, da Einer für Alle und Alle für Einen leben, in deren Sprache sich für die Begriffe: Eigennutz, Rache, Neid, Haß, Lug und Trug und wie sonst die bedauerlichen Eigenschaften heißen, die dem Menschen zur Schande gereichen, kein Wort fände? Oder wird etwa eine neutrale Macht, eine allgerechte, weise, über alle menschlichen Leidenschaften erhabene Macht, direkt oder indirekt, den verschiedenen Nationen derartige Garantieen der Sicherheit bieten, daß sie freiwillig die Waffen strecken und das Schwert, dessen Bestimmung bis jetzt eine tödtliche gewesen, in friedliche Instrumente^) umwandeln? Wird diese Macht vielleicht, um das Nebel radikal zu heilen, auf eine uns unerklärliche Weise das menschliche Herz von allem Laster befreien, die Charaktere „übermachen"l3) so, daß mit Beseitigung der Ursache die bösen Wirkungen von selbst aufhören und die spätern Generationen das kühne Wort eines mächtigen Eroberers: „Nichts ist »möglich" dadurch zu Schanden machen, indem sie beweisen, daß für sie der Krieg wirklich eine Unmöglichkeit ist? Wir wären sehr geneigt, all' diese Fragen mit einem positiven Ja zu beantworten, indem wir sie vollinhaltlich als ebensoviel ihre Beweise mit sich führende Sätze gelten lassen. Das Problem der Zukunft wird nie und kann auch nie im Menschenrathe gelöst werden. Denn so wie das Zustandekommen des Anfanges Gottes Geheimniß ist, ebenso lüstet den Schleier der Zukunft Gott allein. Wir machten die Vorsehung für die Leitung der Kriege verantwortlich, indem wir sagten, daß Gott dem Gerechten zum Siege verhilft. Er ist der Gott im Kriege und er ist es auch, der durch den Mund seiner Propheten uns ben allgemeinen, ewigen Frieden verkündet. Uns wurde die frohe Botschaftgültig für alle Sprachen und Nationen, durch Iesaias zuerst überbracht. Behalten wir sie im Gedächtnisse fest und stellen wir es uns zur Aufgabe, zum Tröste der ganzen Menschheit, dieselbe zu verbreiten. Und das soll die Lehre des heutigen Tages für all' Diejenigen sein, die an unserer Feier gefühlvoll theilnehmen. Setzen wir an die Stelle der „mit Stolz erfüllten Brust ob der davongetragenen Siege" das „von Freude und Dank gen Himmel erfüllte Herz ob der siegenden Gerechtigkeit"; betheuern wir ferner unfern Gegnern, den Besiegten, die uns weniger Edelmuth zumuthen als wir besitzen, die das Sinnen auf Revanche noch immer nicht ruhen läßt, denen wir aber doch soviel Gerechtigkeit zutrauen, um ihr Unrecht im Kriege mit uns nicht in Abrede zu stellen, daß wir, unserseits, nichts sehnlicher wünschen, wie die verheißungsvolle Zukunft, von der das Gotteswort sagt: „Und es treffen, wenn auch spät, die Zeiten ein, da Gott der Herr zwischen den verschiedenen Völkern als Schiedsrichter sitzt; er wird von seinem Richterstuhle aus die stärksten Nationen, so entfernt sie auch sein mögen, auf den Weg der Gerechtigkeit weisen, sie sollen ihre Kriegswaffen in friedliche Werkzeuge verwandeln und nie mehr wird eine Nation gegen die andere das Schwert tragen oder sich in Waffen üben. Und ferner (Iesaias 11,9)" sie werden nichts Böses thun, einander keinen Schaden zufügen auf einem heiligen Berge, denn auf der Erde wird die Erkenntniß Gottes so verbreitet sein wie im Meer das Wasser." Amen! x^2 u&n ibdxi ^xa onmi Pa xPti 1) "hd *622 D'Dam im .onpDn n^D "^d 2) .71X1X1 X) mix 3) .nixiP 111 4) •Dixn nn nai n 'i xn 5) yixn ba tösity 6) vnynsx aipP m idPdti mit 'i 1112 niP 7) •tidtiPdP .171112)2 112)7! pp.lw Px 8) .NUN tt^X v)12>D XH)7I PlX 9) *>Px 212" xP >DD xir> it^x nai pptt» p 10) .(Iesaias 55, 11) 121 Tlt^y DX >2 Dpn 11V 11D^ Xpl 217! 1) Px 1) xt^ xP 11) (Jes. II. 4, Micha IV. 3.) NDNpD (Jes. iä.) 121 D71121N 171N21 12) 13) Wir reden hier ein Wort Edgar Quinet's in seinem Werke „l’Esprit Nouveau“ nach. „II faut refaire les caracteres“. Der tiefblickende Philosoph verspricht sich, daß mit der Zeit das Menschengeschlecht sich verändern und wie neu geschaffen sein wird. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bon«. (Sabbath-Toilette.) Wegen des seidenen Hemdchens, das Jakob dem Joseph anfertigen ließ, sagen unsere Weisen, kamen Jakobs Kinder in aegyptische Knechtschaft. Auch in der Franziskanerstr. zu Wilna wäre es durch eine Robe bald zu einem bedauernswerthen Unglücksfalle gekommen. Wie der „Haibri" schreibt, hätte sich in W. ein Mädchen zu erhängen versucht und dies, weil — nun weil der Schneider das bestellte Kleid für den 1D7!) T12t£> nicht fertig hatte. Glücklicherweise wurde das putzsüchtige Kind noch frühzeitig genug durch das Einschreiten seiner Eltern vom Tode gerettet. Berlin. Der 150ste Geburtstag Moses Mendelssohns wurde heute in der alten hiesigen Synagoge festlich begangen. Die Predigten nahmen auf die Feier Bezug. Am Mittag versammelten sich angesehene Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu einem Festmahl im Restaurant Uri, dessen großer Saal zweckentsprechend dekorirt wurde. Aus Bayern. (Priv.-Mittheilung). Geehrter Herr Redakteur! Vor Kurzem las ich in einer im Allgemeinen als „liberal"! geltenden bairischen Zeitung folgende wahrscheinlich aus einem anderen Journal stammende Notiz: „Das Schwurgericht in S. verurtheilte den jüdischen Wucherer K. der hauptsächlich in der Gegend von W. und O. „arbeitete" wegen Meineids, falschen Zeugnisses, Verleitung zum Meineid und Betrugs zu 5 Jahren Zuchthaus und 2000 M. Geldstrafe." Ich muß Ihnen offen gestehen, daß die Lektüre solcher erquicklichen Mittheilungen mich persönlich, sowie wahrscheinlich auch viele andere meiner Glaubensgenossen verwandten sie auch auf die Erhaltung alles dessen, was auf sie als sinaisch traditionell geboten, oder verboten, sicher übergegangen war. (Fortsetzung folgt.) (Fortsetzung zur vorigen Nummer unseres Bl.) Bon«. (Aus dem »Zionswächter" 1846). Von diesem, durch sein reichhaltiges und gründliches Wissen in der biblischen und rabbinischen Literatur später so berühmt gewordenen Rabbiner erhielt er mit dem zwölften Jahre weitere Ausbidung in allen, die jüdische Theologie umfassenden Wissenschaften, die von so gutem Erfolge war, daß ihm nach wenigen Jahren das Morenudiplom von dem damaligen Oberlandesrabbiner R. Benjamin Niederrehnheim und kurz darauf von dem Fürther Rabbiner Hirsch Jannof unaufgefordert zu Theil ward. — Die Bekanntschaft seines vorgedachten Onkels mit vielen Gelehrten und Professoren der damaligen Akademie zu Straßburg benutzte er trefflich, um seine angeborene Mißbegierde auch hinsichtlich weltlicher Wissenschaften zu befriedrigen, und es war insbesondere die Kenntniß der Geschichte, Geographie und Naturlehre, die er nach Anleitung dieser Männer durch Selbststudium in einem mehr als gewöhnlichen Grade sich aneignete, was man noch in seinem spätesten Alter in der Unterhaltung mit ihm wahrnehmen konnte. Mit dem 20. Jahre schritt er zu seiner Vermählung mit der, schon vom 13. Jahre an mit ihm verlobt gewesenen einzigen Tochter seines mehrerwähnten Onkels, und betheiligte sich gleichzeitig mit seinem Vermögen an einem Colonial- und Tabaksgeschäfte, welches einer seiner Verwandten in Straßburg, wo er selbst bald darauf seinen Wohnsitz nahm, errichtet hatte. Seine Thätigkeit in diesem Geschäfte beschränkte sich jedoch nur auf einige Geschäftsreisen nach Paris und der Schweiz, während er daselbst auf den Wunsch der Gemeinde unter dem Namen: „proxos6 äs culte“ das Rabbineramt verwaltete; dabei als Lehrer in dem obenerwähnten, von H. Cerf Behr gestifteten nn tiHIDTl aus welchem viele ausgezeichnete Rabbiner und Talmudgelehrte, wovon einige noch am Leben sind, hervorgingen, sehr thätig war. Unter seinen hinterlaffenen Schriften haben sich noch viele seiner Vorträge aus jener Zeit vorgefunden, welche die schönsten Beweise für die bereits in seinem damaligen jugendlichen Alter erlangte talmudische Gelehrsamkeit liefern; wie auch mehrere sehr gehaltvolle Aussätze in deutscher Sprache, die er zur Verteidigung derJuden, welche in in zweifacher Weise auf's Aeußerste indignirt und empört. Vorerst der Umstand, daß es heut zu Tage leider! so manche elende, einzeln stehende Individuen und leider! auch sa manche gewissenlose, gottvergessene Familienväter gibt, welche wie im eben citirten Falle durch ihre unverantwortliche, grenzenlose Habsucht nicht allein sich selbst, ihre Frau und Kinder, ihre ganze Familie in's Unglück stürzen, sondern auch dadurch den größten DDM PlpTI begehen, indem sie es gerade sind, die das sogenannte Rischus erzeugen, die den ohnehin judenfeindlich gesinnten Pöbel hie und da noch mehr aufreizen und zu Exceffen veranlassen, welche manchmal der ganzen Gemeinde ungeheuren Schaden und Nachtheil bereitet haben. Ich meine daher; daß es die Pflicht und Schuldigkeit der Rabbinen und Prediger wäre, von der Kanzel herab auf das allgemein Verderbliche hinzuweisen, welches die infame Handlungsweise solcher niederträchtigen Individuen zur Folge hat und daß auch die jüdische Presse dem nichtswürdigen Treiben solcher schamlosen Subjecte mit aller Macht entgegenarbeiten soll, welche das Judenthum selbst bei den Bekennern anderer Konfessionen in der Achtung heruntersetzen. Auf der anderen Seite sehe ich aber doch nicht ein und will es mir durchaus nicht einleuchten, mit welchem Rechte die Redakteure und Verleger christlicher sogar für liberal (Q geltenden Zeitungen gerade die jüdische Confesston solcher Verbrecher hervorzuheben pflegen. Begegnet man auch in ihren Spalten den Ausdrücken: Der „katholische" Handelsmann 36, ist wegen dieses oder jenes Verbrechens zu 10 I. Zuchthaus verurtheilt worden"? Oder der „protestantische" Wucherer N. ist zu so und so viel Jahren Zuchthaus und 1000 Mk. Geldstrafe verurtheilt worden"? Warum hebt man im christlichen Journalen in solchen Fällen gerade unsere Confession hervor? Hätte es z. B. im oben erwähnten Falle nicht vollkommen genügt, wenn die bairische liberale Zeitung einfach berichtet hätte: „Das Schwnrgericht in S. verurtheilte den Wucherer K. u. s. w.?" Man hätte doch vielleicht, aus dem Namen entnehmen können, daß der Verbrecher der isr. Confession angehörl, ich sage vielleicht, da es ja auch Christen gibt, welche diesen Namen führen. Aber nein! Das genügte dem bairischen Blättchen nicht; es konnte nolcns volens nicht umhin, aus einem anderen Blättchen abzudrncken: »Das Schwurgericht in S. verurtheilte den jüdischen Wucherer K. u. s. w." als ob es unter anderen Confessionen gar keine Wucherer gäbe. Gesteht doch sogar ein bekanntlich äußerst judenfeindlich gesinntes Blatt selbst ein: „daß diese Wucherer namentlich in den kleinen stark mit Juden bevölkerten Städten zu finden sind, ist notorisch; aber (fügt es hinzu) es gibt deren auch genug unter den Christen, die mit ihren Schuldnern recht unchristlich verfahren. So? und bei diesen Letzteren fällt natürlich das Adjektiv „protestantisch" oder „katholisch" fort: aber bei uns muß es ausdrücklich erwähnt werden. Wir wollen doch einmal die statistischen Notizen der allgemeinen Criminaljustiz in Bezug auf die Verbrecher der verschiedenen Confessionen mit einander vergleichen und wollen einmal zusehen, wie die Proportion sich da verhält! Der eben citirte Passus erinnert mich unwillkürlich an eine saubere Geschichte, die neulich in f hiesiger Umgegend sich zugetragen hat. Vor Kurzem hatte in einer Vorversammlung für. den Verbandstag mehrerer Creditvereine der Vorsitzende (in Gegenwart mehrerer Israeliten, welche theils zufällig zugegen waren, theils besonders eingeladen wurder Schweiz sich niederließen und mehrseitig angefeindet wurden, veröffentlicht hatte. Beim Ausbruch der französischen Revolution theilte er das schreckliche Schicksal aller edlen und großen Männer der damaligen Zeit, wozu hinsichtlich seiner der Umstand wesentlich beitrug, daß seine unerschütterliche Glaubenstreue, die so weit ging, daß er mit augenscheinlicher Lebensgefahr selbst minder wichtige Religionsgebräuche öffentlich beobachtete und Andere zur Beharrlichkeit tu dieser Beziehung anfeuerte, allbekannt war. Sein Vermögen wurde von den Leitern der Revolution eingezogen, er selbst mußte ein Jahr lang im Kerker schmachten unv wurde inzwischen mehrere Male unter den vielen, zum Blutgerüste bestimmten unschuldigen Opfern proscribirt. Aber der Gott seiner Väter waltete sichtbar über ihn und ließ auf wunderbare Weise Ereignisse eintreten, wodurch er dem Rachen der blutdürstigen Machthaber jener Zeit entging. Wenige Tage nach dem Sturze Robespierre's erhielt er seine Freiheit wieder. Aber wie traurig und unglücklich war noch immer seine und die Lage seiner Familie. Sein Vermögen war von den raubgierigen Tyrannen verschlungen und unwiderbringlich; sein Onkel und Schwiegervater hatte, um nicht in die Gewalt der Revolutions-Henker zu fallen, längst Frankreich verlassen und hielt sich an einem unbekannten

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