Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 37 (11.9.1879)
- Date
- 1879-09-11
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9620169-9625151-9624123--249-9624126- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
den) für gut befunden oder vielmehr die Unverschämtheit gehabt, eine Brochüre betitelt: „Wucherjude und Vorschußverein oder: Wo borgt man am Besten? zur Abnahme zu empfehlen. Ein zufällig anwesender Glaubensgenosse ließ alsdann am folgenden Tage im Lokalblatt nachstehende Bemerkung einrücken: „Ob diese Empfehlung den richtiaen Takt bekundet, erscheint abgesehen von anderen, auch aus dem Grunde zweifelhaft, weil erwähnte Broschüre sicherlich mehr zur Verbreitung unter der ländlichen Bevölkerung, als in einer Versammlung wie die Gestrige geeignet und bestimmt ist. Oder sollte ein vergleichender Gegensatz mit dem Wucher, den Vorschußvereinen in hiesiger Gegend erst als Empfehlung dienen? Betrachten wir den hiesigen Creditverein als Beispiel. Derselbe hat unter seiner bisherigen bewährten Leitung unter schwierigen Verhältnissen wesentlich zur Erhaltung und Hebung des Handels und der Industrie beigetragen. Wenn sich dies in einzelnen Fällen nicht verwirklichte, so lag die Schuld mehr an den Creditnehmern als Gebern. Einer so zweifelhaften tendenziösen Empfehlung hat es indeß für denselben nicht bedurft. Einsender verabscheut den Wucher aus innerster Ueberzeugung und wenn in erwähntem Heftchen gesagt wird: „es liegt System in dieser Blutsaugerei", so mag dies in den angeführten Fällen wohl seine Berechtigung haben. Aber es drängt sich ihm, hier, wo kein Anlaß zur Anpreisung dieser Brochüre geboten war, unwillkürlich der Gedanke auf: „Auch hierin liegt System". Hierauf erschien folgende sanfte und zahme Replik: „So eben in den Besitz der Nr. 32 d. Bl. gelangt, finde ich mich veranlaßt, dem unbekannten Herrn Einsender eines Correctivs bezüglich der Vertheilung einer Broschüre über Wuchergeschäfte zur belehrenden Aufklärung zu erwidern, daß eine unserer Hauptaufgaben darin besteht dem Wucher entgegen zu wirken und dem System gemäß an den Verbandstagen derartige und andere belehrende Literalien verbreitet werden, was für den jeweiligen Lokalverein noch nie eine nachtheilige Auffassung veranlaßte, vielmehr bei unbefangener Anschauung wohl nur dessen Wirksamkeit verstärken kann, was allein auch beabsichtigt war." Ich enthalte mich jedes weiteren Commentars über diese Replik, den der Leser wahrscheinlich sich selbst am richtigsten bilden und zusammenstellen wird. Ich halte es nicht für unpassend, Ihnen einige ergötzliche Stellen aus dieser sauberen Broschüre wörtlich anzuführen. Da heißt es zum Beispiel u. A. »Was die Ansichten der Juden über „Mein" und „Dein" angeht, so wollen wir darüber nicht rechten. Es wird ja sehr vielen unserer Leser wohl bekannt sein, wie der Professor Rohling nachgewiesen hat, welch' schöne Lehren im Talmud stehen. (Dr. Rohling verspricht Jedem, der ihm nachweist, daß seine Citate aus dem Talmud falsch seien, 3000 M. Belohnung.) Nur schade, daß Dr. Rohling sich momentan in Amerika od. in Australien tu findet; das thut aber nichts zur Sache! Er könnte doch dieses Sümmchen zur Erhärtung der Wahrheit seiner Behauptung bei einem deutschen Banquier im In- oder Auslande deponiren. Wir ersuchen ihn höflichft darum, uns diese Gefälligkeit zu erzeigen. Ferner heißt es: „Es kann unmöglich die Aufgabe des Schreibers dieser Zeilen sein, die Praxis der Juden, wenn es sich um »Mein" und „Dein" handelt, auch nur einiger Maßen erschöpfend zu beschreiben. Ganze Bände würden nicht hinreichen, wenn man auch nur die bekanntesten Tatsachen, wie die Juden im Handel und Wandel mit den Christen verfahren, aufzeichnen wollte." Ans Württemberg, 5. Sept. 1879. Die Sedanfeier wurde in Stuttgart durch einen Festgottesdienst in der Synagoge begangen. Herr Kirchenrath Dr. Wassermann hielt die Festpredigt über Jes. 54, 14 ff. Anlehnend an den alten talmudischen Spruch: „Die Herrschermacht auf Erden hat Gleichartigkeit mit der Herrschermacht im Himmel" führte er aus, daß, wie Recht und Gerechtigkeit die Grundfesten des göttlichen Throns sind, auch die irdischen Throne auf die- Orte im Auslande auf; die Familie Cerf Behr, von welcher er früher einen Theil seiner Subsistenzmittel bezog, war in Folge der Conjunkturen der damaligen Zeit unter Einbuße größten Theils ihrer Güter theils verstorben, theils verzogen, und der Versuch einer Fortsetzung seines früher» gemeinschaftlichen Geschäftes, wozu ihn seine zahlreichen Freunde aufmunterten und ihre Hülfe ihm anboten, scheiterte an der inzwischen eingetretenen Kränklichkeit seines früher» Compagnons, indem ihm selbst — da er nach wie vor den Studien des Gesetzes und den rabbinischen Funktionen oblag — die kommerzielle Geschäftsführung nicht in dem erforderlichen Grade beiwohnte. (Fortsetzung folgt.) sen Grundlagen beruhen. Zn unserem Nachbarlande habe man aber gegen uns Gewalt und Unrecht geübt und diese haben Vorfall herbeigeführt. Das deutsche Reich aber festige seinen Bau und feiere den Tag in der Zuversicht, daß das Errungene ein dauernd Erbe sei. Die Feier, welche mit Abstngung des 23. Psalmes eröffnet worden war, schloß mit Rezitation des 46. Psalmes in hebräischer Sprache. — Eine Anzahl junger Leute aus Ahldorf bei Horb, erheitert durch den Genuß einer größeren Menge Gerstensaftes, wollten ihr Müthchen an einem israel. Handelsmann aus Mühlen kühlen. Sie stießen ihn hin und her, warfen ihn auf die Erde, brachten ihm mehrere Verletzungen am Auge bei und ließen erst dann von ihm ab, als sich ältere Personen ins Mittel legten. Die Sache wurde zur Anzeige gebracht und die Attentäter liegen hinter! Schloß und Riegel. St. Amerika. In Connersville, Jnd. lebt ein Schneider, isr. Glaubens, Namens Geo. Baron, der mit seiner jetzigen, im I. 1857 angetrauten Frau kürzlich die Geburt des 23sten Kindes gefeiert hat. Unter den 23 sind fünf Paar Zwillinge. Die Eltern befinden sich noch in rüstigem Aler. George ist 46, seine Gattin 39 Jahre alt. Vermischtes. — Aus Hinterpommern. Ueber einen Wunderknaben schreibt man aus Bütow: An beiden jüdischen Pfingstfeiertagen hat ein 131/2ja^riger Knabe, Israel Jelski aus dsm Gouvernement Grodno, das ziemlich schwierige Amt als Vorbeter in der hiesigen Synagoge versehen und durch seinen vorzüglichen und schönen Vortrag die ganze Gemeinde zur Bewunderung hingerissen. Jll. Fam.-Bl. — Ein schrecklicher Fall wird aus dem Zempliner Comitat der „M. Lap." berichtet: Ein Pacziner Insasse hatte seine kleine Wiese an einen dortigen jüdischen Handelsmann verkauft, glaubte aber trotzdem noch das Recht zu haben, den Grummet von derselben für sich einzubringen und ging hinaus das Gras abzumähen. Dies erfahrend, begab sich der neue Eigenthümer auf die Wiese und verwies jenem sein rechtswidriges Beginnen. Als dies nichts fruchtet, setzte er sich auf die Stelle hin, an welcher der Bauer weitermähte und rief zornig: „Jetzt schlag' nur zu!" Der wüthende Bauer ließ sich dies nicht zweimal sagen, sondern führte mit seiner Sense einen solchen Hieb nach dem Halse des Handelsmanns, daß der Kopf, vom Rumpfe getrennt, zur Erde flog. Der Unglückliche hinterläßt eine Wittwe mit drei Kindern. Berichtigung. Im Feuilleton unserer vorigen Nummer muß es in Colonne2, Zeile 3 nach oben heißen: will er brechen, unser Muth und unser Glaube; will er brechen, unser guter Vorsatz rc. dann sei es rc. S. 2, Z. 37 anstatt das Streben der Religion: das Streben nach rc. welches rc. S. 3, Colonne 2, Z. 11 nach unten, statt das Vertreter rc., dessen Vertreter Dr. T. ist rc. Briefkasten der Redaktion. A. B. in P. Die Uebersetzung wie die Commentirung Hirsch's zur Genesis Cap. XXX, 41, 42 ist derart überzeugend und der Griff nach Mischna Sabbath 525 so gelungen, daß man dem Rabbiner Hirsch dazu mit: "V>Kt6 inDDPlD p^ntyyni,, gratuliren gurfte. Allerdings ist Hirsch's Commentar zur Gen. bereits vor 12 Jahren erschienen, es mag aber lange, lange her sein, seitdem Hirsch die fragliche Stelle mündlich erklärte. Doch würde es von Seite eines jüdischen Gelehrten wie S. Saks zu Paris befremdet haben, wenn derselbe fähig gewesen wäre, ein Plagiat zu bedehen, um den Lesern des "nsi^n,, und „TODP!» Vergnügen zu machen. Freilich würde ein Mann, weniger als Hirsch, vom Schlage S. D. Luzzato's z. B., einfach gesagt haben: cmmn p "INX Pin„ Indessen wäre es vei dem Reichthume Saks an hebräischem Wissen, sehr gewagt zu behaupten, daß er — Hirsch einige Schäfchen fortgegetragen. Mi-M! I«i» [Rheinpfalz,] Vollständige Ausbildung für Eisenbahn, Post- und Handelsfach, sowie für Einj.-Freiwill.-Examen. Massigste Preise. Beginn des neuen XIV. Schuljahres, Montag, 6. Oktober. Näheres über Schule und Pensionat mit Prospect gratis durch die Direction (israel.) 2457 Der „Israelitische Mole", jeden Donnerstag erscheinend, wird an jüdische Lehrer und Cultusbeamte (Cantoren) gegen Einsendung von 1 Mark franko versendet; außerdem wird jedem Cultusbeamten, welcher Abonnent deS »Israelitischen Boten" ist, die dreimalige Insertion eines Stellengesuches kostenfrei besorgt. Die Interessen der genannten Beamten werden geeigneten Falles von der Redaction auf das wärmste wahrgenommen werden, zumal der »Bote" nach keiner Seite hin verpflichtet ist. Nie Äedacfion u. (Spedition des „Israef. Joten. Bonn a. Rh., Peterstraße Nr. 8. Frau Therese Gromu's »8 ilMBs TScMer-PfiüsioM Aufnahme von Zöglingen. Gediegene vielseitigste Ausbildung. Pensionspreis 250 Thaler. 2483 Berlin, Thiergarten, Moltkestr. 4.1. II. Israelitisches Hanis-LeUtt MricMaflt mit Uenstonat. Beginn des Wintersenresters Montag 20. Oct. c. Außer den neuern Sprachen und den gesammten Handels Wissenschaft!. Disciplinen, Vorbereitung zum Eintritte in Latein- ».Realschule. Referenzen: die Hr. Hr. Distrikts-Rabbiner Wormser (Gersfeld), Leb recht (Schweinfurt), Regierungsrath W eingärtner (Ansbach), Bezirksamtmann Hebel (Schemfeld), Bezirksarzt Dr. Seißiger (Haßfurt), die Kaufleute Neuland (Mellrichstadt), Jakobi (Salmünster, Hessen), I. Rosenthal (Würzburg), D. Levy (Suhl) rc. Prospecte bei der Exp. dss. Bl. Baldige Anmeldungen werden erbeten. Mellrichstadt im Aug. 1879. 2486 Otterrsoser, Director. Pensionat & Höhere Töchter-ScMe von Geschwister Sobernljeim in Bingen a. Rh. Beginn des Winter-Semesters am 15. Oktober. Junge Mädchen, die sich nur an den wichtigsten Unterrichtsgegenständen betheiligen, die übrige Zeit aber zur gründlichen Erlernung des Hauswesens und praktischer, weiblicher Handarbeiten benutzen wollen, finden ebenfalls bei uns Aufnahme. Beste Referenzen, mäßige Bedingungen. Prospecte auf Verlangen. 2476 Ganz neu, Praktisch u, elegant I Gegen Franko-Einsendung des Betrages in Baar oder Marken versende ich franko: 12 Stück hochfeine Gratul.-Karten in Oct.-Briefform u. Brieftext zu 85 Pf. 12 „ „ » mit Namen ».Wohnort des Absenders Mk. 1,40 12 „ „ „ auf hochf. färb. Damast-Billet-Pap. Mk. 1,15 Außerdem versende ich franko: 12 Stück Gratul.-Postkarten mit Brieftext auf feinstem Elfenbeincarton zu 85 Pf. 12 „ dto. mit Namen und Wohnort des Absenders Mk. 1,40 Sämmtliche Sorten in Gold-, Silber- oder Kupferschrift per 12 Stück 20 Pfg. höher. Wiederverkäufern bei Abnahme von mindestens 100 Stück 250/g Rabatt. Bei Bestellung wolle man ausdrücklich bemerken ob die Karten für einen oder mehrere Absender bestimmt sind. 2478 War Wictor. Mainz. (Wir können diese Karten, von denen uus Proben vorliegen, in Bezug auf Eleganz und Zweckmäßigkeit dem Publikum bestens empfehlen. Die Exp.) Ich suche für mein Manufacturwaaren-Geschäft einen Lehrling mit nöthigen Vorkenntnissen. Kost u. Logis wird gegen geringe Vergütung im Hause gegeben. 2489 Moritz Heichelheim in Gießen.