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Der israelitische Bote · 1879-09-04 · 36 (4.9.1879) · p. [Seite 2]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
36 (4.9.1879)
Date
1879-09-04
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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gleichwohl im Texte hier und da abweichende Lesarten Vorkommen, wie z. B. die Differenzen zwischen 6) Ben Ascher und Ben Naftali, so sind deren nur wenige und auch diese sind der Art, daß sie an dem Sinn der Worte nichts ändern, vielmehr nur die Interpunktion und die Zeichen für den melodiösen Vortrag der Thora betreffen! (Fortsetzung folgt.) 1) Vgl. die Erklärung Raschis zur Stelle. 2) Vgl. auch zu dieser Stelle Raschi. 3) S. Kidduschin 30a. Daselbst heißt es: W-D7K •pnt? m'innt? rvnrpan hs onsio mw m tm n"D bw iimn V'ki -mn n^DDiD'i wpiDD bw n^nm myn bw w Dim «im c^nn bw -ivh r>«y nrö D'iplDST ‘J'IV Daß der erste Sopher (Schriftgelehrter) kein geringerer als Esra war, dürfte allgemein bekannt sein. Von diesem wird auch der Gelehrtenstand, der nach seimn Umterweisungen lehrte und wirkte. »Soph'rim" d^BID genannt. Dennoch reicht die Geschichte dieser mehrere Jahrhunderte bestandenen Schule" bis zur Zeit des Babylonischen Exils hinauf! Uebrigens wird auch in der Mischna auf die Soph'rim hingewiesen. Vgl. Kelim XVI. 7. 4) Ursprünglich heißt das Wort: mDÖ „Massoret" u. man versteht im Sinne der Mischna und des Talmud darunter den von Mose vocallos überlieferten Text der Thora, wie er geschrieben, aber nicht, wie er gelesen wird. (S, Abot VI, 14 Bartenora) Succa 6b u. a. m.) So streiten Succa 6b die Rabbanan und R. Schimon miteinander. Die Einen meinen: niDD^ DK tF» man normire das Gesetz nach dem geschriebenen Worte, der Andere ist entgegengesetzter Ansicht und meint: Klpöi? DK d. h. Die Directive hierbei bilde das ausgesprochene Wort." In der nachtalmudischen Zeit schloß sich an die „Massoret" die 8 „Maffora" an, welche um die Integrität des Textes die minutiöseste Sorge trugen. So zählten sie beispielsweise die Worte, die eine abweichende Orthographie aufweisen und gaben die Stellen an, an denen sie Vorkommen rc. rc. Man nennt die Gelehrten der Maffora: Massoreten und den von diesen festgestellten Text: der „massoretische Text". 5) Ben Ascher (Ahron) der vorzüglichste Massoret lebte im 10. Jahrhundert zu Liberias. Das von diesem angelegte, nach den massoretischen Regeln mit der größten Sorgfalt niedergeschriebene Bibelexempler war maßgebend für den sogenannten »mafforetischen Text" S. Maim. Sefer Thora 8, 4. Ben Naftali machte zwar Ausstellungen an Bibel des Ben Ascher. Dieselben sind aber so geringfügig, daß ein Gewicht auf dieselben nicht weiter zu legen ist. Die Unterschiede in den Lesearten Beider finden sich in der mbvm rmnpö. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bon«, im September. Bei Gelegenheit der am 81. Januar d. I. dahier staltgefundenen Eröffnung des Tempels, erschien eine Festschrift (?) die bei Erwähnung der Conststorien, in bedauerlicher Weise, hervorragende Männer, die je an der Spitze derselben gestanden, und deren segensreiches Wirken noch für spätere Generationen unvergeßlich bleiben wird, herabzuwürdigen suchte, wie dies in dem Dem npinn-Ton der lärmenden Kriegsposaune, die uns erzittern und erbeben macht, so, daß wir vor der drohenden Gefahr zurückweichen und uns vom heiligen Berge entfernen, pniD HDjm, folgt die nwa mr>pn, die große, wunderübende n^pn, die lange und dauernd in unserem Innern forttönt, die uns wieder zurückruft zum heiligen Berge Gottes, nnn nun ^r>n ytnsz die Pljnpn’bte uns ein Sinnbild jenes nsitp?Yn ist, bei dessen Schalle einst das Reich des Frevels und Uebermuthes wie Rauch vergehen wird; die wahren Gottesverehrer aber im hellsten Gotteslichte erstrahlen werden! iwn niK "n Das sei der Abschiedsgruß dem scheidenden und der Willkommensgruß dem neu beginnenden Jahre. Trier. Michel Levy. Vermischtes. (Ein Sammler in Religionen). In „Ueber Land und Meer" erzählt Karl Emil Franzos von einem merkwürdigen Original, das bis vor kurzem in Czerquest. Schriftchen Seite 10—11 zu lesen ist; der betreffende Passus lautet: Eine fernere Frucht dieser Versammlungen war die Einführung von Conststorien in Westfalen und Rheinland, eine ächt hierarchische Einrichtung, eine Art Judenpolizei, die schon ihrer ganzen Natur nach mit dem jüdischen Geiste, weil eine Fessel, unvereinbar ist. Ein Hauptzweck derselben war auch die Erweckung patriotischer Gefühle für das Haus Bonaparte. Solche Conststorien wurden in Cassel (damals Königreich Westfalen) und im Rheinlande (Crefeld, Trier, Bonn) im Jahre 1808 errichtet, ein sehr kostspieliges Vergnügen, welches eher Nachals Vortheil dem Judenthum brachte. Während wenigstens Israel Jacobsohn in Cassel, Oberrabbiner Dr. Cahn in Trier, Bodenheimer in Crefeld ihre einflußreiche Stellung als Consistorialräthe rc. zur Hebung des jüdischen Schul- und Cultuswesens benutzten, ist vom Conststorium in Bonn nach dieser Richtung hin gar nichts geschehen. In Bezug auf diesen hatten wir damals schon unfern geehrten Lesern versprochen, den dunkeln Sinn der Anspielungen auf gewisse Persönlichkeiten die man wahrscheinlich in Schatten stellen wollte, aufzuklären, doch konnten wir zu unserem Bedauern heute erst unserem Versprechen Nachkommen, denn heute erst sind wir im Besitze von Schriftstücken die über das segensreiche Wirken so mancher ausgezeichneter Männer des früheren Consistoriums das unverfälschste Zeugniß liefern. DU2")7 DU17Ö DUIKi waren es die bei ihren Lebzeiten nicht allein Stadt und Landkreis Bonn sondern auch dem ganzen Sprengel, über welchen sie die Jurisdiktion hatten, zur Ziede und zum Segen gereichten. Es ist aber nicht allein die Opposition die uns leitet, vielmehr das Streben der Religion, Recht und Wahrheit, welche uns das Andenken jener Männer zu erfrischen gebietet. Jene waren vor Allem die verewigten Herren: der königl. Consistorial - Oberrabbiner Abraham Auerbach yTO nun invvu und der Consistorial-Rath Heinr. Cahn "n"y. In Betreff des verewigten Herrn Oberrabbiner Abraham Auerbach, dessen Andenken, wie dasjenige der Herren Heinrich und Samuel Cahn, als Förderer der Religion und Nächstenliebe in uns nicht ersterben wird, wollen wir den Nekrolog, welcher im November 1846 im „Zionswächter" erschien, sprechen lassen. Bonn, im November 1846. Am 3. November ivb nnw inpnh ruv» pn u) verschied dahier nach kurzem durch Altersschwäche veranlaßten Krankenlager der emeritirte Oberrabbiner und Präsident des königl. israelit. Consistoriums der Rhein- und Mosel-Departements, Herr Abraham Auerbach, in einem Alter von 85 Jahren, wovon er über 60 Jahre das Amt eines Rabbiners bei verschiedenen franz. und deutschen Gemeinden treu und redlich verwaltet hat. Geboren im Jahre 1760 zu Bußweiler im Elsaß, wo sein Vater — ein intimer Freund und Lehrgenoffe des als scharfsinniger Talmudist rühmlichst bekannten R. Wolf Bußweiler — Rabbiner war, ward er schon früh im zartesten Kindesalter von Vater und Mutter, die beide kurz nacheinander in der Blüthe ihres Lebens das Zeitliche verließen, verwaist. Sein angeborner frommer Sinn und seine religiöse Geistesrichtung waren jedoch schon in diesem Alter so stark und vorherrschend, daß er einen Theil seiner Erbschaft des nicht unbedeutenden Vermögensnachlasses seiner Eltern, gegen die nowitz lebte, von einem kleinen, gebrechlichen Männchen, das eine Art „Sammler in Religionen" gewesen ist. Das alte, verwachsene, steinreiche Männchen Namens Rosenheim war als Jude geboren, als Sohn eines durch den Branntweinhandel reich gewordenen Mannes, der in einem galizischen Dorfe lebte. Seine Erziehung war eine recht gute gewesen, und ohne Beschäftigung, wie er war, interessirte er sich in späterer Zeit vorzugsweise für die Formen menschlicher Religion. Er galt als freigeistig — wie groß war daher das allgemeinste Erstaunen, als es eines Tages in Czernowitz hieß, Rosenheim sei Protestant geworden, und als man sah, wie er sonntäglich fromm und ernst den evangelischen Gottesdienst besuchte. Dann kehrte er von einer Reise nach Genf als Calvinist, als ernster strenger Calvinist zurück, und da es in Czernowitz keine Calvinistengemeinde gab, reiste er in jedem Jahre zweimal nach Klausenburg, um den dortigen Gottesdienst mitzumachen. Nach drei Jahren wurde er Katholik, ernster strenger Katholik, der keine Messe versäumte: Der Katholicismus fesselte ihn lange, dann aber trat er — es hatte das in Czernowitz, wo man seine Gewohnheiten kannte, mannigfache Schwierigkeiten — zur griechischen Religion über. Später ging er nach Varna und bekehrte sich zum Islam. Als Muselmann soll er eine Wallfahrt zum heiligen Grabe Geistesproducte seines Vaters — der bereits über alle Hauptwerke der klasstsch-rabbinischen und kabbalistischen Literatur gehaltvolle Abhandlungen, und eine Menge Rechtsgutachten (wovon mehrere in gedruckten n"1t5> zu finden) verfaßt hatte — seinen Geschwistern freiwillig abtrat. Mit diesem Schatze, wie er diese Schriften stets bezeichnete, und den er auf das Sorgfältigste durchs ganze Leben bewahrte, zog Abraham als Knabe von kaum 10 Jahren aus seinem Vaterlande und reiste zu seinem Großvater, R. Hirsch Auerbach ^"¥1 nach Worms, wo Letzterer schon damals über 40 Jahre als m fungirte. Obwohl dieser bereits im hohen Greifenalter stand, so wirkte sein Unterricht und sein Beispiel noch mächtig genug auf den wißbegierigen und für alle höhere Eindrücke von Naturempfänglichen Knaben, daß er diesen Großvater, wie er sich oftmals äußerte, sich zum Muster und Vorbild nahm durchs ganze Leben, und er hielt keinen öffentlichen gottesdienstlichen Vortrag, ohne ein sinnreiches Wort aus den Schriften desselben daran zu knüpfen. Die Kunde von seinen ausgezeichneten Fortschritten in der Religionslehre jV'si gelang sehr bald zu seinem Onkel, seiner Mutter Bruder, dem nachmaligen K*>t£U und Präsidenten des Central-Confistoriums zu Paris, R. David Sinzheim, welcher damals auf einem Landgute seines Schwagers, des bekannten Finanziers H. Cerf Beer in Lothringen, und später in dem von Letzterem zu Bischheim bei Straßburg gestifteten tmöH H’D lebte, und sich dort hauptsächlich mit der Gottesgelehrsamkeit beschäftigte. Fortsetzung folgt. Bonn. Es ist nicht Brauch, redaktionelle Angelegenheiten vor das Forum des Publikums zu bringen; wenn wir heute ein wenig aus der Schule plaudern, berufen wir uns zu unserer Entschuldigung auf Friedrich Spielhagens Wort: Den Kampf, den ich für mein gutes Recht führe, kämpfe ich für die Gesammtheit." Zur Sache bedarf es einiger Mittheilung specifisch journalistischer Verhältnisse. Die einzelnen Zeitungsredaktionen tauschen ihre Blätter gegenseitig aus; wenn Mittheilungen von dem Herausgeber eines Journals von einem andern übernommen werden, wird gewöhnlich die Quelle angegeben. Ad rem: Wir tauschten längere Zeit unser Blatt gegen die „Israelitische Wochenschrift", deren Redakteur z. Z. der im Januar d. I. verstorbene Rabbiner von Stettin, Dr. Treuenfels war, aus. Im Sommer 1877 ging uns von Stettin eine Korrespondenz zu, in welcher rituelle Mißbräuche beim Schlachten sowie der Tempelreform zugeneigte Einrichtungen, wie Orgelspiel gerügt wurden. Wir entsprachen bereitwillig dem Verlangen des Dr. Treuenfels, eine theilweise Berichtigung unserer Mittheilungen (Nr. 36) zu veröffentlichen; doch sahen wir uns veranlaßt, den Rest der nicht widerlegten Behauptungen aufrecht zu erhalten. Die Folge dieser Polemik, welche wir aus rein religiösen Intentionen veranlaßt hatten, war der Bruch der bezeichneten Verbindung. Wir bemerken, daß uns von unserm Gewährsmann eine weitere Widerlegung der von Dr. Treuenfels gemachten Mittheilung zuging, von deren Aufnahme wir damals abstanden, deren Veröffentlichung für die jetzigen Stettiner Wahlverhältniffe von Wichtigkeit ist: Stettin. Eingedenk der Psalmstelle nnnn^K Kipn -K wären die Mitglieder unserer Gemeinde nicht im Mindesten geneigt gewesen, unseren Herrn Reformrabbiner aus der Ruhe auf den Lorbeeren seines herostratischen Ruhmes aufzuscheuchen, wenn er nicht in Nr. 36 Ihres geschätzten Blattes, gelegentlich der Entgegnung auf Nr. 33—34 so grobe und greifnach Mekka mitgemacht haben. Dann tauchte er wieder in Czernowitz auf, verschwand aber bald und ist angeblich nach Amerika gegangen, um dort Mormone zu werden. Er behauptete, daß er nur die Absicht habe, jede Glaubens form in ihrem innersten Kern zu ergründen, wozu er seiner Meinung nach nur als Angehöriger der betreffenden Religion Gelegenheit habe. Bromberger Ztg. Kosmopolitische Anftchten^eines jüdische« Rabbiners. In dem Vorhause eines sonst braven Rabbis in einem vielbesuchten Kurplatze (der Name thut hier zur Sache nichts) sind folgende, ein wenig stark nach Sozialdemokratie riechende, und gleichsam als Memento auf eine schlicht eingerahmte Gedenktafel angebrachte Sätze schwarz auf weiß zu lesenr Wir haben nur ein Vaterland und das ist die Erde. Wir haben nur Eine Nationalität und das ist die Menschheit. Wir haben nur Eine Moral und das ist die Arbeit. Wir haben nur Eine Religion und das ist die Liebe. Tableau.

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