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Der israelitische Bote · 1879-08-28 · 35 (28.8.1879) · p. [Seite 2]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
35 (28.8.1879)
Date
1879-08-28
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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Israeliten auf im Verhältniß zu den Christen beider Confessionen, und dies noch stärker bei den Gymnasien als bei denRealschulen. Bei jenen kommt auf7 evangelische Christen und auf 2 katholische ein Israelit. Bei diesen auf ungefähr 10 evangelische und l*/2 katholische Schüler ein Israelit. Man sieht, daß die Juden recht wohl den Werth zu schätzen wissen, welche das vollberechtigte Gymnasium an erster Stelle und allgemeine höhere Schulbildung überhaupt zu gewähren vermögen. Liegt nicht hierin eine ernste Mahnung? Sollen sich die Christen wirklich von der doch verschwindend kleinen Anzahl Juden auch in der Arena der Bildung überwinden lassen, nachdem sie auf dem Geldmärkte sich besiegen ließen? Betrachten wir das Verhältniß an den Progymnasien, so ergibt sich hier: 1917 evangelische, 1501 katholische, 351 jüdische Schüler und 1 Dissident, d. h. auf 6 evangelische und 5 katholische Schüler würde ungefähr ein Jude kommen. An den höherenDürgerschulen waren im Sommer 1878 hinsichtlich der Confesston 10388 evangelische, 2211 katholische und 774 jüdische Schüler nebst 3 Dissidenten. Hier würden also 13 evangelische und 3 katholische Schüler auf einen Juden kommen. Sollte es wirklich nur Zufall, oder durch lokale Verhältnisse bedingt sein, daß die Gymnasien und Progymnasten am meisten, demnächst die Realschulen I. Ordnung und höheren Bürgerschulen von den Juden so aufgesucht werden, auch an Realschulen II. Ordnung findet sich ungefähr das Verhältniß wie an das Progymnasten. Es waren 4898 evangelische, 365 katholische, 887 jüdische und 5 Dissidenten-Schüler. Also auf ungefähr 5 evangelische Schüler und 2 Katholiken ein jüdischer Schüler. Jüdische Schüler stellt an Gymnasien am meisten Schlesien, nämlich 2033, an Progymnasten Posen 92 (Westpreußen 86) an Realschulen I: Ordnung Brandenburg 551 (Posen, Schlesien, Rheinprovinz 304,340,319), an Realschulen II. Ordnung Hessen-Nassau 678 (am nächsten kommt Schleswig- Holstein mit 55) an höheren Bürgerschulen endlich Schlesien 187, (Hessen-Nassau 178)". Die wissenschaftlich pessimistischen Behauptungen k la Marr, in welche der Verfasser das Resultat seiner Daten zieht, zu widerlegen, ist hier nicht der Ort. Unsere Sache ist es, die erfreulichen Fortschritte zu konstatiren, welche die Bildungsbestrebungen der Juden in den letzten Decennien gemacht. Die Verhältnisse stellen weitere Fortschritte in gewisse Aussicht. Die schülerhafte Rathlosigkeit des Hr«. Dr. S. Holdheim im Gebiete talmudischen Wissens. Schreiben des Dr. H. Auerbach an den Rabbinatscandidaten L. in B. Den 14. Aug. 1845. (Fortsetzung und Schluß.) Ich bin zu Ende; denn Ihr Erstaunen über die eben so krasse Unwissenheit, als Frivolität des Herrn Vice-Präsidenten hat gewiß seinen Höhepunkt erreicht und kann durch. Aufdeckung der übrigen Blößen der Brochüre nicht gesteigert werden. Doch eins noch bedarf der Geißelung. Holdheim behauptet S. 32: „Eide, im Interesse und zum Wohle des Staats geleistet, könnten nach talmudischer Kasuistik gelöst werden und gewährten somit dem Staate keine Garantie." Das ist eine absurde Verleumdung! Denn der Jude ist religionsgesetzlich verpflichtet, das Wohl des Staats, in welchem er Bürger oder Schützling ist, zu fördern durch das rabbinische Judenthum verpflichtet, alle Persönlichkeiten von Charlottenbrunn mar, wo sie, da ihr Mann sich in der Nähe angekauft hatte, jedes Jahr drei Monate zubrachte. „Straf mich Gott, schon wieder ein Jude! rief die Frau Kommerzienräthin, als ein schöner Mann, dessen acht orientalische Züge allerdings über seine Abstammung keinen Zweifel ließen, vorüberschrittt und mit erstaunten Blicken die seltsame Erscheinung auf der Bank musterte. »Aber Frau Commerzienräthin, der Herr hört es ja," flüsterte die eine Kammerjungfer ihrer Herrin zu, denn diese hatte ihre Bemerkung so laut gemacht, daß sie das Ohr des Fremden erreicht haben mußte. „Na da hört er's, was kann er mir denn thun? Höchstens reist er wieder fort und das wäre mir gerade rechr. Wenn das so fortgeht mit der langnäsigen Judengesellschaft, dann kann unsereins man einpacken und wo anders wo seine Sommerresidenz aufschlagen." , „Frau Commerzienräthin können ja restdiren, wo es Ihnen beliebt," versetzte die zweite Kammerjungfer in ehrfurchtsvollem Tone, warf aber dabei ihrer Gefährtin blitzschnell einen Blick zu, der über die eigentliche Bedeutung der Rede keinen Zweifel ließ. »Ja das kann ich, Geld gilt überall," lachte geschmeichelt die Dame von der rothen Robe, „aber," Staatsgesetze, namentlich die Vertheidigung des Vaterlandes, Entrichtung der Abgaben u. s. w. auch ohne Dienst-, Bürger- und Amts-Eid zu erfüllen! (Jermia 29, 3—7; 40, 9; Dan. 6, 23; Kesuboth 111a mö'j Choschen-Mischpat 369: Aboth 3, 2.) Der Eid ist also ganz überflüssig*) und höchstens damit zu rechtfertigen, daß man ihn als Mittel betrachtet, das Gewissen noch schärfer zu binden und der Versuchung zur Pflichtvergessenheit einen größern Damm zu setzen, entsprechend der talmudischen Lehre (Nedarim 8): Man darf schwören, die Gebote zu halten, um sich darin zu befestigen, wovon es ausführlich im y'"| iD heißt: Wer da besorgt, der Begierde zum Bösen zu unterliegen, oder ein Gebot zu übertreten, der soll schwören und geloben (obgleich rT?n PlVlltP •pKtP), um sich in der Pflicht zu stärken, nach dem Worte des Psalmisten: ich schwöre, zu halten deine Gebote! Ich schließe mit der Gewißheit, daß Sie mit mir jedes Wort, das etwa noch gegen die auf den letzten Seiten der Brochüre folgenden verabscheuungswürdigen Insinuationen gegen das rabbinische Judenthum (welchen jedoch Herr Holdheim seinen von diesem usurpirten großen Titel und Ususfructus nicht zurückzugeben gesonnen ist) zu sagen wäre, für überflüssig betrachten, mit mir aber auch den Sinn der Worte: t8HS7 HJtP Wp in der Weise verstehen, daß (abgesehen von der traurigen Wahrheit, daß leider zu allen Zeiten des Judenthums ärgste Feinde die Abtrünnigen sind, die sein eigner Schooß gebar, seine eigne Brust genährt) die Halbgelehrten einer weit größern Unverschämtheit, eines zügellosern Fanatismus gegen fähig seien, weil sie in der Befangenheit leben, mittelst ihrer vermeintlichen gründlichen Kenntniß des Rabbinismus in ihm solche Blößen gefunden zu haben, die sie befähigten und berechtigten, es anzugreifen und schonungslos zu zerfleischen. Die Thoren wisien nicht, daß selbst ein gründliches Wissen der Thora, dem es gilt, das Kampfschwert gegen dieselbe zu führen, von diesem Augenblicke an an Kopf und Händen und Füßen gelähmt wird! *6# KnVDt£> VDD 'toi xrwm nh kp^d rin >6*7 (Sanhedrin 106) "1 YD! Leben Sie wohl! Lesen Sie aber in der Folge in Ihren Erholungsstunden statt solcher t|sd den Kusari und Matte-Dan rc. rc. *) Umgekehrt: selbst der feierlichste Eid, eine Treulosigkeit gegen den Staat zu begehen, wird von den Rabbinen für null und nichtig und keiner Auflösung bedürftig erklärt. Conf. '1;'PI ,1"H 'T Die talnmdische Tradition. Es kann und darf die jüdische Orthodoxie keinesweges verletzend berühren, wenn ihr von der religiösreformsüchtigen Richtung Stabilität und zähes Verharren im Althergebrachten zum Vorwurfe gemacht wird; denn gerade in der Stabilität besteht ja das eigentliche Wesen der religiösen Orthodoxie, und drei mächtige Säulen sind es, worauf sie sich stützt, nämlich, die Tradition, die Geschichte und der gesunde Menschenverstand. Die Tradition, die im Talmud verzeichnet ist, war zu allen Zeiten für die von Gott der jüdischen Nation durch Mose mitgetheilte schriftliche Lebenslehre (DfiDDD' HYin) ein streng dazu gehöriger Moment gewesen, und wird es auch verbleiben. Es kann unmöglich die mosaische schriftliche Lehre entbehren der talmudischen Tradition (2"y"2"D* min). Der Inhalt vieler schriftlichen Satzungen der Thora fügte sie, sich in die Brust werfend hinzu, „man hat Schuldigkeiten" — Verpflichtungen wollte sie sagen — »wenn man Standesherr ist. Unsere Güter stoßen hier an, und dann, man kann ja hinkommen, wo man will, wo man hintritt, tritt man auf einen Juden." »Frau Commerzienräthin haben doch so hohe Verbindungen, ließe sich denn da kein Verbot erwirken?" fragte die erste Kammerjungfer, die nun ihren Witz auch leuchten lassen wollte. Literarisches. Von unserm Glaubensgenossen, dem Schweden Henrik Hertz, dem Verfasser von „König Reu's Tochter" erschien jüngst ein Lustspiel »Die Sparkasse" in deutscher Uebertragung von Langbein, Leipzig, Philipp Reclam. Für die von Professor Wilhelm Oncken in Gießen herausgegebene „Allgemeine Geschichte in Einzeldarstellungen" (Berlin, Grote) hat Professor Dr. Bernhard Stade in Gießen die Bearbeitung der »Geschichte des Volkes Israel" übernommen. würde ohne die talmudische Tradition •»YDD ganz unverständlich geblieben, und manche Gebote und Verbote blieben unerläßlich und daher auch ohne practische Ausübung, wenn nicht deren Verstand durch die sinaische Tradition sich erhalten hätte. „Das Gebot ist die Leuchte, die Lehre, das Licht" stellt uns das Verhältniß der sinaisch traditionellen zur schriftlichen Thora in klarem Lichte dar. Beispielshalber genügen schon die die praescripta über die Art und Weise der Schechita, der Decision (n^D) der Qualifikation, wodurch das Vieh, das Thier und Geflügel für koscher oder trefa gehalten wird. Jene ausdrückliche mosaisch-schriftliche Satzungen wüßten wir wahrlich nicht auszuüben, wenn das „wie" und „wo" durch die sinaische Tradition nicht mitgetheilt worden wäre. Es verbleibt also noch heute in Bezug auf die Glaubwürdigkeit der sinaischen Tradition eine fast ähnliche Alternative, wie sie einst in Gegenwart des ganzen israelitischen Volkes gestellt wurde, von dem für Gott und dessen Wahrheit eifernden Propheten Elias. „Wenn der Ewige Gott ist, sprach er zum gesammten Israel, wandelt ihm nach, wenn er aber Baal ist, nun, wandelt ihm nach", nämlich die Alternative: „halten wir fest den Glauben an die Göttlichkeit der schriftlichen Thora oder nicht"? Für den ersten Fall folgt auch consequent die nothwendige Anerkennung der Tradition als eine sinaische. Für den Fall aber, daß die Tradition nicht als sinaisch anerkannt wurde, so würde auch der Glauben an die Göttlichkeit der schriftlichen Thora sehr alterirt werden. Denn eine Auswahl der »Ja" und der „Nicht" zu beobachtender Gottesvorschriften als solche zu treffen, dürfte kein logisch denkender und wahrhaft religiöser Israelit übernehmen wollen. Es wurde gegen die Göttlichkeit der Tradition der Protest erhoben, daß im Talmud so viele Contradictionen der alten Gelehrten über die Observanzen bei manchen auszuübenden Satzungen der Thora sich finden, was ja gar nicht sein konnte noch durfte, wenn die Tradition göttlichen Charakters wäre, aber jener Einspruch ist nicht stichhaltig; denn es fand während der gar nicht kurzen Zeit, innerhalb der die Träger der mündlichen Tradition auf einander folgten (Maimon. Praef. zu Jad hochsaka) gar keine Meinungsverschiedenheit im Kreise der jüdischen Gelehrten über irgend eine religiöse Satzung statt bis zur Zeit des Rabbi Jose ben Joesatzsviäo Iraot. chagiga f. 16, Jarchi ibid.) Warum denn aber war bis zur Zeit des Rabbi Jose volle Uebereinstimmung auf dem Ge-, biete der Beobachtung und Ausübung der Satzungen der Thora? Gab es doch wohl bis zur Zeit des Rabbi Jose nicht minder^ große Gelehrte in Israel? Die Propheten, die Männer der großen Versammlung, der Tanäim alle, die wahrlich zufolge dem Ausspruche: DYK hw ‘innss DWKin hw pt? des Rabbi Jochanan (Erubin f. 53) die ihnen folgenden Gelehrten an Geistesschärfe übertrafen; warum denn walteten unter jenen aber keine Controversen, wie die in der Thora nicht distinct und ausführlich bestimmt explicirten Verordnungen aufgesaßt und beobachtet werden müßten? Nur deshalb, sagen wir, weil die mündliche Tradition von Mose an noch in ungetrübter, frischer Lebenskraft erhalten, indem sie in den so eben erwähnten hochgeehrten Männern ihre mächrigen Träger hatte. Für die ihnen folgenden Gelehrten aber gestaltete sich dieZeit sehr düster und trübe. Diese waren den grausamen Vexalionen der Feinde des Judenthums allzusehr ausgesetzt. In Folge der sehr mißlichen und gefährlichen Verhältnisse, in denen besonders die Gelehrten sich befanden, kamen selbstverständlich manche mündlich sich fortgepflanzte sinäische Lehren in Vergessenheit, oder wurden zweifelhaft. Diese wiederum Bonn, 27. August. Soeben empfingen wir Lefsing-Mendelssohn-Gedenkbuch zur 150jährigen Geburtsfeier, herausgegeben vom Deutsch-Israel. Gemeindebund zu Leipzig. »Das Gedenkbuch" ca. 22 Bogen in klein 8° umfassend, ist sehr schön ausgestattet u. u. A. mit 3 gelungenen Lichtdruckbildern geschmückt (de« Porträts von Lesstng u. Mendelssohn und dem Oppenheim'schen Bilde „Lavater und Lessing bei Mendelssohn"). Der Ladenpreis ist 3 Mark, zu haben in allen Buchhandlungen. — „OY^Üm pl" Rede (höchst interessant) zur Förderung der israelit. Alliancen von Herrn Dr. Ad. Jellinek/Prediger in Wien, gehalten am 19. Juli d. I. Zu beziehen von Jakob Schloßberg, Stadt. Seitenstettengasse 4. Wien.

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