Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 35 (28.8.1879)
- Date
- 1879-08-28
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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WM :1 zu constatiren war die Aufgabe vieler Gelehrten. Dazu bedienten sie sich der Deduktion, und so entstanden nun die talmudischen Disputationen, wobei natürlich diverse Ansichten zu Tage kamen. Aber jede dieser entgegengesetzten Ansichten tendirte nur mittels citirter Aussprüche der vor ihnen gelebt habenden Gelehrten, oder mittels einer der 13 Normen (nHD^O, die für die Feststellung religiöser Bestimmungen von der Tradition als allein geltende Maximen aufgestellt waren, zu ermitteln, wie diese, oder jene mosaische Vorschrift ehedem von den vor ihnen gelebt habenden Israeliten vermöge der sinaischen Tradition beobachtet und ausgeübt worden sei. Also standen alle Lehrer des Talmuds auf dem Boden des festen Glaubens an die sinaische Tradition. Dieser Glauben wurzelte tief in Israel und stand auf gleicher Höhe mit dem Glauben an die Göttlichkeit der schriftlichen Thora. Gott spricht zum Propheten Haggai „befrage die Priester um die Thora" und auf Gottes Geheiß richtete er an sie solche Fragen, die auf Reinheit oder Unreinheit des heiligen Opferfleisches sich bezogen. Diese Paritätsfragen hinsichtlich einer mittelbaren Berührung eines unreinen Gegenstandes, oder einer unrein gewordenen Person an heiliges Opferfleisch (Haggai 2. Tract. Pessachim p. 17) ist in der schriftlichen Thora gar nicht erwähnt, und dennoch wird sie von Gott mit dem Namen «Thora", der sonst nur für die schriftliche mosaische Lehre gebraucht wird, benamt. Im Tract. Jebamot f. 16. spricht Rabbi Dossa, Sohn Hyrkan's zu Rab. Eleasar und Rabbi Akiba: Himmel und Erde rufe ich zu Zeugen, daß auf diesem Mörser einst der Prophet Haggai sitzend folgende drei Dinge gelehrt habe deren eines folgendes ist: die Nebenfrau der verehelichten Tochter ist für die Liveratsehe verboten.* Fortsetzung folgt. Zur 150. Wiederkehr des Geburtsjahres Moses Mendelssohns: . das Hauptsächlichste aus dessen in trefflichem Hebräisch verfaßten Einleitung in die 5 Bücher Mosis. I. Bon der Niederschrift der Thora. Die gesammte Thora ist von unserem Lehrer Mose niedergeschrieben worden und zwar von dem Worte: n^K*72 „Im Anfänge* an bis zu den Worten: ^2 «Vor den Augen ganz Israels" hin, also einschließlich der letzten acht Verse, welche mit den Worten: nt^D nD^I „Und Moses starb" beginnen und mit dem Ende des Buches der Lehre schließen. Was diese letzteren anbetrifft, behauptet zwar einer unserer Weisen und zwar R. Jehuda, sie seien von Josua niedergeschrieben worden, allein R. Simon polemistrt gegen diese Ansicht indem er sagt: wie wäre es möglich, daß auch nur ein Buchstabe an der Thora gefehlt haben könne, da es doch bei der Uebergabe derselben an die Leviten und zwar an die Träger der Lade des Ewigen also heißt: „Nehmet das Buch der Lehre u. s. w.* (Deut. 31, 25). Vielmehr verhält sich, so fährt R. Simon fort, die Sache so, daß bis ' zu jenem Verse: "21 NV!2 nv^l Gott Mose die Worte diktirt, Moses dieselben nachgespro-en 2) und niedergeschrieben, von jenem Verse aber an und weiter Gott die Worte diktirt und Moses dieselben mit Thränen niedergeschrieben3) habe. Aehnlich heißt esJer.36, 18: „Und Baruch sprach zu ihnen": „Mit seinem (Jer.) Munde las er mir all diese Worte vor und ich^) schrieb sie in dem Buche mit Dinte nieder: (S. Baba Batra 15 a und Menachot 30 a). Diese Beweisstelle wird offenbar aus einem gewichtigen Grunde angeführt! Denn es wäre in der That schwer begreiflich, warum, wenn es wahr ist, daß Gott die ganze Thora Mose diktirt und dieser sie niedergeschrieben habe, von Beiden in der dritten Person und nicht vielmehr in der ersten Person gesprochen wird. So z. B. hätte es überall, wo es heißt: PitPD bs ,m\ 72T1 entweder heißen sollen: ntPD '»mm '"I oder -QT1 '*7! Dies allein entspräche doch wohl der Art und Weise des Diktirenden oder derjenigen des Diktando Niederschreibenden. In Wirklichkeit haben auch längst Gelehrte hierin einen Anstoß gefunden und standen bereits um deswillen auf dem Punkte, die Niederschrift der ganzen Thora durch Mose zu perhorresciren! Um nun der schwerwiegenden Frage die Spitze abzubrechen, beruft sich R. Simon auf Baruch, der selbst bezeugt, daß er die Rolle nach dem Diktate Jer. niedergeschrieben habe. Dennoch wird in derselben von Jeremias und Baruch immer in der dritten Person gesprochen und sie auch so dem Volke vorgelesen 5). So heißt es: (Jer.36,5.) „Und Jeremias gebot dem Baruch und sprach* nicht aber: Ich Jeremias gebiete dem Baruch oder mir dem Baruch gebot Jeremias.* Aus dieser Stelle ist zu entnehmen, daß dies die Methode war, nach welcher die Propheten Ihre Diktate niederzuschreiben die Gepflogenheit hatten. Es leuchtet daher ein und ist als absolute Wahrheit hinzustellen, daß die ganze Thora vom Anfänge an bis zum Ende hin von Mose im göttlichen Aufträge niedergeschrieben wurde; daher es auch Deut. 31, 24 heißt: DDn IV "21 HtPÖ ni^DD W „Nachdem Moses die Worte dieser Lehre völlig ausgeschrieben hatte in ein Buch bis zu ihrem Ende." Denn die Worte: Dttn *7y bedeuten: bis zu dem vollständigen Ende in allen Theilen. Mit anderen Worten: Moses schrieb noch vor der Uebergabe die noch folgenden Perikopen: N272N HWI und l^txn einschließlich der letzten acht Verse nieder. Dies auch ist es, was R. Simon beweisen will, indem er sagt: Wie wäre es möglich, daß auch nur ein einziger Buchstabe in der Thora bei deren Uebergabe an die Leviten gefehlt haben könne? Heißt es doch: Nehmet dieses Buch der Lehre und leget es zur Seite der Bundeslade. Gesetzt nun, die letzten acht Verse hätten zur Zeit noch an dem Buche gefehlt, so hätte er dasselbe sicherlich noch nicht den 6) Leviten übergeben; er hätte vielmehr den Josua beauftragt, dieses Buch damit zu vollenden, daß er demselben die Erzählung von seinem (Mosis) Tode noch hinzugab. Aus diesem Allem ist es evident, daß Mosis vorher das ganze Buch der Lehre niederschrieb und es alsdann erst zur Seite der Bundeslade legen ließ. _ Fortsetzung folgt. die Persönlichkeit zweier in jeder Beziehung hoch achtbaren Rabbiner. Dieselben haben ein wichtiges aber schönes Amt: wichtig, weil sie Erzieher der Jugend und Lehrer sämmtlicher Gemeindeglieder sind, — schön, weil, wenn sie diese Pflicht erfüllen, das beseligende Gefühl der Zufriedenheit mit ihrem Gewissen und den Menschen empfinden. Namentlich ist die Jugend ein Saatfeld, welches, wenn guter Samen daraus ausgestreut wird, goldene Früchte trägt, und Männer heranwachsen läßt, welche gleich ihren Voreltern den alten bewährten Ruf der Gemeinde in Ehre halten werden. Betrachten die Trierer Rabbinen so ihre Sendung (und das werden sie sicherlich thun) fo können wir von ihnen das segensreichste Wirken und ein inniges Zusammengehen in allen Fragen des Cultus hoffen. Vielleicht gelingt es den beiden Männern, denen ja schon Eintracht durch die jüdischen Gesetze geboten ist, auch eine äußerliche Wiedervereinigung herbeizuführen. Da außer der Gemeinde Trier eine an Synagogen-Gemeinden reiche Umgegend vorhanden ist, fo wird auch der Wirksamkeit zweier Rab- - " biner ein großes Feld der Thätigkeit geboten werden. Möge es so kommen, wie es unser sehnlichster Wunsch ist, und schließen wir mit den Worten:) .brnttn bv Ditw Red. Bemerkungen des Einsenders: 1) R. Jeh. geht davon aus, daß es, wenn auch diese acht Verse von Mose niedergeschrieben worden wären, während Moses noch lebte (Baba Batra 15a) oder nachdem er gestorben (Menachot 30a) nicht heißen könne: nwl. 2) Einerseits aus Vorliebe für dieselben und andererseits, damit er sich nicht irre! 3) Aber nicht vorher abgesprochen, weil sie für ihn von betrübendem Inhalt waren. 4) Auch der Sekretär des Propheten Jeremias sprach die ihm diktirten nicht erst vorher nach, weil dieselben elegisch klangen. 5) Vgl. Jerem. 36, 4. 6) Es soll nicht unbemerkt bleiben, daß Mendelssohn hier ein kleiner lapsus calami entschlüpft ist, der sicherlich nur als ■»jsbö PIKmt? : „ein Jrrthum, der dem Herrscher im Reiche der Wissenschaft entwischt" angesehen werden muß. Er sagt nämlich: Q^n D'0n2i? 13fi3 "pK während es doch heißen müßte: D'il^ 12N2 "p# da die pf|K *>Kt£Ö "*T rVH3 doch nicht die D'OrD sondern die W17 und zwar die nnp ^2 waren!^ Vgl. Num. 4, 15. 7, 9 und den Biur zur lltzteren Stelle. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Trier bl7K n"Tl K- Unsere neu gegründete Separat-Gemeinde schreitet in ihrer Constituirung und Einrichtung rüstig vorwärts. Am Sonntag ON2D K"2 fand die feierliche Eröffnung unserer Religionsschule statt. Zahlreich fanden sich Eltern und Schüler in dem Betlokale ein, woselbst Herr Dr. Ehrmann eine der Feier des Tages angemessene Ansprache hielt. Zunächst machte Redner in eingehender Weise die Eltern aufmerksam auf die hohe Bedeutung einer auf gründlicher Thora-Kenntniß basirenden, religiösen Erziehung. So groß auch die Schwierigkeiten seien, die sich besonders in unserer Zeit solch heiligem Unternehmen entgegenstellen, so hoffe er doch zuversichtlich auf guten Erfolg, wenn Eltern und Lehrer, wenn Haus und Schule bei der Jugenderziehung Hand in Hand gehen. Dann wendete Redner sich an die versammelte Jugend, sprach von dem gegenseitigen Verhältnisse, das zwischen Lehrer und Schülern obwalten müsse, und mahnte in sinnigen Worten zum Festhalten an n31tt>0 min» anknüpfend an eine Talmudstelle im Tractat Berachoth: .121 17p2^ ytvvbr\ 1D223 N21 p V'-| ,-i7NL>2 Sichtlich war der Eindruck dieser Festrede ein tiefer bei allen Zuhörern. Nach dieser einleitenden Rede wurde zur Aufnahme und Classtfizirung der Schüler und Schülerinnen, deren Zahl sich auf nahe an 70 beläuft, geschritten. Der Unterricht, bei welchem auch Herr Michel Lewy mitwirkt, ist bereits in vollem Gange. Möge der göttliche Segen auf dem guten Werke ruhen und sich erfüllen: ny nnD,> tfpypi rrbbiv w!"n •hid? 702 221 (Wie wir aus zuverlässiger Quelle vernehmen, wird Herr Rabbiner Dr. Holländer vl7X 8"2 in Trier sein Rabbinats-Amt antreten und demnächst die Religionsschule der Hauptgemeinde unter seiner Leitung nehmen. Es ist eine ganz besondere erfreuliche Erscheinung, daß Trier die Gelegenheit geboten ist, die Fahne des orthodoxen Judenthums hochzuhalten, wie in früheren Zeiten, so auch jetzt und künftig zu thun nicht verfehlen wird. Dafür bürgen sowohl die strengen religiösen Sitten der Gemeindemitglieder, als auch Filehne, (Prov. Posen.) Das Rabbinat der hiesigen Synagogengemeinde ist nach einer halbjährigen Vacanz durch Rabbiner Dr. Richter besetzt worden. In den beiden letzten Jahrzehnten bekleideten dieses Amt Freymann, in Ostrowo, Dr. Jsaacsohn, früher Ober-Rabbiner zu Rotterdam, jetzt privatisirend in Hamburg und Dr. Stiebel, in Straßburg (Westpreußen). E, Briefkasten der Redaktion. H. H. H. in Bonn. Es ist so schon ganz recht, nicht den Ersten Besten zur Vollziehung von Scheidung und Trauungsacten zuzulassen. Sagt doch der Talmud üb ptPHpl 2>22 *>p2 13W *>D i>2 pDV pDy *ib rpn\ d. h. wer mit den religiösen Satzungen über Ehescheidungen und Trauungen, worunter wohl verstanden die ganze n2^PI die Scheidungen (ptD-1) und Trauungen CpiPHp) behandelt zu verstehen ist, der soll sich damit nichts zu schaffen machen. G. Singer, Triest. Empfiehlt und versendet sämmtliche Sorten und D’onnx bei bekannter, reeller, prompter Bedienung zu den möglichst billigsten Preisen. 2424 hvin rwn Gratulations-Postkarten empfehle auch dieses Mal wieder in neuen versch. geschmackvollen Mustern und mehrfarbigem Drucke mit passenden Wünschen. Preis p. IVO St. 3 Mark, in größern Parthien bedeutend billiger. Das Dutzend frco. gegen Einsendung von 60 Pf. in Briefmarken. Gratulationskarten und Briefbogen in großer Auswahl billigst. 2454 A. Holdschmidt, vorm. Wolff Kaufmann, Hebr. Buchhandlung, Hamburg. Pensionat k Here Mter-ScMe von Geschwister Soverrcheim in Bingen a. Rh. Beginn des Winter-Semesters am 15. Oktober. Junge Mädchen, die sich nur an den wichtigsten Unlerrichtsgegenständen betheiligen, die übrige Zeit aber zur gründlichen Erlernung des Hauswesens und prakiischer, weiblicher Handarbeiten benutzen wollen, finden ebenfalls bei uns Aufnahme. Beste Referenzen, mäßige Bedingungen. Prospecte auf Verlangen. 2476 jji j