Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 31 (31.7.1879)
- Date
- 1879-07-31
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. Ä. Veitch. Nachdem die Trauerversammlung in die Leichenhalle sich zurückbegeben hatte, wurde das Ceremoniell zu Ende geführt indem die Söhne des Verstorbenen das übliche Kaddisch-Gebet sagten. Zeitungsnachrichten und Horrelpondcnze». Deutschland. Bonn. Die böhmischen Rabbinen sind in Folge der ungenügenden Besoldung in nicht geringer Bedrängniß. Dieselbe veranlaßten im Jahre 1874 eine Petition an das Abgeordnetenhaus. Die darüber hin und her gepflogene Correspondenz wiederzugeben, gestattet uns der Raum nicht; doch alle Bemühungen vom v. Jahre blieben erfolglos. (Kein Wunder, daß aus dem Böhmischen und Mährischen Reiche so viele Candidaten ihre Zuflucht nach Deutschland nehmen.) Endlich scheinen sich die Verhältniffe günstiger zu gestalten. Es ist nämlich von dem Rabbinate zu Tachau schon Anfangs März l. I. diese Petition zum fünftenmale eingebracht worden. Diesmal hat das h. Haus am 6. Mai in der 472. Sitzung, diese Petition zur eingehenden Würdigung und Berücksichtigung an die h. Regierung abgetreten. (Es bleibe nun jeder in seinem Lande und ernähre sich redlich.) Bonn. Es ist kein Geheimniß, daß Juden beim Militär sich keiner allzu humanen Behandlung zu erfreuen haben. Die hier erscheinende „Deutsche Reichs- Zeitung." bringt unter dem 21. Juni zu diesem Kapitel: »Wegen Beleidigung bezw. falscher Denunziation eines Unteroffiziers des 28. Jnfanterie-Regts. bus Diez standen vor Kurzem zwei Juden, Vater und Sohn, vor dem hiesigen Zuchtpolizeigericht. Der Vater hatte, nachdem sein Sohn vom Militär wegen Krankheit entlassen worden, eine Eingabe an das General- Commando gerichtet, wonach sein Sohn von dem Unteroffizier auf das Brutalste mißhandelt worden sei, und worin Untersuchung bezw. Bestrafung verlangt wurde. Das Kommando stellte diesbezügliche Nachforschungen an, die aber zu keinem Resultat führten, worauf es der hiesigen Ober-Prokuratur die Sache zur Bestrafung der Betreffenden überwies, was die obengenannte Anklage zur Folge hatte. Es wurden 5 Soldaten der betreffenden Kompagnie als Zeugen in der gestrigen Verhandlung, die bei verschlossenen Thüren stattfand, vernommen, welche erklärten, von einer Mißhandlung des Angeklagten nichts zu wissen. Ein Schutzzeuge sagte indeß das Gegentheil aus. Der Gerichtshof erkannte auf Freisprechung der beiden Angeklagten." Die Berliner »Volks-Ztg." bemerkt hierzu: Es Wäre interressant zu erfahren, weshalb die Anklage unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt wurde! Bonn. Die deutschen Juden haben seit kurzer Zeit keine geringe Menge Insulten gehört; es thut uns wohl, von Auswärts Gutes melden zu können: der Baltimore-Correspondent schreibt von unseren Glaubensgenossen jenseits des Oceans: „Die Israeliten verhalten sich in den Vereinigten Staaten zu den Deutschen etwa wie Eins zu Zwanzig; dessen ungeachtet üben sie aber fast gerade soviel sichtbaren Einfluß auf die Politik aus und wissen sich in der Regel weit mehr und weit rascher Geltung zu verschaffen. So war z. B. der erste in Deutschland geborene Congreß-Repräsentanl kein Germane, sondern ein Israelit, Meyer Strouse von Pennsylvauien. Lange vor General Schurz war schon ein Nachkomme der Erzväter im Bundessenate, der berühmte Jurist und spätere Finanzminister der Conföderation, Judah Benjamin, und jetzt ist wieder „Einer von unsere Leut" Senator, nämlich Jonas von Louisiana. Im Repräsentantenhause aber sitzen neben den vier Germanen zwei Israeliten, Morse von Boston und Einstein von New-Hork. Sehen wir uns in den Beamtenkreisen um, so finden wir neben blitzwenig Deutschen eine ganze Reihe von Israeliten, als Richter, Zollhausbeamte, Consuln und Consular-Agenten, und gehen wir in die einzelnen Staaten, so finden wir auch dort, daß die Kinder Israels sich im politischen Leben allenthalben Geltung zu verschaffen wissen; in Cincinnati Wäre letzten Mittwoch ein Herr Seasongood um's Haar zum Vice-Gouverneurs-Candidaten nominirt worden. Der gewöhnliche Judenhasier wird natürlich rasch mit der Erklärung bei der Hand sein: „fte sind eben dreist genug und verstehen es, sich geltend zu machen". Diesem möchten wir doch entgegnen, daß es auch vielen Deutschen nicht an jener edlen Dreistigkeit mangelt, wenn es gilt, sich in den Vordergrund zu drängen. Dieses muß demnach also doch die wahre Ursache nicht sein. Wir glauben sie in den charakteristischen Merkmalen der beiden Racen zu finden, der Zusammengehörigkeit bei den Juden und der chronischen Uneinigkeit^ der Deutschen. Der Deutsche ist meist für das Deutschthum verlor^' .?o Qmcrj* kanisirt hat; er schämt sich dez,." nicht selten und entzieht dem Deutschthume das Gewr^'^es Namens und seiner socialen Stellung. — Ob die,, ^mms zu ändern sein wird, ob es nicht vielmehr in v.er ™ur und dem Wesen der Germanen tief begründet .8», diese Fragen möchten wird nicht zu entscheiden foJv suchen. Cöln, 27. Juli. (Priv.-Mittheilung.) Der neugewählte Herr Nürnberger aus Düsseldorf, hat seine hiesige Stelle bereits angetreten, und darf unsere Gemeinde zu dieser Acquisation sich gratulüen. Der Ruf eines eben so tüchtigen als frommen Mannes ist ihm vorangegangen, wozu noch kommt, daß derselbe ein pöi? ist und nicht nur im n$H PHY» gut Bescheid weiß, sondern auch ein Blatt zu lernen versteht. Für seine Qualification spricht auch, daß Herr Dr. Plato zur Zeit, als er noch in Düsseldorf als Rabbiner füngirte, dem Herrn Nürnberger den Unterricht seiner Kinder übertragen und Jahre lang von seiner ntDintP gegessen — gewiß ein hohes Vertrauen —, das zu seiner Berufung nach hier nicht wenig beigetragen. — Im Lager der hiesigen Metzger und Fleisch-Consumenten gibt sich in Folge der Anstellung des neuen eine gewisse Bewegung kund, die hoffentlich zu allseitiger Zufriedenheit enden wird, was wir im Interesse des allgemeinen Friedens aufrichtig wünschen. Cöln, 27. Juli. (Priv.-Mittheilung.) Eine Ehescheidung in Israel, wo die Heiligkeit des Familienlebens, die Treue und Innigkeit der Ehe stets hoch geachtet und die unser Volk in den traurigen Jahrhunderten einer schweren Vergangenheit aufrecht erhalten, gehört zu den größten Seltenheiten. Als eine solche verzeichnen wir es denn auch, daß in vor. Woche vom hies. Gerichte eine solche ausgesprochen worden, unseres Wissens die zweite in den letzten 25 Jahren. — Die seit mehr als 25 Jahren hier bestehende Gesellschaft »Harmonia", die außer den geselligen Zwecken durch ihre philantropische Stiftung vielen Nutzen gewährt und zahllose Wohlthaten Nahen und Fernen erwiesen, scheint an einem Wendepunkte ihrer Geschichte angelangt zu sein. In der jüngsten Generalversammlung stand die Frage „Sein oder Nichtsein" auf der Tagesordnung. Ohne Zweifel bleibt die Gesellschaft erhalten und wird neu gekräftigt und gestärkt aus dieser Krisis hervorgehen. Eine Revision der Statuten dürfte vielleicht zu empfehlen sein. Berlin. Das „Tageblatt" schreibt: Ein Ausspruch Meyerbeers über Synagogen-Musik wird gelegentlich der Einweihung der neuen Hamburger Synagoge wieder in Erinnerung gebracht. Ludwig Angust Frenke! hatte vor einigen Jahren die Aufgabe, den Komponisten um eine neue Tondichtung zur Einweihung des israelitischen Bethauses in Wien zu ersuchen. Bei diesem Anlaß äußerte Meyerbeer: „Sie werden doch keine Orgel in der Synagoge einführen? Das ist ein rein christliches Instrument. Und dann! Ich rechne es mir als ein großes Verdienst an, daß ich in Uebereinstimmung mit Mendelssohn-Bartholdy in Berlin nur einen singenden Chor eingeführt habe. Der betende Mensch soll ohne Vermittelung zu steinern Gott sprechen. Nun halten das so die Juden seit Zerstörung des Tempels, es ist so eingebürgert durch zwei Jahrtausende. Wir sollen keine Neuerung machen. Wenn aber durchaus andere Musik verlangt wird, so müßte es, nach meiner Ansicht, eine von Posaunen und Flöten herührcnde sein, wie sie im Salomonischen Tempel erscholl. Die Menschenstimme ist aber das Erschütterndste." Stuttgart, Hier sammeln gegenwärtig zwei Abgeordnete der Ungar. Stadt Zboro — Adolf Tannenbaum und Joseph Riff — Gaben für die Abgebrannten dieser Stadt. Das Württemb. Ministerium hat in Berücksichtigung ihrer behördlichen Empfehlung ihnen die Collekte in Württemberg gestattet; auch wurde ihnen von Seiten des Rabb. Dr. Wassermann und Hofraths Dr. Levi das wärmste Entgegenkommen zu theil. St: Oesterreich. Wien. Den Juden wird gewöhnlich die Begabung für Kunst und Handwerk völlig abgesprochen; troßdem die Verzeichniffe der Prämiirten eine verhältmäßig große Zahl von Israeliten aufführen. Von der Stuhlweißenburger Ausstellung werden nachstehende Prämiirungen von Glaubensgenoffen gemeldet: 1) Salomon Wieg in Budapest, (Drechsler- und Schnitzarbeiten, Spielwaaren. — Silberne Medaille.) 2) Josef Moser in Budapest. (Buchdrucker und Verleger. — Goldene Medaille.) 3) Nathan Löw in Budapest (Buchdrucker u. Verleger. — Bronzene Medaille.) Italien. Aus Italien. Während in Deutschland mit der wieder erwachten Reaktion der Judenhaß Triumphe feiert, kommen von Italien erfreuliche Nachrichten. Der »Gorrier Jsraelitico" meldet aus Triest: Der Beßaglieri Capitaine Leon Artom von Asti ist Ordonnanz- Offizier des Königs Humbert geworden. Wie viel Wasser wird noch den Rhein hinabfließen, bis ein deutscher Fürst einen jüdischen Offizier in sein« Umgebung ziehen wird? — Eine weitere Erhebung eines Israeliten kommt dem genannten Blatte aus den gelehrten Kreisen: Luzzati, der bekannte Unterhändler der Handelsverträge, wurde Ritter des Civilordens von Savoyen; die Dekoration wird nur an 60 durch tiefes Wiffen ausgezeichnete Männer verliehen. Ferner wird gemeldet: Samuel Alatri ist wegen seiner Verdienste als Direktor des ölout-äs-Pietä der Commandeur- Orden der Krone von Italien ertheilt worden. Der fürstlichen Huld steht der Volkswille nicht nach; davon gibt die Wahl unseres Glaubensgenossen Eduard Arbit zum Deputirten für Viterbo, Zeugniß. Das Abgeordnetenhaus zählt nunmehr wieder 6 jüdische Mitglieder. Vermischtes. — (Das Testament von Baron Lyonel de Rothschild.) Die „Jllustrated London News" bringt weitere Einzelheiten aus dem Testament des unlängst verstorbenen Barons Lyonel v. Rothschild. Danach vermacht der Erblasser seinen beiden Töchtern Leonore und Eveline je 100,000 Pfd. St., zahlbar in 10 Jahren nach seinem Tode, und eine weitere Summe don je 50,000 Pfd. St., zahlbar in fünf Jahren nach dem Tode seiner Gattin. Zu Universalerben seines übrigen Real- und Personalvermögens sind seine drei Söhne, Nathaniel, Alfred und Leopold, eingesetzt. Zur weiteren Beförderung 45^52» einer Offerte muß stets eine Freimarke anbeigefügt werden. Um Einfendung der noch rückständigen Abonnements-Beträge laut der in voriger Nummer beigefügte« Nota wird höflichst ersucht. Die Expedition. Um Kaufmann der seit 20 Jahren ein Cigarrengeschäft betrieben hat, wünscht in einer Cigarren- Fabrik Stelle als Reisender oder Agent. Beste Referenzen stehen zur Seite und kann auf Verlangen Caution stellen. Näheres ertheilt 2433 Dav. Rothenberg, in Cöln a. Rh., Eintrachtstraße 127. See-Bad Ostende. Meinen werthen Gönnern habe die Ehre anzuzeigen, daß ich mein Holland. Hotel, Restaurant rue longue 46 — Amsterdam im Juli. Unsere Stadt hat nicht umsonst den Namen Jerusalem adoptirt. Am 24. d. M. sandte die Gesellschaft Pekidim und Amarkelim für (ab Marseille) 24,000 Kilogr. Waizen nach Alt-Jerusalem. An einem Aufschub war nicht mehr zu denken; einen Aufruf für die Noth in wäre für die Darbenden bedenklich gewesen. Der Betrag wurde von der Verwaltung zu Amsterdam vorgeschossen. Hoffentlich werden die Vorlagen durch milde Beiträge bald gedeckt werden, um so mehr eine zweite Sendung nöthig sein wird. .(att'waar! -inm raipn ,-mx") _ verlegt habe. Kann dieses besonders empfehlen, durch die nahe Lage zum Meere, die prachtvolle Einrichtung desselben und große Anzahl Zimmer. Hotel Frank tenu par Henriette Frank. Mein elterliches Haus Hotel Frank in Bruxelles, befindet sich jetzt: Place des Martyrs 13, welches ich zu gleicher Zeit empfehle. 2378