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Der israelitische Bote · 1879-07-31 · 31 (31.7.1879) · p. [Seite 2]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
31 (31.7.1879)
Date
1879-07-31
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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der Gesellschaft geworden ist, jetzt soll die Erinnerung an die ideale Vergangenheit lehren, daß es etwas Höheres, Erhabeneres yiebt, als das ruhelose Kämpfen und Streben nach materiellem Besitz, daß die Güter des Geistes und des Herzens, als deren Verkörperungen jederzeit die Tempelstadt gilt, allein es waren, welche Israel trotz der Stürme der Zeitverhältnisse ungeschwächt erhalten und ihm die Achtung und Bewunderung der Völker errungen haben. Die Jugend soll sich dessen bewußt werden, daß die Erinnerung an die Geschichte Palästinas mit allen durch die gottbeseelten Propheten zum Ausdruck gebrachten Verheißungen und Hoffnungen das Band bilde, welches die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft und daß sie sich deshalb stets ein warmes, teilnahmsvolles Herz für das Ergehen seiner Bewohner zu bewahren habe. Außer diesen spezifisch jüdischen Wissensgebieten sahen wir die Juden des Mittelalters auch auf p'wfanwlssenschaftlichen Gebiete eine erfolgreiche Thärigkeit entfalten und besonders als Pfleger und Bearbeiter der Philosophie sich einen klangvollen Namen erwerben. Und wenn sie auch durch theoretische Forschungen mitunter von der überlieferten Auffassung des Judenthums abwichen und besonders ihren griechischen Mustern und Meistern folgend in speculativer Hinsicht sich vom überkommenen Boden der jüdischen Gedankenwelt entfernen: die strengste Beobachtung der religiösen Vorschriften bildet gleichwohl stets den Einigungspunkt, der sie im Ziele ihrer Forschungen der Religion wieder zuführt nnd ihnen das Bewußtsein der Zugehörigkeit mit dem Religionsgesetze bewahrt. Auch unsere Jugend wird in der Schule und in der Familie häufig in solche Gedankenkreise geführt, welche sie dem Judenthum zu entfremden drohen, sie hört Ansichten vortragen über Gott, Welt uns Seele, die ihr gläubiges Gemüth in ralhloses Zweifeln versetzen. Hat der Knabe dagegen in Folge der im Hause und in der Schule genossenen Erziehung durch strenge Observanz der religiös sittlichen Vorschriften seinen Character gestärkt und gestählt, dann besitzt er in der Kenntniß seiner nationalen Geschichte und ihrer glorreichen Literatur ein wirksames Mittel, gegen derartige oft sehr verführerische und verblendende Theoreme Stand zu halten und ihnen den Muth seiner eigenen unerschütterlichen Ueberzeugung entgegenzustellen. Er erlangt hierdurch auch die Befähigung, der Forderung der Mischna, D1Tp'Si6 3H6W HD y*Tl in des Wortes edelster Bedeutung gerecht zu werden, indem er an der Hand der Geschichte Vorurtheile, durch den Hinweis auf den Character und die Bestrebungen unserer Ahnen in ihre Schranken zurückzuweisen vermag. So haben wir denn gesehen, daß der geschichtliche und literaturgeschichtliche Unterricht in der Religionsschule, wenn er anders mit dem erforderlichen Ernst und der gebührenden Pietät für die Helden unserer Vorzeit ertheilt wird, eine Fülle des belehrenden und den religiösen und sittlichen Character der Jugend stärkenden Stoffes in sich birgt. Obwohl man heute mit Rücksicht auf die für den Religionsunterricht uns sehr spärlich zugemessene Zeit bei der Feststellung der in den Lehrplan aufzunehmenden Lehrobjecte sehr haushälterisch zu verfahren genöthigt ist, so wird man doch niemals umhin können, diesen Disciplinen, der biblischen Geschichte und der nationalen Literatur, allerdings nur als Hilfswissenschaften, einen Platz einzuräumen. Ihnen ist, wie wir im Obigen nachgewiesen zu haben glauben, ein wesentlicher Antheil an der Aufgabe zugefallen, die jüdische Jugend, in deren gedeihlicher Entwicklung ja die Zukunft Israels beruht, zu sittlichen Menschen zu erziehen, welche mit allen Fasern ihres Herzens an den angestammten Glaubenslehren festhalten, um dereinst mit der Festigkeit ihres Characters und der Unverbrüchlichkeit ihrer Gesetzestreue ein Bollwerk zu sein gegen die von allen Seiten versuchten Angriffe und Anfeindungen, nach dem Worte des königlichen Sängers. iiix rvatyni? ny mo' niprm v^iy isö .opjniöi (Original-Berickt). des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen. (Fortsetzung und Schluß siehe Nr. 28.) Dieser umgeänderte Entwurf sei dann in einer gemeinsamen Vorstandssitzung, an welcher auch Herr Dr. Honigmann Theil zu nehmen die Freundlichkeit hatte, mit unwesentlichen Modificationen gebilligt und als Vorlage für die heutige Versammlung zum Druck befördert worden. Im Anschluß daran ersucht Dr. Honigmann, welcher auf die Bitte des Vorstandes an der Sitzung Theil nahm, mit Abänderungs-Vorschlägen, so einleuchtend sie auf den ersten Blick auch erscheinen mögen, äußerst vorsichtig zu sein. Die Vorlage stelle ein festes Gefüge dar, dessen einzelne Theile genau in einander passen. Unscheinbare Aenderungen, deren Tragweite man im Augenblick gar nicht ermessen könne, könnte das ganze mühsam zu Stande gebrachte Werk wieder in Frage stellen. Dazu komme, daß bis zum Beginn der Berathung schriftlich formulirte Anträge nicht eingegangen feien. Dr. Brann (Breslau) gab darauf eine eingehende Erläuterung der Disposition und der Einzelbestimmungen des Statuts. Nach mehrstündiger Debatte, die sich besonders mit der Höhe der Beiträge und der zu zahlenden Unterstützungen beschäftigte. wurden die einzelnen Paragraphe mit überwiegender Majorität und endlich der ganze Entwurf mit Einstimmigkeit genehmigt. Im Anschluß an die Berathung wurde sofort die Wahl eines Schatzmeisters, der dem Vorstand als ordentliches Mitglied angehört, vorgenommen. Herr Banquier Fedor Pringsheim (Breslau) wurde zum Schatzmeister, und darauf die Herren Held (Breslau), Saul (Kosten) und Schindler (Bernstadt) zu Revisoren gewählt. Der Schriftführer erstattete sodann Bericht über die Verhandlungen, welche der hiesige General-Bevollmächtigte der „Victoria" zu Berlin, Allgemeine Versicherungs-Aktien-Gesellschaft, Herr I. Wagas mit dem Vorstande angeknüpft hat. Danach proponirt die Gesellschaft dem Vereine einen Vortrag, auf Grund dessen die Vereinskasse als Gegenleistung dafür, daß der Vorstand die Versicherung der Vereinsmitglieder bei der Victoria in Berlin zu fördern sich verpflichtet, von jeder Todes- und Lebensfall-Versicherung eines Mitgliedes für sich, seine Frau oder seine Kinder fünf Promille der Versicherungssumme, und außerdem vom zweiten Verstcherungsjahre ab laufend von den wirklich baar eingehenden Prämien-Beträgen bei Todesfall-Versicherungen zwei Procent, bei Lebensfall-Versicherungen ein Procent erhält. Redner weist namentlich darauf hin, daß die Victoria mit zahlreichen Lehrer¬ und Pestalozzi-Vereinen Preußens, insbesondere mit dem „Deutsch-jüdischen Lehrer-Verein und der Achawa" und dem „Schlesischen Provinzial-Lehrer-Verein", bereits vor Jahren ähnliche Verträge abgeschlossen habe. Der Vorstand wurde darauf mit großer Majorität ermächtigt, den Vertrag mit der Victoria abzuschließen. Als Termin für die zweite ordentliche Generalversammlung wurden die Pfinqstferien 1880 und als Ort Lissa (Posen) in Aussicht genommen. Der Vorsitzende dankte mit beredten Worten dem hiesigen Delegirten des deutsch-israelitischen Gemeindebundes in Leipzig, Herrn Dr. Honigmann, für seine thatkräftige Mithülfe bei der Ausarbeitung der Vorlagen und die Versammlung erhob sich ihm zu Ehren von ihren Plätzen. In gleicher Weise wurde dem Vorstand auf Anregung von Huth (Krotoschin) der Dank der Versammlung zum Ausdruck gebracht, Schluß der Sitzung 2 Uhr. *) Uebersetzt von Hrn. Dr. Fiebermann ans dem in London erscheinenden „Jewish Chronicle". Der verstorbene Baron Lyonel de Rothschild. (Fortsetzung und Schluß.) Dort in jenen gesegneten Gefilden wird er sitzen, wie unsere Weisen lehren: „Gekrönt mit dem Diadem des Ruhmes und sich labend an dem Abglanz der göttlichen Majestät." Liebe Brüder! Wir Alle wissen es, wir alle fühlen es, daß ein Fürst und ein großer Mann heute gefallen ist in Israel. Ihr, die Ihr seine Söhne seid, Erben seines Namens, seines Geistes, seines Segens, werden sicherlich diese Bresche, diese Lücke wieder ausfüllen. Wir Alle wollen mit Euch beten; denn nicht Ihr allein habt einen Vater verloren; ich kann Euch sagen, wir Alle haben einen Vater verloren in Baron Lyonel de Rothschild. Sein Name wirv eingegraben bleiben in unauslöschlichen Zügen in den Herzen Tausender. Aber auf Euch fällt ganz insbesondere die Pflicht, in den Fußstapfen Eures frommen Vaters weiter zu wandeln und, gleich ihm, die Ueberlieferungen seiner edlen Vorfahren fortzupflanzen. Dann werdet Ihr in dieser und in jener Welt gesegnet sein. „Gesegnet sollst Du sein bei Deinem Eingang; und gesegnet sollst Du sein bei Deinem Ausgang!" (Deuter 28, 6). Vater im Himmel! Gott über Leben und Tod! Unsere Herzen bluten, aber unsere Augen schauen zu Dir empor, Dich anstehend um Dein Erbarmen und Deine Gnade. Nimm Du aus in Deiner unendlichen Güte die Seele des Dahingeschiedenen, und laß sie weilen zusammen mit seinen seligen Vorfahren in den gesegneten Gefilden ewigen Ruhmes, ewiger Herrlichkeit! Sende Dein Licht, Deine Wahrheit den tiesbetrübten Leidtragenden und tröste sie! Urquell der Gnade! Möge der selig Entschlafene ein Bote des Friedens sein seiner edlen und gottesfürchtigen Gemahlin, der gütigen Mutter in Israel, welche so treu und ergeben ihm zur Seite stand in Freude und Leid, in fröhlichen und traurigen Tagen. Sende ihr Deinen Trost, wie sie so oft und so Vielen Trost und Erleichterung brachte. Allgütiger Vater! Vergib die Fehler und Sünden des Dahingeschiedenen, und gedenke seiner Verdienste und frommen Handlungen zum Guten. Amen! Der Sarg wurde alsdann zum Grabe gebracht. Nachdem die Leiche in ihre letzte Ruhestätte versenkt worden war, wurde eine Anzahl von Kränzen auf den Sarg geworfen —, als Zeichen dauernder Liebe über das Grab hinaus: Von Lady de Rothschild, the Counteß of Rosebery, Mrs. Cyril Flower, Hon. Mrs. E. Ayrke, Miß Louisa Cohen, Madame d'Arcos, Miß Lucy Cohen, Dowager Lady Sandys, Mr. und Mrs. I. P. Bigelow und in einer Glasvase ein bunter duftender Blumenstrauß prangte. Unter einer kleinen Decke, auf welcker der achteckige Schild Davids, gehalten von den Löwen Judas, gestickt war, lagen die geflochtenen, mit Mohn bestreuten Weizenbrode, Barches genannt, und daneben stand eine Weinflasche und ein silberner Becher. Ueber dem Tische hing eine siebenarmige Messinglampe, deren sämmtliche Lämpchen angezündet waren. Den Rücken der Thür zugewendet, das Gesicht rach der Seite des Zimmers gerichtet, welche nach Osten ging, stand eine alte Frau mit einem Buche in )er Hand und las eifrig, mit lauter, öfter von Schluchten unterbrochener Stimme hebräische Gebete. Keine Sewegung verrieth, daß sie das hinter ihr erfolgte Deffnen und Schließen der Thür vernommen habe. Zie betete, also war die Außenwelt für sie todt. Auch nachdem sie mit einer dreimaligen tiefen Verbeugung und mit einem inbrünstigen „Omein" ihre ^Mbung beendet und das Gebetbuch geschlossen, Seite gelegt hatte, begrüßte sie den ) nicht, obgleich ihre Blicke jetzt auf i, denn sie drehte sich nach dem Tische ch er sich genähert hatte. Die Hände ^Azen breitend, sie dann vor die Augen v. e wiederum gegen das Licht breitend. sprach sie den Segen, mit welchem die jüdische Hausfrau den Sabbath einweiht. Erst als dies geschehen, wandte sie sich zu dem jungen Manne mit dem Gruße: „Gut Schabbes, mein Sohn!" „Gut Schabbes, Mutter," war die Antwort, dann neigte der Sohn das Haupt, die alte Frau legte die Hände darauf und segnete ihn. „Wie geht es dir heute, liebe Mutter?" fragte der Sohn: ,Gut, gelobt sei Gott," war die Antwort. „Aber geh' mein Sohn, wasch' dich und mache Kidusch,*) die Fische stehen schon lange fertig gekocht, sie werden ganz kalt." Gehorsam dieser Aufforderung trat der junge Mann zu einem auf einem Seitentische aufgestellten kupfernen Waschbecken, ergriff eine daneben befindliche Wasserkanne und begoß damit erst die eine und dann die andere Hand, die er dann, ohne sie in's Becken zu tauchen, an dem daneben hängenden Handtuche abtrocknete, wobei er einige hebräische Worte sprach, die einen Lobspruch Gottes enthielten. Die Mutter folgte seinem Beispiel und nachdem *) Der Segensspruch, der über den Wein gesprochm mwk beide so die vorschriftsmäßig vor jeder Mahlzeit vorzunehmende Waschung an sich vollzogen, setzten sie sich zu Tische, wo der Sohn zuerst einen Segensspruch über den Wein sprach, einen Schluck aus dem Becher trank und ihn der Mutter reichte, und dann abermals unter einem Segensspruch den Barches aufschnitt. Während dieser ganzen Ceremonie hatte er den Kopf mit dem Hute bedeckt gehabt und der modische, glatt gebürstete Cylinder nahm sich etwas wunderbar aus zu der ganzen Scene, zu welcher eigentlich orientalische Gewänder bester gepaßt hätten. Dafür waren die Gesichter von Mutter und Sohn vom reinsten und schönsten orientalischen Schnitt, hätte der etwa dreißigjährige Mann das Haar nicht kurz getragen, hätte die schöngeformten Lippen nicht ein kleines schwarzes Bärtchen bedeckt, man hätte glauben können, das Modell zu einem Chr«... oder Johanneskopfe vor sich zu sehen. That einer derartigen Illusion ein Blick auf den modernen Sommeranzug des jungen Mannes Eintrag, so bildete das dunkle Kleid der alten Frau, das weiße Busentuch, die weiße weite faltige Schürze und die filbergestickte Mütze mit der Stirnbinde einen paffenden Rahmen für die dunklen Augen, die grade, nach unten eswas gebogene Nase, den fest geschloffenen Mund und das energische Kinn, die hohe Gestalt, die rtädt ftWrtfta «*■* » -f.'«*« *'

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