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Der israelitische Bote · 1879-07-31 · 31 (31.7.1879) · p. [Seite 1]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
31 (31.7.1879)
Date
1879-07-31
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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Erscheint jeden Donnerstag. Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen v. Jahrgang. Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum in Bonn, Expedition: Petersstratze Nr. 8. Monn, 31. Juli 1879 (5639). Inserate: Me Petitzeile oder deren Raum' lO^Pf.!Zahlbar hier. Inserate werden bis Dienstag erbeten, fj Jro. 3t t- Leitender Artikel. (Von Dr. A. Ehrentheil.) /p n n >n masn 'n yn us irron >mp hp n^Dö nmyn w Tine Stimme ruft: In der Wüste bahnet einen Weg dem Ewigen, in Einöden ebnet eine Straße unserem Gotte! (JesaiaS 40.) Allen ist uns die Ausgabe geworden, Wege zu bahnen, Straßen zu ebnen, und zwar nicht bloß die Wege des alltäglichen Verkehrs, sondern Wege, die zu Gott führen, Straßn, die uns zu göttlichem, himmlischem Ziele bringen. — Wer dem Wohlthun Vorschub leistet, wer den Lehren der Religion Eingang verschafft unter den Menschen, wer der Bildung und der Kultur fördernd nachgeht und sie zum Gemeingute aller Menschen zu machen bemühet ist, der hat Gott einen Weg gebahnt, hat eine Straße geebnet, die zu göttlichem Ziele führt. — Dem Einen wird diese Arbeit leichter, dem Andern schwerer, je nachdem das Terrain ist, auf dem die Straße gebaut, der Weg gebahnt werden soll; doch dürfen wir im Allgemeinen bei diesem hehren Straßenbaue uns die gewöhnliche Gepflogenheit der Menschen bei derartigem Werke nicht zur Richtschnur nehmen. — Wo bauen die Menschen Wege und Straßen zum Verkehr? Wo reges Leben, wo lebhafte Frequenz ist, wo die Natur verschwenderisch ihre reichen Gaben ausgetheilt hat, wo die Frucht des Bodens in üppiger Fülle, die Erzeugnisse menschlichen Fleißes in bunter Mannigfaltigkeit, der Verbreitung in ferne Gegenden harrt; wo vor dem Auge des Beschauers die Natur ihre herrlichen, unnachahmbaren Schönheiten ausbreitet, dorthin richtet sich die menschliche Sorgfalt, dort bauen sie Straßen dem Verkehre, dort ebnen sie den zahlreichen Reisenden Wege, dort fliegt auf des Dampfes leichten Schwingen gar bald auf ehernem Geleise der flüchtige Mensch die glatten Bahnen hin, die der menschliche Fleiß ihm geebnet; wo es aber wüst und öde ist, wo die Menschen keine Hütten gebaut, die Natur keine Schönheiten besonderer Art bietet, der Boden mit seinen Gaben kargt, wo nur selten ein menschlicher Fuß die heilige Stille der Einöde unterbricht, wo die Wüste ihr weites Sandmeer ausbreitet, wo der stolze Wüstenkönig, der Löwe, und die großen und kleinen Tyrannen der Wüste noch ihr unbestrittenes Recht üben im weiten Wüstenplane, dort bauen die Menschen keine Straßen, ebnen sie keine Wege, eine stürmische Sandwoge, getragen auf den glühenden Flügeln des Syrocco, würde sie ja im Nu wieder ins unendliche Sandmeer vergraben; wozu auch Wege dort? „Das Schiff der Wüste" trägt den Reisenden der selten durchziehenden Karawane sicher, wenn nicht dem Verderben, dann gewiß dem ersehnten Ziele entgegen, keine menschliche Hand regt sich dort, um Wege zu bahnen und Straßen zu ebnen. Nicht so darf es aber mit jenen Straßen der Fall sein, die wir für Gott bahnen, nicht so mit den Wegen, die uns zu göttlichem, himmlischem Ziele führen sollen; eben dort, wo Wüste, geistige Wüste ist, wo Religion und Bildung noch ihre reichch Segnungen nicht ausgegossen, wo des Geistes pnd des Herzens himmlische Rosen noch nicht blühen^ wo das sanfte strahlende Band der Menschenliebe die Menschen noch nicht enge verbindet und sie zusammenführt, doch ruft jsie gar laut, die Stimme der Pflicht, die Stimme der Menschheit als Verkünderin des göttlichen Willens: „!ypf 1ÜS. „Im Wüstenplane, dort, wo noch Alles öde und wüste ist, wo noch so wenig geschehen ist für Gott und die. Menschheit, dort ebnet der Religion und der Wissenschaft, der Wohlthätigkeit und der Nächstenliebe Wege nach allen Richtungen hin!" O! lasset die Wüste des Geistes und des Herzens nicht Wüste bleiben, lasset sie urbar machen durch menschlichen Fleiß, befruchten vom Thau der Milde und der Güte; wo früher starre Selbstsucht die Menschen in frostiger Abgeschlossenheit hielt und ihre Umgebung zur Einöde machte, dort soll durch die Sorgfolt edler Pioniere des Geistes und des Herzens eine Straße geebnet werden, auf der die Religion und die Bildung mit ihrem leuchtenden Gefolge einziehe in die öden Räume, die Herzen erglühe, die Menschen einander näher bringe, und sie dem Ziele ihrer höhern Bestimmung zuführe. L rum sage niemals, mein Brudepl du habest keinen geeigneten Wirkungskreis in deiner Umgebung, es laste sich da nichts schaffen, wo d^ Boden Wüstenboden, der Umkreis eine Einöde ist; wohl gibt es solche Plätze, o! wir kennen sie nur allzugut, dichtbevölkerte Städte sind es oft, die Wüsten sind, wo wenig oder nichts von dem keimt und sproßt, was Auge und Herz, Gott und Menschen erfreut, wo aus dem Sande verrotteter Vorurtheile kein frisches Wachsthum Hervordringen will, wo die Sprossen früherer Zeiten welk und verdorrt, die Rosen und Blumen, die hie und da eine fleißige Hand zu ziehen versuchte, von dem frostigen Hauche der Gleichgiltigkeit geknickt wurden, wo man mit den Worten des Profeten in der heutigen Haftorah mit Recht sagen kann: $2) Tttn IPIV „Welk ist das Gras, welk und verdorrt die Blume!" Aber mit eben desselben Dichters begeisterten Worten, ohne auch dessen Seherblick zu besitzen, kann man auch sagen: Ttf n ISO' "ohyi? mp' iü'p7X -qti pa bii „Mag auch das Grqs verdorrt, mag auch welk die Blume sein — das Gottes wort bleibt ewig," immer ruft die Stimme der Pflicht, die Stimme der Moral, die ja auch eine Gottesstimme, ihr lautes -n-| 1Ü2„ „ebnet den Weg für Gott!" durch die weilen Räume der Welt, früher oder später müssen alle Menschen diesen Ruf hören, nie wird die Gottesstimme ganz verhallen unter den Menschen, die Wahrheit, sie wird einst auch durch jene wüsten, öden Gauen ziehen und sie in blühende Gefilde umstallen, ebnet ihr nur den Weg, macht ihr Bahn! — Wenn ihr Schulen gründet, Bildung fördert, wahrhaft geläuterte, religiöse Gesinnung verbreitet, so macht ihr Wege für Gott, so werdet ihr Bahnen zu göttlichem Ziele ebnen, und je wüster der Platz, je öder die Ge.-end, desto bringender die Pflicht, desto lauter der Ruf: "!'f *]TT US "D"Tön„ Zn der Wüste bahnet den Weg des Herrn!" „Aber es ist so mühsam — wirst du mir sagen, mein Bruder! — Wege zu bahnen, Straßen zu eben, und vollends dort, wo der Boden Schwierigkeiten bietet; b^‘ da muß eine Vertiefung, irgend eine Kluft, die die kleinliche, selbstsüchtige Zwietracht hat gerissen, ausgefüllt werden, nyitfl “in b^ dort müssen Berge von Hindernissen, die die Böswilligkeit in den Weg thürmt, abgetragen und beseitigt werden; heischt das Gott? ist das der Wille Gottes? erfülle ich nicht vielleicht besser meine relegiöse Pflicht, wenn ich mich unablässig dem Studium der Thora hingebe, mich versenke in die Tiefen derselben, unbekümmert um das Gebühren meiner Mitmenschen? Ein Anderer dürfte dagegen die Frage stellen, ob denn auch der Ungelehrte, der nicht eingedrungen ins Heiligthum der jüdischen Lehre, auch Theil nehmen könne am edlen Werke der Volksbelehrung, ob etwa auch er die „Wege des Herrn" ebnen, die Straßen zu Gott bahnen helfen könne; wie und auf welche Weise? Die „Wege des Herrn," die Straße zu Gott" geht doch.Mhl. nur durch das Gebiet der Gotteslehre, und nur die Gelehrten Israeli können sie bauen. — Schluß in der Beilage. Der geschichtliche und literaturgeschichtliche Unterricht in der Religionsschule. Von Dr. D. Barnaß, Berlin. (Fortsetzung und Schluß). Und gerade diese Sehnsucht, diese Anhängklichkeit an das heilige Land, ihre Geschichte und ihre Geschicke im Herzen der Jugend zu erwecken und zu pflegen, bildet das Hauptziel unserer Schule. Jetzt wo der Knabe, wo das Mädchen Alles rings um sich vom eiteln Ringen nach Besitz und hervorragender gesellschaftlicher Stellung erfüllt und in diesem Streben die heiligsten Güter opfern steht, gerade jetzt, wo der Abfall von der väterlichen Religion das Losungswort in \rj; ..vl Im Banne des Gesetzes. Erzählung von Jenny Hirsch. _ _ Nachdruck verboten. (Fortsetzung siehe Nr. 28.) Mit diesen Worten verließ Herr Löwenthal das Zimmer. Seine Frau sah ihm triumphirend nach. „Das Vorurtheil, in dem wir ausgewachsen", declamirte sie und fügte sogleich hinzu: „Dem Kühnen gehört die Welt!" als hätte sie sich durch die Citate schadlos halten wollen für den Zwang, den sie sich in Gegenwart ihres Mannes aufgelegt. Bei einer Unterredung, die sie am Abend mit ihm hatte, vollendete sie das begonnene Werk, so daß Mendel, als er am andern Morgen kam, schon einen fruchtbaren Boden für die von ihm auszustreuende Saat fand: Er recapitulirte nochmals alle Gründe, die er durch Frau Friedcherhatte Vorbringen lassen und war klug genug, den Professor nicht als einen strengen Juden zu schildern, wohl aber als einen solchen, dem die Lehren der^VäterZheilig und ehrwürdig seien. in B.," fügte er gewissermaßen als letzten Drücker hinzu, „und der thut er Alles, was er ihr an den Augen absehm kann." „Was soll ich thun", seufzte endlich Moses Löwenthal. „Sie haben meiner Frau einmal in den Kopf gesetzt, daß ihre Tochter einen Professor heirathen soll, jetzt hilft mir alles nichts. Ich werde mich erkundigen, und sobald ich Brief aus B. habe, schreib' ich Ihnen, dann leiten Sie die Sach ein. Auf ein paar tausend Thaler kommt's nicht an. Es ist die letzte, die wir auszugeben haben." In der Stimme des Vaters, der über das Geschick seines Kindes verfügte, ohne daß dieses eine Ahnung davon hatte, zitterte eine tiefe Wehmuth, sie galt aber nicht dem Kinde, das er zu verheirathen gedachte, sondern dem, dessen Glück auf diese Weise zu begründen er sich durch ein widriges Geschick außer Stande sah. Mendel Freund wußte genug und machte sich mit den erhaltenen Instruktionen schleunigst davon. Es war am Abend eines schönen, klaren Junitages. Die Sonne war untergegangen, ihr letzter Schein verglühte purpurn und golden am westlichen Horizonte, aber die Helle, die sie verbreitete, war noch geblieben und füllte die Straßen der alten Stadt B. mit mildem, freundlichem Lichte, das man sammt der würzigen Luft Nur zwei Fenster in der unteren Etage eines Hauses in der W — straße waren geschlossen und durch die zugezogenen Vorhänge verhüllt, indeß nicht dicht genug, daß man nicht von außen den Schein der im Zimmer brennenden Kerzen hätte wahrnehmen können. Hätte ein Vorübergehender, durch diese auffällige Erscheinung angezogen, seine Schritte gehemmt und emporblickend gelauscht, so würde er vielleicht, begünstigt durch die in der Straße herrschende Stille, ein leises fremdartiges Murmeln vernommen haben. Es blieb aber kein Neugieriger stehen, denn der schlanke schöne Mann, welcher mit leichtem und doch festem Tritte die Straße heraufkam, einen Augenblick vor den erleuchteten Fenstern stehen blieb und dann im Hause verschwand, war offenbar nicht in jene Kategorie zu rechnen, sondern wußte sehr wohl, was dies alles zu, bedeuten habe. Den Hausflur entlang gehend, drückte der junge Mann, ohne anzuklopfen, leise mit der Hand aus die Klinke einer auf den Hausflur mündenden Thür und trat in das von außen beobachtete Zimmer, blieb aber regungslos auf der Schwelle stehen. In der Mitte des einfach eingerichteten kleine Stübchens stand ein mit einem blendend weißen Ti^ tuch bedeckte^Tisch, auf welchem in blankgescheu; *)d

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