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Der israelitische Bote · 1879-07-17 · 29 (17.7.1879) · p. [Seite 2]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
29 (17.7.1879)
Date
1879-07-17
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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-T&* Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bonn. Wir brachten vor einiger Zeit eine Mittheilung über einen vor den Berliner Gerichten verhandel- M ° ten Nihilisten-Proceß. Die vier Angeklagten Studen- M ten, russisch-jüdischer Herkunft wurden mit mehr oder minder langen Gefängnißstrafen belegt. Vor einiger Zeit hat der eine der Verurtheilten, stuä. rueä. Aronjfc f°n aus Mohilew, die ihm zudictirte Strafe beendigt; p; an die preußische Regierung trat damit die Frage heran,?;■ ob der Staatsverbrecher seinen Heimatsbehörden zu Y übergeben sei oder nur die Ausweisung aus dem deutschen Reiche zu erfolgen habe. Durch die Zeitungen h ging schon die Nachricht, Aronson sei an der russischen L Grenzstation Alexandrowa den reclamirenden Behörden seines Vaterlandes überliefert worden; man be- K dauerte allgemein das Geschick des strebsamen jungen s ■ Mannes. — Die Regierung hat jedoch nur die zweite Maßregel zur Anwendung gebracht, Aronson ist demgemäß, wie Ermittelungen der „Frankfurter Zeitung" ergeben haben, über Carlsruhe polizeilich nach Basel dirigirt worden, wo er seine medicinischen Studien fortsetzen wird. Wir glauben, daß die eigenen Erfahrungen der Regierung mit ihren Himmelsstürmern von Achtundvierzig — wir erinnern nur an Lothar Bücher — nicht ganz ohne Einfluß aus den bezeichneten Entschluß gewesen sind. Bonn. Eine neue nicht geringe Judenverfolgung meldet uns der „Wiener Jsr.« In Karlowa ist des Grausamen ein Spiel gewesen; ohne Abwehr fielen 200 Bulgaren über die armen Wehrlosen her, verletzten, plünderten und hielten auf sie Jagd und trieben sie 3 Meilen weit von der Stadt. (Ach, ach, uns dauert das ganze Ländchen). Der Wiener Israelit ruft mit Recht aus, wir wußten es schon lange daß die Vulgaren einfache Mörder und Räuber sind; Alle Mächte sollen bereits Schritte gethan haben. Türkischer Seits wurde der russischen Behörde Vorstellung gemacht, letztere behauptet, keine Verwaltung mehr über das — Völkchen zu haben. Die Zustände sind nichts weniger als traurig.— So bringt dasselbe Organ, eine Nachricht aus dem Städrchen Ovsiani Provinz Kowna, russisches Land, über eine Feuersbrunst, wodurch mehr als 300 Häuser der Juden während 4 Tagen vernichtet wurden; die aus den umliegenden Dörfern herbeigeeilten Bauern weigerten sich mit zu Helsen, (der Zweck des Hinkommens wird wohl ein anderer gewesen sein. Red.) 8 Männer, 2 Frauen und 4 kleine Kinder fand man verbrannt. Man will wissen, daß dieser Brand von den Nihilisten gelegt war. Vom Bürgermeister der Brandstätte verlangte man Tags zuvor dem Revolutions-Comitee 200,000 Rubel Kontribution zu zahlen. In Moskau sollen die Nihilisten wirklich am 23. Juni die Manusaktnrwaarenfabrik des jüdischen Kaufmannes Klein in Brand gesteckt haben. Klein erhielt einen Tag zuvor eine Zuschrift vom Revolutions-Comitee, in welcher er aufgefordert wurde, 50,000 Rubel herzugeben, Klein übergab den Brief der Polizei und am 23. früh brach in seinen Magazinen Feuer aus, welches in kurzer Zeit Maaren im Werthe von 21,000 Rubel vernichtete. (Anm. d. Red. Wie unverschämt, der Mann hatte nur für 21,000 Rubel Waare und man verlangte von ihm 50,000 Rubel). Dagegen entnehmen wir demselben Blatte etwas Erfreulicheres: Auf seiner Inspektionsreise kehrte der Ungarische Landescommandirende Baron Edelsheim in Begleitung von 60 Offizieren in der Stadt Ungmar im Hotel „Zur Krone" ein. Als am Samstag bei der Der Sarg — ohne irgend welche Verzierung, ganz einfach bedeckt mit schwarzem Tuch — stand im Vorzimmer zur rechten Seite der prächtigen Halle. Auf dem Sarge lagen umhergestreut auserlesene, wohl duftende Treibhauspflanzen und andere Blumen. Viele Kränze waren geschickt worden von liebenden Verwandten und Freunden; die größten unter denselben von Familienmitgliedern aus Paris und Ferneres. Am Fuße des Sarges brannte die gewöhnliche Lampe. Alle diejenigen, welche sich im Trauerhause versammelten, gingen durch dieses Zimmer in den größeren, anstoßenden Empfangssaal, wo die männlichen Mitglieder der Familie sich befanden. Dieser Saal war bald gedrängt voll, ebenso wie sämmtliche Korridore und die Vorhalle. Unter den Anwesenden bemerkte man Se. Excellenz den Brasilianischen Minister Viscount Barrington, M. P. Hon. Robert Bourke, M. P. Chevalier de Correa, Hon. Rob. Grimston, Sir Julian Goldsmid, M. P. Sir Benjamin Phillips. Sir Alb. Sassoon, Sir Werner Harcourt, M. P. Sir Barrow Ellis, Comte Alex. Konarsky, Baron de Vall, Baron Henry de Worms, Baron G. de Worms, Baron de Stern, M. John Samuel, Captain Hon. Falke Grebille, Captain Hon. John Aorke, R. N. Sir Coutts Lindsay, Sir David L. Salomons, Mr. Serjeant-Simon, M. P. Chevalier Ferdinand Krapf (Director des Handels- Abreise der Kommandirende vom Hotelbesitzer, der ein Jude ist, die Rechnung verlangte, erklärte dieser, daß er am m kein Geld nehmen darf und daß er sich freue als Ungar die Herren bewirthet zu haben. Da wandte sich Baron Edelsheim an die Offiziere mit den Worten: Sie sehen meine Herren, daß die Juden in Ungarn nicht nur die Bürgerlichen Rechte erlangt, sondern auch die alte Tugend der Ungarn, die Gastfreundschaft sich angeeignet haben. Hoch! die Ungarischen Juden! diese Worte des edlen Barons verdienen verewigt zu werden. Bonn, 14. Juli. In fast allen politischen Blättern wimmelt es von Nachrichten über die Judenfrage in Rumänien. Wie es scheint, geht die Geduld der fünf Großmächte zu Ende. Wir geben in Nachstehendem die jüngsten Berichte aus dem Wunderländchen: Bucharest,8. Juli. (Telegr.) Der officiöse Romanul unterzieht die von der Commission zur Revision der Verfassung beantragte Lösung der Judenfrage einer lebhaften Kritik und hebt dabei hervor, daß die Regierung (wie aus der letzten Sitzung bekannt) schon erklärt habe, sie könne angesichts der Gefahren, welche diese dem Artikel 44 des berliner Vertrages keineswegs entsprechende Lösung der Judenfrage für Rumänien in sich berge, dem Anträge der Commission nicht zustimmen: — 9. Juli. Die Journale „Telegraful" und „Romania libera" besprechen das Programm der Verfassungs - Revisions - Kommission und weisen die darüber hinausgehenden Concesstonen in der Judenfrage zurück. „Romania libera" bemerkt hierzu ferner, daß wenn Europa mit der vorgeschlagenen Lösung der Judenfrage unzufrieden sei, es Rumänien ertragen werde, noch einige Zeit in nicht vollständig anerkannter Unabhängigkeit zu verbleiben. Wien, 9. Juli 6 Uhr 50 Min. Nachm. (Privattelegr. des Berliner Tagebl.) Aus Bukarest wird gemeldet: In der Kammer wurde ein Antrag auf dreimonatliche Vertagung eingebracht. Ministerpräsident Bratiano bekämpft auf das Schärfste diesen Antrag, den er als ein durchsichtiges Manöver bezeichnet, die Lösung der Judenfrage ebenso lange hinauszuschieben. Man hält allgemein in Folge dessen eine Ministerkrisis für unvermeidlich, da die Kammer nicht nachgeben will und eine Auflösung derselben nutzlos wäre: denn Kenner des Landes erachten eine Zweidrittel- Majorität für die Judenemanzipation geradezu unmöglich. Bucharest, 11. Juli. Die Regierung erklärte in der Kommission und den Sektion der Kammer, daß sie nur eine solche Lösung der Judenfrage annehme, welche dem Berliner Vertrage entspreche; für jede andere Lösung lehne sie die Verantwortung vollständig ab. Trotzdem gilt die Annahme der Kommissionsanträge für wahrscheinlich. Hieran schließen wir eine Nachricht aus dem Wiener Israelit: Zu der rumänischen Judenfrage ist die erfreuliche Nachricht zu verzeichnen: die Regierungen Deutschlands, Englands, Frankreichs, Oesterreichs- Ungarns und Italiens haben eine strenge Note an Rumänien gerichtet, damit der Artikel 14 des Berliner Vertrages so schnell als möglich ausgeführt werde, und wenn nicht, so werden die fünf Großmächte schon andere Wege finden, um Rumänien zur Gehorsamkeit zu bringen. Die Gleichstellung der Israeliten muß folgen. 'Wie wir aus einer zuverlässigen Quelle erfahren, beabsichtigen die fünf Großmächte Oesterreich-Ungarn mit der Aufgabe zu betrauen, Rumänien militärisch zu besetzen und die Juden-Emanzipation durchdepartements bei der Oesterreich-Ungarischen Gesandtschaft), Baron Weisweiller, Captain Helbert, Mr. E. L. Lawson, Dr. Dobree Chepnell, Revd. Dr. H. Adler, Prof. D. W. Marks, B. H. Ascher, A. L. Green, B. Berliner, M. Haines, S. Gollancz, I. Harris, R. Harris, M. Hast, M. Keizer, A. Löwy, S. Lyons, P. Ornstien, I. Piperno, S. Roco, I. Samuels, S. Singer, H. Wafferzug, Chevalier I. de A. Elmaleh, Oberrabbiner von Mogador; Dr. A.Asher, Dr.M. Davis, Dr. Krappe, Major Shell, Lieut. Hans v. Bleichroeder, Mr. Beaumont, M. P. Mr. Birch (Gouverneur der Bank von England), Mr. Wilson, Mr. C. Flower, Mr. I. M. Montefiore, Mr. Nathaniel Montefiore, Mr. Arthur Cohen, G. C. Mr. N. B. Cohen, M. Lambert,'M. Simon Kanoni, Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Oran (Algerien) Louis Davidson, Henry, H. Hyams, Sampson Lucas, H. Lumley, F. D. Mocatta, Arthur I. Waley. Um 1/210 Uhr defilirte vor dem Sarg die gesammte männliche und weibliche Dienerschaft des Rothschild'schen Hauses vorbei und man konnte wohl aus ihren betrübten und niedergeschlagenen Zügen herauslesen, wie sehr sie alle den Verlust des gütigen Herrn beklagten. Punkt 10 Uhr wurde der Sarg in den Leichenwagen gehoben, und die Leidtragenden begaben sich aus dem Trauerhause um an dem Leichenbegängniß Theil zu nehmen. (Forts, folgt.) zuführen. Wie eine Depesche aus Bucharest meldet, hat bereits der österreichische Gesandte den Auftrag erhalten, die rumänische Regierung aufzufordern unverzüglich den Großmächten bekannt zu machen, welche Maßregeln sie behufs der Gleichstellung der Juden zu treffen gedenken. Ferner schreibt das Berliner Tageblatt: Fürst Bismark soll dem rumänischen Geschäftsträger rund heraus erklärt haben, daß er Eile habe, den Berliner Vertrag auch in diesem Theile gewissenhaft ausgeführt zu sehen. Wenn Rumänien sich nicht alsbald entschließe, wirklich Ernst zu machen mit der Ausführung der übernommenen Verpflichtungen, so würde es seine Unabhängigkeit ebenso wieder verlieren, wie es dieselbe erhalten habe. Rumänien würde alsdann der Oberherrlichkeit des Sultans aufs Neue unterstellt und die türkische Provinz Rumänien werde dann auf Befehl des Sultans jene bürgerliche Gleichstellung aller Confessionen über sich ergehen lassen müssen, welcher es jetzt durch allerlei Winkelzüge zu entgehen trachte. Der einzige Staat, welcher bisher noch Rumänien vor den Wirkungen des reichskanzlerischen Zorns zu schützen versuchte, war Italien, allein auch dieses hat begonnen, Angesichts des wirklich bösen Willens der rumänischen Kammer sich von der Regierung des Fürsten Karol abzuwenden. Man wird daher die nächsten Kammerdebatten im rumänischen Parlament aufmerksam verfolgen müssen, da sie für die Zunkunft jenes Landes entscheidend werden dürfen. Bonn, 14. Juli. Der Lemberger Zeitung entnehmen wir, daß der Oberrabbiner zu Krakau, mit großer Majorität als Reichstagsabgeordneter gewählt ist. Es ist der erste Rabbiner in Oesterreich dem diese Ehre zu Theil wurde. Bonn. Die jüdische Gemeinde Elbeuf in der Normandie hat den Tod eines hervorragenden Mitgliedes zu betrauern. Am 15. Juni ward der Fabrikant Moritz Blin zu Grabe getragen. Wie der „Arch. isr." meldet, war der Verblichene ein thätiges Mitglied der Alliance und der Hülfsgesellschaft für die Schulen Jerusalems; die Arbeitsschulen in Straßburg und Mühlhausen hatten sich seiner besonderen Unterstützung zu erfreuen. Frankreich ehrte Blin durch den Orden der Ehrenlegion; seit 1872 war er Mitglied der Handelskammer. Viele werden dem Heimgegangenen ein ehrenvolles Andenken bewahren. Coblenz. Der israelitisch Religions-Unterricht am Gymnasium wird in 2 Abtheilungen (Sexta — Untertertia, Obertertia — Prima) mit je 2 Stunden ertheilt. Hebräisch ist ausgeschlossen. Herr Direktor Dr. Biesfeld, der die Angelegenheit sehr warm unterstützt hat, hat mit dankenswerthem Entgegenkommen den Stundenplan so geändert, daß die untere Abtheilung Montag und Donnerstag von 11—12 Uhr unterrichtet werden kann. Die Schulbücher von Baeck und Cassel werden den Schülern in die Hand gegeben. I. W. S. Berlin. Die christlich-sociale Arbeiterpartei hielt am 27. Juni in einem Lokal der Bergstraße eine Versammlung ab. Nach Erledigung der Tagesordnung ward dem Vorsitzenden, Hofprediger Stoecker die Frage vorgelegt: „Dürfen Juden Mitglieder der Partei werden?^ „Ja wohl'meine Herren, wenn die Juden Christen werden" antwortete Stoecker unter großem Beifall der Versammlung. In hauptstädtischen Kreisen kursirt die Nachricht, daß bereits 20 Juden, darunter 2 Rabbinen unter Stoeckers Leitung sich um Uebertritt in das Christenthum vorbereiten, um an der christlich- (Rothschild und Sons in London.) Die Herren Rothschild und Söhne bringen zur Anzeige, daß in Folge des Ablebens des Barons Lyonel von Rothschild das Geschäft der Firma von dessen Söhnen, Sir Nathaniel Meyer de Rothschild, Alfred Charles de Rothschild und Leopold de Rothschild fortgeführt werden wird. Posen. Hochgestellte Persönlichkeiten, besonders Militärs, lieben nicht den Verkehr mit Juden — »es. riecht nach Knoblauch", „Lau de Knoblauch" — nur bei besonderen Gelegenheiten, bei denen der Juden Geld auch für allgemeine Zwecke, für eine Kirchenglocke, ein Denkmal u. a. gebraucht wird, lassen sich diese Herren herbei, ein paar freundliche Worte sich mit klingender Münze zahlen zu lassen. — Der hiesige General von Kirchbach ist ein Verwandter des Malers Professor von Heyden. Das Posener Stadttheater bedarf eines Vorhanges; die Anfertigung desselben wird Heyden übertragen. Der Vorhang ist kostspielig, General von Kirchbach, Heydens Verwandter — er überwindet seine Abscheu gegen das Volk Gottes und stattet persönlich etlichen und zwar besonders begüterten jüdischen Familien seinen Besuch ab. In Posen meint man nun — wie dem „Berliner Börsen-Courier" geschrieben wird, — der Vorhang sei zwar von Heyden gemacht, aber von Juden bezahlt.

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