Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Bote · 1879-07-17 · 29 (17.7.1879) · p. [Seite 3]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
29 (17.7.1879)
Date
1879-07-17
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9620169-9625151-9624081--207-9624084
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

sozialen Arbeiter-Partei theilzunehmeri; für einige Convertiten stehen Staatsämter in Aussicht. B. D. Berlin. Einen eigenthümlichen Druckfehler hat der amtliche stenographische Bericht vom Reichstage begangen. Bei der Beantwortung der Münzinterpellation sagte Fürst Bismarck: „Ja meine Herren, da setzen Sie mich in die Lage, die durch eine hübsche Geschichte aus einem Gedichte von Chamisso trefflich illustrirt wird: ein Student wirft mit einem Stein nach einem Juden, der Jude bückt sich und der Stein zertrümmert eine «scheibe. Nun soll der Jude die Scheibe bezahlen, weil man ihm sagt, wenn er sich nicht gebückt hätte, so wäre die Scheibe nicht zertrümmert worden." Nach dem Fürsten Bismarck sprach Bamberger. In seiner Replix äußerte sich nun der Reichskanzler nach dem stenographischen Berichte wörtlich wie folgt: „Der Herr Vorredner hat mein Beispiel von dem Bamberger Juden sehr viel schneller verwirklicht, als ich glaubte, daß es möglich wäre." Die Volkszeitung bemerkt hierzu: Wir nehmen an, daß nur der Setzer aus dem Juden von Lemberg den Juden Bamberger gemacht hat; für die berühmte „seine Malice" des Reichskanzlers wäre der plumpe Scherz zu unfein, dergleichen sagt man wohl unter vier Augen, aber nicht vor „versammeltem Kriegsvolk". Immerhin scheint eine Erklärung darüber geboten, ob der Bamberger Jude dem Reichkanzler oder dem Setzer angehört. Berlin. Dem durch das Eingehen der Elkan'schen Restauration am Platze gefühlten Bedürfniß eines streng rituellen Restaurants, welches zugleich den Ansprüchen der Gegenwart genügt, wird durch die Eröffnung des Restaurants Ury in der ersten Etage des Hauses Neue Friedrichsstr. 47 vis-a-vis der Börse abgeholfen. Auf die äußere Ausstattung ist große Sorgfalt verwendet worden; es wird die Hauptaufgabe des neuen Unternehmens sein, den streng religiösen wie den lucullischen Bedürfnissen der Jetztzeit im Verein zu genügen. In ritueller Hinsicht bürgt der Name der Frau Frank, der Wittwe des bekannten Restaurateurs, welcher der bezügliche Theil des Restaurants unterstellt ist, für die Erfüllung der geltenden Vorschriften. Bei der Eröffnungsfeier am 1. Juli waren Glaubensgenossen aller Parteien vertreten. Berlin. Frau Lina Morgenstern ist hier als Frauenvereinlerm, als vielthätige und scharfzüngige Samaritanerin wohlbekannt. Sie hat in der deutschen Hauptstadt und in anderen deutschen Städten eine Reihe wohlthätiger Anstalten in's Leven gerufen, sie war es, die in den Kriegen des letzten Decenniums Hunderten und Hunderten von Verwundeten hilfreiche Pflege verschafft und noch heute dehnt sie den Rayon ihres Samaritanerthums unermüdlich weiter. Der Kaiser hat denn auch ihre Verdienste anerkannt und die in den besten Jahren stehende, zum Embonpoint neigende Dame erschien bei den letzten Hoffestlichkeiten mit den Auszeichnungen des eisernen Kreuzes und des Frauen-Verdienstkreuzes, die sie mit Anstand und Würde auf der bordeauxrothen Atlasrobe trug. Aber die Dame hat, wie gesagt, nicht nur die hilfreiche Hand, sondern auch die Zunge, die sich selber zu helfen weiß. Sie ist eine Berlinerin von schneidigster Sorte. Als die jungen Pagen, die sich um die Schlepp, n der Aristokratinnen eifrig zu schaffen gemacht hatten, sich ihr der Bürgerlichen, nicht ebenso dienstfertig erwiesen, wandte sie sich mit kurzem Tone an einen der Pagen: »Wer sind Sie, junger Herr?" — „Ich bin der Graf 36." — „Und Sie?" — „Ich bin Fürst Z." worauf die Dame, von den hohen Titeln ganz ungerührt, fortfuhr: „Nun wohl, Graf £. und Fürst Z., haben sie die Güte und richten Sie meine Schleppe." Ziemlich beschämt und mit Gesichtern, deren Scharlach das Roth der Pagen-Uniform noch überstrahlte, leisteten die jungen Herren dem so kategorisch ausgedrückten Wunsche Folge. — Wie dem hiesigen „Tageblatt" von Berlin geschrieben wird, hat die Kaiserin an die energische Schleppenträgerin Frau Lina Morgenstern folgendes Schreiben gerichtet: »Unter den zahlreichen erhebenden Kundgebungen zur Feier Unserer goldenen Hochzeit, hat Mich die vom Berliner Haussrauenverein veranstaltete Sammlung zur Mithilfe am Neubau einer Kinderstation für ansteckende Krankheiten im Augusta- Hospital tief gerührt. Es ist Mir Bedürfniß, es auszusprechen, wie dankbar Ich diese Spende anerkannt habe, die Ich als Beweis verständnißvoller Theilnahme an der Fürsorge besonders hochschätze, welche die Mir nahe stehende Anstalt hilfsbedürftigen Kindern widmet. Berlin, den 19. Juni 1879. Augusta." Magdeburg. Die bekannte Landes-Produkten- Handlung Gebrüder -Friedeberg beging jüngst die Feier des 50jährigen Bestehens festlich. Die Inhaber haben aus diesem Anlaß, wie die »I. W. S." berichtet, der Stadt 10,000 Mk. überwiesen, mit der Bestimmung, daß die Zinsen alljährlich an zehn Arme vertheilt werden sollen, von denen fünf der Gemeinde- Vorstand und fünf der Magistrat vorzuschlagen habe. Bromberg. Anläßlich der Feier der goldenen Hochzeit des Kaiserpaares, hielt in der Synagoge an Stelle des erkrankten RabbinersHerrn Dr. Gebhardt Hr. Religionslehrer Cohn die Festpredigt. Herr Dr. Gebhardt, der inzwischen wieder hergestellt worden ist, ließ es sich nicht nehmen, trotz des bereits stattgehabten offiziellen Dankgottesdienstes, während der Haupt-Andacht, anknüpfend an das übliche Gebet für das Kaiserhaus in längerer Rede noch besonders den Segen des Himmels für dasselbe herabzuflehen. Die vom Herzen kommenden Worte machten einen so tiefen Eindruck auf die zahlreichen Andächtigen, daß kein Auge thränenleer blieb. Ostd. Presse. (Aus dem Großherzogthum Hessen) wird der „F.Z." gemeldet: Bei der Entlassung der Präparanden aus den Anstalten.zu Lich und Wöllstein wurde den israelitischen Präparanden durch die Direktoren der Anstalten im Aufträge des Ministeriums folgender Zusatz unter dem Aufnahmeschein beigefügt. Schließlich wird noch bemerkt, daß die israelitischen Seminaristen weder auf Religionsunterricht im Seminar, noch auf Verwendung zum öffentlichen Schuldienst nach ihrer Entlassung mit Sicherheit rechnen können." Wie wir nun vernehmen, will der Verein zur Unterstützung der israelitischen Seminaristen im Großherzogthum für den Religionsunterricht insoweit vorerst Sorge tragen, bis sich die Regierung dessen annehmen wird. Bei Anstellung der herangebildeten isr. Lehrer werden dann wohl die gesetzlichen Bestimmungen, daß alle Konfessionen gleiche Rechte genießen sollen, maßgebend sein. Wir theilen keineswegs die sanguinischen Hoffnungen der »$. Z." und bemerken, daß ein ähnlicher Vorfall an einer preußischen Anstalt dieser Art in der Provinz Posen statt fand; es handelte sich um die Gewährung der Subsidien, welche dem einzigen jüdischen Präparanden versagt und erst in Folge einer Beschwerde zugestanden wurde. G. Holland. C. W. M. O. Amsterdam, im Juli. Sir Moses Montesiore, der beinahe hundertjährige Greis sprach jüngst die Absicht aus, neuerdings die Reise nach Kutais zu unternehmen. Da aber inzwischen die wegen der falschen Anschuldigung in Haft gewesenen sieben Israeliten frcigesprochen wurden, ist die Reise unterblieben. Wäre dies nicht geschehen, so hätte der edle Menschenfreund trotz des Abrathens seiner Angehörigen und seiner Aerzte sich nicht davon abhalten lassen. Jndeß sucht Montesiore durch Verbreitung seiner Schrift den unsinnigen Anschuldigungen wider die Juden entgegenzutreten. Oesterreich. Wien. Herr Dr. Adolf Sachs, welcher bis jetzt österreichischer Konsul in Adrianopel war und dort für unsere Glaubensbrüder heilsam wirkte, ist nun zum Regierungsrathe in Mostar ernannt worden. Dr. Sachs ist als erfahrener Kenner des Orients und als Statistiker rühmlichst bekannt. W Isr. Rustland. Petersburg. Die Nachricht von der Ermordung der 6 Juden zu Satschkeri bei Kutais hat sich G. s. D. nicht bestätigt. Herr Zederbaum, Redakteur des »Hamelitz" hat von angesehenen Männern aus Odessa für seine erfolgreichen Bemühungen zu Gunsten der angeklagten Juden zu Satschkeri eine prachtvoll ausgestattete Dankadresse erhalten. Literarisches. In unserer im Allgemeinen zum Fortschritt geneigter Zeit, in unserer Zeit, wo das Judenthum selbst seinen Ruhm darin setzt, möglichst viele der alten Ceremonien aufzugeben, müssen wir das Erscheinen eines Buches willkommen heißen, das dem alten Brauche der Barmizwa-Reden gewidmet ist. Ich meine die Confirmations-Reden von Elias Karpeles, Rabbiner zu Loschitz in Maehren. Das vorliegende Werk trägt viele Vorzüge in sich, so daß es nur dringend allen Lehrern, die Gelegenheit bekommen, Reden für Confirmanden zu besorgen, empfohlen werden kann. Zuvörderst muß ich die Schönheit der Anlage des ganzen Werkes hervorheben; ein anderer Vorzug besteht darin, daß es so recht schön dem jugendlichen Alter und Geiste angepaßt ist. Der Verfasser will, daß der Knabe seinen Gott, seine Religion lieben lerne, daß er nacheifere unfern Ahnen, daß er glaube an die Wahrheit der Offenbarung, daß er beherzige die Lehren der heiligen Thora-Vorschriften, die in unserer Zeit nur zu häufig bei der Erziehung der Kinder vergessen werden. Gefallen erregt ferner die durchgängig gewählte Sprache, die sich an rechtem Orte zu einem Bilde versteigt; doch niemals über das Verständniß des Knaben hinaus. Möge das Buch tm Zweck, den der Verfasser im Auge, erfüllen, möge es einführen wieder Gottesfurcht und altjüdische Sitte in die Häuser unseres Volkes, in die Herzen unserer Jugend! Enoch. Briefkasten der Redaktion. Herrn L. M. in Berlin. Wir danken Ihnen für die Zusendung des Volks-Zeitungs-Artikels »Recht zum Betreten eines jüdischen Friedhofes". Sie vermutheten richtig. Den bezeichneten Artikel haben wir bereits vor Jahr und Tag gebracht; er findet sich in einer Berliner Korrespondenz in Nr. 48 des vorigen Jahrganges (28. November). Daß Kalauer nach Decennien periodisch die Reise durch die Presse machen, ist man schon gewöhnt. Wie aber ein so gut redigirtes Blatt wie die „Berliner Volks-Ztg." sich dieses Vergehens schuldig machen kann, ist uns unbegreiflich. R. D., H. Lassen Sie sich ein Patent darauf geben. Scharmbeck b. Bremen, 10. Juli 1879. Herrn M. Baum in Bonn! Indem der Unterzeichnete Vorstand Ihnen den wärmsten Dank sagt für Ihre Freundlichkeit und Ihre Bemühung in Betreff der abgebrannten Wwe. Simonsohn hier, erlaubt derselbe sich, behufs Aufnahme in Ihre geschätzte Zeitung, Ihnen die an uns in Folge des Aufrufs eingegangenen Gaben untenstehend anzugeben. Im Voraus Ihnen für freundliche Aufnahme besten Dank sagend, zeichnet Hochachtungsvoll Der Vorstand E. Ries, I. Gotth elf. Durch Herrn Bezirks-Rabbiner Dr. Fuldland in Dürkheim (Pfalz) ..... 8 M. Lehrer A. Beckhöfer, Sulzburg i. d. Neumark.25 „ S. Spiro in Heinsburg Regbz. Aachen .1 „ I. M. Davidsohn, Kopenhagen 20 „ L. S. Weinberg, Haltern . . 3 „ Cultusbeamte in Rybeck . . . 3 „ L. Harf in Altena . . . . 10 r> I. A. Berend in Friedrichstadt . 63,40 Jac. Hecht in M.-Gladbach . . 34 DK B. Löwenstein in Levern . . . 6 „ M. Löwenstein in Münster . . 3 „ Meyer Levy in Breslau . . . 3 „ N. N. (Poststempel unleserlich) . 3 „ F. P. Landsberg.3 „ H. Ascher in Neustadt . . . 4 „ Zadik Rapp in Reibach . . . 2 „ H. Rothschild in Alsfeld . . 39,10 Lehrer Werthan in Frankenau b. Frankenberg.8,30 Gebr. Simson in Suhl . . . 15 M. D. A. de Vries in Leer ... 3 „ A. Sp. in Frankfurt a. M. .5 „ Gebr. Jacobsohn in Heede bei Ascheadorf .2 „ Moritz Haas in St. Ingbert (Pfalz) 1,50 Gartatowskie, Darkelmaer . . 3 „ B. S. Feldheim, Hengstfeld . 18 „ Lehrer L. Frankenftein, Osnabr. 15 „ W. 301,30 Bei der Expedition dieses Bl. eingegangen: von N. N. in L. . . 10 M. Summa 311,30 Den freundlichen Spendern besten Dank sagend, nimmt weitere Gaben dankend in Empfang D. O. So eben ist erschienen: dto ropb nnsD oder 150 Tabellen zur sofortigen Umwandlung jük u. bürgerlicher Daten ohne Berechnung, von L. Cohen, Lehrer in Rees a. Rh. Selbstverlag des Verfassers und in Commission bei I. Kauffmann in Frankfurt a. M. 10 Bogen br. 8. Preis auf Druckpap. 2,25 Mk., auf Schreibp. 3 M., auf starkem Schreibp. 3,75 M. 2423 n » n n n » it ii V H n n » n II u n ii ti ii n ii n ii » n v II n n n v H II II II tl II 71 h tl II II II II II II II » II

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.