Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 25 (19.6.1879)
- Date
- 1879-06-19
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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denselben gebrachten Glückwünschen und große Verehrung bei Gelegenheit ihrer goldenen Hochzeitsfeier. Bonn. Wir entnehmen der „Jsr. Wochenschr." nachstehende Original-Correspondenz: Berlin, 9. Juni. Bekanntlich soll hier, nachdem Dr. Aub vom Predigen dispensirt ist, noch ein Prediger an der neuen Synagoge angestellt werden. Gestern wurde die Reihe der Probepredigten mit der des Herrn Dr. Oppenheim, Rabbiner in Thorn, eröffnet. Einer der nächsten Probeprediger soll Herr Rabbiner Dr. Guttmann (Hildesheim) sein. Das hier erscheinende orthodoxe (Hildesheimer'sche) Blatt ergeht sich bezüglich des Herrn G. in den bekannten Tiraden über das Breslauer Seminar, das schon mehrere Candidaten für Reformgemeinden geliefert habe u. s. w. Das so orthodox thuende Blatt scheint nicht zu wissen, daß sein eigener ehemaliger Redacteur der jahrelange Schüler und Hauslehrer des Directors des orthodoxen Rabbinerseminars, derselbe, um dessentwillen man gegenwärtig in Trier das Signal zum »Austritt" gegeben hat, daß dieser selbige Candidat der hochorthof doxen Partei, Herr Dr. Holländer, Rabbiner in Wreschen, gleichzeitig, wie ich aus zuverlässigster Quelle weiß, in Stettin candidirt, woselbst bekanntlich eine Orgelsynagoge ist, und das Geiger-JM'sche Gebetbuch Eingang gefunden hat!!! Wo sind denn nun die Grenzen zwischen dem Berliner und dem Breslauer Seminar? Wir könnten noch mit mehreren Parallelen auswarten, — vielleicht j ein andermal. Am meisten sind die armen düpirten „Austrittler" in Trier zu bedauern, die sich ganz unnöthiger Weise in Unkosten stürzen. (Wir wissen nun, daß Hr. Dr. Holländer, als er erfuhr, daß hier Orgelgottesdienst rc. eingeführt werden sollte, seine Candidatur für Bonn zurückgezogen hatte. Mit Stettin aber, wenn es wahr sein sollte, ist es ein ganz anderes Verhältniß, indem vielleicht Herr Dr. H. die Hoffnung hegt, durch sein Wirken die Orgel rc. ganz zu beseitigen, nicht so wie es seitens des Hrn. Rabbiners Dr. Rahmer, des jetzigen Redakteurs der „Jsr. Wochenschrift", geschehen, als derselbe an Stelle des Hrn. Dr. L. Philippson in Magdeburg, das Rabbineramt antrat. Die Orgel verstummte zwar aber bei Hochzeits- und anderen Festlichkeiten, die an Wochentagen*) gefeiert werden, z. B. Kaisers Geburtstag, Ledanfeier rc. wird sie benützt, wie man uns noch vor Kurzem von glaubwürdiger Seite versicherte. Wir meinen daher, Hr. Dr. Holländer, noch die Gemeinde Stettin mögen sich nicht abschrecken lassen, Rabbiner und Gemeinde mögen das Beste veranlassen. Die Herren Rabbiner Dr. Frank in Cöln, Herr Landesrabbiner Dr. Meyer in Hannover, Herr Oberrabbiner Dr. Horowitz in Crefeld, Dr. Wedell in Düsseldorf und noch viele Andere werden es bestätigen müssen, daß der Gottesdienst, welcher in ihren Gemeinden ohne Orgelklang abgehalten wird, selbst dem liberalsten Israeliten genügen kann. Warum denn gleich ein solcher Angstruf ausgestoßen, wenn ein Orthodoxer sich nach einer Gemeinde meldet, wo bis jetzt georgelt wurde? man sollte bald meinen, es bestände ein gewisses Geheim-Partheichen, welches stiller Theilhaber der Orgelfabriken ist. *J In der bekannten Broschüre von Herrn David Deutsch, betreffend die Orgel in der Synagoge, (stehe Näheres Nr. 8 u. Bl. 1. S., 2. Rub. 4. Jahrg.) heißt es in derselben S. 42,43 u 82: Ich wiederhole, daß ich glaube, bereits das Gegentheil nachgewiesen zu l haben, und daß daher das Orgelspiel in der Svnagoge sogar an I Werktagen, gesetzlich streng verboten ist. ' - Bonn, 17. Juni. Der »Würlembergischen Landeszeitung" entnehmen wir aus Hamburg: Der Zuschlag der Hamburger Renten-Konverfions- Anleihe von 14 Millionen Mark ist soeben an die Hamburger Kommerz- und Diskontobank in Gemeinschaft mit Jakob Landau in Berlin ertheilt worden. (Die Concurrenz für die Häuser Rothschild und Bleichröder mehren sich.) Dasselbe Blatt berichtet: Bukarest, 15. Juni. Das Regierungs-Organ Romauul fordert die Kammern auf, die Frage der Judenemancipation nunmehr möglichst rasch zu erledigen, um die politische Situation des Landes zu consolidiren, da jede Zögerung die Schwierigkeiten vergrößern würde. (Diese Toleranz ist nach unserem Dafürhalten besser als alle überschwängliche langweilige Zeitungsartikel.) (Red. d. Jsr. Boten, Bon«. Der „Jüd. Presse" zufolge, hat Herr Dr. Oppenheim, Rabbiner zu Thorn, in Berlin eine Probepredigt gehalten. Die große Kritik schließt mit den Worten: So wäre denn glücklich diese erste Probepredigt überstanden; was der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde dazu sagt, wissen wir bereits: Herr Dr. Oppenheim wird nicht Prediger in Berlin werden. Was aber der Vorstand in Thorn dazu sagen wird, das muß abgewartet werden. , Bon«. Herr Jakob Plaut in Leipzig hat bekanntlich seiner Vaterstadt Nordhausen zur Ehre des Kaistctages 300,000 M. zur Gründung einer Altersversorgungsanstalt überwiesen. Es ist dies' mit der ausdrücklichen Bedingung geschehen, daß arme und würdige, über 50 Jahre alte hilflose Personen der Kommune ohne Unterschieb des Geschlechts, der Religion nnd des Standes in dieser Anstalt eine Zufluchtsstätte finden sollen. Dem fürstlichen Geschenke reiht sich ein zweites an. Ein Schwager des Obengenannten, Herr Frenkel, spendete zu dem Zwecke ein großes Grundstück von bedeutendem Werthe. Posen. (Der Talmud und das Evangeliums. Unter diesem Tnel ist soeben, wie das „P. Tgbl." meldet, unter Leitung und auf Kosten des reichen polnischen Grafen Xaver Branicki eine polnische Druckschrift in Paris herausgegeben worden, welche aus mehr als einem Grunde den Zorn des in religiösen Dingen überaus engherzigen „Kuryer poz." erregt hat. Verfasser der Druckschrift ist der polnische Rabbiner Elias Solowiejczyk, der darin nachzuweisen sucht, daß die in dem Evangelium niedergelegken Wahrheiten nur eine Wiederholung dessen seien, was schon früher im alten Testament und vornehmlich in den Commentaren zu demselben, dem Talmud, enthalten und darum nichts Neues gewesen sei. Mehr noch als der jüdische Ursprung und der Inhalt der Druckschrift hat den „Kuryer poz." der Umstand in Harnisch gebracht, daß der Herausgeber der Druckschrift ein polnischer Magnat ist und daß derselbe die Druckschrift nicht nur mit einer empfehlenden Vorrede versehen, sondern sich nicht gescheut hat, sie dem Prälaten Wladimir Czacki, Mitglied der Congregation des Index und Secretär der Congregation für die außerordentlichen Angelegenheiten der Kirche, zu dediciren. In der Vorrede legt Graf Branicki dem Judenthum eine große, von Gott ihm übertragene Mission bei, welche in der Erhaltung und Verbreitung des reinen Monotheismus in der Menschheit bestehe. Diese providentielle Mission sei von ganz besonderer Bedeutung in der gegenwärtigen Zeit, wo zwei verschiedene Strömungen das religiöse Leben der Völker beeinträchtigen und dem Unglauben Vorschub leisten. Die eine dieser Strömungen sei der Pantheismus, die andere der Positivimus. Der Pantheismus sei weiter nichts als der der praktischen Idee entbehrende Posttivismus und der Positivismus sei die heuchlerische Maske des Atheismus. Wie das 15. Jahrhunderr mit seinen Erfindungen und Entdeckungen den Umsturz der socialen Verhältnisse erleichtert und beschleunigt habe, so werde das 19. Jahrhundert mit seinem ungeheueren Fortschritt auf dem Gebiete des praktischen Wissens, mit der Entdeckung des Dampfes, der Elektricität, des Dynamits, des Telephons, des Telegraphen u. s. w. irgend welche Änderungen auf dem Gebiete des Glaubens und der religiösen Begriffe erleichtern und beschleunigen. „Die Juden — so schließt die Vorrede —, welche mit den Anhängern des Koran den Glauben an einen Gott bekennen, können eine starke und mächtige Mauer werden gegen die Ueberfluthungen der pantheistischen und positivistischen Strömungen; denn in ihrem Monotheismus besitzen sie eine ausgezeichnete Widerstandskraft gegen jene verderblichen Doktrinen." W. Rußland. Moskau. Jüngst hatte man dem Pöbel das Märchen eingeredet, ein an der Krimbrücke postirter, jüdischer Soldat, habe 12 christliche Kinder ermordet und deren Blut an seine Glaubensgenossen verkauft, die es zu rituellen Zwecken benutzen wollten. Darüber war die Wuth des Pöbels aufs Höchste gestiegen, denn die Aufregung infolge des Vorfalles in Kutais hatte sich noch nicht gelegt. Der oben erwähnte Polizeisoldat mußte abgelößt und durch einen andern ersetzt werden. Dieses hatte aber eine noch größere Aufregung zur Folge, denn nun glaubte man, das Verbrechen sei wirklich begangen und der vermeintliche Verbrecher sei zum Tode verurtheilt. Trotzdem die Polizei-Organe das aufgeregte Volk zu beschwichtigen und es von der Falschheit seiner Meinung zu überzeugen suchte, beharrte das Volk bei seinem Glauben und stieß die ärgsten Drohungen und Schmähungen gegen die Polizei aus, von der man wähnte, sie mache gemeinschaftliche Sache mit dem Mörder. Man verlangte aufs Heftigste den vermeintlichen Mörder heraus, auf daß er erschossen werde. Selbst aus den bald darauf erschienenen Polizeimeister, der die Aufgeregten zur Ruhe aufforderte, stürzte man sich unter lauten Verwünschungen mit Faustschlägen, sodaß derselbe flüchten mußte. Derselbe kehrte eiligst zur Stadt zurück und schickte sogleich eine Truppenabtheilung, die die aufgeregte Menge von allen Seiten umringte, ja, eine Gewehrsalve auf dieselbe abfeuerte. Die Patronen waren blind und sollten nur der Menge Schrecken einjagen. Unerklärlich ist es, daß hierbei trotzdem mehrere - schwer verwundet und zwei Personen sogar todt auf dem Platze gefunden wurden. Ueber hundert Personen sind verhaftet worden. Sämmtliche Fensterscheiben des Polizeigebäudes sind mit Steinen eingeworfen worden. Zum goldenen Hochzeitsfefte des Deutschen Kaiserpaares am II. Juni 1879. Ged. von Nepomuk Mainzer, componirt von Rudolph Hubert, Dirigent des Deutzer Männer-Gesangvereins. Ein hohes Glück ward Dir beschieden Dir deutschen Reiches Kaiserpaar, Wie selten Eltern wird hienieden Im Kreis der Kinder, Enkel Schaar. Euch strahlt des Lebens gold'ne Sonne An Eurem gold'nen Hochzeitsfest. Euch la<bt des Lebens reinste Wonne, Des Volkes Lieb, das Allerbest. Ward Euch zwar auch gar manche Sorge Und traf Euch auch oft herbes Leid. Ihr wußtet Euch in Lieb geborgen Im Herz des Volkes allezeit. So segne Gott die heillge Stunde, Wo Ihr vor seinem Traualtar Euch neu vereiniget zum Bunde, Und schenk Euch noch manch' Lebensjahr! Vermischtes. — Wie wir hören, zeichnete sich bei der Illumination das Haus des kais. und königl. Hoflieferanten Johann Hoff besonders aus durch das blendende Licht der Opferschalen, der flammenden Adler und die bengalischen Flammen, durch welche sich die Fayade in zauberhaftem Glanze hervorhob. Dazu kam noch ein riesiges Transparent, das, von der Kaiserkrone bedeckt, folgenden Vers in einem goldig leuchtenden Kranze enthielt: Gott gab dem hohen Kaiserpaar Ein frohes Jubelhochzeitsjahr; Gott schütz' sein Leben, dieses theure, Daß es die Eisenhochzeit fei're! Berichtigung. In der Todes-Anzeige A. Hirschhorn in voriger Nummer soll es heißen: Vater rc. da der Verstorbene 4 Kinder hinterließ. Avis. Der Unterzeichnete sah sich veranlaßt, wegen des Religionsunterrichtes dahier einen Lehrer für seine Kinder zu gewinnen. Im Interesse derjenigen, welche seit dem Bestehen der bnp min sich das Verdienst erworben für unsere hl. Lehre zu eifern, bietet sich nunmehr die Gelegenheit dem wahren und nöthigen Bedürfnisse für ihre Kinder abzuhelfen. Der betreffende Lehrer stellt nur ganz bescheidene Ansprüche. Auf eine rege Betheiligung hofft der Unterzeichnete, damit das Honorar bald zur Genüge festgestellt werden kann. Dieses schöne Werk wird jedem Zeichner zu einer besonderen Ehre gereichen, weil es an einem Tage ausgeht, wo so viele mildthätige Stiftungen in Aussicht stehen. Anmeldungen nimmt entgegen Bonn, 11. Juni 1879. Woritz Waum, Peterstraße Nr. 8. See-Bad Ostende. Meinen werthen Gönnern habe die Ehre anzuzeigen, daß ich mein Hotel, Restaurant nr^l rue longue 46 verlegt habe. Kann dieses besonders empfehlen, durch die nahe Lage zum Meere, die prachtvolle Einrichtung desselben und große Anzahl Zimmer. Hotel Frank tenu par Henriette Frank. Mein elterliches Haus Hotel Frank in Bruxelles, befindet sich jetzt: Place des Martyrs 13, welches ich zu gleicher Zeit empfehle. 2378