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Der israelitische Bote · 1879-06-19 · 25 (19.6.1879) · p. [Seite 2]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
25 (19.6.1879)
Date
1879-06-19
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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erfahren wir keine Silbe davon, daß sie sich an der Empörung ihres Vaters während ihres Gesammtverlaufs betheiligt hätten, so daß unsere Weisen sich veranlaßt sehen, die ersten Worte der Psalmen folgendermaßen zu interpretiren: nsyn mp bw 1^2 ibx inxn nt^x dtox nm 12m xbw Ebenso begegnen wir auf der freundlicheren Kehrseite unseres Bildes der Besonnenheit und dem Edelsinn eines klugen Weibes, der Frau des n^B p 'pX die nach der Ueberlieferung ihren Mann, der bereits in die Verschwörung mitverwickelt war durch eine geist¬ und gemüthvolle Zusprache dem gefahrvollen Blendwerk der Volksbeglückung noch rechtzeitig entzog und ihn so vom sicheren Untergange rettete, indem sie ihm die denkwürdigen Worte zugerufen haben soll: «Tö^n n:x nm iö *»xt n:x nm -id Vor allem aber ist es die Ruhe und die Besonnenheit, die Demuth und Bescheidenheit, die bekannte Menschen- und Friedensliebe Aharons, welche uns in unserer Begebenheit insbesondere anmuthet. Dies besagen die zwar kurzen, aber vielsagenden Worte Mosts: •vhv wbn *0 «in hd pnxi „Was ist Aharon schuld daran, daß ihr gegen ihn murrt". Wenn wir unserer Tradition folgen, so wurde der Hauptangriff der Verschwörung gegen Aharon gerichtet und dennoch schwieg derselbe und behielt seine Fassung. Er schwieg nicht deßhalb, weil es ihm an schlagfertigen Worten fehlte, denn dazu war er eben ein zu gewiegter Redner, aber er schwieg, weil er es ängstlich vermied, das Feuer der Zwietracht noch mehr zu schüren, die Gluth der aufgeregten Leidenschaften noch mehr zu entflammen, er schwieg, weil er den Frieden über Alles liebte! Endlich ist es noch in unserer Begebenheit, der Sieg der gerechten Sache über die Ungerechtigkeit, der Wahrheit über die Lüge, der Menschenliebe über die Menschenseindschaft, der in lichter Glorie unserem betrachtenden Auge sich gegenüberstellt. Indem wir mit unserer Betrachtung zu Ende sind, schließen wir mit einer kleinen Anekdote, aus welcher die Nutzanwendung sich von selbst ergibt. Der große Commentator V'jbh beginnt seine Erklärungen zu unserer Sidra mit den Worten: nt£H“TJ IT pittHS Ein witziger Maggid übersetzt dieselben wie folgt: „Ueber diesen Abschnitt läßt sich schön sprechen"! Dieser seiner eigenthümlichen Interpretation gab er auch die praktischste Folge. Denn mit einer einzigen Rede und zwar über Korach im Kopfe trat er seine Rundreise als Wanderprediger an, hoffend, daß sie überall am rechten Orte sein, überall ihre volle Wirkung thun werde, da ja das Korachthum bekannter Maßen nirgends und niemals ausstirbt, wie es also heißt: .inv *6 mp vqt Und die Nutzanwendung für uns-? Wo und wann auch immer das Korachthum dem Mosesthume entgegentritt, wo auch immer die Verirrung und Verblendung derWeisheit und Einsicht den Rang streitig macht und der Haß und die Feindschaft gegen die Menschen- und Friedensliebe zu Felde zieht, unsere dieswöcheniliche Begebenheit lehrt uns, auf welche Seite wir uns zu stellen haben! Dr. H. Tietz. Bonn, den 13. Juni 1879. Der 11. Juni, der goldene Kaiserstag, war vor Allem und zunächst durch die göttliche Fügung von dem Schönsten der Schönheiten beglückt und begnadigt, In diesem Betracht war das Leben des verstorbenen Barons ein Muster für die kaufmännische Welt, so wie es selten in den kaufmännischen Annalen angetroffen wird, denn obschon die Nothwendigkeit von Kühnheit und Vorsicht zur Erlangung eines großen Vermögens absolut erforderlich ist, so wird doch selten in Betracht gezogen, wie viel Scharfsinn und unermüdlicher Fleiß dazu gehört, um ein solches Vermögen zu erhalten. Im Jahre 1836 vermählte sich Lyonel de Rothschild, welcher in Göttingen erzogen worden war, mit seiner Cousine Charlotte, einer Tochter des Freiherrn Carl aus Frankfurt a. M. Sein Vater reiste nach Deutschland um an der Ceremonie Theil zu nehmen, wurde aber plötzlich krank und starb sogleich nachher und es war demgemäß das traurige Schicksal des jungen Brautpaares, die theueren Ueberreste des verstorbenen Vaters nach England zu begleiten, anstatt die ersten Monate ihrer ehelichen Verbindung in herkömmlicher glücklicher Zurückgezogenheit zuzubringen. Auf Lyonel de Rothschild ging nun über der Titel des Vaters und die Leitung des Hauses in St. Swithin's Lane. Unter seiner Direktion hat die Firma selbst die überschwänglichsten Hoffnungen seines ehrgeizigen Vaters übertroffen; denn ungeachtet der großen Concurrenz in den letzten Jahrzehnten und der hochgehenden Wogen finanzieller Stürme und Krisen, nämlich: durch die Natur. Schon bemächtigte sich Tages vorher eine bange Ahnung: Es sei auch morgen Regen und stürmisches Wetter, aber sobald die Trommeln zu wirbeln anfingen, der Fackelzug und die Beleuchtung des ganzen Nheinstroms begann, trat auch die Natur dem Kaisersfeste hülfreich zur Hand und in der That, es wurde wiederum das Kaisersfest mit dem Kaiserswetter verherrlicht. Die vielfachen Berichte aus allen Städten und Dörfern wo nur Israeliten wohnen über die stattgefundene Kaiserfeier auch nur annähernd wieder zu geben, ist eine Sache der Unmöglichkeit. Der Herausgeber dieses Blattes, Vorsitzender der Religionsgesellschaft i?X“it^ bilp veranstaltete natürlich eine Festseier, die, wenngleich unter minder großem Andrange, im Vereinslokale folgender Weise, Statt fand. Zuerst trug der Herausgeber d. Bl. den untenstehenden Psalm 92 in metrischer Uebersetzung, nach dem Religionsbuche des Herrn Rabbiners Dr. Schwarz y^"T vor. Darnach sprach Einer der Anwesenden, unter Zugrundlegung des Textes in der Sidrah “|pQ welche lautet: npT wwvm NX ONVNpl nsb rmn x\-i ^it*» ,mnt5N W>*pxa -nm vnx .12v>n INNE^V bx t^Xl TNTNX ^x v>x VN2^T Und heiliget das fünfzigste Jahr und rufet Freiheit aus im Lande all seinen Bewohnern, ein Jubel soll es auch sein und kehret zurück Jeder zu seinem Besitze und Jeder kehre zu seinem Geschlechte zurück. Derselbe stellte sodann eine Betrachtung an über das Leben und Wirken des edlen Monarchen und dessen Gattin, sowie über die Heiligung des 50. Tages und 50. Jahres bei den Israeliten, und brachte dies Alles in Verbindung mit dem Festtage. Dem Vortrage wurde volle Anerkennung zu Theil, die Bescheidenheit des Redners erlaubt es uns nicht, Weiteres hierüber zu referiren. Sodann wurde die heil. Lade geöffnet, Alles erhob sich, ein besonderes Gebet wurde gesprochen und dann "n"n vorgertragen. Darnach wurden acht Psalmen recitattv gesprochen, wovon der 150. den Schluß bildete. So suchten wir unserseits diese erhebende Feier mit unsern schwachen Kräften zu verherrlichen. In wiefern dies uns gelungen, mögen unsere geehrten Leser selbst beurtheilen. O, welche Lust, Gott unser Hort, Dir Preis und Dank zu bringen; Des Morgens Deiner Wahrheit Wort, Nachts Deine Huld zu singen; Mit Saitenspiel und Harfenklang, Mit Wonne und mit Jubelsang. Erfreut verkünd' ich Deine Macht Und Deiner Wunder Thatrn. Wie tief, was Du berathen! Wie Palmen schön, prangt, wer gerecht, Wie Cedern stark, wächst sein Geschtecht, In Gottes Hause ewig grün Stehn, die drin Wnrzel schlagen; Laß auch sie altern, frisch doch blüh'n Sie, wie in jungen Tagen; Der Welt zu künden fort und fort, Wie treu der Herr ihr Gott und Hort. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bonn. Unsere Leser werden sich noch unserer Notiz vom 15. Mai in Nr. 20 betreffend einer Schenkung des Hrn. Albert Cahn erinnern. Wir bringen nun etwas über die ausführlichen Bestimmungen dieser Schenkung aus dem Berichte der Stadtverordneten- Versammlung hier. Das Objekt besteht nämlich: 1) Nr. 9, im Krausfeld, Ackerland, 17 Ar 83 UM., 2) Nr. 10, daselbst, Garten, 1 Hectar 62 Ar 98 UM., welche die Lage des englischen Geldmarktes fast total verändert haben, hat die Firma die höchste Stellung in der Finanzwelt hehauptet und in ganz England ist ihr Name nicht allein sprüchwörtlich geworden hinsichtlich des Reichthums sondern auch hinsichtlich der Klugheit, der Ausdauer und Beharrlichkeit, der Emsigkeit und Unbescholtenheit. Es würde uns viel zu weit führen, wollten wir es auch nur versuchen, in ganz engem Rahmen einen Abriß zu geben von den großen Finanzoperationen, welche von Baron Lyonel de Rothschild glücklich durchgeführt wurden. Es war ein Grundsatz seines Vaters, daß er Nichts anzurühren pflegte, wa8 unglücklich gewesen war, wenn die Chancen für einen dereinstigen Erfolg noch so günstig waren, daß er aber durchlebe Schwierigkeit hindurch bis zum letzten Heller das zu unterstützen bereit war, wozu seine Sympathie ihn hintrieb. Dieses Princip war es, das sein patriotisches Handeln beeinflußte, die englische Regierung während aller Wirren zu unterstützen, welche Pitt's kriegerische Politik dem Lande brachte. Er vermittelte die Anleihe zur Zeit der irländischen Hungersnoth im Jahre 1847, er schloß ab die Türkische Anleihe im Jahre 1855 im Betrage von 5 Millionen Pfd. Sterl. gegen die Bürgschaft Englands und Frankreichs; er nahm auf 16 Millionen für den 3) Nr. 11, an der Kölner Chaussee, Hofraum, 5 Ar 23!IM., nebst darauf stehendem Wohnhause, 4) Nr. 12, daselbst, Hofraum, 10 Ar 23 cm, nebst darauf stehendem Wohnhause, Gartenhaus und Remise, 5) Nr. 167/14, daselbst, Ackerland, 10 Ar 23 UM., und 6) Nr. 235/8, im Krausfeld, Ackerland, 68 Ar 16 um Von diesen Immobilien im Gesammtwerthe von ca. 60,000 M. seien die Gebäude zu 42,500 M. versichert und der jährliche Ertrag der Ländereien 12521/2 M. Hinsichtlich der Verwendung der geschenkten Realitäten seien keine Bedingungen gemacht, dieselbe vielmehr ganz den Bestimmungen der Verwaltung überlassen worden. Dagegen habe der Schenkgebec die Bedingung gestellt, daß in dem zu gründenden Asyl 2 Freistellen für invalide Männer aus der Gemeinde Plittersdorf*) bewilligt werden, deren Vergebung zunächst ihm, eventuell so lange seine Besitzung in Plittersdorf in den Händen eines Mitgliedes seiner Familie verbleibe, dem Eigenthümer dieser Besitzung, demnächst aber der Gemeindevertretung zu Plittersdorf zustehen soll. Der Armen-Deputation stelle ich in Anerkennung dieser hochherzigen Zuwendung den Antrag auf Nachsuchung der landesherrlichen Genehmigung zur Annahme, welchem die Stadtverordneten-Versammlung sich anschließt, zugleich dem Herrn Geschenkgeber für die großmüthige Schenkung zur Gründung eines städtischen Asyls für arme alte Männer den Dank ausspricht und bestimmt, daß dieselbe als »Schenkung Albert Cahn für Asyl" bezeichnet werden soll, ermächtigt den Oberbürgermeister, auch bei der notariellen Schenkungs-Urkunde die Schenkung zu acceptiren. *) Herr Cahn bewohnt nämlich in P. eine Stunde von hier, ein prachtvolles Landhaus, das nach einem von ihm selbst entworfenen Plane gebaut wurde. Bonn, 16. Juni. Betreffend Bericht „Lokales" in voriger Nummer, schreibt uns Rab^ Schreiber: »Es ist unwahr, daß ich Samstag Vormittag in Wiesbaden und. Samstag Abend in Bonn war, vielmehr war ich Samstag Abend in Wiesbaden. (So, so. Die Fahrt nach Beuel wird also nicht in Abrede gestellt. Bezüglich der anderen Reisetour aber hatten wir einen Gewährsmann, dessen Aussage resp. Mittheilung wir durchaus nicht in Zweifel ziehen konnten, zumal der Betreffende der Reform nicht abgeneigt und selbst den Tempel besucht, jedoch nicht billigen mag, was Andere so gerne todtschweigen möchten. Auf einem juristischen Wege würde allerdings eine so einfache Erklärung nicht genügen und würde es schwer gefallen sein, die Beweise dafür auf den grünen Tisch zu legen, besonders da uns noch heute ebenfalls aus zuverlässiger Quelle mitgetheilt wurde, daß die Tochter des Hauses, wo Schreiber wohnt, erzählt haben soll, derselbe sei in der Nacht von Samstag auf Sonntag gegen 3 oder 3^ Uhr nach Hause gekommen. Welche Fahrgelegenheil hat er nun eigentlich von Wiesbaden aus benützt? Allerdings kömmt Morgens um 4 Uhr 36 M. ein Zug von Mainz hier an; rechnet man den Aufenthalt bis zu der ziemlich vom Bahnhofe entfernt gelegenen Wohnung des Betreffenden hinzu, so könnte er erst um 51/4 Uhr zu Hause eingetroffen sein. Mag es nun sein wie es wolle, die Hauptsache ist und bleibt, eine Fahrt wurde bestritten und die Andere als geschehen todtgeschwiegen. Weshalb nun denn überhaupt die obige Berichtigung?) Bonn. Unser erlauchtes Kaiserpaar hat im Reichs- Anzeiger eine Danksagung erlassen, bezüglich der höchst Krieg gegen Rußland. Die Finanzen Oesterreichs und Rußlands wurden fast gänzlich von ihm controllirt und man kann sich keine richtige Vorstellung davon machen, welche wichtige Rolle seit den letzten 25 Jahren der verstorbene Freiherr Lyonel de Rothschild in der Europäischen Politik im Allgemeinen gespielt hat. In einer Stunde der Noth und des Zweifels, schoß Baron Lyonel der englischen Regierung 4 Millionen Pfd. Sterl. vor, um des Khedive's Suez-Kanal-Aktien zu kaufen, ohne vorher zu wissen, ob das Parlament den Ankauf später gutheißen würde; aber er verließ sich einfach auf seine eigenen Eindrücke von der politischen Bedeutung eines solchen Geschäftes, welche ihm den Impuls zu einem solch' patriotische» Wagniß gaben. *) Uebersetzt von Hrn. Dr. Fiebermann ans dem in London erscheinenden „Jewish World". — In der Nähe von Newark im Staate Vermont sind 27 Kinder dadurch vergiftet worden, daß sie das Wasser eines am Schulhause vorüberfließenden Baches tranken, in den Thierleichen geworfen waren. Zehn der Kinder sind bereits gestorben, und für das Wiederaufkommen der übrigen hat man nur geringe Hoffnung. Wie verlautet, ist der Farmer, welcher das todte Vieh in den Bach werfen ließ, verhaftet worden.

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