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Der israelitische Bote · 1879-06-19 · 25 (19.6.1879) · p. [Seite 1]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
25 (19.6.1879)
Date
1879-06-19
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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U--M MWW AZM Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. Erscheint jeden Donnerstag. Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum in Bonn, Expedition: Petersstraße Nr. 8. Inserate: Die Petitzeile oder deren RaumO/'""f. jZahlbar hier. Inserate werden bis iDtäßrä erdeter ■■Ü v. Jahrgang. Monn, 19. Juni 1879 (5639), Mo. 25. V*K. Nbonnements-Einknäung. Bestellungen auf den „Israelitischen Boten" für das nächste Quartal werden von allen Postanftalten zum Preise von 2 Mark entgegengenommen. Neu hinzutretende Abonnenten erhalten auf Verlangen die bis 1. Juli erscheinenden Nummern, sowie das darin enthaltene Feuilleton „Der Schabbes-Hans" vollständig; gratis nachgeliefert. fjiy* Demnächst kömmt eine höchst interessante Novelle „Im Banne des Gesetzes" zum Abdrucke. Wir ersuchen unsere geehrten Leser um recht zeitige Abonnements-Erneuerung, sowie um ihre gefällige Mitwirkung immer mehr Leser zu gewinnen, denn, wird unser Leserkreis größer, können wir auch rüstig fortarbeiten. Hochachtungsvoll der Herausgeber Moritz Baum. Leitender Artikel. Was wir aus der Korach-Begebenheit lcrueu solle«. Nach dem Berichte der Thora und unserer überlieferten Lehre stammte Korach aus hoch angesehener Familie und war im Besitze eines sehr großen Reichthums und einer nicht zu unterschätzenden Gelehrsamkeit. Er war der Enkel des Kehat und als solcher dazu berufen, die Heiligthümer Israels auf seinen Schultern zu tragen, wie es also heißt: (2"1 12122) .1X2" *]i22 ai^y anipi noy o er war so reich, daß von ihm die Tradition berichtet, er habe in Aegypten, einen der unermeßlichen Schätze gehoben, welche dereinst Joseph vergraben: p221 1131222 202) X3'>31 12 X21 "1 lax ixop pni3Dj mp? iiiai3 nnx 20222 spi und er war sehr gelehrt; dies ersehen wir aus den zwar sophistischen aber gleichwohl geistvollen Argumenten, die er in seinen demagogischen Untrieben, aufstellte. Nichts destoweniger aber stürmten in seinem Innern mit orkanartigem Ungestüm alle die Leidenschaften des Hasses und der Mißgunst, der Streit- und der Herrschsucht in so hohem Grade, daß er Alles verhöhnte, was als Recht und Gesetz erkannt wurde, daß er die Erwählten der Nation der Verachtung preisgab und die gedankenlose Menge zusammenrief, um ihr in trügerischer Rede Ideale vorzuspiegeln, wo Allen im Volke gleiche Rechte und gleiches Ansehen und Wohlleben verheißen wird. Sein höchstes und einziges Ziel in dieser Action lies darauf hinaus, die Autorität Mosts und Aharons zu vernichten und dafür sich selbst auf das Schild zu erheben. In den Mitteln zu diesem Zwecke geht er systematisch zu Werke. Seine ehrgeizigen Pläne sorgfältig verhüllend, legt er den Maßstab einer schonungslosen und Alles zersetzenden Kritik an alle die bestehenden Verhältnisse und Einrichtungen und schiebt bei dieser Gelegenheit Mose die selbstsüchtigsten Motive und die despotischste Willkühr unter. Insbesondere sucht er eifrig nach Gesinnungsgenossen, die sich mit ihm in dem Bestreben vereinigen, die Leidenschaften des Volkes aufzureizen. Diese stndet er ganz nach Wunsch in den Demagogen Datan und Abiram, die im Schimpfen und Raisonniren von erprobter Leistungsfähigkeit, und noch von Mizrajim her zur Genüge bekannt waren: pl xi?X P'IX □'0231 B03 10X32) D1p2 io ("2 1"D B013) - DIOXI Die drei Verbündeten sind dann eifrig damit beschäftigt, einen Anhang unter den geachtetsten Männern zu gewinnen und es gelingt ihren glatten Ueberredungskünsten, eine ansehnliche Zahl derselben, zum größten Theile Männer aus dem Stamme Neuben 1322^ 11X1 2Hh ilX in das verbrecherische Complot zu verwickeln. Endlich wird eine allgemeine Volksrevolution in Scene gesetzt. Man geht von Familie zu Familie, von- Stamm s Stamm und hält überall feurige und schwungvolle Reden, in denen der auf SchOngründen beruhende, aber doch als unwiderleglich sich ausnehmende Nachweis geführt wird, daß Moses sich eigenmächtig zum Herrscher aufgeworfen und seinen Bruder Aharon willkürlich zum hohen Priester eingesetzt habe und daß das Gesetz ungerecht und menschenfeindlich wäre, nach welchem das Priesterthum erblich sei! i>xi2" rix i'yaa \ii rWn inx io mp "]i?n hv mm n?ii3n ii2) 2>pnD ox aii> id ixi 131121 1X1 12230 112il2 i>23 12)22) 13^12 ainy pm iiix pix? 1313 nbm Dadurch geriethe man nur in die Hände despotischer und egoistischer Gewalthaber! Man dürfe weder ein monarchisches noch ein hierarchisches Negierungssystem dulden. Die Demagogen kommen ferner auf die unerträgliche Steuerlast zu sprechen, die die Leistungskraft des Volkes bei Weitem überstiege und den materiellen Ruin desselben herbeiführen müsie. Bald sei es die Hebe, bald der Zehnte, bald wieder alles Erstgeborene und Erstgeschorene, was für die Müßiggänger der Priester- und Levitenkaste, von dem im Schweiße seines Angesichtes arbeitenden Volke entrissen wird. Solche Gesetze und Verordnungen können nicht von Gott, sondern nur von Menschen, in unserem Falle von Mose geschaffen sein! Jeder im Volke müsse gleiche Rechte und gleichen Lebensgenuß haben und dahin müsse es durch unsere Selbsthilfe gebracht werden! Der gedankenlose und in seiner „aura popularis“ so wandelbare Volkshaufe nimmt Alles, was er hier gehört für baare Münze, erblickt in Korach den einzig geeigneten Volksbeglücker und zögert daher keinen Augenblick mit der Empörung desselben gemeinschaftliche Sache zu machen, um die ihm vorgespielten Ideale zu erreichen, wie wir dies deutlich aus den Worten ersehen : iyia bix 112 hx iiyi i>2 IX mp amio i?ipi Das Volk durchschaut nicht die unbändige Herrschsucht, den unersättlichen Ehrgeiz und die unberechenbaren Motive der Demagogen und verleugnet, geblendet von dem Glanz der Reden derselben, das göttliche Gesetz und Recht, den wirklich befähigten und berufenen Führer! Es ist uneingedenk der Worte der Weisen: .1302)1 hv pini 1^x2 Ol hv pinn io „Wer sich auflehnt gegen die Träger der Lehre und der Ordnung lehnt sich zugleich gegen Gott auf"! Eine wie gefährliche Saat aber diejenige der Zwietracht und des Hasses ist, in wie vollen Aehren sie aufschießt, sehen wir daran, daß sie von den Männern in die Seelen zarter Frauen und in die Herzen unschuldiger Kinder gestreut wird, woselbst sie jegliches edlere Gefühl erstickt rmd die Mcnschenfeindschaft erzieht, wie dies also in den Worten ausgesprochen liegt: lioa hu> 1"22) 1pli?121 12)p 122 1X11 X2 1"21 li021 132) 2020 p2 xbx pD3ip pX 1212)3 aio mp bw Iipi^i22i 30 pa 122 hw •□221 DI'Oll amtwi 11121 1"2 Wir ersehen aus unserer bisherigen Schilderung, welche Mittel die Demagogie anwendet und von welchen Absichten sie erfüllt ist bei der Bearbeitung der Gemüther und wir erfahren aus dem Berichte unserer dieswöchentlichen Sidrah, von welchen schweren Folgen jene Umtriebe begleitet sind. Es sei uns nunmehr gestattet, die freundlichere Kehrseite dieses Bildes in kurzen Betracht zu ziehen! Mitten in dem Dusel fanatischen Bruderhaffes erblicken wir zur Ehre Israels und der Menschheit Männer, die trotz der Verführungskünste der Volksbeglücker unbeirrt auf dem Boden des Rechts und der gesetzlichen Ordnung feststehen und sich durch keine Rücksicht, selbst nicht einmal durch diejenige engster Familienbande bestimmen lassen, diesen Boden zu verlassen. Dies ist zwar nicht in aber doch zwischen den Zeilen zu lesen. Denn daß Korach Söhne gehabt, wissen wir aus einer anderen Stelle und doch Bonn, im Juni 1879. Aaron Lyonel v. AoMchild. Die ganze Welt hat mit den Ausdrücken des tiefsten Bedauerns die Nachricht von dem beklagenswerthen Hinscheiden des Barons Lyonel de Rothschild ausgenommen; aber unter Juden im Allgemeinen und besonders unter den britischen Juden hat die traurige Nachricht den tiefsten und herbsten Schmerz verursacht. Durch das Hinschwinden dieser allgemein bekannten und mit Allen vertrauten Persönlichkeit, verliert fast jede Genossenschaft und jeglicher Verein ein hervorragendes Mitglied; die jüdischen Gemeinden indessen beklagen einen viel schwereren Verlust — denn in ihrer Mitte weilt nicht mehr der große Wohlthäter und Glaubensgenosse, auf den sie mit gerechtem Stolz blickten, sondern sie verlieren den mächtigen Vertheidiger ihrer Rechte und Privilegien, und einen Mann, um dessen gesegnetes Andenken sich die Erinnerungen an jene kritischen Tage schaären, als die große und entscheidende Schlacht der Jüdischen Emancipation in England geschlagen und gewonnen wurde. Er war der letzte von jenen drei Söhnen des alten Nathan Meyer de Rothschild, welche so geschickt die JWrtlprS uttfp. um Snfi mögen des berühmten Hauses zu vergrößern, das letzte überlebende Glied zwischen jener Generation jüdischer Finanzmänner, welche Reichthümer sammelten und beneidenswerthe Macht erlangten trotz socialer Vorurtheile und legislatorischer Beschränkungen und der neuen Generation von glänzenden Sternen im Gemeindeleben, welche nicht weniger ausgezeichnet sind, obschon deren Vermögen glücklicherweise nicht auf stürmischen Wogen hin und hergeschäukelt wird. Der Name des Barons Lyonel de Rothschild muß und wird bei allen britischen Juden in unaussprechlich theurem Andenken bleiben, denn er war nicht nur ein gütiger, gutherziger Edelmann und äußerst freigebiger Wohlthäter, sondern er war nach der Natur einer geheiligten Tradition, die wahrhafte Personifikation jener Episode in der englischjüdischen Geschichte, in welcher die letzten Spuren englischer osficiellen Intoleranz verschwanden und in welcher nach hartem Kampfe die englischen Juden vor dem Gesetz völlige Gleichberechtigung erlangten. Lyonel de Rothschild, österreichischer Baron und bis zur Eröffnung des jetzigen Parlamentes Repräsentant der City of London 27 Jahre hindurch, wurde geboren in New-Court, St. Swithin's Lane, am 22. November 1808. Er war der älteste der drei Söhne Nathan Meyer de Rothschild — dem Gründer des Thomas Twell Buxton sagte: „Ich wünsche, daß sie Leib und Seele, Herz und Verstand — kurz Alles — dem Geschäfte weihen. Das ist der Weg zum Glück. Um ein großes Vermögen zu erwerben, ist sehr viel Kühnheit und sehr viel Vorsicht erforderlich: und wenn man es erlangt hat, so muß man noch 10 Mal mehr Verstand haben, um es zu erhalten." Daß Baron Lyonel und seine beiden Brüder, Sir Antony und Baron Meyer dieser Gesinnung den jetzigen unveränderten Glanz der großen Firma in St. Swithin's Lane ganz gewiffenhaft zuschrieben, ist das beste Zeugniß; aber denjenigen, welche näher bekannt geworden sind mit den Mitgliedern dieser berühmten Familie braucht man nicht zu sagen, daß Keiner so eifrig, so energisch und so unablässig bemüht war, die Wünsche des Vaters zu erfüllen, als der verstorbene Baron Lyonel. Jene unschätzbaren kaufmännischen Tugenden, welche Meyer Anselm Rothschild in den Stand setzten, inmitten der Armuth der Frankfurter Judengaffe, ein Vermögen von 12 Millionen Gulden zusammen ztl bringen, schienen in ihrer ganzen Ausdehnung auf den englischen Enkel übergegangen zu sein; denn bis zu seiner letzten Stunde leitete er die riesenhaften Operationen des Hauses in New-Court, trotzdem er Invalide war und einige Jahre hindurch gar nicht mchr anA AfiftpTT ftmutp........-- *— WM0

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